mini|George Lucas (2025)

George Walton Lucas Jr. (* 14. Mai 1944 in Modesto, Kalifornien) ist ein US-amerikanischer Produzent, Drehbuchautor und Regisseur. Seine erfolgreichsten Filmprojekte waren vor allem die Star-Wars-Filmreihe und die Indiana-Jones-Pentalogie. Außerdem gilt Lucas mit Unternehmen wie dem Tricktechnikstudio Industrial Light & Magic seiner ehemaligen Unternehmensgruppe Lucasfilm als Pionier beim Einsatz digitaler Kinokameras und des Qualitätsstandards THX als sehr engagierter Geschäftsmann in der Filmindustrie.

Im Jahr 2009 rangierte Lucas auf der Liste der reichsten Leute der Welt des Forbes Magazine mit einem geschätzten Vermögen von drei Milliarden US-Dollar auf Platz 205.Forbes Magazine: The World’s Billionaires 2009 Allein seine Star-Wars-Saga (Episode 1–6, inklusive der Wiederveröffentlichung von Episode 4–6 im Jahr 1997) spielte weltweit über 4,4 Milliarden US-Dollar ein (Stand: Januar 2010).numbers.com: Box Office History for Star Wars Movies

2005 schätzte das Forbes Magazine die durch Star-Wars-Merchandising über 28 Jahre erwirtschafteten Einnahmen und ermittelte eine Gesamtsumme von beinahe 20 Milliarden US-Dollar. Damit ist Star Wars finanziell gesehen das bislang erfolgreichste Filmprojekt.

Im Oktober 2012 wurde bekannt, dass Lucas seine Firmengruppe Lucasfilm für über vier Milliarden US-Dollar an die Walt Disney Company verkauft hat,ABC News: Disney to Acquire Lucasfilm for $4 Billion vom 30. Oktober 2012, abgerufen am 31. Oktober 2012 (englisch) wobei er den größten Teil des Erlöses Bildungszwecken spenden will.The Huffington Post: George Lucas Will Donate $4 Billion to Education vom 5. November 2012, abgerufen am 2. Februar 2014 (englisch)

Leben Kindheit und Jugend George Walton Lucas wurde als Sohn von Dorothy und George Lucas Senior in der Kleinstadt Modesto im Tal von San Joaquin geboren. Lucas Vater war Eigentümer einer Schreibwarenhandlung namens L. M. Morris. George Junior hatte zwei ältere und eine jüngere Schwester. Sein Vater ging damals noch davon aus, dass sein Sohn das Geschäft später erben und weiter betreiben würde. Da sich Dorothy Lucas häufig und lange im Krankenhaus aufhielt, lag die Verantwortung bei ihrem Mann. George Senior versuchte stets, die konservative Arbeitsmoral auf seine Kinder zu übertragen, und war streng und konsequent in der Erziehung.

In jungen Jahren las George Lucas Romane wie Die Schatzinsel, Robinson Crusoe, Die Abenteuer des Tom Sawyer und Die Abenteuer des Huckleberry Finn sowie Comics von Donald Duck und Superman und die Geschichten von Robin Hood. Durch sein geschichtliches Interesse vertiefte sich Lucas beispielsweise auch in Biografien von General Custer und Thomas Edison. Zu Lucas’ Lieblingssendungen im Fernsehen gehörten die Wiederholungen der Samstagvormittagsserien wie Adventure Theater, die Comicverfilmung Flash Gordon und die Science-Fiction-Serie Buck Rogers.

Die Familie Lucas zog in den späten 1950er-Jahren in ein abgelegenes Ranch-Haus um. Das Grundstück war eine fünf Hektar große Plantage von Walnussbäumen. Lucas besuchte die Thomas Downey High School und war dort ein Schüler mit mittelmäßigen Leistungen. Mit der Pubertät entwickelte Lucas ein starkes Interesse an Motorrädern, später auch an Autos. Oft verbrachte er seine Freizeit in einer Autowerkstatt und arbeitete dort an seiner getunten Autobianchi Bianchina. Mit 16 Jahren war es Lucas’ großer Traum, eine Rennfahrer-Karriere zu beginnen.

Drei Tage vor seinem Schulabschluss, am 12. Juni 1962, wurde der 18-jährige George Lucas in einen Autounfall verwickelt. Als er nachts auf dem Heimweg in die Einfahrt seines Elternhauses einbiegen wollte, versuchte sein Klassenkamerad Frank Ferreira, ihn mit 140 km/h zu überholen. Die beiden Wagen kollidierten, wobei sich Lucas’ Fiat mehrmals überschlug und gegen einen Walnussbaum prallte. Kurz vor dem Einschlag riss Lucas’ Anschnallgurt, so dass er aus dem Auto geschleudert wurde. Ferreira blieb unverletzt, während Lucas bewusstlos am Straßenrand liegen blieb.

Lucas zog sich mehrere Quetschungen der Lunge zu und brach sich einige Rippen. Er lag zwei Tage im Koma und weitere zwei Wochen auf der Intensivstation. Selbst nannte er seinen Unfall eine „Reifeprüfung“, nach der er sich gegen eine Karriere als Rennfahrer entschied.

Ausbildung

George Lucas entschied sich für das Modesto Junior College und studierte dort Anthropologie, Psychologie und Philosophie. Er interessierte sich zwar weiterhin für den Motorsport, fotografierte aber fortan nur noch die Rennwagen. Sein Vater förderte sein Interesse an Kleinbildkameras und richtete seinem Sohn eine Dunkelkammer ein. Als der Vater auch den Wunsch äußerte, seinen Laden zu übergeben, lehnte George Lucas ab und schrieb sich nach einem guten Junior-College-Abschluss an der Filmhochschule University of Southern California in Los Angeles ein.

Dank der finanziellen Unterstützung seines Vaters und einem Anruf von seinem Freund Haskell Wexler, der mit einigen Hochschullehrern befreundet war, konnte Lucas Englisch, Astronomie und Geschichte studieren. Außerdem belegte er noch zwei Filmseminare, in denen er Filmgeschichte und Animation lernte. Zu Lucas damaligen Kommilitonen zählten Walter Murch, Hal Barwood, Matthew Robbins, Willard Huyck, John Milius, Randal Kleiser, Robert Dalva, Howard G. Kazanjian, Caleb Deschanel, Charles Lippincott, Donald Glut und Basil Poledouris, die später alle als Filmschaffende bekannt wurden.Marcus Hearn: Das Kino des George Lucas. Schwarzkopf und Schwarzkopf, Berlin, 2005, ISBN 3-89602-644-5, S. 17. Die Gruppe um Lucas wurde auch „The Dirty Dozen“ oder einfach die „USC Mafia“ genannt.Kenneth Von Gunden: Flights of Fancy: The Great Fantasy Films. McFarland & Co, ISBN 978-0-7864-1214-3, S. 53.

Im Jahr 1965 wollte George Lucas Dokumentarfilmer werden. Sein Interesse an Bildmontagen und Animationen nutzte er bei seinem ersten Studentenfilm Look at Life, einer Montage schneller Bildfolgen, die zusätzlich erst von ruhigen Gitarrenklängen und später von hektischen Conga-Rhythmen begleitet wird. Sein nächster Studentenfilm trug den deutschen Titel Freiheit. Dieser Kurzfilm handelt von einem jungen Mann mit dem Wunsch nach Freiheit im geteilten Berlin.

Herbie, der dritte Studentenfilm von Lucas, bestand aus Aufnahmen von nächtlichem Straßenverkehr, der sich in der Karosserie eines Autos spiegelte. Mit dieser Art des Filmens wollte Lucas seine dokumentarischen Fähigkeiten mit einem visuellen Aspekt verbinden. Im Abspann war dann zu lesen: „Diese Augenblicke der Reflexion wurden ihnen von Paul Golding und George Lucas präsentiert.“ Lucas’ letzter Kurzfilm vor seinem Studienabschluss war gleichzeitig sein erster 16-mm-Film in Farbe, 1:42.08. Dieser Film spielte auf Lucas’ Vorlieben für Autorennen an, dabei spielt der Rennfahrer Pete Brock die Hauptrolle des angestrengten Rennfahrers, während seiner Testvorbereitungen auf einer Rennstrecke in Kalifornien.

Durch seine einfallsreichen Studentenfilme fand Lucas bei Studenten und Professoren hohes Ansehen. Dabei gibt er zu, dass er sich damals von vielen Kinofilmen vor dem Jahr 1964 inspirieren ließ, darunter auch Dr. Seltsam, oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben von Stanley Kubrick und Yeah! Yeah! Yeah! von Richard Lester. Besonders angesprochen haben ihn die Filme von Akira Kurosawa, John Ford und William Wyler.

Als Lucas im August 1966 an der University of Southern California sein Studium abschloss, wollte er seinen Militärdienst antreten und erwartete dabei, dass er nach Vietnam eingezogen werden würde. Bei der Musterungsuntersuchung stellte sich jedoch heraus, dass er an Diabetes litt und untauglich war. Anschließend nahm Lucas eine Stelle als Kameramann bei Saul Bass an. Lucas assistierte ihm bei dem Film Why Man Creates (1968), der 1969 einen Oscar in der Kategorie Bester Dokumentar-Kurzfilm gewann.

Im Januar 1967 kehrte Lucas als Assistent von Seminarleiter Gene Peterson an die University of Southern California zurück. Während dieser Zeit drehte Lucas eine frühe Version von THX 1138 unter dem Titel Electronic Labyrinth: THX 1138 4EB. Bei diesem Kurzfilm handelt es sich um einen komplexen, aber abstrakten Nachfolger von Freiheit, jedoch mit einem Happy End. Mit seinem früheren Partner von Herbie, Paul Golding, produzierte Lucas seinen nächsten Kurzfilm mit dem Titel Anyone Lived in a Pretty How Town. Dieser Fantasyfilm spielte auf das gleichnamige Gedicht von E. E. Cummings an und spiegelt dieselbe impressionistische und surreale Erzählung des Dichters wider.

Knapp einen Monat später drehte Lucas erneut einen Dokumentarfilm, der auf informative und eigenwillige Weise die Beziehung eines Discjockeys zu seinem Publikum aufklärt. Der Kurzfilm The Emperor handelt von einem Radiobetreiber und erläutert scherzhaft die Diskrepanz zwischen dessen Zuhörern und der Realität. Diesen Film drehte Lucas ohne ein Konzept, was dazu führte, dass er bei den Dreharbeiten absichtlich viel Filmmaterial aufnahm, um im Schneideraum einen Film daraus zu machen.

Im Frühjahr 1967 schlug die University of Southern California im Auftrag von Columbia Pictures zwei Freunde von Lucas für die Regieführung des Studienprojekts Mackenna’s Gold vor. Als einer von ihnen das Projekt absagte, schlug man wiederum Lucas als Nachfolger vor. Bei den Dreharbeiten war er über die sehr dekadenten Arbeitsmethoden entsetzt und verlor das Interesse an Filmen mit hohen Budgets. Er wollte weniger ins Spielfilmgeschäft einsteigen und Filmproduktionen leiten, sondern eher Kameramann bei Dokumentarfilmen werden. Die Filmarbeiten wurden am 18. Juni 1967 abgeschlossen. Lucas nahm dieses Datum zum Anlass seines nächsten Kurzfilmes, der den Titel 6.18.67 trägt. Der Film wurde aus Restmaterial von Mackenna’s Gold zusammengestellt.

Etablierung als Filmemacher

Lucas bekam ein Warner-Memorial-Stipendium, das ihm einen sechsmonatigen Aufenthalt in einer beliebigen Abteilung der Warner-Bros.-Studios anbot. Kurz vor Lucas’ Ankunft begann der Regisseur Francis Ford Coppola die Dreharbeiten zu Der goldene Regenbogen. Coppola machte 1963 seinen Abschluss auf der University of California, Los Angeles und nahm im Anschluss daran eine Stelle im Drehbuchteam von Warner Bros. Seven Arts an, zudem führte er bereits 1963 bei Dementia die Regie. Er bot Lucas, der in den Warner-Bros.-Studios nur wenig Beschäftigung fand, eine Stelle als Assistent an. Lucas wurde beauftragt mögliche Kameraeinstellungen von Coppolas Der goldene Regenbogen zu fotografieren. Bis zum Ende der Dreharbeiten waren Lucas und Coppola gute Freunde geworden. Coppolas nächstes Projekt Liebe niemals einen Fremden sollte unabhängig von Hollywood produziert werden und eher einem Studentenfilm gleichkommen. Dabei plante er eine Odyssee von New York nach Nebraska. Er überzeugte Lucas sein Assistent zu werden mit einer Absprache der Warner-Bros.-Studios, der zufolge Lucas dafür bezahlt würde, ein Drehbuch von THX 1138 zu schreiben. Somit konnte Lucas Coppola zugleich bei den Dreharbeiten zu Liebe niemals einen Fremden begleiten, und an einem THX-1138-Drehbuch arbeiten.

Coppola, der sich schon längere Zeit von Hollywoods Filmindustrie abwenden wollte, schlug Lucas vor, ein unabhängiges Studio zu gründen. Nach einer Tagung mit dem Filmemacher John Korty, der von seiner dritten Produktion in seinem eigenen Studio berichtete, beschlossen Lucas und Coppola das Studio Korty Films zu besichtigen. Coppola schaute sich noch andere unabhängige Studios an. So besichtigte er ein kleines Unternehmen namens Lanterna Films in Dänemark und bekam ein Zoetrop als Andenken an seinen Besuch geschenkt. Bald darauf bestellte er zusammen mit Lucas hochwertige Filmausrüstung und kümmerte sich um Räumlichkeiten, die er 1969 in San Francisco gefunden hatte. Seinem Studio gab er den Namen American Zoetrope.

THX 1138