Grünberg ist eine Kleinstadt im mittelhessischen Landkreis Gießen. Die Stadt ist ein staatlich anerkannter Luftkurort.
Geografie Grünberg gehört naturräumlich im Wesentlichen zum Vorderen Vogelsberg; nur ein winziger Teil des nordwestlichen Vogelsberges liegt auf der Gemarkung Grünbergs. Geologisch liegt die Stadt jedoch noch deutlich innerhalb der Ausdehnung des Vogelsberg-Basalts.
Durch die Gemeinde fließt der Äschersbach von Norden nach Süden.
Nachbargemeinden
VB = Vogelsbergkreis GI = Landkreis Gießen
Stadtgliederung mini|Lage der Stadtteile mit Einwohnerzahlen
Die Stadt Grünberg gliedert sich in die Kernstadt sowie die weiteren Stadtteile Beltershain, Göbelnrod, Harbach, Klein-Eichen, Lardenbach, Lehnheim, Lumda, Queckborn, Reinhardshain, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain und Weitershain.
Geschichte Mittelalter mini|links|Grünberg im Jahre 1591 nach Wilhelm Dilich; rechts oben: Wartturm mini|Marktplatz, nördliche und westliche Seite mini|Marktplatz, südliche SeiteIm Vordergrund, im Schatten: Der Brunnengucker am Brunnenrand
Ende des 12. Jahrhunderts gründete Landgraf Ludwig III. von Thüringen Grünberg, um seinen Besitz im Süden gegen die konkurrierenden Mainzer Erzbischöfe zu schützen. Es liegt strategisch sehr günstig auf einem Plateau, das an drei Seiten steil abfällt. 1186 wurde die Burg Grünberg (castrum Gruninberc) zum ersten Mal in einer Chronik erwähnt.MGH, Script. rerum Germ. Monum. Erphesfurtensis, S. 194. Ebenfalls findet sich das Jahr der Ersterwähnung in einem Kopiar aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Im Jahr 1222 wurde Grünberg erstmals als Stadt genannt: „civitatis in Gruninberg“.Archiv Lich Urk. Solms. Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 147.
Eine weitere Namensnennung stammt aus den Jahren 1258 „Grunberc (1258)“.Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Darmstadt 1860–1873. Band 1. Nr. 115, S. 82 f. 1343 werden „scabini in Gruonenberg“ (Schöffen in Grünberg) urkundlich erwähnt.StAD, Urk. Oberhessen, Merlau. 1364 heißt es „zuo Grunenburg“Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band 3, Nr. 1046, S. 45. und 1591 in einem Salbuch „Grunbergk“.Eduard Edwin Becker: Die Salbücher des Kreises Alsfeld. Alsfeld 1940. S. 337.
Die Namensforschung leitet den Namen von der Lage auf einem „grünen“ Berg ab. Das ahd. Wort „gruoni“, mhd.: „grüene“ und mhd. „berc“ bilden den Ortsnamen. Der Wechsel im Stammwort von Berg und Burg ist häufig.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. S. 147 f.
1195 zerstörten Kurmainzer Truppen die Anlage. Die Burg wurde schnell wieder aufgebaut. Dabei plante man von vornherein eine größere, umgebende Stadt. Schon im Jahr 1222 stellte das Gericht der Stadt Grünberg Urkunden aus und verwendete ein Siegel, das dem des Landgrafen ähnelte. Innerhalb der Stadtmauer lag die landgräfliche Burg nahe dem steilen Südhang. Die bürgerlichen Wohnbezirke schlossen sich daran an. Im relativ ungeschützten Norden befanden sich die Klöster; wollte jemand die Stadt angreifen, hätte er diese zuerst zerstören müssen, was jedoch unweigerlich den Kirchenbann nach sich gezogen hätte. Das wohl um 1193 gegründete Antoniterkloster Grünberg () war eines der ältesten und wichtigsten. Um 1200 war es zwar noch ein einfaches Kloster mit integriertem Hospital, jedoch führte seine strategisch günstige Lage unweit zweier Hauptverkehrswege dazu, dass es sich im Laufe der Zeit zu einer Generalpräzeptorei des Antoniter-Ordens entwickelte. Mit seinen Tochtergründungen reichte sein Gebiet in seiner größten Ausbreitung von Friedberg in der Wetterau bis zum Nonneseter KlosterDen katolske kirke – Norges klostre in middelalderen – Nonneseter Kloster i Bergen. in Bergen (Norwegen) und von Wetzlar bis nach Lennewarden im heutigen Lettland. Die erste dieser Filialen wurde am 7. Juni 1222 in Tempzin bei Wismar gegründet. Etwas später ließen sich auch die Franziskaner in Grünberg nieder.
mini|hochkant|Wartturm zur Sicherung des nördlichen Vorfeldes
Schon 1230 war Grünberg Münzstätte. 1254 trat Grünberg zusammen mit heute viel größeren Orten wie Marburg und Alsfeld dem „Rheinischen Städtebund“ bei. Am 16. Oktober 1272 stellte der hessische Landgraf Heinrich I. den Grünbergern einen Freiheitsbrief aus, der ihre städtischen Rechte bestätigte. Er verlieh allen Bürgern die Freizügigkeit und unterstellte sie unmittelbar seiner Gerichtsbarkeit. Die Stadt wuchs. Ende des 13. Jahrhunderts wurde die gotische Marienkirche errichtet, deren Vorbild die Marburger Elisabethkirche war. Erstmals 1304 wird die Neustadt genannt, die vor der Stadtmauer lag. 1324 baute man eine neue Wehrmauer, die auch die Neustadt umschloss. 1353 weihte die Stadt die erste Schule ein.
Bürgerfleiß war sicherlich eine Wurzel des städtischen Reichtums. Wichtiger war jedoch die Lage an einem der großen Handelswege von Frankfurt am Main nach Mitteldeutschland: durch die kurzen Hessen oder die Hohe Straße. Zwei große Brandschatzungen verwüsteten 1370 und 1391 fast die ganze Stadt. Mit landgräflicher Unterstützung ging der Wiederaufbau recht schnell voran. Allerdings erlangte Grünberg nicht mehr seine alte Bedeutung. Trotzdem ließ die Stadt 1419 eine zentrale Wasserversorgung einrichten, für die damals modernste Technik eingesetzt wurde. Aus dem 60 m tiefen Brunnental wurde Quellwasser mechanisch auf den Berg gepumpt. Kaiser Friedrich III. stiftete 1481 der Stadt einen jährlichen Markt, den Gallusmarkt, der acht Tage dauern sollte. Er wurde auf den 16. Oktober, den Gallustag, gelegt, um an den Tag zu erinnern, an dem die Stadt 1272 den Freiheitsbrief erhalten hatte. Bis heute wird der Gallusmarkt jedes Jahr gefeiert.
Die Stadtverwaltung lag von Beginn an in der Hand eines aus zwölf meist wohlhabenden Männern bestehenden Rates. Schon 1305 geriet dieser jedoch um Fragen der Finanzen mit der restlichen Bürgerschaft in Streit. Im Ergebnis wurde am 5. Juni ein Kompromiss ausgehandelt, kraft dessen die Bürgerschaft fortan ebenfalls zwölf Männer aus ihren Reihen in den Rat entsenden sollte. 1482 wurde dieses Gremium auf vier Männer beschränkt. In dieser Form blieb die städtische Verfassung bis ins 19. Jahrhundert erhalten.
Neuzeit mini|Grünberg – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655 mini|Restaurierte Einkaufsstraße
Auch Grünberg wurde zwischen 1524 und 1527 lutherisch, und Landgraf Philipp von Hessen löste die Klöster auf. Das Antoniterkloster ließ er 1578 bis 1582 von Ebert Baldewein zum Witwensitz (heutiges „Schloss“) umbauen, es erhielt unter anderem zwei schöne Renaissance-Erker. Die Ländereien erhielt die Landesuniversität in Marburg. Das Augustinerinnenkloster wurde städtisches Hospital. (In diesem Gebäude eröffnete im Oktober 2005 das Stadtgeschichtsmuseum samt ethnografischer Theodor Koch-Grünberg Sammlung.) Zur gleichen Zeit stellte die Stadt zwei weitere Lehrer für die Schule ein, und auch die Mädchen erhielten jetzt Elementarunterricht. Das 1526 errichtete Universitätsgebäude ist Oberhessens höchstgelegener Fachwerkbau. Während der Pestepidemie 1542 wurde die Universität Marburg in das Gebäude ausgelagert.
Bei der Landesteilung 1567 kam Grünberg an Hessen-Marburg, 1604 an Hessen-Darmstadt.
1593 lebten 432 Vollbürger in der Stadt; nach dem Dreißigjährigen Krieg und einer Pestepidemie waren es nur noch 220. Der städtische Rat ließ damals über 100 leer stehende Häuser abreißen. Nur langsam erholte sich die Stadt. Da sich auch die politischen und wirtschaftlichen Zentren verlagert hatten, entwickelte sich Grünberg zu einer Ackerbürgerstadt, wie sie für Oberhessen typisch ist. Die Friedhofskirche, ein Barockbau des frühen 18. Jahrhunderts, zeigt dieses deutlich. Als 1816 die gotische Kirche einstürzte, konnte die Stadt erst 1846 mit dem Neubau beginnen. Kluge Politik hatte in dieser Zeit bewirkt, dass sich die Schulden innerhalb von 20 Jahren halbiert hatten.
mini|hochkant|Diebsturm (Wahrzeichen der Stadt) Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Grünberg:
Erst im fortschreitenden 19. Jahrhundert gewann Grünberg wieder seine alte Bedeutung. Von 1832 bis 1874 war Grünberg Kreisstadt. Nun war die wirtschaftliche Grundlage nicht mehr die Lage an einer bedeutenden Handelsstraße, sondern das örtliche Handwerk, besonders Weber und Schuster. 1869 wurde Grünberg durch die Bahnstrecke Gießen–Fulda an das Eisenbahnnetz angeschlossen und Ende des 19. Jahrhunderts siedelten sich die ersten Textilfabrikanten hier an. Städtische Bauvorhaben waren besonders eine moderne Wasserversorgung mit Hausanschlüssen im Jahr 1896 und ein Stromnetz, das 1913 elektrisches Licht brennen ließ. In den folgenden Jahrzehnten entstanden weitere kommunale Einrichtungen wie Schulgebäude und ein Schwimmbad. Die Baustruktur blieb weitgehend erhalten, erst zwei Bombenangriffe zerstörten 1945 zahlreiche Gebäude und töteten 150 Einwohner.
Da nach dem Zweiten Weltkrieg über 800 Flüchtlinge und Heimatvertriebene in die Gemeinde zu integrieren waren, wurde möglichst schnell neuer Wohnraum geschaffen. Bald kamen Industriebetriebe dazu. Seit 1969 wird die Grünberger Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern umfassend saniert. Heute ist sie ein Wohn- und Einkaufsort auf dem grünen Berg, mit einem geschlossenen Stadtbild. 1980 war Grünberg der Austragungsort des Hessentags. Seit 1983 ist Grünberg staatlich anerkannter Luftkurort. Schon 1845 schrieb der Gymnasiallehrer und Chronist Carl Glaser: „Die Luft in unserer Stadt ist rein. Von Epidemien weiß man hier seit Jahren nichts. Hier in Grünberg ist die Luft rau aber herzlich.“
Seit der Hessischen Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden auf freiwilliger Basis 13 bis dahin selbstständige Gemeinden und heutige Stadtteile nach Grünberg eingegliedert:
31. Dezember 1970: Beltershain, Göbelnrod, Klein-Eichen, Lumda, Queckborn, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain und Weitershain 1. Februar 1971: Harbach und Lardenbach 31. Dezember 1971: Lehnheim (bis dahin im Landkreis Alsfeld) 1. April 1972: Reinhardshain Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden sowie für die Kernstadt wurden Ortsbezirke gebildet.
Seit 2007 besitzt die Stadt ein eigenes Museum, das Museum im Spital, das über die Stadtgeschichte Grünbergs berichtet und eine Ausstellung zum Leben und Werk ihres berühmtesten Bürgers, des Ethnologen Theodor Koch-Grünberg (1872–1924), zeigt.
2011 wurde Grünberg erstmals als Fair-Trade-Stadt ausgezeichnet. 2015 und 2019 wurde dieser Titel erneuert.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Grünberg angehört(e):
ab 1269: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Grünberg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Grünberg 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Grünberg ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Ober-Hessen, Amt Grünberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Grünberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GrünbergTrennung zwischen Justiz (Landgericht Grünberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg