Basisdaten Sauerland Bundesländer: Nordrhein-Westfalen, Hessen Regierungsbezirke: Arnsberg, Kassel Fläche: 4462,04 km² Einwohner: 882.505 (31. Dez. 2013) Bevölkerungsdichte: 198 Einwohner je km² Höchster Punkt: (Langenberg) Niedrigster Punkt: , an der Ruhr beiIserlohn-Rheinen Gliederung: mehrere Landkreise Karte 300px|zentriert|Lage des Sauerlandes in Deutschland
Das Sauerland (Sauerländer Platt: Siuerland oder Suerland) ist eine Mittelgebirgsregion in Westfalen und, je nach Definition, zum Teil auch in Hessen. Es umfasst den nordöstlichen Teil des Rheinischen Schiefergebirges. Eine genaue Abgrenzung ist nicht möglich und die Begriffsdeutung unterliegt einem stetigen Wandel. Im Kern besteht die Region aus dem südlich der Möhne liegenden Teil des früheren, überwiegend katholisch geprägten Herzogtums Westfalen (kurkölnisches Sauerland) und dem südlich der Ruhr liegenden Teil der früheren, überwiegend protestantisch geprägten Grafschaft Mark (märkisches Sauerland). Zum Sauerland gehört, zumindest in einer der gängigen Definitionen, auch das Upland im hessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg. Die Region umfasst verschiedene Teilgebirge. Die höchsten Erhebungen liegen im Rothaargebirge. Dort entspringen auch die Ruhr und die Lenne. Die im Verhältnis zum Landesdurchschnitt dünn besiedelte Region hat viele Waldgebiete und Stauseen. Wirtschaftlich war die Region neben der Land- und Forstwirtschaft vom Erzbergbau sowie der Eisen- und Metallindustrie geprägt. Heute existiert eine überwiegend mittelständische Industrie. Insbesondere im höher gelegenen Ostteil der Region, dem Hochsauerland, ist der Tourismus von großer Bedeutung.
Geographie Lage und Grenzen Das Sauerland liegt im Süden Westfalens; es umfasst vor allem den ehemals zur Grafschaft Mark und zum Herzogtum Westfalen gehörenden, nordöstlichen Teil des Rheinischen Schiefergebirges sowie angrenzende Gebiete. Da Regionen immer einer freien Grenzziehung unterliegen und da die Region Sauerland nicht auf ein historisches Territorium zurückgeht, existiert keine feste Grenzdefinition. Zudem unterlag und unterliegt der Begriff einem stetigen Bedeutungswandel (→ siehe Begriffsgeschichte).
Im Westen, Süden und Osten folgt die Grenzziehung meist historischen Grenzen, während im Norden der Wechsel im Landschaftsbild herangezogen wird. Eine mögliche Grenzziehung nennt im Westen die Wasserscheide zwischen Ennepe und Volme und die sich südwärts anschließende Wasserscheide zwischen Agger und Bigge als Grenze. Dies entspricht der historischen Grenze zwischen der Grafschaft Mark und dem Herzogtum Berg beziehungsweise zwischen den preußischen Provinzen Westfalen und Rheinland. Zum Teil liegt die so skizzierte Westgrenze im heutigen Ennepe-Ruhr-Kreis; diese Gebiete werden zunehmend zum Ruhrgebiet gezählt. Dies gilt auch für die Stadt Hagen. Im Süden werden Sieger- und Wittgensteiner Land abgegrenzt; doch werden trotz aller historischen Differenzen gerade diese beiden Regionen immer wieder gemeinsam mit dem Sauerland genannt. Im Allgemeinen werden die drei Regionen mit anderen Gebieten zur Region Südwestfalen zusammengefasst. Weiter im Osten könnten die Zechsteinsenke von Korbach und der Südostrand des Rothaargebirges herangezogen werden. Dies entspricht der historischen Grenze zur Grafschaft Waldeck; jedoch wird das waldeckische Upland zum Hochsauerland gezählt. Im Norden können Ruhr, Möhne und der südliche Rand der Kreideschichten der Westfälischen Bucht herangezogen werden, wobei auch Teile der Haar und des Hellwegraums zum Sauerland gezählt werden. Daneben gibt es zahlreiche weitere Definitionen des Sauerlands, etwa als Quellgebiet von Ruhr und Lenne.
Im naturräumlich-geographischen Sinne gehört das Sauerland zur Haupteinheitengruppe 33 „Süderbergland“, die auch als „Bergisch-Sauerländisches Gebirge“ bezeichnet wird.Emil Meynen, Josef Schmithüsen: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands. Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen/Bad Godesberg 1953–1962 (9 Lieferungen in 8 Büchern, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960).
mini|hochkant=2|Politische Gliederung des Sauerlandes. Unter natur- und kulturräumlichen Aspekten sind die Außengrenzen weniger genau definiert und weichen teilweise von den hier abgebildeten politischen Grenzlinien ab.
Städte und Landkreise Die einwohnerstärkste Stadt des Sauerlands ist Iserlohn mit Einwohnern. Arnsberg ( Einwohner) und Lüdenscheid ( Einwohner) sind die nächstgrößten Städte. Die flächenmäßig größten Städte sind Schmallenberg (303,07 km²), Brilon (229,01 km²) und Meschede (218,40 km²).
Im Sauerland gab es nie eine Stadt, die als Oberzentrum fungierte.
Der weitaus größere, zu Nordrhein-Westfalen gehörende Teil des Sauerlandes umfasst im Westen den Märkischen Kreis, im Süden den Kreis Olpe und in der Mitte und im Osten den Hochsauerlandkreis, der flächenmäßig den größten Teil des Sauerlands ausmacht. Daneben werden auch der südliche Teil des Kreises Soest und das Upland im Landkreis Waldeck-Frankenberg meist zum Sauerland gezählt (s. Karte „Politische Gliederung des Sauerlandes“).
Neben den genannten Gebieten und Städten werden zum Teil auch einzelne Gemeinden der Kreise Unna, Paderborn und Ennepe-Ruhr-Kreis sowie die kreisfreie Stadt Hagen oder die Gebirgsteile des Stadtgebiets zum Sauerland gezählt.
Nachbarregionen Im Süden geht das Sauerland ins Wittgensteiner Land und Siegerland über, im Westen ins Bergische Land. Alle drei Landschaften sind ebenfalls Teile des Süderberglandes und aus historischen Gründen abgegrenzt.
Im Nordwesten grenzt das Sauerland an das Ruhrgebiet. Historisch wie naturräumlich überschneiden sich Teile der beiden Regionen, sie unterlagen aber anderen wirtschaftlichen Entwicklungen.
Weiter östlich grenzt das Sauerland an die Hellwegbörden, zum Beispiel an die Soester Börde, und im Nordosten und Osten an das ostwestfälische Hochstift Paderborn. Diese Regionen liegen in der Westfälischen Bucht und unterscheiden sich damit landschaftlich vom Sauerland.
Nachbarregion im Südosten und Süden ist Waldeck, das sich historisch vom Sauerland abgrenzt. Eine Sonderstellung hat das Upland, das beiden Regionen zugerechnet wird.
Das Bergische Land wird zum Rheinland, Waldeck zu Nordhessen und alle übrigen Nachbarregionen werden wie das Sauerland zu Westfalen gezählt.
Berge Die höchsten Berge des Sauerlandes, alle im Rothaargebirge gelegen, sind der Langenberg () zwischen Willingen und Niedersfeld, der Hegekopf () südlich von Willingen und der Kahle Asten () bei Winterberg. Der Langenberg ist die höchste Erhebung im Rothaargebirge, in Nordrhein-Westfalen und in Nordwestdeutschland. Über seinen Gipfel verläuft die Grenze von Nordrhein-Westfalen und Hessen. Der Hegekopf, der ganz auf hessischem Gebiet liegt, ist nach dem Langenberg der zweithöchste Berg im Nordteil von Nordhessen.
Neben dem Rothaargebirge wird die Region von weiteren Gebirgszügen geprägt. Dazu zählen die Saalhauser Berge (Himberg, ), das Ebbegebirge (Nordhelle, ), das Lennegebirge (Homert, ) und das NordsauerlandDer Nordteil des Sauerlandes wird oft als Arnsberger Wald bezeichnet, der Ausdehnung des Naturparks Arnsberger Wald folgend. Der höchste Kamm des Naturparks, die Plackweghöhe, liegt allerdings naturräumlich nicht im Arnsberger Wald, sondern im Plackwald. (Plackweghöhe, ).
Siehe auch: Liste von Bergen des Rothaargebirges
Fließgewässer Durch das Sauerland und über seinen höchsten Gipfel, den Langenberg, verläuft in Nord-Süd-Richtung die Rhein-Weser-Wasserscheide. Der größere, westlich davon gelegene Teil des Sauerlandes entwässert größtenteils über die Ruhr und ihre linken Nebenflüsse zum Rhein, während einige Randbereiche im Nordosten auch zur Lippe entwässern.
Andere Rhein-Nebenflüsse verlaufen zwar zum Teil (die Lahn im Wittgensteiner Land) bzw. fast gänzlich (die Sieg im Siegerland und die Wupper im Bergischen Land) im Süderbergland, jedoch in Teilen, die nicht zum Sauerland gehören.
Der Osten des Sauerlandes, insbesondere das gesamte Upland, entwässert über die Diemel und Nebenflüsse der Eder zur Weser hin.
mini|Ruhrquelle bei Winterberg
Die wichtigsten Flüsse des Sauerlands sind (nach Flusssystem und Zuflusshöhe geordnet): Ruhr Neger Elpe Henne Wenne Röhr Sorpe Möhne Hönne Baarbach Lenne Hundem Bigge Lister Ihne Fretterbach Verse Volme Ennepe (Weser) Diemel Itter Hoppecke Schmala (Eder) Odeborn Nuhne Liese Olfe Orke Wilde Aa (Lippe) Alme Afte Aabach
Stauseen mini|Sundern-Amecke an der Sorpetalsperre
Durch die Industrialisierung nahm vor allem im Ruhrgebiet der Bedarf an Trink- und Industriewasser zu. Es entstanden am Unterlauf der Ruhr zahlreiche Wasserwerke, die aber in trockenen Sommern häufig trockenlagen. Zur Regulierung gründeten die Wassererzeuger im Ruhrgebiet 1899 den Ruhrtalsperrenverein. Vor allem diese Organisation finanzierte den Bau von Stauanlagen an einigen kleineren Flüssen im Sauerland. Diese speichern im Herbst und Winter das Wasser und lassen es im Frühjahr und Sommer kontrolliert abfließen, um stets einen ausreichenden Wasserstand im Unterlauf der Ruhr zu gewährleisten. Die größten dieser Talsperren sind der Biggesee (mit der Listertalsperre), die Möhnetalsperre, die Sorpetalsperre, die Hennetalsperre und die Versetalsperre. Am nordöstlichen Rand und nur knapp in den benachbarten Landkreisen gelegen befinden sich der Diemelsee (liegt zum Teil in Nordrhein-Westfalen) und der Aabachsee.
Die Stauseen sind auch als Ausflugsziele für Bewohner des Ruhrgebiets und aus den Niederlanden beliebt. Um die meisten dieser Seen hat sich eine Tourismus-Wirtschaft mit Gastronomie und Freizeitmöglichkeiten zur Naherholung gebildet.
Bevölkerungsentwicklung und Siedlungsdichte Bevölkerungsentwicklung der Kreise 1950–2004(Gebietsstand: 2005) Gebiet 1950 1961 1970 1987 2004 Hochsauerlandkreis226.063237.565263.920260.265277.715 Märkischer Kreis343.600399.213432.405421.321451.421 Kreis Olpe97.831108.138119.184125.142142.140 Kreis Soest222.459231.687257.030266.693309.013
Zwar gilt das Sauerland als eher dünn besiedeltes Gebiet; abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung gab und gibt es jedoch erhebliche Unterschiede in der Bevölkerungsdichte.
Insgesamt lässt sich hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung und Siedlungsdichte ein deutliches West-Ost-Gefälle ausmachen. Das früh industrialisierte Gebiet des heutigen Märkischen Kreises hatte im 19. Jahrhundert durch Zuwanderung, auch aus dem Hochsauerland, ein beachtliches Bevölkerungswachstum. Dort wurde bereits Eisenerz abgebaut und mit einheimischer Holzkohle verhüttet (etwa in der Luisenhütte Wocklum), als es das Ruhrgebiet als industrielles Ballungsgebiet noch gar nicht gab. Nach 1870 holte der nordwestlichste Teil des heutigen Hochsauerlandkreises (vor allem in Neheim und Hüsten) auf und unterschied sich kaum von der Entwicklung in der Mark. Siedlungsdichte im Jahr 2004Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW: Kreisstandardzahlen Ausgabe 2005. Düsseldorf 2005. Kreis Einw. pro km² Hochsauerlandkreis 141,8 Märkischer Kreis 426,3 Kreis Olpe 200,0 Kreis Soest 232,8 Nordrhein-Westfalen 530,3
Dagegen waren die gering industrialisierten Gebiete in den heutigen Kreisen Hochsauerland, Olpe und Soest zeitweise Aus- und Abwanderungsgebiete mit einer entsprechend niedrigen Bevölkerungszunahme. Der Landrat von Brilon schätzte zu Beginn der 1870er Jahre, dass allein von 1845 bis 1864 über 500 Personen nach Amerika ausgewandert waren. In der Phase der Hochindustrialisierung verlor die Auswanderung nach Übersee zu Gunsten der Abwanderung in die benachbarten Industriegebiete an Bedeutung. Bereits zu Beginn der 1860er Jahre zählte man im Kreis Brilon nur etwa 180 Auswanderungen nach Übersee, aber über 600 Umzüge innerhalb des preußischen Staates. Hauptzielgebiete waren die Industrieorte im westlichen Teil des Sauerlandes und das Ruhrgebiet.