mini|Taipei 101 in Taipeh/Taiwan, mit 509,2 Metern von 2004 bis 2010 das höchste Gebäude der Welt.
Als Wolkenkratzer bezeichnet man besonders hohe Hochhäuser. Üblicherweise wird die Bezeichnung ab 150 Metern Höhe verwendet, wobei diese Höhenmarke je nach Zusammenhang und Region abweichen kann.Ernst Seidl (Hrsg.): Lexikon der Bautypen. Funktionen und Formen der Architektur. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-15-010572-6.
Sie werden oft als Symbole für wirtschaftliche Macht und das Streben nach Wachstum angesehen, für ihre Erbauer und Besitzer können sie repräsentative Zwecke erfüllen. In vielen dicht bebauten Städten sind sie auch schlicht ein Ausdruck von Platzmangel und hoher Nachfrage. Der deutsche Begriff ist eine Lehnübersetzung des englischen skyscraper, das wiederum aus der Fachsprache der Seefahrer stammt, wo es den höchsten Mast eines Segelschiffs bezeichnet.
Abgrenzung In erster Linie zeichnet sich ein Gebäude dadurch aus, dass es von Menschen zum Wohnen und Arbeiten genutzt wird. Wolkenkratzer sind in der Regel bauliche Solitäre mit turmartigem Charakter und hoher städtebaulicher Eigenständigkeit. Diese Merkmale und die große Höhe machen sie zu einer Sonderform des Hochhauses – eine Bezeichnung, die allgemein für alle Gebäude mit einer Höhe von mehr als 22 Metern (Fußbodenhöhe des höchsten nutzbaren Geschosses) oder mehr als ca. 6–7 Stockwerken gilt. Dabei wird noch zusätzlich zwischen tall, super- und megatall (bis, ab 300 m und ab 600 m Höhe) unterschieden.
Nicht zu den Wolkenkratzern zählt man Sende- bzw. Fernsehtürme wie den CN Tower in Toronto oder Aussichtstürme wie den Eiffelturm, da deren wenigste Ebenen zum Wohnen oder Arbeiten genutzt werden. Solche Türme werden daher auch nicht als Gebäude, sondern als (freistehende) Bauwerke bezeichnet.
Das aktuell höchste Gebäude wie auch Bauwerk der Welt ist der Burj Khalifa (während der Bauphase Burj Dubai) in Dubai mit einer strukturellen Höhe von 828 Metern, einer Gesamthöhe von 830 Metern und 163 nutzbaren Stockwerken (mindestens 189 gesamt). Er erreichte im Januar 2009 seine Endhöhe und wurde im Januar 2010 eröffnet.
Geschichte Vorläufer Pyramiden mini|Pyramiden von Gizeh als erste Wolkenkratzer der Alten Ägypter
Die ägyptischen Pyramiden, im Speziellen die Pyramiden von Gizeh, können als erste Wolkenkratzer (ca. 2500 v. Chr.) betrachtet werden. Die höchste der drei Pyramiden, die Cheops-Pyramide, ursprünglich 146 Meter hoch, misst noch heute 137 Meter.
Das mesopotamische Gegenstück zu den Pyramiden waren die Zikkurats im heutigen Irak. Die rekonstruierte Zikkurat des Mondgottes Nanna war rund 25 Meter hoch. Die bekannteste Zikkurat ist der schon in der Bibel erwähnte Turm zu Babel, eine Zikkurat in Babylon, von der Fundamente erhalten sind.
Aus Mittelamerika sind die Pyramiden der Tolteken, Azteken und Mayas bekannt. Die Hauptpyramide von Teotihuacán im heutigen Mexiko war 63 Meter hoch. Die Hauptpyramide von Tikal im heutigen Guatemala erreichte eine Höhe von 47 Metern.
Der Nataraja-Tempel in Chidambaram im Süden Indiens wurde mit 45 Meter hohen, steil gestuften Pyramiden im 13. Jahrhundert gebaut.
Antike Hochhäuser mini|Mehrstöckige Häuser in Thira auf Santorin
Auf dem Schiffsfresko in Akrotiri auf Santorin, das eine Prozession von Schiffen auf der Fahrt von Thira nach Kreta zeigt, sind mehrstöckige Häuser zu sehen, die auch bei den Ausgrabungen in Akrotiri nachgewiesen wurden.
Im Römischen Reich gab es zumindest in Rom und seinem Hafen Ostia vier- bis fünfstöckige Hochhäuser, lateinisch insulae genannt. Papyri aus Oxyrhynchus weisen auf siebenstöckige Hochhäuser um 300 n. Chr. in Hermopolis Magna im heutigen Ägypten hin.Papyrus Oxyrhynchus 2719, in: Katja Lembke, Cäcilia Fluck, Günter Vittmann: Ägyptens späte Blüte. Die Römer am Nil. Mainz 2004, ISBN 3-8053-3276-9, Seite 29.
Mittelalterliche Wohntürme mini|Bologna im 13. Jahrhundert, rekonstruierte Stadtansicht von Angelo Finelli (1917)
Im Mittelalter gab es in vielen italienischen Städten Wohntürme, die von einflussreichen städtischen Familien aus Prestigegründen in die Höhe gebaut wurden (Geschlechterturm). Besonders bekannt sind die Türme von Bologna aus dem 12. und 13. Jahrhundert, von denen noch knapp 20 erhalten sind. Mehrere der erhaltenen Türme sind um die 60 Meter hoch, der Turm Asinelli hat sogar eine Höhe von 97 Metern.
Die Stadt San Gimignano in der Toskana weist noch eine mittelalterliche Stadtansicht mit einigen Wohntürmen auf. Von den einst 72 Geschlechtertürmen existieren heute noch 15. Die beiden höchsten, der Torre Grossa aus dem Jahr 1311 und der Torre della Rognosa, weisen eine Höhe von 54 bzw. 51 Metern auf.
Sechs- bis siebenstöckige Wohnhäuser aus dem 16. Jahrhundert sind auch aus der Stadt Schibam im Hadramaut in Jemen bekannt.Old Walled City of Shibam
19. Jahrhundert mini|Das erste Hochhaus der Welt war das Home Insurance Building, Chicago mit zehn Etagen
Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts taten sich die US-amerikanischen Großstädte mit dem Bau immer höherer Gebäude hervor, besonders Chicago – das als Geburtsstätte der Wolkenkratzer gilt – und New York.
1871 kam es zum Großen Brand von Chicago, der 17.450 Gebäude im Herzen des Geschäftsviertels der Stadt vernichtete. Innerhalb von sechs Wochen begannen die Bauarbeiten an 300 neuen Gebäuden, was der Architektur ganz neue Horizonte eröffnete. Zwischen 1880 und 1890 verdoppelte sich die Einwohnerzahl von Chicago auf über eine Million, was zu einer Explosion der Grundstückspreise in der Innenstadt führte. Kostete ein Quadratmeter im Jahr 1880 noch 130 US-Dollar, versiebenfachte er sich bis zum Jahr 1890 fast bis auf 900 US-Dollar.
Um rentabel zu wirtschaften, begannen Grundstückseigner, ihre Grundstücksflächen maximal zu nutzen – was bedeutete, höher zu bauen. Dank neuer Erfindungen wie elektrischer Aufzugsanlagen, feuerfesterer Baustoffe, aber vor allem durch die Entwicklung des Skelettbaus und Stahlskelettbaus im Gebäudebau wurde dies möglich. Am 22. Mai 1888 erhielt der Architekt Leroy S. Buffington aus Minneapolis das US-Patent (Nummer 383.170) auf eine Bauweise für Stahlbaukonstruktionen. Das Home Insurance Building von 1885 (1931 abgerissen) war das erste Bauwerk, das die neuen technischen Errungenschaften vereinte, und gilt mit seinen zehn Etagen als das erste Hochhaus der Welt. Das 1889 von Dankmar Adler und Louis Sullivan errichtete Auditorium Building wies zudem – neben seiner fast perfekten Akustik – als Neuheit eine Klimaanlage auf. Rund um die ersten Stahlskelettbauten in Chicago entstand eine Gruppe von Architekten, William Le Baron Jenney, Louis Sullivan, Daniel Burnham, William Holabird und Martin Roche, die man heute als die Chicagoer Schule bezeichnet. Diese Gruppe prägte die Wirtschaftsarchitektur Chicagos bzw. des Ostens der USA maßgeblich.
Zwischen 1890 und 1894 wurde das Reliance Building erbaut, welches als Vorläufer der gläsernen Vorhangwandkonstruktion gilt, die später den „internationalen Stil“ bestimmen sollte. Es gilt als Meisterwerk der Chicagoer Schule.
1892 stieg New York City erstmals in den Wettlauf um das höchste Gebäude ein. Das New York World Building, auch Pulitzer Building genannt, wurde jedoch noch im gleichen Jahr vom 22-stöckigen Chicagoer Masonic and Women’s Temple wieder überholt. Allerdings ist das World Building einschließlich der Antenne rund zwei Meter höher gewesen als der Masonic Temple, wodurch der Höhenrekord fragwürdig war. Für einige war das World Building das höchste Gebäude, für andere der Masonic Temple. Beide Gebäude wurden im Laufe der Zeit abgerissen.
1894 übertraf das Manhattan Life Building mit 106 Metern erstmals die 100-Metermarke. 1899 wurde in New York das Park Row Building fertiggestellt, welches mit einer Höhe von 119 Metern bis 1908 das höchste Gebäude der Welt war. Entgegen vielfach anderer Behauptungen war das weltberühmte 87 Meter hohe Fuller Building (oder Flatiron Building) niemals das höchste Gebäude der Welt.
Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts mini|Mit 187 Metern war das Singer Building 1908 nicht nur das höchste seiner Zeit, sondern auch das bis 2021 höchste zugunsten eines Neubaus abgerissene Gebäude. mini|Das Woolworth Building, höchstes Gebäude der Welt von 1913 bis 1930
Das Rathaus von Philadelphia (Philadelphia City Hall) ist eigentlich kein Hochhaus, der Rathausturm wird deshalb meistens auch als Turm und nicht als Hochhaus angesehen. Dennoch war es von 1901 bis 1908 mit 167 Metern höher als das offiziell höchste Hochhaus, das 119 Meter hohe Park Row Building.
Der erste Wolkenkratzer mit einer Höhe von über 150 Metern wurde 1908 in New York fertiggestellt: das Singer Building mit einer Höhe von 187 Metern und einer äußerst kunstvollen, bunten und palastartigen Fassade. Das Singer Building wurde trotz seiner historischen Bedeutung 1968 abgerissen, um Platz für den One Liberty Plaza, auch bekannt als U.S. Steel Building, zu schaffen. Bis zum Abriss des JP Morgan World Headquarters im Jahre 2020 war das Singer Building das höchste jemals kontrolliert abgerissene Gebäude der Welt.
1909 wurde ebenfalls in New York der 213 Meter hohe Metropolitan Life Tower (Met Life Tower) errichtet. Auch die nächsten Wolkenkratzer, die zur Zeit ihrer Erbauung die höchsten der Welt waren, wurden in New York erbaut: 241 Meter hoch und deutlich massiger als alle Vorgänger ist das 1913 erbaute Woolworth Building, das wegen seiner Form, seines Aussehens und seiner Funktion den Spitznamen „Kathedrale des Kommerzes“ erhielt.
Das 1915 gebaute Equitable Building läutete zwangsweise einen neuen Baustil ein: Aufgrund der massiven Bauweise nahm es den vielen kleineren Gebäuden der Umgebung das Sonnenlicht. Nach der 1916 festgelegten Zoning Resolution für New York City mussten Gebäude nach oben hin dünner werden. Obwohl dieses Gesetz nur in New York galt, wurde dieser Baustil auch in anderen Städten angewandt, auch wenn es dort keine Vorschrift war.
1924 floss mit dem American Radiator Building erstmals der Stil des Art déco in die Architektur der Hochhäuser ein, welcher besonders in New York bis heute einen maßgebenden Einfluss auf das Stadtbild hat. Ungefähr zur selben Zeit, mit etwa zwei Jahre längerer Bauzeit, entstand ebenfalls in New York das Barclay-Vesey Building. Das Barclay-Vesey Building gilt als das erste begonnene und das American Radiator Building als das erste fertiggestellte Hochhaus im Art-déco-Stil.
Im Jahr 1929 kam es in New York zu einem interessanten Wettlauf um das höchste Gebäude. In Downtown wurde der Turm der Bank of Manhattan, heute als 40 Wall Street bekannt, in Midtown das Chrysler Building gebaut. Für eine kurze Zeit glaubten die Erbauer von 40 Wall Street mit 283 Metern den Wettlauf gewonnen zu haben, jedoch ließ William Van Alen, der Architekt des Chrysler Building, die Spitze im Gebäudeinneren verborgen montieren und am 23. Oktober 1929 in ihre endgültige Position versetzen. Damit war schlussendlich das Chrysler Building mit 319 Metern deutlich höher und übertraf auch erstmals die 300-Meter-Marke. Das Chrysler Building genießt bis heute eine gewisse Reputation als „schönster Wolkenkratzer aller Zeiten“, welche insbesondere auf seiner eleganten, geschwungenen Dachkonstruktion beruht.
Schon 1931 folgte das Empire State Building mit einer Höhe von 381 Metern (mit der im Jahr 1950 aufgesetzten Antenne 449 Meter, nach Antennentausch im Jahr 1984 noch 443 Meter), berühmt geworden durch den Kinofilm King Kong und die weiße Frau. Das Empire State Building blieb bis zum Jahr 1972 das höchste Gebäude der Erde. Damit konnte es von allen Hochhausbauten den Weltrekord am längsten halten. Dies war einerseits auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen, andererseits waren mit dem klassischen Stahlrahmen allmählich die technischen Möglichkeiten ausgeschöpft.