Die Stadt Kempen (Kempsch Platt Kempe) liegt am Niederrhein im Westen Nordrhein-Westfalens. Sie ist eine Mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Viersen im Regierungsbezirk Düsseldorf und gehört zur Metropolregion Rhein-Ruhr. Kempen ist im Landesentwicklungsplan NRW als Mittelzentrum ausgewiesen.

Geographie Naturraum Kempen liegt auf einer flachen Mittelterrasse, der sogenannten Kempener Platte, mitten in der Niederrheinebene. Die Terrasse ist mit einer dicken Lössschicht bedeckt, die die landwirtschaftliche Nutzung des Bodens begünstigt. Die höchste Erhebung im Stadtgebiet ist mit der Wartsberg auf dem Niederrheinischen Höhenzug, eine eiszeitliche Moräne nahe dem hügeligen Stadtteil Tönisberg; tiefster Punkt im Stadtgebiet ist mit das Gebiet des Baches Schwarze Rahm in der Niederung der Niers.

Stadtgliederung Zu der Stadt Kempen gehören die Stadtteile (Einwohnerzahlen: Stand Oktober 2023): Kernstadt Kempen (22.002 Einwohner) Schmalbroich (1.850 Einwohner), 1970 nach Kempen eingemeindet mit den Siedlungsbereichen Wall, Klixdorf und Ziegelheide; St. Hubert (7.873 Einwohner), etwa 2 km nordöstlich von Kempen entfernt. Tönisberg (3.252 Einwohner), leicht erhöht im äußersten Nordosten des Stadtgebiets gelegen.

Bevölkerungsstruktur + Bevölkerungsstruktur am 31. Dezember 2024 nach Altersgruppen (IT.NRW) www.it.nrw.de Abgerufen am 31. Mai 2013 Altersgruppe Stadt Kempen Alle Gemeinden des Kreises Reg.-Bez. Landes gleichen Typs² Anzahl Anteil in % Bevölkerung insgesamtdavon im Alter von ... Jahren 34.105 100 100 100 100 100 unter 6 1.708 5,0 5,2 5,5 5,5 5,5 6 bis unter 18 3.746 11,0 11,2 11,4 11,5 11,6 18 bis unter 25 2.013 5,9 6,3 7,0 7,4 6,8 25 bis unter 30 1.644 4,8 5,1 6,0 6,2 5,3 30 bis unter 40 3.844 11,3 12,2 13,5 13,2 12,3 40 bis unter 50 3.750 11,0 11,8 12,3 12,2 12,0 50 bis unter 60 5.272 15,5 15,5 14,4 14,4 14,9 60 bis unter 65 3.178 9,3 8,8 7,7 7,7 8,3 65 und mehr 8.950 26,2 23,9 22,2 22,0 23,2 18 bis unter 65 19.701 57,8 59,8 60,9 61,0 59,6 Weiblich 17.728 52,0 51,0 51,0 50,8 50,7 Nichtdeutsche¹ 3.016 8,8 12,4 18,5 15,8 12,6 ¹ Die Gliederung „deutsch/nichtdeutsch“ ist durch die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts vom Juli 1999 ab dem Berichtsjahr 2000 beeinflusst. ² Kleine Mittelstadt: Ober- oder Mittelzentrum mit unter 50.000 Einwohnern.

In Kempen wurden 2023 insgesamt 13.696 katholische Kirchenmitglieder gezählt, im Vorjahr waren es noch 14.117.

Nachbarstädte Kempen grenzt im Norden an die Gemeinden Wachtendonk, Kerken und Rheurdt im Kreis Kleve sowie an die Stadt Neukirchen-Vluyn im Kreis Wesel. Im Osten liegt die kreisfreie Stadt Krefeld. Im Süden und Westen der Stadt liegen die ebenfalls zum Kreis Viersen gehörende Stadt Tönisvorst und die Gemeinde Grefrath.

Geschichte mini|Kempen, Alte Schulstraße Das Gebiet der Stadt Kempen wurde bereits um 890 in den Heberegistern der Benediktinerabtei Werden als „Campunni“ erwähnt. Ab der Jahrtausendwende entstand rund um einen Herrenhof des Kölner Erzbischofs eine bäuerliche Siedlung. Die älteste erhaltene Urkunde trägt die Jahreszahl 1186.

Im 13. Jahrhundert wurde Kempen zur Stadt.: Der Stadtwerdungsprozess [...] kam 1294 durch zwei Urkunden des Kölner Erzbischofs Siegfried von Westerburg zu einem gewissen Abschluss. Im Jahr 1372 wurde Kempen das wirtschaftlich bedeutende Marktrecht verliehen. Von 1396 bis 1400 wurde die kurkölnische Burg errichtet. Die Stadt erlebte im Spätmittelalter eine wirtschaftliche Blütezeit, etwa 2000 Einwohner lebten in der Stadt. In dieser Zeit lebte auch der berühmteste Sohn der Stadt, der Mystiker Thomas von Kempen (ca. 1380–1471). In der Reformationszeit gab es in Kempen auch eine Täufergemeinde.

Mit dem 16. Jahrhundert begann der allmähliche Niedergang Kempens. 1579 erreichte die Pest die Stadt; fast die Hälfte der Einwohner starb. Im Dreißigjährigen Krieg, nach der Schlacht auf der Kempener Heide, wurde Kempen 1642 durch hessische Truppen belagert, eingenommen und besetzt. 1794 wurde das Linke Rheinufer, damit auch Kempen, durch Französische Revolutionstruppen annektiert. Kempen wurde 1798 Hauptort (chef-lieu) des 'Canton Kempen' im Département de la Roer und bildete eine Mairie nach französischem Vorbild, zu der auch die westlich der Stadt gelegene alte Honnschaft Schmalbroich gehörte.

Auf dem Wiener Kongress wurden wesentliche Teile des Rheinlands dem Königreich Preußen zugesprochen. Aus der Mairie Kempen der Franzosenzeit wurde die preußische Bürgermeisterei Kempen. Kempen wurde 1816 Kreissitz des Kreises Kempen und gelangte wieder zu wirtschaftlicher Bedeutung, unter anderem durch die Anbindung an die Bahnlinie Krefeld–Kleve.

Am 7. Februar 1859 erhielt die Stadt Kempen die Rheinische Städteordnung. Die Bürgermeisterei wurde dadurch aufgespalten in eine Stadtbürgermeisterei für die Stadt Kempen und die Landbürgermeisterei Schmalbroich für die Gemeinde Schmalbroich.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Stadt von belgischen Truppen besetzt. 1929 wurde im Rahmen der kommunalen Neugliederung des rheinisch-westfälischen Industriegebiets der Kreis Kempen in den Kreis Kempen-Krefeld umstrukturiert, Kempen blieb Kreissitz.

1933 begann auch in Kempen die NS-Zeit. In der Reichspogromnacht wurde die Synagoge in der Umstraße in Brand gesetzt. Am 10. Dezember 1941 wurden 124 Juden aus dem Kreisgebiet in Kempen in Güterwaggons verbracht und in das Ghetto Riga im deutsch besetzten Lettland deportiert. In den Kriegsjahren 1943 bis 1945 erlitt Kempen mehrere Bombenangriffe, z. B. am 2./3. Oktober 1942, am 21./22. Juni 1943 und am 8. November 1944. Ziel war unter anderem der Bahnhof bzw. die Bahngleise des Eisenbahnknotenpunktes. Am 10. Februar 1945 starben bei einem Luftangriff von A-26-Bombern 90 Menschen. Am 2. März 1945 warfen Flugzeuge einige Bomben ins Zentrum. Am Morgen des 3. März rückten US-Truppen in Kempen ein.

Von 1966 an wurde die historische Altstadt umfassend saniert. Durch die Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen kamen am 1. Januar 1970 die bis dahin selbständigen Gemeinden Schmalbroich, St. Hubert und Tönisberg zu Kempen. Von 1970 bis 1974 gehörte auch der heutige Krefelder Stadtteil Hüls zu Kempen. Dessen Umgliederung nach Krefeld wurde vom Bundesverfassungsgericht bestätigt.

Mit der Kreisreform verlor Kempen am 1. Januar 1975 nach mehr als 150 Jahren den Kreissitz an Viersen. Im Jahr 1994 feierte Kempen sein 700-jähriges Stadtjubiläum.

Im Stadtteil Tönisberg steht der 1959 abgeteufte Schacht 4 der ehemaligen Zeche Niederberg. Er diente zuletzt als Bewetterungs- und Materialschacht.Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: Die alten Zechen an der Ruhr. Vergangenheit und Zukunft einer Schlüsseltechnologie. Mit einem Katalog der „Lebensgeschichten“ von 477 Zechen (Reihe Die Blauen Bücher). Verlag Langewiesche Nachfolger, Königstein im Taunus, 6., erweiterte und aktualisierte Aufl. 2008, ISBN 978-3-7845-6994-9, S. 283. Der Zechenturm sollte zunächst abgerissen werden. Seit 2015 steht er unter Denkmalschutz; das Fördergerüst ist das letzte in Kastenbauweise ausgeführte Gerüst, das in Nordrhein-Westfalen noch besteht. Das 2002 eröffnete Antragsverfahren hierzu war umstritten, da die Stadt selbst sich nicht als Bergbaustadt sieht, weil in Tönisberg nie Kohle gefördert worden war, .

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Das Kuhtor, einziges noch erhaltenes Stadttor mini|hochkant|Kempen, Propsteikirche mini|hochkant|Bockwindmühle in Tönisberg

Die von 1396 bis 1400 auf Betreiben des Kölner Erzbischofs Friedrich III. von Saarwerden errichtete kurkölnische Landesburg (Umwandlung zum Schloss durch Einbau großer Fenster 1634) ist mit ihren drei Türmen in einem Park mit hohen, alten Edelkastanienbäumen eines der Wahrzeichen der Stadt. Die Burg beherbergte unter anderem 38 Jahre lang (1984–2022) das Kreis- und Stadtarchiv und ist innen nicht touristisch begehbar.

Den Kern der erst in den letzten Jahrzehnten erheblich erweiterten Stadt bildet die konzentrische historische Altstadt, die früher von einem noch größtenteils erhaltenen Wall und Graben umschlossen wurde. Heutige Straßenbezeichnungen mit den Endungen „-wall“ bzw. „-graben“ deuten auf diese Vergangenheit hin. Nach einer grundlegenden Neuorientierung in den 1970er Jahren gilt Kempen als gelungenes Beispiel einer Altstadtsanierung. Seitdem sind die Gassen mit ihren zum Teil sehr schönen alten Bürger- und Fachwerkhäusern weitgehend als Fußgängerzone ausgewiesen und laden zum stimmungsvollen Bummeln ein. Insbesondere der Buttermarkt, der alte Marktplatz der Stadt, reizt zum Verweilen in den Straßencafés. Die Skulptur „Kappesbauern“Kappes ist der rheinische Ausdruck für Weißkohl. gilt als Meisterwerk.

Kirchen 2026 fiel die Entscheidung, dass zwei von drei katholischen Kirchen in Kempen geschlossen werden, nur die Propsteikirche St. Marien bleibt erhalten. Die Zahl der Gottesdienstbesucher in ganz Kempen hat sich von 2.400 pro Woche im Jahr 2000 auf aktuell 200 bis 300 pro Woche reduziert. Und auch die Zahl der Priester und Laien, die Gottesdienste leiten, wird immer geringer. Dadurch wird es immer schwieriger, eine Vielzahl von Gottesdiensten anbieten zu können.

Die Propsteikirche St. Marien bewahrt bedeutende historische Schnitzarbeiten, drei Antwerpener Retabel und Gemälde. Das ehemalige Franziskanerkloster Kempen, ursprünglich 1627 bis 1630 errichtet, in seiner heutigen äußeren Form 1746 bis 1748, diente nach der Vertreibung der Minderbrüder 1802 als Lazarett, Lehrerseminar, Gymnasium, Finanzamt und Kreisverwaltung. Heute sind darin das städtische Kramer-Museum, die Stadtbibliothek und das Thomas-Archiv untergebracht. Es ist mit der angrenzenden Paterskirche (fertiggestellt 1640), der größten Saalkirche am Niederrhein, verbunden. Seit 1979 wird sie als Museum für niederrheinische Sakralkunst und vor allem als Konzertstätte genutzt.

Die an den Buttermarkt angrenzende Heilig-Geist-Kapelle (erbaut 1421 für ein Hospital) wurde, nachdem sie zur Zeit des Nationalsozialismus als Hotel „Kempener Hof“ genutzt wurde, noch als Friseursalon, städtische Bücherei und zuletzt christliche Buchhandlung umfunktioniert. Heute befindet sie sich im Besitz der katholischen Kirchengemeinde und dient als stiller, religiöser Ort.

Siehe auch: Liste von Sakralbauten in Kempen

Weiteres Die Turmmühle (erbaut 1481) ist Teil der Stadtmauer und wurde bei ihrer Restaurierung wieder mit Windmühlenflügeln versehen. Das Kuhtor, erbaut um 1350, bildet den Zugang zur Altstadt von Norden her. Von der südlichen Stadtbefestigung ist der Peterturm (errichtet Ende des 15. Jahrh.), ein Teil des früheren stark gesicherten Petertores, erhalten.

Sehenswert in den anderen Stadtteilen sind vor allem der Berfes, ein bäuerlicher Fachwerk-Wehrturm in St. Hubert, die Bockwindmühle in Tönisberg und die Rittersitze Haus Velde und Haus Steinfunder in Schmalbroich. Unmittelbar südlich der Stadt befindet sich die romanische Kapelle St. Peter.

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Kempen

Regelmäßige Veranstaltungen St.-Martins-Zug