Der Unabhängige Staat Samoa, kurz Samoa (; samoanisch Mālō Saʻoloto Tūtoʻatasi o Sāmoa, englisch Independent State of Samoa), ist ein Inselstaat in Polynesien, der den westlichen Teil der Samoainseln umfasst und deswegen – bis 1997 offiziell – auch Westsamoa (Sāmoa i Sisifo) genannt wurde. Der Staat erlangte 1962 als ehemaliges Treuhandgebiet der Vereinten Nationen seine Unabhängigkeit von Neuseeland. Zudem ist er Mitglied im Commonwealth of Nations. Der östlich davon liegende Teil der Region, Amerikanisch-Samoa, ist seit 1929 ein Außengebiet der Vereinigten Staaten.
Geographie Der unabhängige Inselstaat Samoa liegt im südwestlichen Pazifik nordöstlich von Fidschi und besteht aus mehreren Inseln. Die größten Inseln sind Savaiʻi (1708 km²) und Upolu (1118 km²) mit der Hauptstadt Apia und dem internationalen Flughafen. Dazu kommen die bewohnten Inseln Manono, Apolima und sechs Inseln, die bis auf eine kleine Ferienanlage auf Namua unbewohnt sind. Name Einw.(2021) Fläche(km²) Upolu 159.664 1125 Savaiʻi 45.175 1694 Manono 637 2,9 Apolima 81 1,4 Fanuatapu unbewohnt 0,15 Name Einw.(2021) Fläche(km²) Namua unbewohnt 0,20 Nuʻulopa unbewohnt Nuʻulua unbewohnt 0,25 Nuʻusafeʻe unbewohnt 0,02 Nuʻutele unbewohnt 1,1 Samoa liegt komplett östlich des 180. Längengrades bei etwa 172° West. Trotzdem ist der Staat ganzjährig der Zeitzone UTC+13 zugeordnet, wodurch ein Versatz der Datumsgrenze nach Osten entsteht und Samoa somit westlich dieser Grenze liegt. 1892 wechselte die Zuordnung des Gebiets auf die östliche Seite der Datumsgrenze (Verdoppelung des 4. Juli), 2011 erfolgte die Rückkehr (Ausfall des 30. Dezembers).
Geologie Die größeren Inseln sind vulkanischen Ursprungs und von schroffen, dicht bewachsenen Berghängen gekennzeichnet. Höchster Berg ist mit etwa 1858 m der Vulkan Silisili auf Savaiʻi. Die kleineren Inseln sind aus Korallenriffen entstanden.
Klima mini|Klimadiagramm von Apia
Das Klima ist tropisch-ozeanisch mit einer Trocken- und einer Regenzeit (November bis April) (Typ Af nach Köppen). Es weht ein beständiger Südost-Passat. Die Temperatur schwankt von 20 °C bis 30 °C und beträgt im Durchschnitt 27 °C. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt 2870 Millimeter, davon allein 1900 Millimeter von Oktober bis März. Auch wenn Samoa nicht in der Haupteinfallslinie der Hurrikane liegt, wird es doch gelegentlich von schweren Stürmen getroffen.
Da nachts wohl die Temperatur, aber nicht die Luftfeuchte sinkt, ist die Mehrzahl der Nächte als „drückend“ und „miserabel“ klassifiziert.
Bevölkerung mini|271x271px|Bevölkerungsentwicklung, Fertilitäts- und Nettoreproduktionsraten von 1950 bis 2021; Prognose der Bevölkerungsentwicklung bis 2032; Schätzung der Vereinten Nationen 2022Blaue Kurve (linke Y-Achse): Gesamtbevölkerung jeweils zum 1. Juli in TausendBlaue gepunktete Kurve (linke y-Achse): Gesamtbevölkerung jeweils zum 1. Juli in Tausend, „Mittlere Prognose“ („Medium variant“)Rote Kurve (rechte y-Achse): Gesamtfruchtbarkeitsrate (Lebendgeburten pro Frau)Gelbe Kurve (rechte y-Achse): Nettoreproduktionsrate (überlebende Töchter pro Frau)
Die Bevölkerung Samoas setzt sich aus etwa 92,5 Prozent Samoanern, 7 Prozent Euronesiern (sowohl samoanische als auch europäische Vorfahren) sowie 0,5 Prozent Europäern zusammen (geschätzt). Etwa 1200 Ausländer leben in Samoa (Stand 2021). Anteilig sind dies nicht mehr als zur Kolonialzeit. Damals kamen in Deutsch-Samoa auf etwa 24.000 Samoaner etwa 300 Deutsche und etwa 300 andere Ausländer.
Auf Samoa lebten im Jahr 2021 205.557 Einwohner; 104.853 Männer und 100.704 Frauen (alle Zahlen: Volkszählung 2021), davon sind 38,5 Prozent (41.365 männlich, 37.714 weiblich) maximal 14 Jahre alt, 55,9 Prozent (58.163 m., 56.766 w.) sind zwischen 15 und 64 und 5,5 Prozent älter als 65. Das Durchschnittsalter der Samoaner beträgt 20,8 Jahre (Männer 21,0, Frauen 20,5 Jahre). Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2020 statistisch bei 3,8. Im Jahr 2006 war die Sterberate 0,7 Prozent, die Kindersterblichkeit (bis ein Jahr) 2,4 Prozent der Lebendgeburten. Durchschnittlich bekommt eine Frau 4,2 Kinder. Sehr viele Samoaner leben im Ausland, allein in Neuseeland etwa 130.000. Die Lebenserwartung der Einwohner Samoas ab der Geburt lag 2020 bei 73,5 Jahren (Frauen: 75,6, Männer: 71,4) Die Alphabetisierungsrate liegt bei 98,7 Prozent (2006).
Einwohnerentwicklung
Sprachen Amtssprachen in Samoa sind Samoanisch (eine polynesische Sprache) und Englisch.
Religion Ungefähr 98,4 Prozent der Bevölkerung sind Christen. Viele traditionelle Vorstellungen wie der Glaube an böse Geister bestehen weiterhin, sind jedoch in die christliche Glaubenswelt eingebunden. Ein Gründungsmythos Sina und der Aal findet sich in der Überlieferung.
+ Religionen (lt. Volkszählung 2006) Kirche bzw. Glaube AnteilCongregational Christian Church in Samoa 33,6 %Römisch-katholische Kirche 19,4 %Methodisten 14,3 %Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 13,3 %Assembly of God 6,9 %Siebenten-Tags-Adventisten 3,5 %Zeugen Jehovas 0,8 %Bahai 0,4 %Neuapostolische Kirche 0,4 %Andere 7,4 %
Bildung Samoa betreibt zusammen mit elf weiteren Inselstaaten die University of the South Pacific (USP), deren Campus mit dem Institute for Research, Extension and Training in Agriculture (IRETA) sich in Alafua etwas außerhalb der Hauptstadt Apia befindet.Website der USP in Samoa, englisch, abgerufen am 1. Mai 2013. In Apia befindet sich die 1984 gegründete National University of Samoa (NUS; samoanisch: Le Iunivesitē Aoao o Sāmoa).Website der National University of Samoa
Samoa verzeichnet zudem eine Alphabetisierungsrate von 98 %. In jedem Dorf gibt es Zugang zu einer Primarschule. Die Schulsprache ist vom ersten bis zum dritten Schuljahr Samoanisch; ab dem vierten bis zum sechsten Schuljahr wird zweisprachig unterrichtet, und anschließend, bis zum achten Schuljahr, vermehrt in englischer Sprache.
Gesundheit Samoa lag 2023 in der Liste der fettleibigsten Regionen weltweit auf Rang 9. Menschen, die von Übergewicht oder Adipositas betroffen waren, machten 77,6 % der Bevölkerung aus.
Im Zeitraum 1978–2013 stieg die Adipositasrate in Samoa von 27,7 % auf 53,1 % bei Männern (2,3 % pro fünf Jahre) und von 44,4 % auf 76,7 % bei Frauen (4,5 % pro fünf Jahre). Für das Jahr 2020 wurde eine Adipositasprävalenz von 59,0 % bei den Männern und 81,0 % bei den Frauen prognostiziert, womit Adipositas die Hauptursache für Behinderungen in Samoa ist.
Laut Weltgesundheitsorganisation ist die Prävalenz von Adipositas in Samoa das Ergebnis der Entscheidungen einzelner Verbraucher. Zu den strukturellen Faktoren in Samoa gehören jedoch die Verstädterung, die Bevorzugung der Lohnarbeit gegenüber der Landwirtschaft, Migration, Geldüberweisungen von Verwandten und Freunden, Armut und billige importierte Lebensmittel. Importierte Lebensmittel sind oft billiger als frische einheimische Lebensmittel, zum Beispiel sind importierte Hühnerteile aus Massentierhaltung viel billiger als lokal gefangener Fisch und andere Meeresfrüchte. Eine Portion Reis oder Weißbrot ist billiger als die gleiche Menge Taro, die früher das Grundnahrungsmittel aller Samoaner war. Die Preise für Erfrischungsgetränke sind fast so hoch wie der Preis für eine Flasche Wasser mit demselben Volumen, und eine grüne Trinkkokosnuss ist nur geringfügig billiger.
95 % der Bevölkerung sind gegen die wichtigsten Krankheiten geimpft.
Geschichte mini|links|Fale telē, Traditionelles Haus, in Lelepa auf Savaiʻi, 2009 mini|Darstellung des Hafens von Saluafata, 1908
Die Geschichte der Besiedlung Samoas ist unsicher. Die früheste Besiedlung ist für etwa 1000 v. Chr. durch die Datierung von Tonscherben der Lapita-Kultur nachgewiesen worden. Intensive Beziehungen mit Tonga und Fidschi existierten schon seit 200 v. Chr. Von 940 bis 1250 beherrschte Tonga Samoa.
Der erste Europäer, der Samoa erreichte, war der Niederländer Jakob Roggeveen 1722. Aber erst die Missionare der britischen London Missionary Society (LMS) begründeten ab 1830 die (vorübergehende) Vorherrschaft Europas über Samoa und christianisierten die Einwohner schnell. Eine amerikanische Expedition unter Charles Wilkes erreichte Samoa 1839 und hinterließ einen Konsul. Die Briten eröffneten (wahrscheinlich) 1847 ein Konsulat. 1855 erkundete der Kaufmann August Unshelm (1824–1864) im Auftrag des Hamburger Handelshauses Joh. Ces. Godeffroy & Sohn Samoa. Zwei Jahre darauf gründete er in Apia auf der Insel Upolu eine zentrale Niederlassung der Firma. 1861 ernannte ihn der Hamburgische Senat zum Konsul.
Das Hamburger Handelshaus Joh. Ces. Godeffroy dominierte bereits nach wenigen Jahren den Handel mit Samoa, wobei der Export von Kopra, das der Ölgewinnung diente, zunehmend an Bedeutung gewann. Die steigende Nachfrage nach diesem Rohstoff führte 1865 zur Anlage der ersten Kokos-Plantage durch den neuen Niederlassungsleiter Theodor Weber. Das florierende Geschäft rief zu Beginn der 1870er Jahre weitere Hamburger Handelsfirmen auf den Plan, darunter die Firma „Ruge, Hedemann & Co.“ als Vertreter von „Wachsmuth & Krogmann“ (gegründet 1797). In der Folge verschärfte sich die Konkurrenzsituation zwischen den drei ausländischen Mächten USA, Großbritannien und Deutschland (später die Three Powers genannt), wobei man sich zum Schutz der jeweiligen nationalen Interessen gerne der Mittel der sogenannten Kanonenbootpolitik (zuletzt im Konflikt um Samoa) bediente.
mini|hochkant|Mataafa Josefo, Oberhäuptling und Stammesführer
1878 erhielten die Vereinigten Staaten den Hafen Pago Pago auf Tutuila (Ostsamoa). Ein Jahr darauf erhielt Deutschland einen Hafen bei Apia auf Upolu (Westsamoa). Der deutsche Arzt und Sammler Bernhard Funk verfasste ein deutsch-samoanisches Wörterbuch. Der kleine Reichspostdampfer Lübeck des Norddeutschen Lloyd startete am 7. September 1886 in Sydney erstmals auf der vereinbarten Zweiglinie nach Tonga und Apia. Im Frühjahr 1893 wurde dieser Dienst wieder aufgegeben. Wilhelm Knappe, der Nachfolger des deutschen Konsuls Eugen Brandeis, verursachte 1888/89 innere Spannungen, die schließlich zum Konflikt um Samoa führten. Nachdem ein Zyklon vom 13. bis 17. März die in der Bucht vor Anker liegenden Kriegsschiffe Deutschlands und der Vereinigten Staaten zerstört hatte, kam es am 14. Juni 1889 zur Berliner Samoa-Konferenz mit Deutschland, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten. Das Samoa-Abkommen von Berlin (Berlin Treatey) legte die langjährigen Machtkämpfe zunächst bei und erkannte Samoa als formal unabhängiges Königreich unter dem Protektorat der drei Mächte (Three Powers) an.
Spätestens nach dem Tod von König Malietoa Laupepa, des ersten und einzigen Königs Samoas, im Jahre 1898 war der Frieden wieder vorbei. Wieder gab es mehr als zwei Thronanwärter, und es kam erneut zum Kampf und zur Konfrontation der drei „Schutzmächte“ (siehe Mataafa Josefo). 1899 einigte man sich im Samoa-Vertrag auf die Zweiteilung der Inselgruppe zwischen Deutschland und den USA und entschädigte Großbritannien mit anderen pazifischen Inseln.
mini|hochkant|Wilhelm Solf, Gouverneur von Samoa 1900–1910
Am 17. Februar 1900 wurde Ostsamoa amerikanisches Territorium, das später den Namen „Amerikanisch-Samoa“ (American Samoa) erhielt. Westsamoa wurde zur deutschen Kolonie Samoa und Wilhelm Solf zum Gouverneur.
1903 Gründung der Bewegung Mau, die sich unter dem Motto „Sāmoa mo Sāmoa“ (Samoa den Samoanern) für die Unabhängigkeit einsetzte. Die deutschen Kolonialbehörden unterdrückten den Widerstand, allerdings ohne Blutvergießen, internierten und deportierten die Führer der Mau,Jürgen Schmidt: Arbeit und Nicht-Arbeit im „Paradies der Südsee“: Samoa um 1890 bis 1914, in Arbeit – Bewegung – Geschichte, Heft II/2016, S. 9. was aber letztlich zur Stärkung der Bewegung führte. Unter der neuseeländischen Herrschaft nahm der (gewaltlose) Widerstand weiter zu.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs besetzte Neuseeland Westsamoa und erhielt es 1920 als Völkerbundmandat, 1946 als Treuhandgebiet.