Kamp-Lintfort ist eine Stadt am unteren Niederrhein am westlichen Rand des Ruhrgebiets im Nordwesten des Landes Nordrhein-Westfalen und eine mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Wesel im Regierungsbezirk Düsseldorf. Der Kreis Wesel vertritt die Stadt Kamp-Lintfort beim Regionalverband Ruhr und beim Landschaftsverband Rheinland. 2020 war die Stadt der Veranstaltungsort der Landesgartenschau Nordrhein-Westfalen.

Geografie Räumliche Lage Kamp-Lintfort liegt in der niederrheinischen Tiefebene, sechs Kilometer südwestlich von Rheinberg und acht Kilometer nordwestlich von Moers. Einen Großteil des Stadtgebiets füllt das Waldgebiet „Leucht“ aus, das zum Staatsforst Xanten gehört.

Stadtgliederung Die geschlossene städtische Bebauung liegt größtenteils in den Stadtteilen Lintfort, Stadtkern (Kamp), Geisbruch und Gestfeld. Werkskolonien der ehemaligen Zeche Friedrich Heinrich sowie einer früher betriebenen Ziegelei prägen große Teile des Stadtbildes. Im Zentrum formten die „Drei Weißen Riesen“ die Skyline von Kamp-Lintfort; mit 95 Prozent Leerstand war dieses stadtplanerische Projekt der späten 1960er-Jahre zum Albtraum mutiert. Für das Areal wurde eine Umnutzung als Einkaufszentrum geplant. Nach Bewilligung von Geldern des Landes Nordrhein-Westfalen wurden 2009 zwei der drei Hochhäuser abgerissen, das dritte und größte wurde am 19. Dezember 2010 gesprengt, womit der Raum für die Neugestaltung dieses Stadtbereiches endgültig frei wurde. Auf dem Areal ist 2012 nach 18-monatiger Bauzeit das Einkaufszentrum „EK3“ entstanden. Weiterhin wird die Skyline von Kamp-Lintfort durch die zwischen 1975 und 1985 errichteten Bauten der neuen Innenstadt bestimmt.

Im Gegensatz dazu bildet der Ortsteil Kamp mit der historischen Besiedlung aus der Blütezeit des Klosters das historische Zentrum der Stadt.

In den 1950er-Jahren wurden an den Rändern des Stadtteils Lintfort am Tor Ost sowie in den Stadtteilen Geisbruch und Gestfeld zusätzliche Siedlungsbebauungen vorgenommen. Diese Stadtteile wurden später durch Eigenheimbauten aufgestockt. Der Stadtteil Niersenbruch zeichnet sich durch überwiegende Einzelbebauung aus.

Die außerhalb liegenden Stadtteile haben den ländlichen Charakter bewahrt. Besonders hervorzuheben ist hierbei das Straßendorf Hoerstgen. mini|Die zehn Stadtteile von Kamp-LintfortKarte gemäß der Stadtteilkarte der Stadt Kamp-Lintfort Die Stadt Kamp-Lintfort gliedert sich in zehn Stadtteile:Webseite der Stadt Kamp-Lintfort: Auflistung der Stadtteile (pdf) Stadtkern Niersenbruch Rossenray Lintfort Gestfeld Geisbruch Dachsbruch Kamp Hoerstgen Saalhoff

Die Stadtteile Lintfort, Gestfeld und Geisbruch liegen auf dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Lintfort, während Dachsbruch und Kamp auf dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Kamp liegen. Die Stadtteile Stadtkern und Niersenbruch liegen auf dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Kamperbruch. Das Gebiet von Rossenray, Hoerstgen und Saalhoff entspricht weitgehend dem der gleichnamigen Altgemeinden.

Nachbargemeinden/-städte

Geschichte mini|Heutige Gemarkungsgrenzen in Kamp-Lintfort und Gemeindegrenzen bis 1934

Der Name Kamp stammt vom lateinischen campus und bedeutet „Feld“. Die Bezeichnung geht auf das Mittelalter zurück, als das Gebiet der Stadt hauptsächlich aus Sumpflandschaft bestand. Das war auch einer der Gründe, warum die Zisterzienser nicht, wie üblich, ihren Ordenssitz auf dem Land bauten, sondern auf eine Erhöhung, den Kamper Berg (Höhe: ), verlegten. Aus dem Altfränkischen stammt der Name Lintfort, der so viel wie „Saum des Moores“ bedeutet.

Die frühesten Spuren menschlicher Besiedlung stammen aus der Jungsteinzeit, etwa 3000 bis 1800 v. Chr. Die früheste schriftliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 856: ter eke in boicholt. Am 31. Januar 1123 (damals wurde noch der Osterstil angewandt, deshalb gibt es auch Schriften, die das Jahr 1122 angeben) wurde mit Unterstützung des Kölner Erzbischofs Friedrich I. das erste Zisterzienserkloster auf deutschem Boden gegründet. Ausgehend vom Kloster Kamp wurden etwa 100 weitere Niederlassungen der Zisterzienser gegründet, die sich bis ins Baltikum erstreckten. Nach dem Truchsessischen Krieg (1583 bis 1588) verließ der letzte Abt das Kloster und erst 1640 kamen die ersten Zisterzienser zurück und bauten das Kloster wieder auf.

Nach dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1620) begannen die Spanier mit dem Bau der Fossa Eugeniana, die den Rhein mit der Maas verbinden sollte. Dieser Kanal nahm seinen Verlauf direkt am Kloster vorbei. Im Gebiet von Kamp-Lintfort wurden auch mehrere Schanzen zum Schutz gegen die Niederländer errichtet.

In den Jahren 1695 bis 1705 wurden unter den Äbten Holtmann, Richterich und Norf die heutigen barocken Gebäude der Klosterkirche sowie des Krankenhauses (heute Pfarramt) errichtet. Weiterhin wurden an der Südseite der Klosterkirche umfangreiche Konventsgebäude errichtet. 1742 bis 1747 wurde unter dem Abt Daniels die prächtige Terrassengartenanlage am Südhang des Kamper Berges sowie ein schlossartiges Prälaturgebäude an der Westseite der Klosterkirche errichtet. Dem Kloster wurde der juristische Titel einer Prälatur mit eigener Rechtsprechung zuerkannt. Hierzu wurde auf dem Kamper Berg ein Gerichtsgebäude errichtet, das heute als Denkmal erhalten ist. Nach der französischen Besetzung wurde das Kloster 1802 säkularisiert und die Mönche vertrieben; nur einer blieb, um die Seelsorge des Ortes weiterzuführen. Die umfangreichen Klostergebäude wurden mit Ausnahme der Kirche und des Krankenhauses als Pfarrhaus abgebrochen. Der Terrassengarten blieb sich selbst überlassen und verwilderte.

Der heutige Stadtteil Hoerstgen bildete die gleichnamige Herrschaft, die ein Lehen der Grafschaft Moers war. Sie ging durch Erbschaft über die von Drachenfels an die Mirlar zu Millendonk und 1754 an die Freiherren von Knesebeck über. Die Reichsunmittelbarkeit wurde von den Nachbarn Moers und Kurköln bestritten.

In der Franzosenzeit gehörte das Gebiet von Kamp-Lintfort zum Kanton Rheinberg im Arrondissement Krefeld des Rur-Departements und wurde in die drei Mairien Camp, Hoerstgen und Vierquartieren gegliedert.GenWiki: Kanton Rheinberg

Nach dem Wiener Kongress 1815 fiel ein großer Teil des linken Niederrheins an Preußen. Die im Stadtgebiet liegenden Mairien wurden zu den preußischen Bürgermeistereien Camp, Hoerstgen und Vierquartieren, die zunächst zum Kreis Rheinberg, ab 1823 zum Kreis Geldern und seit 1857 zum Kreis Moers gehörten. mini|Gedenken an 100 Jahre Bergbau in Kamp-Lintfort. Am 1. Mai 1907 erfolgte der erste Spatenstich der Zeche Friedrich Heinrich, die am 1. Juli 1912 die Kohleförderung aufnahm. Durch den nun folgenden Bau der Werkssiedlungen der Zeche sowie der gleichzeitig in Betrieb gekommenen Ziegelei Pauen in Kamperbruch bildete sich auf freier Fläche ein zusammenhängendes Siedlungsgebiet. In den Jahren 1928 bis 1930 wurde die Christuskirche als Hauptkirche der Evangelischen Kirchengemeinde Lintfort errichtet. Diese Gemeinde hatte seit 1914 in der Zechensiedlung eine Notkirche unterhalten. Ferner wurde in Lintfort die Filialgemeinde St. Josef eingerichtet, die ebenfalls zunächst in einer Notkirche untergebracht war. Von 1931 bis 1934 wurde für die Gemeinde St. Josef als Pfarrkirche von Lintfort ein prächtiger Kirchenbau errichtet.

mini|Historische Trinkhalle in der Altsiedlung.

Zum 1. April 1934 wurden die Ämter Vierquartieren (bestehend aus den Landgemeinden Kamperbruch, Lintfort, Rossenray und Saalhoff), Camp und Hoerstgen zur neuen Landgemeinde „Camp-Lintfort“ vereinigt. Kurz danach wurde die Schreibweise in „Kamp-Lintfort“ geändert.

Bei Bombardements im Zweiten Weltkrieg gab es Zerstörungen insbesondere in zechennahen Teilen der Altsiedlung. Beim alliierten Vormarsch im Frühjahr 1945 wurde der Bereich um das Kloster Kamp stärker in Mitleidenschaft gezogen.

Am 25. März 1945 trafen sich die Befehlshaber der alliierten Truppen im Neuen Casino der Zeche Friedrich Heinrich: der US-amerikanische General und spätere Präsident Dwight D. Eisenhower, Premierminister Winston Churchill und Field Marshal Bernard Montgomery. Am 12. Februar 1950 wurden der Großgemeinde Kamp-Lintfort die Stadtrechte verliehen. Hierzu wurde die am 7. Januar ausgestellte Urkunde zur Verleihung der Stadtrechte an Bürgermeister Robert Schmelzing übergeben. 1954 zog der Orden der (beschuhten) Karmeliter mit neun Ordensleuten in das Kloster ein. 1957 wurde auf dem Zechengelände Friedrich Heinrich der neue Förderturm des Schachtes 1 eingeweiht und im Lauf der Zeit zu einem der Wahrzeichen der Stadt.

Die Feldhandballmannschaft des TuS Lintfort wurde 1959 mit einem 10:9 über Bayer 04 Leverkusen erstmals deutscher Meister, 1961 konnte der Titel ein weiteres Mal gegen den TSV Ansbach geholt werden.

Ab 1963 wurde auf der Schachtanlage Rossenray Kohle abgebaut. 1970 erhielt die Landschaft mit dem Bau des großen Förderturms Rossenray 1 eine weitere weithin sichtbare Landmarke. Mitte Oktober 2019 begann der Abriss des Förderturmes, der bis Ende 2020 andauern soll.

Mit der Kreisreform, die am 1. Januar 1975 in Kraft trat, wurde der Kreis Moers aufgelöst, und die Stadt kam leicht vergrößert zum Kreis Wesel. Eine geplante Eingemeindung nach Duisburg wurde nicht umgesetzt.https://www.spiegel.de/politik/selbstaendigkeit-oder-eingemeindung-a-dcf208b4-0002-0001-0000-000042762760 In den 1970er- und 1980er-Jahren wurde auf dem brachliegenden Gelände der Ziegelei Pauen und angrenzenden Freiflächen eine völlig neu konzipierte Innenstadt mit neuem Rathaus errichtet. Diese bilden seither das kommunale Zentrum der Stadt. 1988 wurde mit der Wiederherstellung der brachliegenden Terrassengärten des Klosters Kamp begonnen. Dieser wurde am 1. Oktober 1990 mit einer feierlichen Veranstaltung wieder eröffnet.

Der Bischof von Münster, Reinhard Lettmann, plante 2002 mit dem Orden der Karmeliter ein kulturelles und geistliches Zentrum auf dem Kamper Berg, da die Karmeliter den Konvent auflösten und nur ein Ordensangehöriger als Priester im ehemaligen Kloster verblieb. Im Jahr 2003 feierte die Siemens-Niederlassung in Kamp-Lintfort ihr 40-jähriges Bestehen. Nach einem Verkauf der Sparte Siemens Mobile im Jahr 2005 an die taiwanische BenQ wurde das Werk im Jahr 2006 geschlossen. Am 28. November 2004 fusionierten alle katholischen Gemeinden der Stadt zur Gemeinde St. Josef.

Bevölkerungsentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Kamp-Lintfort von 1939 bis 2018 nach nebenstehender Tabelle

Einwohnerzahlen der Stadt Kamp-Lintfort. Die Zahlen sind entweder Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze). Die aktuellen Angaben der Tabelle beziehen sich auf die Daten der Stadt Kamp-Lintfort.

Jahr Einwohner 1939 22.639 1946Volkszählung 1946 24.315 1961¹ 34.768 1966 37.899 1970¹ 38.294 1974 38.459 1975 39.197 1980 39.766 1985 38.808 1987 38.534 1990 39.632 1995 41.267 2000 40.755 Jahr Einwohner 2001 40.883 2002 40.691 2003 40.512 2004 40.485 2005 39.636 2006 39.461 2012 37.093 2016 37.414 2017 37.346 2018 37.391 2019 38.732 2022 38.665

Bis zum frühen 20. Jahrhundert gab es kaum Einwohner im heutigen Stadtgebiet. Außer den Stadtteilen Kamp und Hoerstgen waren die anderen Gebiete recht spärlich bewohnt. 1910 lag die Einwohnerzahl bei etwa 3000, bis 1939 war sie auf etwa 23.300 angestiegen, eine Folge des Bergbaus, der viele Menschen an Rhein und Ruhr ziehen ließ. Die meisten kamen aus dem deutschen Osten oder aus Polen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden mehrere neue Siedlungsgebiete geschaffen und 1960 war die Bevölkerung auf 35.000 Einwohner angewachsen. Bis zum Jahr 1995 ist die Bevölkerung nur noch sehr langsam auf rund 41.000 angewachsen und ist seitdem leicht rückläufig, unter anderem eine Folge des Rückgangs des Kohlebergbaus und des wirtschaftlichen Strukturwandels in der Region. Mundart und Umgangssprache