Osterode am Harz [] ist eine Mittelstadt und selbständige Gemeinde im Südosten des Landes Niedersachsen im Landkreis Göttingen am südwestlichen Rand des Oberharzes. Osterode am Harz war die Kreisstadt des am 1. November 2016 mit dem Landkreis Göttingen fusionierten Landkreises Osterode am Harz. Die Stadt ist mit ihrer historischen Altstadt Teil der Deutschen Fachwerkstraße.
Geografie Geografische Lage mini|Osterode
Die Stadt Osterode am Harz liegt in einem von Nordwest nach Südost verlaufenden Tal zwischen Harz und den Erhebungen des Harzvorlandes, die im Bereich der Ortsteile Petershütte und Katzenstein steil abfallen und als Gipsklippen zu Tage treten. Im Südosten der Stadt befindet sich ein sumpfiges Gebiet mit mehreren teils natürlichen, teils künstlichen Teichen.
Durch die Stadt fließt die Söse, die etwa 5 km vor der Stadt zur Sösetalsperre aufgestaut wird. Die Söse-Talsperre wurde 1931 fertiggestellt und hat ein Fassungsvermögen von 25,5 Millionen m³; durch die Harzwasserwerke wird Trinkwasser bis nach Bremen geliefert. In Osterode münden die Apenke und der Lerbach in die Söse.
Stadtgliederung Zur Stadt Osterode am Harz gehören folgende Ortschaften: Dorste (1.240 Einwohner) Düna (117 Einwohner) Förste/Nienstedt (2.037 Einwohner) mit den Ortsteilen Förste (1.708 Einwohner) und Nienstedt (329 Einwohner) Freiheit (1.623 Einwohner) Lasfelde/Petershütte/Katzenstein (2.562 Einwohner) Lerbach (777 Einwohner) Marke (97 Einwohner) Kernstadt (12.059 Einwohner) Riefensbeek-Kamschlacken (223 Einwohner) Schwiegershausen (1.441 Einwohner)
(Stand: 31. Dezember 2023)
Die Ortschaften Freiheit, Lasfelde, Petershütte und Katzenstein schließen baulich direkt an die Kernstadt Osterode an, Lerbach hat nur einen sehr geringen Abstand. Die anderen Ortschaften werden von der Bebauung als eigenständige Dörfer wahrgenommen, wobei Förste und Nienstedt ebenfalls direkt aneinander angebunden und lediglich durch den Flusslauf der Söse getrennt sind.
Insgesamt leben etwas mehr als 1/4 aller Bewohner Osterodes außerhalb des Kernstadtgebiets (Stand Mitte 2012www1.nls.niedersachsen.de LSN-Online).
Klima
Geschichte Ausgrabungen brachten auf der Pipinsburg eine durch Wallanlagen gesicherte Siedlung der La-Tène-Zeit zutage. Bei Düna wurden Reste des Herrensitzes Düna als Teil einer Siedlung gefunden, die mit Unterbrechungen vom 3./4. Jahrhundert bis zum 13./14. Jahrhundert bestand.
Wann die heutige Siedlung Osterode gegründet wurde, ist nicht überliefert. Die Ortsnamenendung auf -rode deutet auf eine Gründung während der Rodungsphasen am Übergang von Früh- zum Hochmittelalter hin. Der Name wird als „östlich gelegene Rodungsstelle“ oder „östlicher Teil einer Rodungsstelle“ interpretiert, wobei nicht eindeutig ist, auf welchen westlich gelegenen Ort sich diese Richtungsangabe bezog. Ein manchmal diskutierter Bezug auf eine angebliche germanische Gottheit Ostara wird in der Literatur allgemein abgelehnt.
Die erste bekannte schriftliche Erwähnung von Osterode wird unterschiedlich bewertet: In der Chronik des Petersklosters in Erfurt wird 1152 erwähnt, dass die opulentissima villa Osterroth in einer Fehde zwischen Heinrich dem Löwen und dem Markgrafen Albrecht dem Bären zerstört worden sei.Stadtgeschichte auf der Homepage der Stadt Osterode Eine andere Erwähnung von Osterrode ist in einer angeblich von Kaiser Lothar am 7. Oktober 1136 verfassten Urkunde enthalten, bei der es sich jedoch um eine Fälschung aus dem Ende des 12. Jahrhunderts handelt.Monumenta Germaniae Historica: Die Urkunden Lothars II. und der Kaiserin Richenza. Bearbeitet von Emil von Ottenthal und Hans Hirsch. Berlin 1927, Urkunde 90, S. 142 Manche andere als erste schriftliche Belege genannte Daten beziehen sich auf Osterode am Fallstein. mini|hochkant|Burgruine Alte Burg Die nordöstlich der Altstadt auf einem Bergsporn gelegene Osteroder Burg (heute Ruine) ist vermutlich zum Schutz dieser Marktsiedlung sowie der alten Harzstraße errichtet worden. 1234 wird erstmals von einer Stadtmauer berichtet, bereits 1238 wird ein Rat, eine Bürgerschaft und eine Neustadt erwähnt und aus dem Jahr 1261 ist ein Stadtsiegel überliefert. Der Altstadt gewährte Herzog Otto das Kind im Jahre 1239 ihre im Einzelnen nicht genannten Rechte, befreite die Einwohner vom Zoll in Braunschweig, hob das Einfuhrverbot für Bier aus Goslar und die Erhebung von Ungeld auf. Das Stadtrecht der Kaiserstadt Goslar erhielt die Marktsiedlung jedoch erst 1293. In einem weiteren, jedoch undatierten Brief, teilte der Herzog seine Absicht mit, die Neustadt Osterodes neu gründen zu wollen. Diese ist im heutigen Stadtbild deutlich als Plansiedlung zu erkennen und besaß einen eigenen Markt. Vor allem Anwohner der ehemaligen, wüst gefallenen Dörfer Besingen und Motlingerode werden in der Neustadt gesiedelt haben, dies geht aus der starken Bewirtschaftung der Fluren der Wüstungen hervor, an welcher sich die Bewohner der Neustadt zum hohen Teil beteiligt haben. In der näheren Umgebung von Osterode befindet sich auch die mittelalterliche Wüstung Gheylshagen. Unbebaute Flächen zeugen bis in die heutige Zeit von der früheren Grenze zwischen Alt- und Neustadt, die bald darauf in den Befestigungsring der Stadt einbezogen wurde. So buchtet die Mauerlinie im Südosten aus und umfasst das seit etwa 1230 bestehende Jungfrauenstift St. Jacobi. Im Jahr 2019 wurden bei Ausgrabungen im Bereich des mittelalterlichen Johannistores die Grundmauern eines früheren Stadttores freigelegt.Osterode: Mittelalterliches Stadttor freigelegt bei ndr.de vom 30. April 2019.
mini|Kirche St. Jacobi Bei der Aufteilung des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg in Teilfürstentümer 1289 gelangte Osterode an die Linie Braunschweig-Grubenhagen bis zu deren Aussterben 1596. Die Fürsten residierten auf der alten Osteroder Burg, die Anfang des 16. Jahrhunderts aufgegeben wurde. Ernst III. ließ das 1561 aufgehobene Kloster St. Jacobi zum Schloss umbauen.
Die Stadt war ein wichtiger Handelsort, der auch der Hanse beitrat. Zu ihrem Wohlstand trugen auch der in der Umgebung betriebene Bergbau und die Eisenverhüttung bei. In Osterode befand sich auch eine Münzstätte, die u. a. durch die sogenannten Mückentaler bezeugt ist. Im Jahre 1420 wurde die einstige Klosterschule als stadteigene Lateinschule übernommen. mini|17. Jahrhundert Rückschläge brachten Stadtbrände unter anderem 1545, Zerstörung im Dreißigjährigen und später im Siebenjährigen Krieg, eine Pestepidemie 1625 bis 1627 sowie mehrere Hochwasser der Söse. Dennoch entwickelte sich Osterode bis ins 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden Handelsplatz der Tuchmacher und Gewerbetreibenden. 1807–1813 gehörte die Stadt zum Departement des Harzes des napoleonischen Satellitenstaates Königreich Westphalen.
1814 wurde die Stadt Teil des Königreichs Hannover, das die jahrhundertealte Welfenherrschaft über das Gebiet wiederherstellte. Am 22. und 23. Juli 1865 besuchten König Georg V. und Kronprinz Ernst August die Stadt. Während des Besuchs residierten sie in der Schachtrupp-Villa. Die Führung des blinden Königs durch die Stadt und in die Kirchen in Begleitung der Schützenbruderschaften übernahmen der Pastor von St.-Aegidien Georg Max (1802–1879) und der Stadtsyndikus Peinemann. Der König zeichnete Georg Max während des Besuchs für dessen Geschichtswerk über das Fürstentum Grubenhagen mit dem Welfenorden IV. Klasse aus.Ingrid Kreckmann: Der Geschichtsschreiber Georg Max (1802–1879) wurde vor 190 Jahren (1828) als erster „lutherischer“ Prediger in Höckelheim eingeführt. In: Heimat- und Museumsverein für Northeim und Umgebung e. V. (Hrsg.): Northeimer Jahrbuch 2018 – Zeitschrift für Heimatforschung, Denkmalpflege und Naturschutz, 83. Jg. (2018), , S. 69. Nach der Niederlage und Annexion Hannovers im Deutschen Krieg 1866 wurde auch Osterode Teil des Königreichs Preußen.
Von 1867 bis 1885 befand sich das Amt Osterode, zusammen mit den weiteren Ämtern Gieboldehausen und Herzberg, sowie den Städten Osterode, Duderstadt und Herzberg, im Kreis Osterode, der mitunter auch als „Steuerkreis“ bezeichnet wurde. Verwaltet von einem Kreishauptmann, konnte jedoch der Kreis kaum eigene Kompetenzen etablieren und befand sich stets im Streit mit den noch parallel existierenden Verwaltungsbezirken. Grund für das Zusammenlegen der Ämter und Ortschaften war eine preußische Verwaltungsreform, welche das annektierte Königreich Hannover als eine Provinz in das Königreich Preußen eingliedern sollte und vor allem auf steuerliche und militärische Zwecke ausgerichtet war.
Ende des 19. Jahrhunderts entstanden Baumwoll- und Tuchfabriken, 1928–1932 brachte der Bau der Sösetalsperre Schutz vor den Hochwassern.
Der Historiker Walter Struve, dessen Vorfahren aus der Stadt stammten, forschte und veröffentlichte über Osterode als typisches Beispiel einer deutschen Kleinstadt während Weimarer Republik und Nationalsozialismus.Walter Struve: Aufstieg und Herrschaft des Nationalsozialismus in einer industriellen Kleinstadt: Osterode am Harz 1918–1945. Klartext Verlag Essen [u. a.], 1992, ISBN 3-88474-156-X.
Im Zweiten Weltkrieg war Osterode Standort einiger kriegswichtiger Rüstungsbetriebe, deren Produktion sich zum großen Teil auf Zwangsarbeit stützte. Ab 1944 wurde unter dem Decknamen Dachs IV die Errichtung eines unterirdischen Hydrierwerkes für die Herstellung von Treib- und Schmierstoffen in den nahe gelegenen Gipssteinbrüchen angestrengt. Im Herbst 1944 begannen die Ausbrucharbeiten im Gipsbruch der Firma Schimpf in Osterode-Petershütte, um Platz für die Aufnahme von „Dachs IV“, einer unterirdischen Erdölraffinerie des Hamburger Mineralölkonzerns Rhenania-Ossag AG, zu schaffen. Nach dem Monatsbericht der Bauleitung vom Dezember 1944 waren 430 ausländische Arbeitskräfte und 72 KZ-Häftlinge auf der Baustelle eingesetzt. Das zugehörige Außenlager, welches dem KZ Mittelbau-Dora unterstand, dürfte allerdings erst Ende November 1944 eingerichtet worden sein. Ende Februar 1945 war die Zahl der Arbeitskräfte auf 665 Bauhäftlinge gestiegen. Das Projekt wurde nicht zum Abschluss gebracht, das Außenkommando am 27. März 1945 aufgelöst.Beitrag Dachs IV Ferner gab es ab Herbst 1944 ein weiteres KZ-Außenkommando des KZ Buchenwald. Die Insassen waren bei Heber Maschinen- und Apparatefabrik (HEMAF) mit der Herstellung von Rüstungsgütern für die Luftwaffe befasst. Die ersten Häftlinge bezogen das Lager Ende September 1944. Am 1. Oktober zählte das Außenkommando 66 Insassen. Am 4. Oktober 1944 stellte Heber erneut einen „Antrag auf Gestellung von 260 Häftlingen“, über den scheinbar kurzfristig entschieden wurde. Ende Oktober 1944 stieg die Zahl der Lagerinsassen durch weitere Buchenwald-Transporte, insbesondere den vom 12. Oktober mit 192 Häftlingen, auf 284. Das ursprünglich zu Buchenwald zählende Lager wurde Ende Oktober 1944 dem KZ Mittelbau unterstellt, baute jedoch weder zum Hauptlager Dora noch zu dem nur wenige Kilometer entfernten Außenlager „Dachs IV“ in Osterode-Petershütte engere Verbindungen auf.Geschichte der HEMAF und des KZ-Außenkommandos Im Gerichtsgefängnis Osterode saßen während des Zweiten Weltkriegs insgesamt rund 1000 Personen ein. In den Optischen Werken Osterode, später unter Sigbert-Kassel firmierend, waren 200 Zwangsarbeiter unter Befehl des Arbeitsamts Northeim im Einsatz. Ferner waren in Osterode folgende zivile Zwangsarbeiter im Einsatz: Anton Piller: 450 Personen Nordwerke: 50 Personen R. Kellermann: 430 Personen Greve Uhl: 180 Personen städtisches Polenlager: 220 Personen Waldlager Bremketal: 290 Personen Firma Lorenz, Turnhalle: 310 PersonenFür alle Angaben zu Zwangsarbeitern in Osterode: Das nationalsozialistische Lagersystem. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1990; Nachdruck des „CCP“, dreibändiger „Catalogue of Camps and Prisons in Germany and German-Occupied Territories September 1939-May 1945, prepared by International Tracing Service. Records Branch. Documents Intelligence Section, Arolsen (July 1949, April 1950, March 1951).“ mini|Kornmarkt