VHS ist ein von JVC entwickeltes analoges und zuerst 1976 in Japan auf den Markt gebrachtes Aufzeichnungs- und Wiedergabesystem für Videorekorder. VHS setzte sich als Standard für private Aufzeichnungen auf Videokassette durch und wurde – trotz Entwicklung besserer analoger Systeme – erst ab 2000 durch ein digitales System (die DVD) abgelöst.spiegel.de vom 15. September 2015, Was wurde aus der DVD?, abgerufen am 18. Januar 2021. Im Gegensatz zu vielen konkurrierenden Systemen nutzt VHS einen sogenannten „M“-Lademechanismus, der kompaktere Geräte erlaubt und mechanisch einfacher ist, aber in den frühen Versionen deutlich schwerfälliger war als das von anderen Formaten (etwa Betamax) verwendete U-Loading.

Bedeutung „VHS“ Video Home System war von Beginn an die offizielle Bezeichnung für VHS.

Teilweise wird die Ansicht vertreten, die offizielle Lesart Video Home System sei ein Backronym und die Abkürzung habe ursprünglich für Vertical Helical Scan (‚senkrecht-spiralförmige Abtastung‘) gestanden, die verwendete Aufzeichnungsmethode auf dem Magnetband. Das ist allerdings fragwürdig, da außer dem 2-Zoll-Quadruplex-System alle analogen Formate mit Schrägspuraufzeichnung arbeiten. Nach anderen Berichten stand VHS für Victor Helical Scan; JVC (Victor Company of Japan) nennt sich innerhalb Japans einfach Victor.

Kassetten mini|links|VHS- und VHS-C-Kassetten mini|VHS-Kassette

Eine VHS-Kassette enthält ein langes Magnetband, das beim Abspielen im Videorekorder von einer Spule auf eine andere gewickelt wird. Dabei läuft es langsam an der schnell rotierenden Kopftrommel des Videorekorders vorbei. Die Kassetten können (bei den meisten als Leerkassetten verkauften Fabrikaten) durch Herausbrechen einer Lasche auf der rückwärtigen Längsseite vor dem Löschen der enthaltenen Aufnahmen geschützt werden. Eine erneute Aufnahme ist dann durch Abdecken mit einem Stück Klebeband möglich.

VHS-Kassetten sind einseitig, können also nicht umgedreht eingeführt werden. Beim Betrachten der Aufnahme ist in der Mitte der Spielzeit also kein Drehen der Kassette notwendig, dafür muss sie vor der nächsten Verwendung zurückgespult werden. Neuere Videorekorder bieten oft eine sehr hohe Spulgeschwindigkeit. Der schnelle Bildsuchlauf ist jedoch aus technischen Gründen in der Geschwindigkeit beschränkt: Er strapaziert die Mechanik sowie das Magnetband und ist aus technischen Gründen bei VHS nur mit Bildstörungen möglich, die bei zu hohen Geschwindigkeiten den eigentlichen Bildinhalt völlig überdecken würden.

Das Magnetband der VHS-Kassette ist nicht frei zugänglich, sondern durch eine Klappe geschützt. Erst im Rekorder wird diese geöffnet und die Mechanik zieht so viel Band heraus, dass die Videotrommel halbseitig umschlungen werden kann. Die Klappe lässt sich auch öffnen, indem man an der rechten Seite der Kassette den kleinen rechteckigen Riegel in der Nähe des Klappengelenks mit dem Finger eindrückt. Dabei entsperrt man die Schließmechanik der Klappe und hat nach dem Hochklappen freie Sicht auf das Magnetband. mini|Transparentes Bandende

Während z. B. bei Audiokassetten das Bandende vom Gerät meist einfach dadurch erkannt wird, dass sich die Spulen nicht mehr weiterdrehen können, ist das bei Videosystemen mit Kopftrommel nicht möglich: Das dünne Magnetband würde sich beim Spulen bis zum physischen Bandende zu stramm um die sehr schnell rotierende Trommel mit den leicht hervorstehenden Köpfen legen, und Band und Köpfe würden beschädigt. Daher wird in VHS-Kassetten durchsichtiges Plastikband für die Bandenden verwendet: Eine kleine im Rekorder eingebaute Lichtquelle (Lämpchen oder LED) passt in die vordere mittlere Öffnung auf der Unterseite der Kassette und beleuchtet das Band ständig von innen. An den beiden Schmalseiten der Kassette liegen bei geöffneter Klappe Öffnungen frei, vor denen sich im Gerät Lichtsensoren (z. B. Fototransistoren) befinden. Ist das Bandende nahe, so kann das Licht durch das durchsichtige Band auf den Sensor fallen und der Abspiel- oder Spulvorgang wird sofort angehalten. mini|Arretiermechanismus (unten)

Des Weiteren haben VHS-Kassetten einen Arretiermechanismus, der das Drehen der Bandspulen unterbindet, wenn die Kassette nicht im Gerät eingelegt ist, wodurch Bandsalat verhindert wird. Im Gerät wird die Arretierung gelöst, indem ein Stift in die hintere mittlere Öffnung der Kassette eindringt und dadurch den Arretierhebel von den Bandspulen abhebt.

Technische Daten VHS speichert jedes Halbbild in einer eigenen Schrägspur auf dem Band. Das Vollbildverfahren wird nicht unterstützt. Moderne Geräte mit FM-Stereoton können matrizierte Dolby-Surround-Signale aufzeichnen.André Westphal: Dolby Surround: Drei Kanäle für VHS und Betamax. In: Dolby Surround – Alles, was du wissen musst. Hifi.de Ratgeber, 28. Mai 2023. Auf Hifi.de, abgerufen am 1. Dezember 2025.

Rekorder, die mit der NTSC-Fernsehnorm arbeiten, verwenden im normalen Aufzeichnungsmodus eine deutlich höhere Bandgeschwindigkeit als PAL- und SECAM-Geräte. Zwar können alle Leerkassetten in allen Rekordern verwendet werden, doch die auf den Kassetten angegebene Laufzeit stimmt dann nicht mehr. Zur Unterscheidung gibt es die Formate T-(Minuten) für NTSC (zum Beispiel T-120) und E-(Minuten) für PAL (zum Beispiel E-180). Die verringerte Bandgeschwindigkeit bei PAL-Rekordern ist Folge des technischen Fortschritts, der nach der Entwicklung der NTSC-VHS-Spezifikationen zur Verfügung stand.

Die gängigen VHS-Kassetten für PAL haben meist Laufzeiten von etwa zwei bis vier Stunden und werden mit E- (für PAL/SECAM) und der auf den Standard-Play-Modus (SP) bezogenen Spielzeit in Minuten gekennzeichnet. Die tatsächliche Zeit ist häufig einige Minuten länger. Leerkassetten unter zwei Stunden Laufzeit (E-30, E-60 und E-90) sind stückzahlbedingt teilweise teurer als längere, besonders bei kommerziell bespielten Kassetten gibt es auch die verschiedensten Sonderlängen. Bei Kassetten für NTSC ist die übliche Laufzeit nur eineinhalb bis drei Stunden.

Bei vielen Geräten wird der Beginn einer Aufnahme durch ein Index-Signal markiert, wodurch später ein leichter Zugriff auf eine bestimmte Bandstelle ermöglicht wird. Mit einigen Geräten können diese Markierungen auch während der Aufnahme an beliebigen Stellen eingefügt oder später auch wieder entfernt werden.

Im englischsprachigen Raum war bei der Veröffentlichung von Spielfilmen auf VHS Pan & Scan üblich, bei dem links und rechts ein beträchtlicher Teil des Bildinhalts verlorengeht. Im deutschsprachigen Raum war das bis Anfang der 1990er-Jahre verbreitet, danach wurde häufig Letterbox mit den bekannten schwarzen Balken oben und unten eingesetzt. Da die Bildauflösung herkömmlicher amerikanischer NTSC-Röhrenfernseher sowohl vertikal (wegen der geringeren Zeilenzahl) als auch horizontal (wegen der geringeren Bandbreite) deutlich schlechter ist als bei europäischen PAL-Geräten, wäre das Letterbox-Format in den USA nur unter problematischen Einbußen an Bildqualität möglich gewesen und sein Einsatz auf VHS-Bändern war dort daher nicht üblich.

Ein anamorphes 16:9-Bildformat ist möglich, wegen der Inkompatibilität zum 4:3-Format (bei Fernsehern ohne 16:9-Umschaltung) besonders bei kommerziell bespielten Kassetten jedoch unüblich. Werden anamorph ausgestrahlte Programme mit VHS aufgezeichnet, können entsprechende Fernseher das Widescreen-Signal auswerten und schalten automatisch auf 16:9 um.

Details zur Aufzeichnung Das Magnetband hat eine Breite von 12,7 mm ( Zoll) und bewegt sich mit nur wenigen Zentimetern pro Sekunde (PAL: 2,339 cm/s, NTSC: 3,335 cm/s). Für Aufzeichnung und Wiedergabe läuft das Band im Halbkreis um eine leicht schräg stehende Trommel mit einem Durchmesser von 62 mm herum. Die Trommel verfügt über zwei gegenüberliegende Schreib-/Leseköpfe, die abwechselnd verwendet werden; der Kopf mit Bandkontakt ist jeweils aktiv. Durch die geneigte Anbringung der Trommel laufen die Köpfe schräg über das Band und überstreichen es diagonal von oben nach unten.

Das analoge TV-Signal, das je nach Land etwa 4,8 bis 5,5 MHz Bandbreite hat, wird vom Videorekorder in Helligkeits- und Farbsignal getrennt. Die Helligkeitsinformation wird mit einem Tiefpass auf 3 MHz begrenzt. Mit dem Helligkeitssignal wird ein Trägersignal frequenzmoduliert und anschließend auf Band gespeichert. Die Frequenzmodulation ermöglicht eine vergleichsweise geringe Störanfälligkeit der Aufzeichnung, da die Amplitude des Signals maximal verstärkt und begrenzt werden kann. Der Träger für das Helligkeitssignal (Y-Signal) liegt zwischen 3,8 MHz für Schwarz (ultraschwarzer Synchronimpuls) und 4,8 MHz für Weiß. Die beiden Seitenbänder werden auf einen Bereich von 1–8 MHz begrenzt.

Die FM-Trägerfrequenz wurde so gewählt, dass im unteren Frequenzbereich noch Platz ist. Dort wird – mittels des auf 627 kHz herabgesetzten Farbhilfsträgers – die Farbe (Chroma-Signal) mit einer Bandbreite von maximal 500 kHz gespeichert. Das menschliche Auge hat ein für Farben deutlich reduziertes Auflösungsvermögen. Da das Farbsignal nicht mit Frequenzmodulation, sondern amplitudenmoduliert aufgezeichnet wird, ist es besonders rauschempfindlich. Das Verfahren der Speicherung der Farbinformation unterhalb des Bildsignals wird Color-under-Verfahren genannt und hat bezahlbare Farb-Videorekorder für den Heimgebrauch erst ermöglicht, indem es die Anforderungen an die exakte Einhaltung von Band- und Trommelgeschwindigkeit stark reduzierte.

Der Hilfsoszillator (5,06 MHz) für das Hoch- bzw. Heruntermischen des Farbsignals bei Aufnahme bzw. Wiedergabe sind an den Kopfradservo und damit an die Band-zu-Kopf-Geschwindigkeit gekoppelt. Dadurch werden Farbfehler, hervorgerufen durch Bandlaufschwankungen, vermieden. Außerdem wird der heruntergemischte Farbhilfsträger während jeder Zeile um 90° in der Phase gedreht, damit ein Übersprechen des Farbsignals zwischen zwei benachbarten Zeilen bzw. Spuren verhindert wird (dies ist unabhängig von der Phasendrehung um 180°, die der PAL-Fernsehnorm innewohnt).

Um die erforderliche Band-zu-Kopf-Geschwindigkeit für die Aufzeichnung zu realisieren, dreht sich die Videokopftrommel eines PAL-Rekorders mit 25 Umdrehungen pro Sekunde (NTSC: 30 Umdrehungen pro Sekunde), so dass von den zwei Köpfen insgesamt 50 bzw. 60 Halbbilder pro Sekunde abgetastet werden – jede Schrägspur entspricht einem Halbbild. Die Umschaltung zwischen den Köpfen erfolgt zu Beginn der vertikalen Austastlücke, so dass die dadurch entstehende kurze Bildstörung nicht auf dem Bildschirm zu sehen ist. Die Relativgeschwindigkeit zwischen drehendem Kopf und Band beträgt damit einige Meter pro Sekunde. (PAL: 4,867 m/s, NTSC: 6,953 m/s.) Bei PAL-VHS werden jeweils 208 parallele Videospuren (Länge: 9,734 cm, Breite: 0,049 mm) schräg auf das Band geschrieben.

An den beiden Rändern des Bandes befinden sich noch zwei Längsspuren, die von nicht rotierenden Magnetköpfen in genau festgelegtem Abstand hinter der Kopftrommel aufgezeichnet und wiedergegeben werden. Eine dieser Spuren enthält Impulse, die dem Rekorder die genaue Lage der Schrägspuren anzeigen, so dass er beim Abspielen nicht versucht, zwischen zwei Schrägspuren zu lesen, was zu schweren Bildstörungen führen würde. Die andere Spur zeichnet den Ton auf. Da das Band langsamer läuft als bei einer Audiokassette, ist die Tonqualität dieses sogenannten Lineartons recht begrenzt. Zudem arbeiten fast alle Rekorder auf dieser Spur nur in Mono. Bei neueren Rekordern wird der Ton daher zusätzlich auch auf die Schrägspuren geschrieben bzw. von dort gelesen. Zu diesem Zweck befinden sich auf der Kopftrommel zwei weitere Köpfe. Dieser sogenannte HiFi-Ton hat eine wesentlich höhere Qualität. HiFi-VHS-Rekorder zeichnen aber zwecks Kompatibilität mit herkömmlichen Geräten den Ton auch in der Längsspur auf.

Longplay und Super-Longplay