mini|Die Kaaba, Dezember 2020 mini|Kaaba im Gebäudeensemble während des Haddsch 2008 mini|Schematische Darstellung: Schwarzer Stein (1), Eingangstür (2), Regenrinne (3), Sockelvorsprung (4), Marmormauer (Hatīm) (5), Multazam (6), Abrahamstätte (Maqām Ibrāhīm) (7), Schwarze Ecke (8), Jemenitische Ecke (9), Syrische Ecke (10), Irakische Ecke (11).

Die Kaaba (auch Kaʿba, ; auch ) ist ein quaderförmiges Gebäude im Innenhof der al-Harām-Moschee in Mekka und bildet als „Haus Gottes“ () das zentrale Heiligtum des Islams.

Beschreibung des Gebäudes Überblick mini|Technische Zeichnung der Kaaba mit dem Hatīm Die Kaaba ist 13,10 m hoch und hat eine Grundfläche von 11,03 m × 12,62 m. Sie steht auf einem 25 cm hohen Marmorsockel, der um 30 cm hervorspringt.Vgl. Rubin 1990, 85 ff. und Rubin 1986.

Im Osten befindet sich die schwarze Ecke (ar-rukn al-aswad), benannt nach dem Schwarzen Stein, der hier auf ca. 1,5 m Höhe angebracht ist. Von hier aus beginnt das Umrunden als einer der obligatorischen Riten der Wallfahrt.

Im Norden der Kaaba liegt die irakische Ecke (ar-rukn al-ʿirāqī), im Westen liegt die levantinische Ecke (ar-rukn aš-šāmī), im Süden die jemenitische (südliche) Ecke (ar-rukn al-yamānī).

An der Nord-Ost-Wand befindet sich zur Schwarzen Ecke hin auf 2 m Höhe der Eingang zum Inneren der Kaaba. Er wird durch eine Holztreppe auf Rädern erreicht, die gewöhnlich zwischen dem bogenförmigen Banū-Schaiba-Tor und dem Zamzam-Brunnen gelagert wird.

Das Innere der Kaaba ist verschlossen. Nur zweimal im Jahr wird das Gebäude für ein Reinigungsritual geöffnet.Informationen zum Inneren Im Inneren der Kaaba befinden sich drei Säulen, welche die Decke stützen, und ein kleiner Raum, der als „Buße-Raum“ bezeichnet wird. Die Innenwände sind bis zur halben Höhe mit Marmor verkleidet, der mit Duftöl parfümiert wird. Tafeln mit Koraninschriften sind im Marmor eingelassen. Der obere Teil der Wände ist mit einem grünen Tuch bedeckt, das wiederum mit Koranversen in Goldstickereien verziert ist.Madain Project: Interior of the Kaaba, 2022 (englisch, abgerufen am 22. Januar 2024)

mini|Kaaba mit Umhang 2010 Die Außenwände der Kaaba werden von einem schwarzen Brokatvorhang bedeckt, der Kiswa genannt wird, und der in ⅔ Höhe mit goldbestickter Kalligraphie koranischer Verse verziert ist. Der Brokatvorhang wird jährlich erneuert.

Außerhalb der Kaaba, gegenüber der Nord-Ost-Wand, liegt die Abrahamstätte (Maqām Ibrāhīm). Es handelt sich dabei um einen Felsen, den der auch im Tanach und im Alten Testament genannte legendäre Stammvater Abraham bestiegen haben soll, um Teile des Gebäudes zu vervollständigen. Dieser Felsen wird heute von einem goldfarbenen sechsseitigen Gitterschrein umfasst.Zur Abrahamstätte

Gegenüber der Nordwestwand befindet sich eine halbkreisförmige weiße Marmormauer, die Hatīm genannt wird. Sie ist 90 cm hoch und 1,50 m breit. Der Raum zwischen Hatīm und Kaaba, der als Hidschr bezeichnet wird, gilt als Teil der Kaaba und wird während des Tawāf, der rituellen Umrundung, nicht betreten. Hier sollen die Gräber Ismails und seiner Mutter Hagar liegen. In den Hidschr ergießt sich die Regenrinne, mīzāb, der Kaaba.

Mit der Kaaba verbundene Riten Die große Bedeutung der Kaaba liegt darin, dass sie sowohl das Ziel der großen Wallfahrt (Haddsch) ist, die jeder Muslim einmal in seinem Leben unternehmen soll, sofern er dazu in der Lage ist,The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Bd. 3, S. 31: „It is a duty obligatory on every Muslim man or woman who has reached the age of puberty and is of sound mind to perform the ḥadjdj once in his or her life provided that they have the means to do so.“ Zu dieser Bestimmung siehe auch Sure 3, Vers 97 (nach Paret): „Und die Menschen sind Gott gegenüber verpflichtet, die Wallfahrt nach dem Haus zu machen – soweit sie dazu eine Möglichkeit finden.“ als auch der kleinen Wallfahrt (Umra). Im Rahmen ihres Wallfahrtsaufenthaltes in Mekka umrunden die Pilger siebenmal gegen den Uhrzeigersinn die Kaaba und preisen dabei Allah; diese Umrundung wird Tawāf () genannt.

Daneben steht die Kaaba im Zentrum des islamischen Gebetsritus, denn bei jedem Gebet müssen sich die Muslime nach der Kaaba ausrichten. Die Richtung zur Kaaba, die Qibla, ist in Moscheen üblicherweise durch den Mihrāb hervorgehoben. Allerdings reicht es für die meisten Muslime, sich beim Gebet nur ungefähr nach der Kaaba auszurichten. Ein Hadith, der von ʿAbdallāh ibn ʿAbbās überliefert wird, besagt, dass „das Haus“, also die Kaaba, die Qibla für die Leute ist, die sich in der Heiligen Moschee aufhalten, die Heilige Moschee die Qibla für die Leute ist, die sich im Haram von Mekka aufhalten, und der Haram von Mekka die Qibla für die übrigen Erdenbewohner im Osten und Westen aus der islamischen Umma ist.al-Baihaqī: Kitāb as-Sunan al-kubrā. Ed. Muḥammad ʿAbd al-Qādir ʿAṭā. Dār al-Kutub al-ʿilmīya, Beirut, 2003. Bd. II, S. 16. Digitalisat

Auch das einfache Betrachten der Kaaba (an-naẓr ilā l-Kaʿba) gilt als gottesdienstliche Übung (ʿibāda).Vgl. al-Azraqī: Kitāb Aḫbār Makka. Ed. F. Wüstenfeld, Leipzig 1859, S. 255 f.

Jährliche Reinigungszeremonie Das Innere der Kaaba ist verschlossen und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Das Gebäude wird zweimal jährlich für eine Zeremonie geöffnet, die als Reinigung der Kaaba bekannt ist. Diese Zeremonie erfolgt 15 Tage vor dem Beginn des Ramadans und vor dem Beginn der jährlichen Pilgerreise. Die Schlüssel der Kaaba bewahren Angehörige der auf. Stammesangehörige begrüßen Besucher während der Reinigungszeremonie. Eine kleine Anzahl an Würdenträgern und Diplomaten wird eingeladen, an der Zeremonie teilzunehmen. Hierbei wird der Raum mit Besen gereinigt und mit einer Mischung aus Zamzam- und Rosenwasser gewaschen.

Geschichte Vorislamische Zeit mini|Mohammed beim Anbringen des Schwarzen Steines, aus einer Buchillustration des Dschami at-tawarich (1315) In vorislamischer Zeit wurde die Kaaba von arabischen Stämmen als Heiligtum des Gottes Hubal verehrt. Zum vorislamischen Kaaba-Kult gehörte, neben der Verehrung von Allah, die Verehrung der Göttinnen al-Lāt, Manat und Uzza. Schon in vorislamischer Zeit gab es ein spezielles Priesteramt, das mit der Kaaba verbunden war und hidschāba genannt wurde. Die Inhaber dieses Amtes verwahrten die Schlüssel der Kaaba. Erster Inhaber dieses Amtes soll Qusaiy ibn Kilāb, der eigentliche Gründer des Stammes der Quraisch, gewesen sein. Nach seinem Tod wurde dieses Amt an die Nachkommen seines ältesten Sohnes ʿAbd ad-Dār vererbt.Vgl. Ferdinand Wüstenfeld: Chroniken der Stadt Mekka. Vierter Band. Leipzig 1861. S. 31. (archive.org).

Die Kaaba war nicht der einzige quaderförmige Schrein in vorislamischer Zeit auf der arabischen Halbinsel; vielmehr existierten mehrere Gebäude dieser Art, unter anderem in Buss, Nadschran, und Sanaa (Ṣanʿāʾ), die im selben Maßstab wie die mekkanische Kaaba erbaut wurden. Dies sei, so berichten islamische Quellen, wohl einer direkten Rivalität geschuldet, viele dieser Quellen sprechen davon, dass es der südarabische Herrscher Abraha war, der beabsichtigte, seine Kirche in Ṣanʿāʾ in direkter Konkurrenz zur Kaaba in Mekka aufzubauen, was schließlich zu einem Angriff auf die Stadt führte.Munt et al. “Kaʿba”, in: Encyclopaedia of Islam, THREE, Edited by: Kate Fleet, Gudrun Krämer, Denis Matringe, John Nawas, Everett Rowson. Abgerufen am 19. November 2022 online.

Früher Islam Im frühen 7. Jahrhundert wurde die Kaaba durch einen Brand zerstört. Der junge Mohammed soll am Wiederaufbau beteiligt gewesen sein: Als die verschiedenen Clans der Quraisch darüber stritten, wer den Schwarzen Stein anbringen dürfe, schlichtete er den Streit mit dem Vorschlag, dass der Schwarze Stein auf ein Tuch gelegt werden solle, das von Angehörigen aller Clans gehalten wurde. Er selbst brachte dann den Schwarzen Stein an.

mini|hochkant|Mohammed beim Gebet vor der Kaaba (türkische Buchmalerei aus dem Siyer-i Nebi, 16. Jahrhundert) Nach der Einnahme Mekkas im Januar 630 bestätigte Mohammed die Nachkommen ʿAbd ad-Dārs aus der Familie der Abū Talha in ihrem Amt als Pförtner der Kaaba. Er ließ sich von ʿUthmān ibn Talha, einem Angehörigen der Abū-Talha-Familie, der zu dieser Zeit das Pförtneramt versah, den Schlüssel der Kaaba bringen, betrat die Kaaba und gab ihm anschließend den Schlüssel zurück. Hierbei soll er folgende Worte gesprochen haben: „Nehmt ihn, ihr Söhne Abū Talhas, als anvertrautes Gut Gottes. Geht damit bis in alle Ewigkeit in geziemender Weise um. Nur ein Gewalttäter wird ihn euren Händen entreißen.“Zit. nach al-Azraqī: Aḫbār Makkata wa-mā ǧāʾa fī-hā min al-āṯār. Ed. Wüstenfeld. Leipzig 1858. S. 67. Hier online einsehbar: archive.org Vgl. die deutsche Zusammenfassung bei Wüstenfeld § 109. Seit 632 ist die Kaaba ein rein islamisches Heiligtum.

Der Kaaba-Umbau des ʿAbdallāh ibn az-Zubair Schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde die Kaaba 683 bei den Auseinandersetzungen zwischen dem umayyadischen Kalifen Yazid I. und ʿAbdallāh ibn az-Zubair. Der Heerführer Husain ibn Numair, der im Auftrag Yazīds die Stadt belagerte, ließ sie von den umgebenden Bergen aus mit Wurfmaschinen beschießen. Dabei gerieten am 31. Oktober 683 die Umhänge der Kaaba in Brand, die Flammen griffen auf das Holzwerk über, und das Gebäude brach zusammen. Abdallāh ibn az-Zubair ließ die Kaaba daraufhin vollständig abreißen, um sie neu errichten zu können. Dieser Entschluss wurde von vielen Prophetengefährten, unter anderem ʿAbdallāh ibn ʿAbbās, kritisiert. Da ʿAbdallāh ibn az-Zubair an seinem Entschluss festhielt, zog ein großer Teil der Einwohner der Stadt nach Minā, weil sie fürchteten, dass der Abbruch des Gebäudes Gottes Strafe über sie bringen könnte. Weil sich niemand fand, der den Anfang zu machen wagte, musste ʿAbdallāh ibn az-Zubair selbst auf die Mauer steigen und die Steine herunterwerfen. Erst als erkennbar war, dass ihm nichts passierte, kehrten die Mekkaner in ihre Stadt zurück. Der Abbruch des Gebäudes war am 8. Februar 684 abgeschlossen. Damit die Gläubigen weiterhin ungestört ihren Tawāf vollziehen und ihr Gebet verrichten konnten, wurde der Platz der Kaaba mit Tüchern verhängt.Vgl. Wüstenfeld §§ 134–135.

Beim Neubau verfolgte Abdallāh ibn az-Zubair die Absicht, die Kaaba „in ihren früheren Zustand“ zurückzuversetzen, der vor dem Umbau der Quraisch Anfang des 7. Jahrhunderts bestanden hatte. Hierbei berief er sich auf eine Aussage seiner Tante Aischa bint Abi Bakr, wonach der Prophet selbst nach der Einnahme von Mekka gewillt gewesen war, die von den Quraisch vorgenommenen Änderungen rückgängig zu machen, dies jedoch mit Rücksicht darauf, dass sie gerade erst zum Islam übergetreten waren, nicht umgesetzt hatte. Nach dem von Aischa überlieferten Prophetenwort, auf das sich ʿAbdallāh ibn az-Zubair berief, hatten die Quraisch bei ihrer Wiedererrichtung der Kaaba aus Geldmangel die ursprünglich bis zum Dach reichende Hatīm-Mauer nicht mehr aufgerichtet, dafür aber die ursprünglich auf der Rückseite befindliche zweite Tür der Kaaba verschlossen und den Boden der Kaaba angehoben, so dass sie nur noch über eine Treppe erreicht werden konnte. Der Prophet hatte dies damit erklärt, dass die Quraisch auf diese Weise ihre Übermacht zeigen wollten, da sie nun jeden nach ihrem Willen in die Kaaba eintreten lassen oder die Treppe hinunterwerfen konnten. Mit Verweis auf diesen Hadith ließ nun ʿAbdallāh ibn az-Zubair bei seinem Kaaba-Neubau auf der östlichen Seite des Gebäudes eine zweite Tür öffnen, den Boden der Kaaba auf Erdbodenniveau absenken und die Hatīm-Mauer zu einer Apsis aufstocken. Im März 685 wurde das Gebäude in dieser neuen Gestalt neu eingeweiht.Vgl. Wüstenfeld §§ 135–136.