Die Kleinstadt Bad Sulza ist eine Landgemeinde im thüringischen Landkreis Weimarer Land. Sie trägt den Namenszusatz Kur- und Weinstadt und ist ein staatlich anerkannter Kurort mit der Artbezeichnung Soleheilbad. Der Kurort kann noch zum südlichen Randbereich der Saale-Unstrut-Region gezählt werden, des wichtigsten Weinanbaugebietes Mitteldeutschlands, im Bäderdreieck Bad Bibra–Bad Kösen–Bad Sulza. mini|hochkant=1.2|Blick vom Thüringer Weintor auf die Sonnenburg und das Gradierwerk
Geografie Geografische Lage Bad Sulza liegt im und am Ilmtal im Nordosten des Landkreises und ist von Berghängen umgeben, die zu den Ausläufern des Höhenzuges Finne und zur Muschelkalkformation der Ilm-Saale-Platte gehören. Bad Sulza ist an der Ilm gelegen. Die Gegend wird auch als Thüringer Toskana vermarktet.
Nachbargemeinden Die Stadt grenzt im Uhrzeigersinn und im Norden beginnend an folgende Städte und Gemeinden: Eckartsberga, Lanitz-Hassel-Tal (beide Burgenlandkreis, Sachsen-Anhalt), Großheringen, Schmiedehausen (beide Landkreis Weimarer Land), Dornburg-Camburg, Wichmar, Zimmern, Hainichen, Lehesten (alle Saale-Holzland-Kreis), Jena (kreisfreie Stadt), Großschwabhausen, Kapellendorf, Apolda, Ilmtal-Weinstraße (alle Landkreis Weimarer Land) und Buttstädt (Landkreis Sömmerda). Weitestgehend vom Stadtgebiet Bad Sulzas umschlossen sind zudem die im Landkreis Weimarer Land liegenden Gemeinden Niedertrebra, Obertrebra und Eberstedt.
Stadtgliederung Bad Sulza entstand durch die Zusammenlegung der benachbarten Orte Stadtsulza (auch bekannt als Stadtmitte), Dorfsulza (im Tal rechts der Ilm) und Bergsulza (oberhalb des Tals an der Camburger Straße). Des Weiteren gehört die aus einer Saline hervorgegangene Siedlung Oberneusulza unterhalb im Ilmtal zu Bad Sulza, während Unterneusulza bereits im Gebiet der Gemeinde Großheringen liegt.
Bad Sulza gliedert sich nach der Hauptsatzung in die Kernstadt und in die nachfolgend gelisteten Ortsteile:Hauptsatzung vom 1. Januar 2019 (pdf), aufgerufen am 19. Januar 2020 Auerstedt, Eckolstädt, Flurstedt, Gebstedt mit Schwabsdorf, Großromstedt, Hermstedt, Kleinromstedt, Ködderitzsch, Kösnitz, Münchengosserstädt, Neustedt, Pfuhlsborn, Rannstedt, Reisdorf, Sonnendorf, Stobra, Wickerstedt und Wormstedt.
Geschichte Von der Ersterwähnung bis 1900 Die zwischen 881 und 889 in einem Zehntregister des Klosters Hersfeld als Salzacha erwähnte Siedlung als Zuweisung für Bad Sulza ist sehr umstritten. Neuere Forschungen beziehen diese Nennung auf Langensalza oder Salza bei Nordhausen. Ein erster Beleg mit regionalem Bezug stammt aus dem Jahre 1046, in dem ein Burgward Sulza genannt wird. Von der Burg Sulza ist wenig überliefert. Ein Flurname „Altenburg“ deutet noch darauf hin. Auf Grund der strategisch wichtigen Lage an der „via regia“ geht man davon aus, im 10. Jahrhundert durch einen königlichen Burgward mit seinem Gefolge die Königstraße kontrolliert und überwacht zu haben. Auch Wilhelm der III., Graf von Weimar, der sich 1009–1039 als Graf von Sulza und Geisleden bezeichnete, war wohl eher in Salza bei Nordhausen begütert.
Von 1182 bis in das 16. Jahrhundert sind Ministerialen mit dem Namen Sulza nachgewiesen. Die Burg wurde demnach Mittelpunkt des Burgwardbezirkes. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts haben spanische Truppen die Stadt verwüstet. Die Befestigungsanlagen wurden nicht wieder aufgebaut.Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. 430 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 194.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 242.Burg Sulza.
Am 5. Dezember 1064 gewährte König Heinrich IV. dem Pfalzgrafen Friedrich von Sachsen für den Ort Sulza das Markt-, Zoll- und Münzrecht sowie das Recht, Salz zu sieden.
Der Weinanbau ist seit 1195 in Sulza nachgewiesen, aber wahrscheinlich viel älter.Werner Mägdefrau: Thüringen im Mittelalter 1130–1310. Von den Ludowingern zu den Wettinern (= Thüringen im Mittelalter. Bd. 3). Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-152-8, S. 68.
Im frühen Mittelalter bestand nur ein Ort Sulza, wahrscheinlich das heutige Dorfsulza. Später entwickelte sich die Marktsiedlung auf der westlichen Ilmseite und eine Siedlung am neu errichteten Chorherrenstift auf dem Berge: Stadtsulza, Dorfsulza, Bergsulza. Später tauchen auch die Salzsieder-Siedlungen Oberneusulza und Unterneusulza (bei Großheringen) auf. Angeblich wurde auf dem westlichen Ausläufer des Herlitzberges in Bergsulza zur Sicherung der Salzproduktion und des Abtransportes Richtung Osten nach Schmiedehausen, Camburg, um bei Wetzdorf auf die Regensburger Straße zu treffen, eine Burg zum Schutz errichtet.Werner Mägdefrau: Thüringen im Mittelalter 1130–1310. Von den Ludowingern zu den Wettinern (= Thüringen im Mittelalter. Bd. 3). Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-152-8, S. 68 und 70. Dies ist unwahrscheinlich. Vielmehr deutet vieles auf den südlich davon gelegenen Bergsporn mit dem Flurnamen „Auf der Altenburg“ hin. Auf dem Herlitzenberg wurde schon im 11. Jahrhundert vom Pfalzgrafen Friedrich II. von Sachsen ein Chorherrenstift errichtet. Das Kloster befand sich an der Stelle des noch erhaltenen Herrenhauses aus dem 19. Jahrhundert, in dem sich heute die Jugendherberge befindet.
Im Jahre 1584 wurde Sulza von der Pest heimgesucht. 1593 erhielt der Ort die niedere Gerichtsbarkeit. 1613 wurde die Stadt von der Thüringer Sintflut heimgesucht. Der Siedebetrieb des Salzwerks wurde 1625 vom Oberaufseher Johann Agricola ins neugegründete Unterneusulza an die Ilmmündung verlegt und die Strohgradierung eingeführt. 1640 plünderten schwedische Truppen die Stadt. 1714 kam es zu einem Großbrand, der fast die gesamte Stadt in Schutt und Asche legte. 1752 begann durch die Übernahme des Freiherrn von Beust eine neue Epoche für das Salzwerk, der dieses zu neuer Blüte führte.
mini|Karte der Schlacht bei Jena und Auerstedt. Rot: Französische Truppen; blau: Truppen Preußens und Braunschweigs Auf dem Gebiet der heutigen Stadt Bad Sulza fand am 14. Oktober 1806 die Schlacht bei Auerstedt statt. 1846 erhielt die Stadt mit dem Bau einer Eisenbahnstation Anschluss an die Thüringer Bahn. Das Jahr 1847 wird als das Jahr der Gründung des Solbades angesehen.
1900 bis zur Gegenwart mini|links|Neu-Sulza sowie im Hintergrund Dorfsulza und Bergsulza um 1850 Im Jahre 1907 entstand aus dem Zusammenschluss von Dorfsulza (1895: 634 Einwohner) und Stadtsulza (1895: 2301 Einwohner) die Stadt Bad Sulza. 1923 erfolgte die Eingemeindung von Bergsulza und Oberneusulza. Unterneusulza blieb bis 1949 selbständig, als es in Großheringen eingemeindet wurde.
1908 wurde auf einer Anhöhe nördlich der Stadt die weithin sichtbare Sonnenburg erbaut, eine Ausflugsgaststätte im Baustil einer romanischen Burg. Diese Anlage ist seit einigen Jahren jedoch nicht mehr öffentlich zugänglich (Stand 2025).
Von 1933 bis 1937 unterhielt das Thüringer Ministerium des InnernUdo Wohlfeld: Das Netz. Die Konzentrationslager in Thüringen 1933–1937. Eine Dokumentation zu den Lagern Nohra, Bad Sulza und Buchenwald (= Gesucht. Schriftenreihe der Geschichtswerkstatt Weimar-Apolda. 2). Eigenverlag Geschichtswerkstatt Weimar/Apolda e. V., Weimar 2000, ISBN 3-935275-01-3, S. 99 ff. im ehemaligen Kurhotel „Zum Großherzog von Sachsen“ das KZ Bad Sulza, das die Nachfolge vom KZ Nohra antrat. Die Bewachung ging 1936 von der SA auf die SS über. Insgesamt 850 Häftlinge wurden dort interniert und zu Arbeiten im Steinbruch und Straßenbau eingesetzt.Ruth-Barbara Schlenker, Udo Wohlfeld: Nationalsozialistische Lager ⁹in Bad Sulza. Ein Stadtrundgang. Geschichtswerkstatt Weimar, Weimar 2008, ISBN 978-3-935275-06-4, S. 20. Die Häftlinge aus Bad Sulza wurden 1937 in das KZ Buchenwald überführt.
Seit 1940 wurde zunächst in einem ehemaligen Gasthaus und später in einem Barackenlager in der Ilmaue das Kriegsgefangenenstammlager (STALAG) IXC eingerichtet, von dem aus über 42.000 Gefangene verschiedener Nationalitäten erfasst und zur Zwangsarbeit in der Region eingesetzt wurden. Von ihnen fanden mindestens 442 den Tod, die meisten waren sowjetische Gefangene, die in einem Seuchenlager im Brühl an Flecktyphus zugrunde gingen.
Am 11. September 1944 wurden bei einem amerikanischen Luftangriff das Schützenhaus und der leere Schlafsaal der Kinder-Kureinrichtung getroffen.
Die Stadt wurde am 11. April 1945 kampflos von der US-Armee besetzt. Diese öffnete sofort das alliierte Kriegsgefangenenlager.
Am 13. April 1945 brannte das frühere Kurhotel „Zum Großherzog von Sachsen“ aus, wahrscheinlich als Folge von Brandstiftung. In ihm hatte sich von 1933 bis 1937 das KZ befunden. 1939 war der Gebäudekomplex eine Außenstelle des Staatsarchivs Weimar geworden. Bei dem Brand gingen die Bestände von 5.000 Metern Archivgut völlig verloren: mit der Geschichte des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach im 19. Jahrhundert und des Landes Thüringen bis in die 1930er Jahre. Neben dem Archiv hatte es in dem Gebäude Vorratslager der Wehrmacht mit Lebensmitteln und Spirituosen gegeben.
Ab Anfang 1945 wurde Bad Sulza „von einer Flüchtlingslawine (aus den Ostgebieten) überrollt“ (Chronik).
Anfang Juli 1945 löste die Rote Armee die US-Armee auch in Bad Sulza ab. Damit wurde es Teil der SBZ und ab 1949 der DDR.
Ab 1950 war Bad Sulza Erholungsort für die Wismut AG. 1964 bis 1969 wurde ein mehrstöckiges Wismut-Sanatorium am Rande des Kurparks gebaut.
In den 1960er Jahren wurde Bad Sulza als Volksheilbad und Volkssolbad bezeichnet. Die Toskana Therme lockt heute viele Besucher nach Bad Sulza.
Ab Ende Oktober 1989 gab es auch in Bad Sulza im Rahmen der Friedlichen Revolution Bürgerversammlungen im Kur-Saal des Sophienhauses und dann in der Mauritiuskirche (bis 470 Teilnehmer).
mini|hochkant|Evangelisch-lutherische Stadtkirche St. Mauritius von 1715 Von 1992 bis 1996 war Bad Sulza mit den Gemeinden Auerstedt, Eberstedt, Flurstedt, Gebstedt, Großheringen, Ködderitzsch, Niedertrebra, Obertrebra, Rannstedt, Reisdorf, Schmiedehausen und Wickerstedt in der Verwaltungsgemeinschaft Bad Sulza zusammengeschlossen. Mit der Auflösung dieser wurde Bad Sulza erfüllende Gemeinde für alle weiteren Mitgliedsgemeinden.Thüringer Landesamt für Statistik.
Bad Sulza ist spätestens seit 2010 ein staatlich anerkannter Kurort mit der Artbezeichnung Soleheilbad.
Seit dem 31. Dezember 2012 gehören die bisher selbständigen Gemeinden Auerstedt, Flurstedt, Gebstedt, Reisdorf und Wickerstedt als Ortsteile zur neugebildeten Landgemeinde Stadt Bad Sulza,StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2012 für die Bad Sulza bereits zuvor erfüllende Gemeinde war.
Ködderitzsch wurde am 1. Januar 2019 eingemeindet.Thüringer Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 14/2018 S. 795 ff., aufgerufen am 4. Januar 2019 Bad Sulza war bereits zuvor erfüllende Gemeinde für Ködderitzsch.
Die Gemeinde Saaleplatte wurde am 31. Dezember 2019 in die Stadt Bad Sulza eingemeindet.Thüringer Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 11/2019 vom 18. Oktober 2019 S. 385 ff. Seit 31. Dezember 2013 war Bad Sulza erfüllende Gemeinde für Saaleplatte.
Rannstedt, für das Bad Sulza ebenfalls erfüllende Gemeinde war, wurde am 1. Januar 2023 eingemeindet.Thüringer Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 26/2022 S. 475 ff., aufgerufen am 31. Dezember 2022
Einwohnerentwicklung In der nachstehenden Tabelle ist die Entwicklung der Einwohnerzahl seit 1995 dargestellt. Ermittelt wurden die Werte jeweils zum Stichtag 31. Dezember. Jahr Einwohner 1995 3331 2000 3147 2005 3065 2010 2973 2015 4738 2020 7678 Jahr Einwohner 2021 7695 2022 7821 2023 8124 2024 8001
Kirche St. Mauritius (Bad Sulza) ist eine evangelische Kirche und befindet sich im Stadtzentrum. St. Johannes Evangelist (Dorfsulza) ist eine katholische Kirche.
Denkmäler und Gedenkstätten mini|Gedenkstein KZ