mini|Albertus Magnus in einem Fresko von Tommaso da Modena (1352) im Kapitel­saal des Do­mi­ni­ka­ner­kon­vents von San Niccolò in Treviso (Italien)

Albertus Magnus oder Albert von Lauingen, Albert von Köln, Doctor Universalis (auch Albertus Theutonicus, Albertus Coloniensis; Albert der Große, Albert der Deutsche; gelegentlich auch fälschlich Albert Graf von BollstädtVgl. dazu Herbert Ringleben: Albertus Magnus – der erste Ornithologe in Niedersachsen. Mit Bemerkungen zu seiner Abstammung, seinem Namen und Geburtsjahr. In: Berichte der Naturhistorischen Gesellschaft Hannover. Band 129, (Hannover) 1987, S. 285–291. und Albertus Magnus von Bollstädt genannt; * um 1200 in oder bei Lauingen an der Donau; † 15. November 1280 in Köln) war ein deutscher Gelehrter und Bischof, der als theologisch-philosophischer Schriftsteller wegbereitend für den christlichen Aristotelismus des hohen Mittelalters war. Er lehrte in Köln und Paris. Im Jahr 1622 wurde er selig- und am 16. Dezember 1931 von Papst Pius XI. heiliggesprochen und zum Kirchenlehrer erklärt.

Leben Alberts Vater, Markward von Lauingen, kam möglicherweise aus ritterbürtigem Geschlecht (ex militaribus)Albert Fries: Albertus Magnus. In: Verfasserlexikon. 2. Aufl., Band I, Sp. 124. bzw. aus der Schicht des niederen staufischen Dienstadels der Ministerialen und übte in oder um Lauingen Herrschaftsaufgaben aus. Albert selbst verbrachte dort vermutlich auch seine ersten Jugendjahre.

Alberts Geburtsjahr ist unbekannt. Manche Forscher (z. B. Franz Pelster, H. C. Scheeben, Hugo Stehkämper) nehmen 1193 an und beziehen sich dabei auf die Angabe des Luis de Valladolid (Paris, 1414), dass Albert im Jahre 1280 starb, „nachdem er ungefähr 87 Lebensjahre vollendet hatte“. Andere (z. B. Mandonnet, Glorieux, Fernand Van Steenberghen) gehen von 1206/07 aus, wobei sie sich auf die Chronik des Heinrich von Herford (um 1355) stützen, wonach Albert „ein Junge von sechzehn Jahren“ war, als er um 1223 in den Orden eintrat. Da beide Angaben einander widersprechen, kann man nach James A. Weisheipl nicht mehr sagen, als dass Albert um das Jahr 1200 oder etwas früher geboren wurde. Auch Meinolf Lohrum hat sich überzeugend für die Geburtsangabe „um 1200“ ausgesprochen.

mini|hochkant|links|Tafelbild von Justus van Gent, um 1475, aus dem Por­trait­zy­klus be­rühm­ter Män­ner Federico da Montefeltros in Urbino

Anfänge Erste gesicherte Informationen über Alberts Aufenthalt stammen aus dem Jahr 1222. Damals lebte er bei einem Onkel in Venedig und Padua. Ab dem folgenden Jahr studierte er die Freien Künste und vielleicht auch Medizin in Padua. Bereits in dieser Zeit kam er in Kontakt mit den Schriften des Aristoteles und persönlich mit Jordan von Sachsen, dem Nachfolger des Dominikus als Ordensgeneral des Dominikanerordens. Noch 1223 trat Albertus in diesen Orden ein. Sein Noviziat absolvierte er in Köln im Kloster in der Stolkgasse, wo er auch das Studium der Theologie aufnahm und zum Priester geweiht wurde. Anschließend studierte und lehrte Albertus an verschiedenen dominikanischen Klosterschulen, darunter Hildesheim, Freiburg im Breisgau, Regensburg und Straßburg. Albertus Magnus hatte von 1236 bis 1238 das Amt des Lesemeisters im Predigerkloster in Freiburg inne. In dieser Zeit verfasste er seine ersten Schriften, unter anderen das Marienlob. Als Jordan von Sachsen 1237 starb, wurde Albertus im Folgejahr auf dem Ordenskapitel der Dominikaner in Bologna von den deutschen Versammlungsteilnehmern als neuer Ordensgeneral vorgeschlagen, aber nicht gewählt.

mini|Das im 13. Jh. gegrün­de­te Do­mi­ni­ka­ner­klos­ter Saint-Jacques in Paris, im 17. Jh. re­kons­tru­iert (Lithografie von 1895)Albert Robida: Paris de siècle en siècle : texte, dessins et lithographies de A. Robida. Librairie illustrée, Paris 1895, S. 117 (online)

Paris 1243, Köln Im Jahre 1243 ging Albertus für fünf Jahre an die Universität Sorbonne nach Paris. Er erwarb dort 1245 den Titel eines Magisters der Theologie, lehrte drei Jahre lang und befasste sich dabei intensiv mit Aristoteles und der jüdisch-arabischen Philosophie. Der Italiener Thomas von Aquin schloss sich ihm in dieser Zeit als Schüler an. Ein weiterer Schüler war der Theologe und Naturkundler Thomas von Cantimpré.Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50). Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-36050-X, S. 154. Als Angehöriger einer Kommission von vierzig Sachverständigen setzte Albert 1248 in Paris seine Unterschrift unter ein Dokument, das den Talmud und andere jüdische Texte verurteilte und deren Verbrennung anordnete. Während seiner Pariser Zeit lebte Albertus im Konvent Saint-Jacques.Damit ist das 1218 gegründete Dominikanerkonvent gemeint, nach dem die Pariser rue Saint-Jacques benannt wurde, wo es sich einmal befand, siehe :fr:Couvent des Jacobins (rue Saint-Jacques). Im Jahre 1248 kam er erneut nach Köln, um dort das gerade ins Leben gerufene Studium Generale seines Ordens zu leiten. Unter ihm entwickelte die Kölner Klosterschule einen hervorragenden Ruf und zog Studenten aus ganz Europa an. In Nachfolge dieser Institution wurde 1388 von der Stadt Köln die Universität zu Köln gegründet. Wahrscheinlich war er am 15. August 1248 Zeuge der Grundsteinlegung des Kölner Doms. Albert spielte in seiner Kölner Zeit auch eine herausragende Rolle in den Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Erzbischof. Im Kleinen Schied am 17. April 1252 und im Großen Schied am 28. Juni 1258 gutachtete er zu Gunsten der Bürgerschaft, deren Rechte Erzbischof Konrad von Hochstaden auf sein Anraten hin anerkannte.

mini|Holbein d. Ä., Frankfurter Do­mi­ni­ka­ner­al­tar mit Albertus in der rech­ten un­te­ren Ta­fel (links un­ten), 1501, Städel

Worms 1254 Im Jahre 1254 wurde Albert in Worms zum Provinzial der deutschsprachigen Dominikaner-Ordensprovinz Teutonia gewählt, worauf er sein Lehramt in Köln abgab. In den folgenden Jahren zog er – fast immer zu Fuß – durch die deutschen Lande, um die insgesamt 40 Niederlassungen des Ordens zu visitieren und die Klosterordnung zu erhalten. 1257 endete Alberts Provinzialamt und er kehrte als Leiter der Ordensschule nach Köln zurück.

mini|hochkant=0.6|Siegel Alberts des Großen als Bischof von Regensburg

Regensburg 1260 Am 5. Januar 1260 wurde Albert, nachdem der vom Kathedralkapitel gewählte Dompropst Heinrich von Lerchenfeld wegen der zerrütteten Verhältnisse verzichtet hatte, von Papst Alexander IV. zum Bischof von Regensburg und damit zum Reichsfürsten ernannt. Alexander hatte sich mit dieser Entscheidung über das eigentliche Wahlrecht hinweggesetzt, um einen Schlussstrich unter mehrere irregulär verlaufene Bischofswahlen und die Misswirtschaft der vorangegangenen Jahre im Bistum zu ziehen. Darüber hinaus war Alexander ein ausgesprochener Förderer der Bettelorden, die durch die Bischofswürde für einen aus ihren Reihen zusätzliches politisches Gewicht bekamen. Albert selbst übernahm das Amt nur ungern und sah sich zudem Kritik der Ordensleitung gegenüber, die diese Position als unvereinbar mit dem Armutsprinzip ansah. Dennoch ließ sich Albert im Juli 1260 zum Bischof weihen und nahm im September an einer Synode in Bayern teil. Mit seinem Amtsantritt übernahm er ein hochverschuldetes Hochstift. Einen beachtlichen Teil dieser Schuldenlast konnte Albert während seines Episkopats abtragen. Während seiner Zeit als Bischof entstand auch der Beiname „Bundschuh“, weil Albert auch als Bischof noch mit dem Schuhwerk einfacher Menschen unterwegs war.Paul Mai: Albertus Magnus als Bischof von Regensburg. In: Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg. Band 14, 1980, S. 23–39, hier S. 30–31; Meinolf Lohrum: Albert der Große. Forscher – Lehrer – Anwalt des Friedens (= Topos. Band 216). Mainz 1991, S. 83–85.Meinolf Lohrum: Albert der Große. Forscher – Lehrer – Anwalt des Friedens (= Topos. Band 216). Mainz 1991, S. 83–85. Im Jahre 1262 hielt sich Albert am Hof von Papst Urban IV. in Orvieto auf. Dort entpflichtete ihn der Papst im Februar 1262 von seinem Amt als Bischof von Regensburg, und Albert blieb zunächst in Orvieto. Es ist umstritten, weshalb Albert das Bischofsamt niederlegte: Möglicherweise war es ihm gelungen, die finanzielle Notlage einigermaßen zu konsolidieren und er wollte das Bischofsamt nach getaner Arbeit weitergeben. Andererseits sah Albert sich in der Wissenschaft zu Hause. Auch als zurückgetretener Bischof konnte er so eine gewisse Autorität für sich beanspruchen. Die Bischofswürde verlor Albert durch seinen Rücktritt nicht und konnte sie nutzen, sein wissenschaftliches Lebenswerk zu sichern. Zudem behielt Albert die Freiheit, frei über seine Einkünfte zu verfügen und damit kostspielige wissenschaftliche Werke anzuschaffen.Georg Schwaiger: Albertus Magnus in der Welt des hohen Mittelalters. In: Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg. Band 14. Verlag des Vereins für Regensburger Bistumsgeschichte, Regensburg 1980, S. 7–21, hier S. 19; Paul Mai: Albertus Magnus als Bischof von Regensburg. In: Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg. Band 14. Verlag des Vereins für Regensburger Bistumsgeschichte, Regensburg 1980, S. 23–39, hier S. 38.

1263–1280 Am 13. Februar 1263 ernannte ihn Urban IV. zum Kreuzzugsprediger für die deutschsprachigen Gebiete. 1263 und 1264 propagierte Albertus gemeinsam mit Berthold von Regensburg in Deutschland und Böhmen den Zug ins Heilige Land. Nachdem Papst Urban IV. am 2. Oktober 1264 gestorben war, legte Albert sein Amt als Kreuzzugsprediger nieder.

Ab 1264 nahm Albert die Lehrtätigkeiten in Würzburg, Straßburg und Köln wieder auf. Im Jahr 1268 weihte Albert persönlich den Altar der Dominikanerkirche der Reichsstadt Esslingen am Neckar, das heutige Münster St. Paul. Sie ist die älteste Bettelordenskirche Deutschlands. Um 1269 kehrte er endgültig zurück in das Dominikanerkloster Hl. Kreuz in Köln. Eine Berufung an die Universität Paris lehnte er aus Altersgründen ab. Jedoch trat er 1274 auf dem Zweiten Konzil von Lyon für die Anerkennung Rudolfs von Habsburg als deutscher König ein. Am 28. April 1275 weihte er den gotischen Langchor des Gladbacher Münsters.

mini|Römischer Sarkophag mit den Ge­bei­nen von Albertus Magnus in der Kryp­ta der Kir­che St. Andreas in Köln

Am 15. November 1280 starb Albertus in Köln. Seine Gebeine ruhen seit der Aufhebung des Dominikanerklosters (1804) in der Kirche von St. Andreas in Köln bzw. seit dem 15. November 1954 in der erweiterten Krypta der Kirche, die unterdessen von den Dominikanern genutzt wird.

Den größten Teil seines Nachlasses stiftete Albertus Magnus, nach seinem Testament aus dem Jahr 1279, zur Vollendung des Chores der Kirche des Dominikanerklosters zum Heiligen Kreuz.

Papst Pius XII. ernannte Albertus Magnus am 16. Dezember 1941 zum Schutzpatron der Naturwissenschaftler.

mini|hochkant|Der Beginn von Alberts Ab­hand­lung Über das Gute im Codex 1024 der Köl­ner Dom­bibliothek mini|hochkant|Friedrich Walther (1440–93), Predigt des Albertus Magnus, The Cloisters, New York mini|hochkant|Albrecht Dürers Philosophia mit Albertus als „deutscher Weiser“ neben Platon, Ptolemaios und Cicero (oder Vergil), Holzschnitt (um 1502) mini|links|Renaissance-Büste Alberts von Vincenzo Onofri, um 1493

Werk Albertus Magnus war Universalgelehrter, zugleich Philosoph, Jurist, Naturwissenschaftler, Theologe, Dominikaner und Bischof von Regensburg.