Budweis ( ; deutsch auch Böhmisch-Budweis,1920 wurde der tschechische Name Budějovice in České Budějovice und der deutsche Name Budweis in Böhmisch-Budweis geändert und durch die Verordnung des Innenministeriums Nr. 20/1921 Sb der Tschechoslowakei verkündet. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges führte die Stadt nochmals kurz ihren ursprünglichen Namen. 1946 wurde schließlich der Name České Budějovice zum einzigen amtlichen Namen der Stadt. Der erste Teil des Namens České („Böhmisch“) dient zur Unterscheidung von der Stadt Moravské Budějovice (deutsch Mährisch-Budwitz). oder Böhmisch-Budwitz) ist mit etwa 97.000 Einwohnern die größte Stadt in Südböhmen (Tschechien) und Verwaltungssitz der Südböhmischen Region. Weltweit bekannt ist die Stadt wegen des Budweiser Bieres, sie ist auch Universitätsstadt und Sitz des Bistums Budweis. Das historische Stadtzentrum wurde 1980 in die Liste der städtischen Denkmalreservate in Tschechien aufgenommen. Im Jahr 2028 wird Budweis Europäische Kulturhauptstadt sein.https://landesecho.cz/kultur/budweis-wird-europaeische-kulturhauptstadt-2028/0016190/
Geographische Lage Budweis liegt etwa 120 Kilometer südlich von Prag und etwa 80 Kilometer nördlich der österreichischen Stadt Linz. Diese wirtschaftlich und militärisch strategisch günstige Lage spielt seit Gründung der Stadt eine sehr wichtige Rolle.
mini|Budweis um 1710 mini|Darstellung der Ermordung von Bürgermeister Ondřej Puklice, 1467, am Haus Krajinská 2
Geschichte Mittelalter Den Zusammenfluss der Flüsse Moldau und Maltsch wählte 1265 der böhmische König Přemysl Ottokar II. als Ausgangspunkt für die Gründung der Königsstadt Budweis, mit der er seine Machtstellung gegenüber den Herren von Rosenberg in Südböhmen festigen wollte. Dafür überließ der König dem Fürsten Čéč von Budweis († ca. 1270) als Austausch die Burg und den Flecken Velešín.
Die Stadt wurde durch Handwerker und Handelsleute besiedelt, aufgebaut und wuchs dank der königlichen Gunst, der günstigen Lage und den Einnahmen durch Maut und Zölle an der Kreuzung von Handelswegen wirtschaftlich schnell. Vor 1300 war der Baubeginn der bedeutendsten Baugruppe der Stadt, des Dominikanerklosters mit Kreuzgang und Kirche und des benachbarten Salzstadels, ein Zeugnis der Gotik in Südböhmen. Für die Treue zur Krone wurde Budweis immer wieder belohnt und mit Vorteilen und Privilegien versehen.Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassung- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 435 ff. (books.google.de). Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts wurden zwei Kirchen erbaut und die Stadt mit neuen Mauern umgeben. Im 14. Jahrhundert wurde Budweis, dank seiner günstigen Lage, zu einem wichtigen diplomatischen Schauplatz. Karl IV. besuchte die Stadt für diplomatische Verhandlungen mit seinen Nachbarn. Während seines letzten Besuchs ließ er Häuser auf dem Stadtplatz einreißen. Er ließ für den Fleischmarkt ein eigenes Haus bauen, in dem sich heute unter dem tschechischen Namen „Masné Krámy“ ein traditionelles Restaurant befindet. Die links und rechts vom Mittelschiff befindlichen Seitenräume erinnern an die alten Verkaufsräume. Im Verlauf des unruhigen 15. Jahrhunderts war das katholisch ausgerichtete Budweis eine wichtige Stütze gegen die Angriffe der Hussiten und beteiligte sich an deren Niederschlagung. Die Stadt selbst wurde dank ihrer gut ausgebauten Verteidigungsanlagen nie angegriffen. Ladislaus Postumus gab die Stadt 1453 den Rosenbergern als Lehen. Da die Rosenberger seit der Stadtgründung Erzfeinde von Budweis waren, widersetzte sich die Stadtbevölkerung dem König. Erst Georg von Podiebrad konnte den Streit zwischen den Rosenbergern und Budweis lösen, mit dem Ergebnis, dass Budweis eine Königsstadt blieb. Mit seinen rund 4500 Einwohnern gehörte es zu den größten und wichtigsten Städten des böhmischen Königreiches.
Neuzeit Das 16. Jahrhundert brachte der Stadt starkes wirtschaftliches Wachstum, vor allem durch die Förderung von Silber. Sie erhielt 1541 die Bergfreiheit, um Erzlager auf eigenem Grund ausbeuten zu können und der wirtschaftlichen Konkurrenz der nahen Bergstadt Rudolfstadt zu widerstehen. 1550 fuhr das erste Salzschiff mit 125 Kufen Salz von Budweis auf der Moldau nach Prag. Auch die Fischzucht in den nahe gelegenen Teichgebieten bei Wodnian und deren Vermarktung brachten Gewinn. In Budweis wurden Bauwerke im Stil der Renaissance errichtet. In den Fleischbänken entstand 1560 ein Speiselokal für Durchreisende. 1569 wurde in Budweis eine eigene Münzstätte errichtet, die auch Silber verarbeitete, das in den Schachtrevieren um das Städtchen Rudolfstadt (heute Rudolfov) gefördert wurde. 1577 wurde der Stadtturm „Černá věž“ (Schwarzer Turm) neben der St.-Nikolaus-Kirche fertiggestellt.
Im Verlauf des Ständeaufstands und des darauffolgenden Dreißigjährigen Krieges blieb Budweis treu kaiserlich und hatte dadurch viel zu leiden. So war 1618 Feldmarschall Charles Bonaventure de Longueval Comte de Boucquoi dort eingeschlossen; es entstand große Not, und es gab kaum Brot zu kaufen. 1620 schlug Feldmarschall Baltasar von Marradas in Budweis sein Hauptquartier auf. Die damaligen Befestigungen machten aus der Stadt eine strategisch wichtige Festung, wohin 1631 die böhmischen Kronjuwelen in Sicherheit gebracht und in der St.-Nikolaus-Kirche aufbewahrt wurden. Einige Male flüchteten auch die höchsten Landesbeamten in die Festung Budweis. So wurde die Stadt während des Dreißigjährigen Krieges zur Verwaltungsstadt im Königreich Böhmen. Während die eigentlichen Kriegsgeschehnisse nur geringe Schäden an der Bausubstanz anrichteten, vernichtete ein Großbrand im Juli 1641 226 Häuser, mehr als die Hälfte der Stadt. Nach Ende des Krieges im Jahr 1648 begann ein langsamer Wiederaufbau der Stadt, der einige Jahrzehnte dauerte. Für die Stadtkirche wurde eine Bettelreise durch Südböhmen und Österreich gestattet. Es kam viel Geld und Material zusammen. Der Abt von Stift Schlägl schenkte zum Beispiel 47.060 kleine Glasscheiben für die neuen Kirchenfenster.
Die Ära des Barocks veränderte deutlich das Aussehen der Stadt, bereicherte Budweis um eine Reihe religiöser Bauten, unter anderem auch um eines der Symbole der Stadt, den Samsonbrunnen, das Rathaus am Marktplatz und die St.-Nikolaus-Kirche.
Die Theresianischen Reformen und der Josephinismus in der Mitte des 18. Jahrhunderts machten aus Budweis den Sitz eines neu gebildeten Kreises. Zur weiteren kulturellen Bedeutung der Stadt trug der Piaristenorden bei, der sich hier 1762 ansiedelte, ein Gymnasium mit der Unterrichtssprache Latein einrichtete und für begabte Burschen des Böhmerwaldes eine Ausbildungsstätte wurde. In dieselbe Zeit fällt auch die Entstehung des Stadttheaters. Unter Kaiser Joseph II. wurde 1785 das Budweiser Bistum gegründet. Zwei Jahrzehnte später wurden ein Priesterseminar und ein Philosophisches Institut eröffnet. 1795 gründete die deutsche Bürgerschaft der Stadt das Budweiser Bürgerbräu. Die Einnahmen flossen zum Teil in die Stadtkasse und wurden zum anderen Teil an die beteiligten Bürger der Stadt ausgeschüttet. Im 19. Jahrhundert machte das Bier die Stadt international bekannt.
19. Jahrhundert mini|Böhmisch Budweis war für hunderte Jahre eine deutschsprachige Insel. Erst Ende des 19. Jahrhunderts erlangte die tschechische Sprache die Mehrheit. Sprachkarte, 1904. Das 19. Jahrhundert brachte der Stadt einen bemerkbaren Aufschwung in einer bürgerlich gewordenen Gesellschaft. Ein besonders erfolgreicher Unternehmer war der Eisenbahn-Ingenieur Franz Anton von Gerstner. Die Pferdebahn von Linz nach Budweis, errichtet zwischen den Jahren 1825 und 1832 als eine der beiden ersten auf dem europäischen Kontinent,Die andere erste Überland-Pferdebahn auf dem Kontinent war die Bahnstrecke Saint-Étienne–Andrézieux, Güterverkehr ab 30. Juni 1827, Personenverkehr ab 1. März 1832. verband Budweis als Kopfstation mit der Stadt Linz in Oberösterreich, und gemeinsam mit dem Schiffsverkehr auf der Moldau, der von dem Unternehmer Adalbert Lanna modernisiert und rationalisiert wurde, verbesserte sich der Transport von Waren nach Prag und elbabwärts sowie donauabwärts nach Wien. Dadurch wuchs auch die Bedeutung der Industrie und des Handels.
1841 zählte Budweis 13.097 Einwohner, von denen 8.135 in der Stadt und 4.962 in den umliegenden, zur Stadt gehörenden Ortschaften lebten. Die „herrschende Sprache in der Stadt und in den Ortschaften Rudolphstadt, Brod, Dubiken, Strodenitz, Vierhöf, Gauerndorf, Leitnowitz, Hackelhöf, Plan, Dirnfellern, Hlinz, Lodus, Pfaffendorf, Böhmischfellern, Pfaffenhöf, Schindelhöf, Ruden, Humeln, Bucharten, Meß, Gutwasser und Strups ist die deutsche. Indessen findet man überall, besonders in der Stadt, Leute, welche beider Landessprachen kundig sind.“
1847 verlegten die Söhne des Architekten Joseph Hardtmuth aus Asparn bei Wien die Firma nach Budweis, als in Mugrau in der Nähe der Stadt Graphit gefunden wurde und es entstand als Nachfolger die heutige Firma Koh-i-Noor Hardtmuth, eine Produktion von Bleistiften und keramischen Waren. Die Stadt erhielt durch die Söhne des Joseph Hardtmuth ihre erste große Fabrik mit 2000 Beschäftigten. 1871 entstand die Summerauer Bahn über Kaplitz (Kaplice) nach Linz.
Um 1880 lebten in Budweis 11.829 deutschsprachige Bürger und 11.812 tschechische Einwohner.Moritz Gehre: Die deutschen Sprachinseln in Österreich. Verlag Hentze, 1886, S. 7f. Bis 1890 war noch eine Mehrheit in Budweis deutschsprachig und bildete mit 23 Dörfern der Umgebung eine deutsche Sprachinsel, allerdings war um 1880 keines der Dörfer rein deutschsprachig. Die gesamte Sprachinsel umfasste um 1880 16.025 Deutschsprachige und 13.738 Tschechen. Durch Massenzuzug von Fabrik- und Landarbeitern aus dem Umland bildeten die Tschechen allmählich die Mehrheit. Diese Entwicklung wurde durch den Umstand begünstigt, dass Budweis lange Zeit die Anbindung an den deutschen Sprachraum fehlte, während aus den tschechischen Gebieten bereits zwei Eisenbahnlinien nach Budweis führten. Die Bürgermeister blieben jedoch bis 1918 und der Entstehung der Tschechoslowakei deutschsprachige Persönlichkeiten – aufgrund des bis dahin geltenden Zensuswahlrechts. Bei der Volkszählung im Jahre 1930 machten die Deutschen etwa 14 % der Einwohner der Stadt aus.
1895 entstand eine von Tschechen gegründete Aktienbrauerei, die heutige Brauerei Budweiser Budvar, als Gegenstück zum Budweiser Bürgerbräu.
20. Jahrhundert Im Januar 1915 rückte Jaroslav Hašek in die Kaserne am Marienplatz (Mariánské náměstí) ein und diente bis September im Budweiser k.u.k. Böhmischen Infanterie-Regiment „Freiherr von Czibulka“ Nr. 91 an der Ostfront. Seine Erlebnisse während dieser Zeit verarbeitete er im antimilitaristischen und satirischen Schelmenroman Der brave Soldat Schwejk. mini|Die 1942 gesprengte Synagoge Budweis wurde 1939 durch die deutsche Wehrmacht besetzt und Teil des Protektorats Böhmen und Mähren. Ab dem ersten Tag der Besatzung von Budweis war unter der Leitung von Heinz Stossberg die Geheime Staatspolizei maßgeblich an der Unterdrückung und Verfolgung der Stadtbevölkerung beteiligt. Die meisten tschechischen Vereine (Junák, Sokol, Orel) wurden aufgelöst und Symbole der Tschechoslowakei wurden entfernt. Die größten Repressionen der Besatzungsmacht erfuhren die Juden. Die meisten wurden ins KZ Theresienstadt deportiert und die neugotische Synagoge wurde im Auftrag des Bürgermeisters Friedrich David gesprengt. Vom 13. April 1942 bis 23. Juni 1943 bestand am Stadtrand ein Außenlager des KZ Theresienstadt. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Budweis ein Ziel amerikanischer Bombardements, das ungefähr 220 Menschen zum Opfer hatte. Am 5. Mai 1945 übernahmen tschechoslowakische Aufständische die Stadtverwaltung. Die deutschen Truppen zogen am 8. Mai 1945 ab; einen Tag später erreichte die Rote Armee Budweis.