mini|Rüsselsheim aus der Luft, links im Bild mini|hochkant|Evangelische Stadtkirche mini|hochkant|Fußgängerzone

Rüsselsheim am Main (bis zum 30. Juli 2015 Rüsselsheim) ist mit rund 67.000 Einwohnern die größte Stadt des Landkreises Groß-Gerau im Regierungsbezirk Darmstadt innerhalb des Rhein-Main-Gebietes, zudem ist es die zehntgrößte Stadt des Landes Hessen und Teil der Stadtregion Frankfurt. Internationale Bekanntheit erlangte Rüsselsheim durch den Automobilhersteller Opel.

Am 30. Juli 2015 gab die Stadt die offizielle Umbenennung von Rüsselsheim in Rüsselsheim am Main bekannt. Hierfür hieß das Hessische Ministerium des Innern und für Sport einen Antrag der Stadt Rüsselsheim gut. Grund für den Namenszusatz sei die positive Besetzung des Mains als Natur-, Freizeit- und Wirtschaftsfaktor. Die Verwendung der Namensergänzung „a. M.“ lässt sich historisch belegen.

Geografie Geographische Lage Rüsselsheim liegt zwischen Frankfurt am Main und Mainz. Der südliche Teil des Frankfurter Flughafens liegt teilweise auf dem Gebiet der Stadt. Rüsselsheim ist eine von sechs Sonderstatusstädten des Landes Hessen und liegt am Unterlauf des Mains, nur wenige Kilometer vor dessen Mündung in den Rhein bei Mainz-Kostheim (Stadtteil der Landeshauptstadt Wiesbaden).

Nachbargemeinden Im Norden trennt der Main Rüsselsheim von den beiden Nachbarstädten Hochheim und Flörsheim (beide Main-Taunus-Kreis). Im Nordosten grenzt es an die kreisfreie Stadt Frankfurt am Main und die Stadt Raunheim, im Osten an die Stadt Mörfelden-Walldorf, im Süden an die Gemeinden Nauheim und Trebur sowie im Westen an die Stadt Ginsheim-Gustavsburg und die Gemeinde Bischofsheim. Rüsselsheim liegt dabei zentral im Rhein-Main-Gebiet zwischen den vier Großstädten Mainz und Wiesbaden im Westen sowie Frankfurt im Osten bzw. Darmstadt im Südosten, an die es verkehrlich sehr gut angebunden ist. Keine der genannten Städte liegt weiter als 30 Kilometer von Rüsselsheim entfernt.

Stadtgliederung Das Stadtgebiet setzt sich zusammen aus den Gemarkungen Rüsselsheim als die Kernstadt im Norden Haßloch östlich davon Königstädten im Südosten Bauschheim im Südwesten sowie Rüsselsheimer Wald östlich von Haßloch

Untergliedert ist das Stadtgebiet in eine Reihe von Stadtbezirken statistischer Art, deren Zuschnitt sich nicht an den Gemarkungsgrenzen orientiert. Er folgt eher Merkmalen der Infrastruktur, wie dem Verlauf wichtiger Verkehrswege. Die folgenden Stadtbezirke werden unterschieden: Innenstadt: (021) Ramsee, Rübgrund, Kolonie, Eichgrund: Ramsee (022), Rübgrund und Kolonie (023), Eichgrund (025) Berliner Viertel: (026) Dicker Busch I und II: Dicker Busch I (036), Dicker Busch II (033) Friedrich-Ebert-Siedlung, Hasengrund: Friedrich-Ebert-Siedlung (024), Hasengrund (051) Böllensee-Siedlung: (011) Alt-Haßloch, Haßloch Nord, Horlache: Horlache (031), Alt-Haßloch (032), Haßloch außerhalb (034), Haßloch Nord (035) Alt-Königstädten: Königstädten (041), Hasengrund (052) Königstädten „Blauer See“: Blauer See I (042), Blauer See II (043), Wohngebiet Blauer See II (044) Alt-Bauscheim: Außerhalb (061), Ortsmitte (062) Bauschheim „Im Weinfass“: (063) Opelwerk: (013)

Die Stadtbezirke Königstädten „Blauer See“ sind das bislang letzte große Erschließungsprojekt der Stadt Rüsselsheim. Neben Wohnbebauung ist dort auch ein Gewerbepark entstanden. Dieser wurde für etwa 5.000 bis 7.000 hochqualifizierte Arbeitsplätze im High-Tech-Bereich berechnet. Angesiedelt haben sich dort unter anderem Hyundai/Kia mit einem Entwicklungszentrum und Speditionen sowie das Druckzentrum der Verlagsgruppe Rhein Main.

Geschichte Mesolithikum bis Römerzeit Funde spätpaläolithisch-mesolithischer Werkzeuge und Abschläge an der Fundstelle Rüsselsheim 122 deuten auf Jäger im Rüsselsheimer Raum vor ca. 13.000 Jahren hin.Jürgen Hubbert, Stefan Loew: Die beiden endpaläolitischen Lagerplätze Rüsselsheim 122A und 122B. (Webseite https://www.koenigstaedten.de/historisches/eiszeit.html)

In der Literatur finden sich Angaben zu Funden aus römischer Zeit (Särge, Urnen und Backsteine), die auf eine befestigte Römerstraße entlang des Mains schließen lassen.Karl Dittmarsch: Der Main von seinem Ursprung bis zur Mündung. Zabern, 1843, S. 417.

Historische Namensformen In erhaltenen Urkunden wurde Rüsselsheim unter den folgenden Namen erwähnt (jeweils mit dem Jahr der Erwähnung):

764/5 Rucile(n)sheim vor 1130 Ruozcelenesheim 1275 Ruozelsheim 1336 Rubelnsheim 1640 Ruselsheim 1840 Rüsselsheim

Mittelalter Grabfunde aus dem 7. Jahrhundert belegen die Existenz eines fränkischen Dorfes Heim des Rucilin oder Rucilen. Rüsselsheim ging in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts aus einer fränkischen Siedlung hervor. Erstmals urkundlich erwähnt wurde „Rucilesheim“ (Bedeutung: Heim des Ruciles oder Rucilin) in einer Bestandsaufnahme königlicher Nutzungsrechte, dem Lorscher Reichsurbar (um 840). Eine Änderung der Verhältnisse ist urkundlich erst an der Wende zum Spätmittelalter zu belegen. Von da an sorgten Schenkungen und Verpachtungen für eine Zersplitterung des Grundbesitzes. Die Geschichte Rüsselsheims seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ist vom häufigen Wechsel der Besitzrechte und Herrschaftsbefugnisse geprägt. Für die dort lebenden Bauern bedeutete dies, dass mehrere Herrschaftsrechte (Grund-, Leib- und Gerichtsherrschaften) nebeneinander existierten und sie damit Untertan mehrerer Herren waren. In einer verkürzten Darstellung ergaben sich folgende Hoheitsbefugnisse:

1275: Leute und Grundbesitz von Rüsselsheim gingen an Werner von Münzenberg. Übergang der Rechte an die Ritter von Heusenstamm. 1323: Verkauf des Besitzes an den Ritter Hartmut V. von Cronberg. Aus diesem Vertrag ergab sich, dass Rüsselsheim bereits ein Lehen der Grafen von Katzenelnbogen war und diese als die eigentlichen Herren des Ortes bezeichnet werden müssen. 1355: Lehnsherr Graf Wilhelm II. von Katzenelnbogen erlaubte Hartmann dem Jüngeren von Cronberg einen Teil der Einkünfte aus Rüsselsheim seiner Gattin zu vermachen. Am Beginn des 15. Jahrhunderts entwickelte sich eine heftige Fehde zwischen den Grafen von Katzenelnbogen und ihren Cronberger Lehensnehmern, in dessen Verlauf der Besitz mit allen Rechten an die katzenelnbogische Herrschaft überging.

Die Grafen von Katzenelnbogen festigten 1425 ihre Position in dieser Region durch den Erwerb der Dörfer Seilfurt (der Ort Seilfurt grenzte westlich an Rüsselsheim, brannte aber infolge eines Blitzschlages 1534 ab. Die Einwohner schlossen sich dem benachbarten Rüsselsheim an. Seilfurt hatte noch vor Haßloch eine eigene Kirche und war eigene PfarreiGeorg Wilhelm Justin Wagner: Die Wüstungen im Großherzogthum Hessen. Jonghaus, 1862, S. 168 Google Books) und Raunheim sowie der Vogtei Trebur. Rüsselsheim nahm gegenüber den umliegenden Dörfern im frühen 15. Jahrhundert eine privilegierte Position ein, da es von den Grafen von Katzenelnbogen als Amtssitz bestimmt wurde. Eine Rüsselsheimer Kellereirechnung aus dem Jahr 1435 gilt als bisher ältester bekannter Nachweis der Rebsorte Riesling. 1437 erhielten die Grafen von Kaiser Sigismund die Gnade, eine schon vor Jahrzehnten begonnene Burg am Main zu vollenden. In diesem Vertrag bekam Rüsselsheim weitere Rechte, wie sie zu dieser Zeit für andere „Städtlein“ üblich waren. Da die große Zeit der Städtegründungen aber längst vorbei war, teilte Rüsselsheim das Los mit vielen spätmittelalterlichen Minderstädten, in denen der bäuerliche Bevölkerungsanteil dominierte und die kaum spezialisiertes Handwerk aufweisen konnten.

mini|Festung Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit ist die geschichtliche Entwicklung der Festung Rüsselsheim sicher bedeutsamer als die des Ortes selbst. Sie entwickelte sich aus einer Burg am Main und sollte mehreren Zwecken dienen: dem Expansionsstreben des Mainzer Erzbischofs und der Bedrohung durch die Taunusritterschaft entgegenwirken, die Verbindungswege zwischen den nicht zusammenhängenden Teilen der Ober- und der Niedergrafschaft Katzenelnbogen sichern und durch die Beherrschung von Fluss und Straße lukrative Zolleinnahmen bringen. Letzteres war wohl der Grund dafür, dass die Städte Mainz und Frankfurt am Main 1399 bei König Wenzel gegen die Burg Einspruch erhoben. Im Edikt aus dem Jahr 1437 wurde der Weiterbau der Burg zwar genehmigt, die Errichtung einer Zollstätte aber ausdrücklich verboten. Nach dem Aussterben der Grafen von Katzenelnbogen mit Philipp I. 1479 fiel die Burg als Erbe an die Landgrafen von Hessen. Für den Erbauer Rüsselsheims gibt es in der Literatur einige Quellen, die auf Wilhelm III. um das Jahr 1492 hinweisen.vgl. Michael Conrad Curtius: Geschichte von Hessen. 1793, S. 152. Google Books

Neuzeit mini|Rüsselsheim – Auszug aus der Topographia Germaniae von Matthäus Merian 1655

Im Zuge der Aufrüstung für den Schmalkaldischen Krieg ließ Philipp der Großmütige die Burg (vermutlich 1530–1540) zu einer quadratischen Festungsanlage ausbauen. Wegen der Niederlage im Schmalkaldischen Krieg wurde die Festung Rüsselsheim 1547 auf Anordnung von Kaiser Karl V. wieder geschleift, aber schon um 1560 erneut wiederhergestellt. Im Dreißigjährigen Krieg galt die Festung als militärisch uneinnehmbar, wechselte jedoch durch vertragliche Regelungen mehrfach den Besitzer. Der Pfälzische Erbfolgekrieg besiegelte das Schicksal der Festung als militärische Anlage: 1688 wurde sie von französischen Truppen eingenommen und bei deren Abzug ein Jahr später endgültig gesprengt. Nach verschiedenen Versuchen, die Restanlagen zu nutzen, beherbergt sie seit 1976 das historische Museum der Stadt. Darüber hinaus sind gegenwärtig in der Festung das Stadtarchiv und der hiesige Heimatverein untergebracht.

Rüsselsheim geriet durch den Übergang der Herrschaft an die Landgrafschaft Hessen in eine ungünstige periphere Lage, so dass sich der Ort wenig entwickelte. Kennzeichnend für die Armut war die Tatsache, dass für den Bau der ersten Pfarrkirche 1514 Holz von der Stadt Frankfurt am Main erbeten werden musste. Im Rahmen der Reformation wurde Rüsselsheim durch seine Zugehörigkeit zu Hessen evangelisch. Ende des 16. Jahrhunderts sprechen einige Anzeichen für eine wirtschaftliche Besserung. 1580 wurde eine eigene Schule errichtet. Der Dreißigjährige Krieg machte die meisten positiven Ansätze wieder zunichte. Rüsselsheim wurde mehrfach überfallen. Dazu raffte 1635 eine Pestepidemie einen Großteil der Anwohner dahin. Wegen des desolaten finanziellen Zustandes der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt scheiterten Pläne, Rüsselsheim zu einer Handelsstadt auszubauen. Rüsselsheim bewahrte aber dennoch seine Funktion als regionaler Verwaltungs- und Marktmittelpunkt. In seiner Geschichte erhielt Rüsselsheim mehrmals Marktrechte, das erste Mal bereits 1437 in Verbindung mit dem Erhalt der Stadtrechte durch Kaiser Sigismund. Ein zweites Mal wurden die Marktrechte 1686 durch die hessische Landgräfin Elisabeth Dorothea erneuert, da dieses Recht durch Kriegswirren wieder verloren gegangen war. 1756 musste das Marktrecht erneut durch den Landgrafen Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt verliehen werden.

1793, zur Zeit der Belagerung von Mainz durch preußisch-österreichische Koalitionstruppen, erwähnte Johann Wolfgang von Goethe eine Schiffbrücke bei Rüsselsheim, die er überquerte.vgl. Johann Wolfgang Goethe: Werke: Vollständige Ausgabe letzter Hand. J. G. Gotta, 1830, S. 273. Google Books

Industrialisierung