Die Gemeinde Alpen liegt am unteren Niederrhein im Nordwesten des Bundeslands Nordrhein-Westfalen und ist eine kreisangehörige Gemeinde des Kreises Wesel im Regierungsbezirk Düsseldorf. Sie ist Mitglied der Euregio Rhein-Waal.
Geografie Räumliche Lage
Die Gemeinde Alpen liegt in der niederrheinischen Tiefebene, zwischen Xanten (10 km) und Rheinberg (7 km) sowie 11 km südwestlich der Kreisstadt Wesel, welche zum Regionalverband Ruhr gehört. Im nordwestlichen Gemeindegebiet liegen Teile des Naturschutzgebiets Grenzdyck.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Alpen gliedert sich in die vier amtlichen Ortschaften: Alpen, Bönninghardt, Menzelen und Veen. Des Weiteren existieren vier sogenannte Ortsbereiche: Bönning, Drüpt, Huck und Rill.
Nachbargemeinden Die Gemeinde Alpen grenzt im Norden an die Stadt Xanten, im Osten an die Städte Wesel und Rheinberg, im Süden an die Stadt Kamp-Lintfort und die Gemeinde Issum im Kreis Kleve sowie im Westen an die Gemeinde Sonsbeck.
Geschichte Die bedeutendste Fundstelle für das frühe Mittelalter im Raum Alpen ist das Gräberfeld von Rill. Doch auch in Alpen selbst, wenig nördlich des Ortskerns, wurden frühmittelalterliche Gräber aus der 2. Hälfte des 7. Jahrhunderts geborgen.W. Bösken: Altertumsfunde bei Alpen. In: Bonner Jahrbücher. 104, 1899, S. 119. –Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein (= Rheinische Ausgrabungen. Band 34). Rheinland-Verlag, Köln 1998, ISBN 3-7927-1247-4, S. 271. mini|links|Weißpfennig Gumprecht II. von Neuenahr, Münzstätte Alpen, geschlagen zwischen 1420 und 1442|200px Namentlich wurde der heutige Ortsteil Menzelen 1074 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. AlpenTheodor Josef Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins. Band I. Düsseldorf 1840, S. 141 f. Nr. 218. gehörte jedoch möglicherweise bereits im 7. Jahrhundert zum Besitz des Kölner Erzbischofs.Alpen hatte wie Bonn, Pingsdorf, Lechenich, Jülich, Kempen, Neuss und Zons eine Almosenpfründe zu unterhalten nach einer Bestimmung, die der Tradition nach auf Erzbischof Kunibert (600–663 n. Chr.) zurückgeführt wird. Dazu: Friedrich Wilhelm Oediger: Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter Band I. Bonn 1954, Nr. 46. –Friedrich Wilhelm Oediger: Die ältesten niederrheinischen Kirchen. In: Das Gold-Blaue Buch geldrischer Geschichte. Festschrift zur Hundertjahrfeier des Historischen Vereins von Geldern und Umgebung e. V. Kevelaer 1951, S. 37 f. Bis 1320 war es von dem 1084 erstmals erwähnten Geschlecht „von Alpen“ beherrscht. Durch Pfändung kam es zunächst an das Haus Hönnepel und 1330 an den Grafen von Geldern. Noch im selben Jahr gelangte die Herrschaft an die kurkölnischen Erbvögte aus der Familie derer von Heppendorf, die den Ort bis 1422 besaßenMit Ausnahme der Jahre 1373–1378, vgl. Joachim Hunke: Die mittelalterlichen Münzen der Herren von Alpen. In: Jaarboek voor Munt- en Penningkunde 108 (2021), S. 95–187, bes. Tab. 1. und sich ebenfalls von Alpen nannten. Der Ort ist 1319 erstmals als Stadt fassbar.… in opido alpem … in: LAV NRW R Alpen I 1, vgl. Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln (= Inventare nichtstaatlicher Archive. 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 266 Gumprecht I. von Alpen erhält 1349 das Recht in Alpen Münzen zu schlagen und er gewährt der Stadt und ihren Bürgern umfangreiche Privilegien.Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln (= Inventare nichtstaatlicher Archive. 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 293 u. 297a Bis 1602 blieb die Herrschaft Alpen im Besitz der Grafen von Neuenahr und fiel dann bis zur französischen Besetzung (1794–1814) in den Besitz der Grafen von Bentheim.
Die seit Beginn der Franzosenzeit bestehende jüdische Gemeinde nutzte eine ab 1801 erwähnte Synagoge bis zu deren Zerstörung 1938. Auf dem jüdischen Friedhof sind 56 Grabsteine (Mazewot) aus der Zeit von 1792 bis 1936 erhalten.
Die Evangelische Kirche ist die älteste reformierte Pfarrkirche Deutschlands. In: kirche-moers.de, abgerufen am 5. Mai 2018.
Burg Alpen mini|Der Mottenhügel an der Burgstraße/Alpen
Die Burg von Alpen, eine Motte östlich des Ortseingangs,Michael Müller-Wille: Mittelalterliche Burghügel („Motten“) im nördlichen Rheinland. Beihefte Bonner Jahrbücher Band 16, Köln/Graz 1966, S. 28 Nr. 21. wurde erstmals um 1200 urkundlich erwähnt.Theodor Josef Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins Band I. Düsseldorf 1840, S. 567. Die Urkunde erwähnt einen castellanus de Alpheim, die Motte also nur implizit. Bewohnt war die Burg noch bis in das 18. Jahrhundert. Durch das Erdbeben des Jahres 1756 unbewohnbar geworden, zerfielen die Gebäude schließlich. 1809 wurde die Motte abgetragen und das Material zum Bau einer, unter französischer Besatzung angelegten, Chausseestraße (Burgstraße) verwendet. Diese Straße schneidet den westlichen Teil des Mottenhügels. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs bauten Alpener Bürger einen Luftschutzbunker in den Mottenhügel.. In der Folgezeit verwilderte das Gelände der Burg. In Vorbereitung auf die 900-Jahr-Feier Alpens wurde der Hügel in den Jahren 1972 bis 74 hergerichtet. Ein Jahr vor Inkrafttreten des Denkmalschutzgesetz NW wurde der Burghügel mit Bäumen bepflanzt. Seit den 1980ern verwilderte die Anlage erneut. Im Rahmen eines Stadtumbauprogramms wird auch die Motte Alpen seit 2018 saniert. Die Wertbarmachung des Bodendenkmals ist ein Projekt des europäischen Jahr des Kulturerbes 2018 (Sharing Heritage) der Europäischen Kommission.
St. Ulrich Die ursprüngliche Kirche St. Ulrich wird um 1300 im Liber valoris erstmals erwähnt,Friedrich Wilhelm Oediger (Hrsg.): Die Erzdiözese Köln um 1300. Heft 1: Der Liber Valoris (= Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde XII. Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinlande. Band 9,1). Bonn 1967, S. 73, Nr. XII,2. kann aber wegen des Patroziniums aus dem 11. Jahrhundert stammen. Sie lag im Mittelalter westlich außerhalb der Stadt vor dem „Kirchtor“. In einem Krieg wurde sie 1602 zerstört, die neue Pfarrkirche wurde dann 1650 innerhalb der Stadt errichtet.Friedrich Wilhelm Oediger: Die Kirchen des Archidiakonats Xanten. Bonn 1969, S. 108 f. mit Anm. 3.
Gebietsreform Alpen gehörte in vorrevolutionärer Zeit zum kurkölnischen Amt Rheinberg, das unter anderem 1815 auf dem Wiener Kongress dem Königreich Preußen zugeschlagen wurde. Daraufhin kam Alpen im Zuge der Preußischen Verwaltungsorganisation am 23. April 1816 zum Kreis Rheinberg als einem von 29 Kreisen der Provinz Jülich-Kleve-Berg, der späteren Rheinprovinz, der aber schon 1823 mit dem Landkreis Geldern vereinigt wurde. Diese Vereinigung wurde bereits 1857 rückgängig gemacht. Von da ab gehörte Alpen zum Landkreis Moers.
Am 1. April 1939 wurden die Gemeinden Bönning, Bönninghardt, Drüpt, Huck und Millingen nach Alpen eingemeindet.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1938, S. 209
Am 1. Juli 1969 wurden in der ersten Phase der Neugliederung in Nordrhein-Westfalen durch das Gesetz zur Neugliederung von Gemeinden des Landkreises Moers die Gemeinden Alpen, Menzelen und Veen des ehemaligen Amtes Alpen-Veen zur neuen Gemeinde Alpen zusammengeschlossen.
Im Rahmen des Niederrhein-Gesetzes wurde am 1. Januar 1975 der Ortsteil Millingen von Alpen in die Stadt Rheinberg umgegliedert und die Gemeinde Alpen dem neuen Kreis Wesel zugeordnet.
Politik Ergebnisse der Kommunalwahlen 2025 in Alpen (Niederrhein) Die Sitze im Stadtrat verteilen sich nach dem Ergebnis der Kommunalwahl 2025 folgendermaßen auf die einzelnen Parteien:
+Ratswahl 14.09.2025 Alpen (Niederrhein)ParteiStimmen2025Stimmenanteil2025Stimmenanteil2020+/-%pSitze2025Sitze2020 CDU3.61248,5 %51,1 % − 2,61717 FBA1.07014,4 %0,0 % +14,4 %50 Grüne91612,3 %19,6 % - 7,346 SPD83811,3 %15,6 % - 4,345 AfD5006,7 %0,0 % + 6,720 Die Linke3004,0 %0,0 % + 4,010 Die PARTEI2072,8 %4,7 % - 1,911 Gültige Stimmen7.443 Ungültige Stimmen90 Stimmen/Sitze ges.7.5333432 Wahlberechtigte10.95668,8 %65,5 %+ 3,3
Bürgermeister +Bürgermeisterwahl* 14.09.2025 Alpen (Niederrhein)ParteiKandidat*Stimmen% (2020)CDUStaymann, Ludger4.57461,9 %FBAAldenhoff, Timo2.30931,2 %Die LinkeKnapp, Clemens5086,9 %Gültige Stimmen7.391Ungültige Stimmen139Stimmen Insgesamt7.530Wahlberechtigte Insgesamt10.95668,7 %
Der amtierende Bürgermeister von Alpen ist seit 2025 Ludger Staymann (CDU).
Wappen, Flagge und Dienstsiegel Das Siegel des letzten Besitzers der Herrschaft aus dem Hause derer von Alpen zeigt einen heraldisch nach rechts gewandten bekrönten Löwen.Urkunde vom 6. Juni 1322 LAV NRW Herrschaften Alpen I Urkunden 3, Siegel Nr. 2. Nach einem um 1402/07 verbauten Wappenstein im Kloster Grafenthal ist der Löwe rot und der Schild silber gewesen, wenn denn die Zuweisung zu Alpen sich als richtig erweist. Dort besteht die Helmzier aus einem bekrönten Helm, silbern-roten Decken, wachsenden rotem Löwen mit golder Krone/Mörser.S. Frankewitz, Machtanspruch und Memoria: Die Bedeutung Graefenthals im Zentrum des Herzogtums Geldern. In: K. Dohmen & U. Heckner (Red.) Graefenthal. Ein Kloster der Zisterzienserinnen am Niederrhein (2008) 63-74, bes. 67 ff. und R. Scholten, Zur Geschichte von Hönnepel und Niedermörmter. In: Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein 51, 104-148, bes. 127. Im Gegensatz dazu sind die Tinkturen in Feld 4 des Herzschildes auf dem nach 1589 entstandenen Wappen der Grafschaft Bentheim vertauscht. Als weiteren Varianz zeigen einige Ahnenwappen den Schild mit Eisenhütlein belegt.Vgl. die acht Ahnenwappen des Werner V. von Pallant († um 1609), Urenkel der Adriane von Alpen († 1502/07) zu Zelem bzw. die des Hubert Lothar von Gertzen genannt Sinzig, bei Theodor Graminaeus: Beschreibung derer Fürstlicher Güligscher &c. Hochzeit. Gras, Köln 1587 (Digitalisat und Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München), ( und ).
Der Gemeinde Alpen ist mit Urkunde des Regierungspräsidenten von Düsseldorf vom 14. Januar 1971 das Recht zur Führung eines Wappens, einer Flagge (Banner) und eines Dienstsiegels verliehen worden.
Beschreibung der Flagge (Banner): „Elfmal von Gelb nach Rot quergestreift, belegt mit einem etwas über die Mitte nach oben geschobenen rotbewehrten schwarzen Adler.“
Beschreibung des Dienstsiegels: „Die Gemeinde führt ein Dienstsiegel mit der Umschrift: +GEMEINDE.ALPEN.KREIS WESEL+ (in Form einer Münzlegende). Siegelbild: Im schwarzen Kreis elfmal von Weiß nach Schwarz geteilt, belegt mit einem schwarzen Adler.“§ 2 der Hermann Habben: Wappen, Siegel und Flaggen im Kreis Moers. Rheinberg 1962, S. 48.
Infrastruktur und Wirtschaft Verkehrsinfrastruktur Schienenverkehr mini|Bahnhofsgebäude
Ungefähr 500 m östlich des Ortszentrums befindet sich der Haltepunkt Alpen an der Niederrheinstrecke (), auf der im Schienenpersonennahverkehr die Regionalbahn „Der Niederrheiner“ (RB 31) Xanten–Moers–Duisburg verkehrt. Die RheinRuhrBahn (RRB) setzt dazu Dieseltriebwagen vom Typ LINT 41 in Einzel- oder Doppeltraktion ein.
Linie Verlauf Takt
Darüber hinaus besitzt Alpen den ehemaligen Bahnhof Menzelen West, der ein Knotenpunkt der Niederrheinstrecke mit der inzwischen stillgelegten Bahnstrecke Haltern–Venlo war. Er wird seit 1979 nicht mehr bedient. Der Bahnhof Bönninghardt, ebenfalls an der Venloer Bahn gelegen, war von 1885 bis 1967 in Betrieb.
Öffentlicher Personennahverkehr