Papierformate standardisieren die Abmessungen (Breite und Höhe) von Briefbögen, Kopierpapier, Karten und gedruckten Dokumenten.
Der internationale Standard für Papierformate ist die ISO 216. Diese basiert auf der deutschen Norm DIN 476, die erstmals vom Deutschen Institut für Normung (DIN) am 18. August 1922WDR Zeitzeichen, 18. August 2012. festgelegt wurde. Darüber hinaus gibt es andere zeitgenössische und historische Papierformate, die sich in den Abmessungen und im Seitenverhältnis unterscheiden.
Geschichte mini|Papierformate A0 bis A8, Anschauungsmodell im Wissenschaftsmuseum von Barcelona: „Die Invasion der Quadratwurzeln“, Maßstab 1∶1 mini|hochkant|Vergleich verschiedener Formate bei gleicher Breite 3:4 (≈ 1:1,33, Quartformat) 1:√2 (≈ 1:1,41, DIN-Format) 2:3 (= 1:1,50, Oktavformat)
Historisch waren viele verschiedene Papierformate im Umlauf.
Im 14. und 15. Jahrhundert waren auf dem Gebiet des heutigen Italien, der Schweiz und Deutschland Bogenformate von 30 × 43 cm üblich, was etwa dem DIN-A3-Format entspricht. Zitiert nach: Dies ist darauf zurückzuführen, dass diese Größe ein zum händischen Papierschöpfen gut handhabbares Format ist.
Papierformate leiteten sich immer vom Bogenformat des jeweiligen Herstellers ab. Gebräuchlich waren dann sog. Quartformate (d. h. ein Viertel des Bogens, hergestellt durch zweifaches Teilen) oder Oktavformate (analog dazu, ein Achtel des Bogens). Es bestand keine Normung. Insbesondere unterschieden sich in dieser Zeit auch die Seitenproportionen von den heutigen Normformaten. Üblich war das Bogenformat 3∶4.Jan Tschichold: Erfreuliche Drucksachen durch gute Typographie. Augsburg 2001, S. 111. Faltet man einen solchen Bogen, entsteht ein Blatt mit den Proportionen 2∶3, bei einer zweiten Faltung wieder einer mit Seiten 3∶4 usw. Das Quartformat hatte also gewöhnlich ein Format von 3∶4, das Oktavformat von 2∶3.
Diesen Formaten wurden verschiedene ästhetische Eigenschaften und Eignungen für bestimmte Zwecke zugeschrieben. So galt das Quartformat 3∶4 als weich und freundlich, das schmalere Oktavformat 2∶3 als strenger. Bei einer Verwendung als Buchformat wurde das größere und breitere Quartformat für gebundene Bücher, die man auf einem Tisch ablegt, bevorzugt. Das handlichere Format 2∶3 eigne sich dagegen für Bücher, die man in der Hand halte. Noch heute haben Taschenbücher typischerweise ein schmales Format nahe dem Seitenverhältnis 2∶3.Jan Tschichold: Willkürfreie Maßverhältnisse der Buchseite und des Satzspiegels. In: Ausgewählte Aufsätze über Fragen der Gestalt des Buches und der Typographie. Basel 1975, S. 45 f.Markus Kohm: Satzspiegelkonstruktionen im Vergleich. (PDF; 2,2 MB). In: DTK – Die TeXnische Komödie. 4/2002, S. 28f., auch als archiv.dante.de, S. 37.
Das Seitenverhältnis (Eins zur Quadratwurzel aus 2) wurde bereits 1786 von Georg Christoph Lichtenberg vorgeschlagen, und es wurde in der Zeit der Französischen Revolution auch schon angewendet. Grand Registre (420,4×594,6) und Moyen Papier (297,3×420,4) wurden im 19. Jahrhundert verwendet.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs die Unzufriedenheit mit dieser Vielzahl der Formate. Sie war an vielerlei Stellen unpraktisch. Der Schweizer Karl Wilhelm Bührer störte sich insbesondere an der Formatvielfalt der Broschüren und Prospekte im Fremdenverkehr und schlug 1906 das Format „Mono“ (von Monographie) vor, das mit seinen 11,5 × 16,5 cm als internationales Einheitsformat Ordnung ins Papierwesen bringen sollte. Er nahm in der Folge Kontakt mit dem 1909 mit dem Nobelpreis ausgezeichneten deutschen Chemiker Wilhelm Ostwald auf, der das Monoformat (inzwischen zum Weltgrundformat erhoben) 1911 auf eine wissenschaftlich fundierte Grundlage stellte, indem er eine Formatreihe aufgrund des Seitenverhältnisses 1∶√2 berechnete. Mit dem sogenannten Weltformat sollte u. a. in Bibliotheken durch eine Vereinheitlichung der Buchgrößen Platz gespart werden. Die Konstruktion erfolgte durch die Forderung nach geometrischer Ähnlichkeit (d. h. das Seitenverhältnis aller Größen sollte identisch sein) und den Ausgang vom kleinsten Format I, dessen kurze Seite 1 cm messen sollte. Der Übergang zwischen den Größen erfolgt wie üblich durch Halbierung bzw. Verdopplung der Seiten; das Seitenverhältnis betrug .Wilhelm Ostwald: Die Weltformate: I. Für Drucksachen. Seybold, Ansbach 1911. Dieses Format konnte sich wegen der Inkompatibilität mit bestehenden Formaten nicht durchsetzen.
mini|hochkant|Verwendung des Formates A4 im Jahr 1934 bei einem Redeverbot (links unten: „Din A 4 210×297 mm“)
Die Idee Ostwalds wurde vom Ingenieur Walter Porstmann, Ostwalds Assistent, wieder aufgenommen.Walter Porstmann: DIN Buch 1: Normformate. Beuth-Verlag, 1930, S. 157.1798: “Loi sur le Timbre” Amtsblatt des Großherzogtums Luxemburg (französisch). Als Mitarbeiter des Normenausschusses der Deutschen Industrie erarbeitete er die DIN 476,DIN-Formate (PDF) din.de. die Formate der A‐ bis D‐Reihe, die bis auf die D-Reihe noch gültig sind. In Deutschland wurde dies 1923 eingeführt.Reichsbahndirektion in Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion in Mainz vom 13. Oktober 1923, Nr. 30. Bekanntmachung Nr. 586, S. 401 f. Der Unterschied zum Weltformat lag nur im Ausgangspunkt für die absolute Größe. Diesen bildet (wie sonst auch üblich) das größte Format, z. B. A0. Dessen Flächeninhalt wurde festgelegt, bei A0 genau ein Quadratmeter. Diese Normalformate setzten sich auch international schnell durch, mit Ausnahme weniger Länder wie der USA und Kanadas, in denen sie nicht üblich sind.
Gegen ihre Einführung wurde beispielsweise argumentiert, dass eine Normung zwar wünschenswert sei, der Vorteil des gleichbleibenden Seitenverhältnisses aber unklar bleibe. Achte man auf die Laufrichtung des Papiers, so wären sowieso zwei verschiedene Bogen als Ausgangspunkt nötig. Beim Ausgang von nur einem Bogen wäre die Laufrichtung der Fasern bei jedem zweiten Format falsch. Das Seitenverhältnis (1 ∶ 1,414) selbst wurde z. T. als unästhetisch empfunden, als „Zwitterformat“ zwischen den oben beschriebenen Formaten 2∶3 und 3∶4.Jan Tschichold: Willkürfreie Maßverhältnisse der Buchseite und des Satzspiegels. In: Ausgewählte Aufsätze über Fragen der Gestalt des Buches und der Typographie. Basel 1975, S. 50. Auch die absolute Größe der Normalformate erschien willkürlich. Sie sei ja nicht festgesetzt anhand der Gebrauchsformate A4 und A5, sondern durch die Bedingung, der Bogen A0 solle einen Flächeninhalt von einem Quadratmeter haben. Dass bei mehrfacher Faltung dann brauchbare Größen entstehen, sei eher zufällig. Ein Nachteil ergebe sich z. B. auch daraus, dass die Höhe des A4‐Formates 17 mm über das US‐Letter-Format hinausrage, was beim Abheften in nordamerikanischen Ordnern unangenehm auffalle.Jan Tschichold: Erfreuliche Drucksachen durch gute Typographie. Augsburg 2001, S. 112–115. Diese Kritik hat nichts an der Verbreitung dieser Formate für Schreibpapiere geändert. Im Zuge der vermehrten Durchsetzung kopiertechnischer Anwendungen im Alltag erwies sich das gleichbleibende Seitenverhältnis als vorteilhaft, da hierdurch Vergrößerungen und Verkleinerungen verzerrungsfrei und mit proportional gleichbleibenden Seitenrändern möglich sind. Bei den Büchern sind jedoch mehrere alte Seitenverhältnisse erhalten geblieben.
ISO- und DIN-Papierformate
Die Deutsche Norm, die auf Walter Porstmann zurückgeht, diente mit ihren Festlegungen über die A‐ und B‐ReiheDie verschiedenen Papier-Reihen unterscheiden sich im Flächeninhalt der Ausgangsblätter. als Grundlage für das europäische und internationale Äquivalent EN ISO 216, das wiederum in fast allen Ländern adaptiert worden ist. Unterschiede gibt es meist nur in den erlaubten Toleranzen. Als rein nationale Norm ist DIN 476-2:2008-02 Papier-Endformate – C‐Reihe noch gültig.
Seitenverhältnis 1∶√2 Das Verhältnis zwischen Breite und Höhe ist bei allen Blattgrößen gleich, nämlich
Nur bei diesem Verhältnis bleibt das durch mittiges Falten über die lange Seite entstehende nächstkleinere Blatt dem Ausgangsblatt geometrisch ähnlich.
Das Seitenverhältnis der in DIN 476 genormten Papierformat-Reihen A, B und C ergibt sich aus der Vorgabe, dass es konstant bleiben soll, wenn die nächstkleinere Größe durch Halbierung der längeren Seite (Höhe ) zur neuen kürzeren Seite (Breite ) abgeleitet wird: bzw. . Das Auflösen einer der Gleichungen ergibt und damit schließlich den konstanten Faktor für alle .
Übersicht mini|Aufteilung eines Bogens der Reihe A.Die Formate (Klassen 1 bis 8 …) ergeben sich jeweils durch Halbierung des vorherigen Formats.
Es gibt vier Reihen (A und B nach ISO und DIN, C und das ursprünglich D nach DIN), die jeweils in elf Klassen unterteilt werden, welche nach absteigender Größe von 0 bis 10 durchnummeriert sind. + Klasse-0-Formate Format Flächeninhalt in m² B0 21/2 = 1,414 C0 21/4 = 1,189 A0 20 = 1,000 D0 2−1/4 = 0,841
Aus der Kombination dieser beiden Eigenschaften ergibt sich die übliche Bezeichnung, z. B. A4 () oder C6 (), beides exemplarisch in Tabelle fett hervorgehoben, gegebenenfalls wird „DIN“ oder „ISO“ vorangestellt.
Sowohl DIN‐ als auch ISO‐Norm listen die Formate, die größer als die Klasse 0 sind. Diesen wird ein numerisches Präfix vorangestellt, z. B. 2A0 für doppeltes A0. Sie sind mit dem Kommentar in der Tabelle der enthalten.
Die Größe der Formate ist in ganzen Millimetern spezifiziert. Die Toleranz beträgt ±1,5 mm bei Maßen bis 150 mm, ±2 mm bei Maßen bis 600 mm und darüber ±3 mm.
+ Maße der Reihen A bis D () Klasse Reihe A Reihe B Reihe C Reihe D Benennung 4…0 1682 × 2378 2…0 1189 × 1682 1414 × 2000 …0 841 × 1189 1000 × 1414 917 × 1297 771 × 1091 Vierfachbogen (z. B. A0)…1 594 × 841 707 × 1000 648 × 917 545 × 771 Doppelbogen…2 420 × 594 500 × 707 458 × 648 385 × 545 Bogen…3 297 × 420 353 × 500 324 × 458 272 × 385 Halbbogen…4 210 × 297 250 × 353 229 × 324 192 × 272 Viertelbogen (z. B. A4)…5 148 × 210 176 × 250 162 × 229 136 × 192 Blatt, Achtelbogen, Oktavformat…6 105 × 148 125 × 176 114 × 162 96 × 136 Halbblatt (z. B. C6)…7 74 × 105 88 × 125 81 × 114 68 × 96 Viertelblatt…8 52 × 74 62 × 88 57 × 81 Achtelblatt…9 37 × 52 44 × 62 40 × 57 …10 26 × 37 31 × 44 28 × 40
Die nominelle Fläche eines A0‐Bogens ist ein Quadratmeter, doch durch die Rundung der Seitenlängen auf ganze Millimeter weichen die realen Flächen in der A‐Reihe von einem Quadratmeter beziehungsweise ganzen Bruchteilen davon ab. Dasselbe gilt für Vielfache von bei den anderen Reihen. Wegen der erlaubten Längentoleranzen können die realen Flächen noch weiter abweichen.
+ Nominelle Flächen der Reihen A bis D (m²)Klasse Reihe A Reihe B Reihe C Reihe D4…0 4 = 22 2…0 2 = 21 2√2 = 21½ …0 1 = 20 √2 = 2½ √√2 = 2¼ = 2−¼…1 = 2−1 = 2−½ = 2−¾ = 2−1¼…2 = 2−2 = 2−1½ = 2−1¾ = 2−2¼…3 = 2−3 = 2−2½ = 2−2¾ = 2−3¼…4 = 2−4 = 2−3½ = 2−3¾ = 2−4¼…5 = 2−5 = 2−4½ = 2−4¾ = 2−5¼…6 = 2−6 = 2−5½ = 2−5¾ = 2−6¼…7 = 2−7 = 2−6½ = 2−6¾ = 2−7¼…8 = 2−8 = 2−7½ = 2−7¾ …9 = 2−9 = 2−8½ = 2−8¾ …10 = 2−10 = 2−9½ = 2−9¾ + Reale Flächen der Reihen A bis D (mm²)Klasse Reihe A Reihe B Reihe C Reihe D4…0 3.999.796 2…0 1.999.898 2.828.000 …0 999.949 1.414.000 1.189.349 841.161…1 499.554 707.000 594.216 420.195…2 249.480 353.500 296.784 209.825…3 124.740 176.500 148.392 104.720…4 62.370 88.250 74.196 52.224…5 31.080 44.000 37.098 26.112…6 15.540 22.000 18.468 13.056…7 7.770 11.000 9.234 6.528…8 3.848 5.456 4.617 …9 1.924 2.728 2.280 …10 962 1.364 1.120
Anwendungen Für einen Inhalt im A‐Format wird typischerweise ein Briefumschlag des entsprechenden C‐Formats gewählt, der wiederum in einem Umschlag der B‐Reihe Platz findet. Die Höchstmaße von Briefsendungen im Postverkehr orientieren sich an der B‐Reihe.