mini|Logo der Stadt Liberec

Liberec [] (; deutsch: Reichenberg) ist eine Großstadt in Tschechien. Mit mehr als 107.000 Einwohnern (Stand Januar 2025) ist sie die fünftgrößte Stadt Tschechiens. Zudem ist sie die bedeutendste Stadt Nordböhmens und der Verwaltungssitz der Region Liberec.

Geografie Lage mini|Hausberg Ještěd

Liberec liegt im Norden Tschechiens nicht weit vom Dreiländereck mit Polen und Deutschland entfernt im Reichenberger Kessel (Liberecká kotlina) des Zittauer Beckens (tschechisch Žitavská pánev), der vom Isergebirge im Nordosten und dem Jeschkengebirge (tschechisch Ještědský hřbet) im Südwesten begrenzt wird. Durch Liberec fließt die Lausitzer Neiße (Lužická Nisa), Hausberg der Stadt ist der südwestlich gelegene 1012 m hohe Ještěd (Jeschken).

Geologie Der größte Teil des Liberecer Stadtgebiets befindet sich auf einem Felsuntergrund aus Granit, der zum Riesengebirgs-Iser-Massiv (Krkonošsko-jizerský žulový masív) gehört, dem Hauptteil des Isergebirges. In seiner faziellen Ausprägung tritt das Gestein als porphyrischer, grobkörniger und biotithaltiger und mittelkörniger Granit bis Granodiorit auf. Er ist im Karbon entstanden. Die westlich der Lausitzer Neiße gelegenen Stadtgebiete haben einen Lössuntergrund, der sich als äolisches Sediment im Pleistozän durch Winde aus den weiter westlich gelegenen Landschaften niederschlug.J. Chaloupský (Red.): Geologická mapa ČR, List 03-14 Liberec. Praha (UUG) 1988, Signatur 29, 30, 33, 36, 39.

In überregionalen Zusammenhängen ist das Granitmassiv ein Teil der Westsudetischen Zone (západosudetská oblast) des Böhmischen Massivs. Das Tal der Lausitzer Neiße bildet die Grenze zu Gesteinsuntergründen aus dem Silur und Kambrium, die von den Lössablagerungen überdeckt sind.Ivo Chlupáč et al.: Geologická minulost České Republiky. Praha (Academia) 2002. S. 15–17, ISBN 80-200-0914-0.

Klima

Stadtgliederung

mini|Blick auf Liberec und das Isergebirge vom Ještěd mini|Blick vom Rathaus auf Liberec und zum JeštědDie Stadt Liberec besteht aus den Stadtbezirken Liberec und Liberec-Vratislavice nad Nisou (Maffersdorf)http://www.uir.cz/mestske-casti-obec/563889/Obec-Liberec, 33 Ortsteilen und 90 Grundsiedlungseinheiten. Das Stadtgebiet gliedert sich in 26 Katastralbezirke.

Stadtbezirk Liberec

Der Stadtbezirk Liberec besteht aus den 32 Stadtteilen Liberec I – Staré Město, Liberec II – Nové Město, Liberec III – Jeřáb, Liberec IV – Perštýn (Birgstein), Liberec V – Kristiánov (Christianstadt), Liberec VI – Rochlice (Röchlitz), Liberec VII – Horní Růžodol (Ober Rosenthal), Liberec VIII – Dolní Hanychov (Nieder Hanichen), Liberec IX – Janův Důl (Johannesthal), Liberec X – Františkov (Franzendorf), Liberec XI – Růžodol I (Rosenthal), Liberec XII – Staré Pavlovice (Alt Paulsdorf), Liberec XIII – Nové Pavlovice (Neu Paulsdorf, auch Neupaulsdorf), Liberec XIV – Ruprechtice (Ruppersdorf), Liberec XV – Starý Harcov (Alt Harzdorf), Liberec XVI – Nový Harcov (Neu Harzdorf), Liberec XVII – Kateřinky (Katharinberg), Liberec XVIII – Karlinky (Karolinsfeld), Liberec XIX – Horní Hanychov (Ober Hanichen), Liberec XX – Ostašov (Berzdorf), Liberec XXI – Rudolfov (Rudolfsthal), Liberec XXII – Horní Suchá (Ober Berzdorf), Liberec XXIII – Doubí (Eichicht), Liberec XXIV – Pilinkov (Heinersdorf a. Jeschken), Liberec XXV – Vesec (Dörfel), Liberec XXVIII – Hluboká (Lubokey), Liberec XXIX – Kunratice (Kunnersdorf), Liberec XXXI – Krásná Studánka (Schönborn), Liberec XXXII – Radčice (Ratschendorf), Liberec XXXIII – Machnín (Machendorf), Liberec XXXIV – Bedřichovka (Friedrichshain) und Liberec XXXV – Karlov pod Ještědem (Karlswald).http://www.uir.cz/casti-obce-mc/556904/Obec-Liberec-(neclenene-mesto)

Die 80 Grundsiedlungseinheiten sind Aloisina výšina (Aloisienhöhe), Bedřichovka, Broumovská, Černá hora, Čisticí stanice, Doubí, Doubí-průmyslová zóna, Františkov, Hanychov, Hanychov-průmyslový obvod, Harcov I, Harcov II, Hluboká, Horní Hanychov, Horní Růžodol, Horní Růžodol-západ, Horní Suchá, Horská, Hradební, Husova, Janův Důl, Janův Důl-za tratí, Javorová, Jeřáb, Ještěd (Jeschken), K Dlouhému Mostu, Karlinky, Karlov pod Ještědem, Kateřinky, Keilův vrch, Krajinská, Králův háj, Krásná Studánka, Kristiánov, Kunratice, Kunratická, Letiště, Liberec-střed, Lidové sady, Lomy, Machnín, Malé Doubí (Kleineichicht), Nádraží, Nemocnice, Nerudovo náměstí, Nové Pavlovice, Nový Harcov, Ostašov, Perštýn, Pilínkov, Pod nádražím, Pod Novou Rudou, Průmyslový obvod-u Ostašova, Radčice, Rochlice-jih, Rochlice-průmyslový obvod, Rochlice-sever, Rochlice-střed, Rochlice-západ, Rudolfov, Ruprechtice-jih, Ruprechtice-sever, Růžodol I, Staré Pavlovice, Staré Pavlovice-sever, Staré Pavlovice-východ, Starý Harcov, Špičák, U Janova Dolu, U jezírka, U Nisy-jih, U Nisy-sever, U Nisy-střed, U skládky, Vesec, Vysoká škola, Výstaviště, Wolkerova, Zelené údolí und Žižkovo náměstí.http://www.uir.cz/zsj-mc/556904/Zakladni-sidelni-jednotky-Liberec-(neclenene-mesto)

Sein Gebiet gliedert sich in die 25 Katastralbezirke Dolní Hanychov, Doubí u Liberce, Františkov u Liberce, Hluboká u Liberce, Horní Hanychov, Horní Růžodol, Horní Suchá u Liberce, Janův Důl u Liberce, Karlinky, Kateřinky u Liberce, Krásná Studánka, Kunratice u Liberce, Liberec, Machnín, Nové Pavlovice, Ostašov u Liberce, Pilínkov, Radčice u Krásné Studánky, Rochlice u Liberce, Rudolfov, Ruprechtice, Růžodol I, Staré Pavlovice, Starý Harcov und Vesec u Liberce.http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-mc/556904/Katastralni-uzemi-Liberec-(neclenene-mesto)

Stadtbezirk Liberec-Vratislavice nad Nisou

Der Stadtbezirk Liberec-Vratislavice nad Nisou bildet zugleich einen Stadtteil und Katastralbezirk. Er gliedert sich in zehn Grundsiedlungseinheiten.

Eingemeindungen

Nach der 1939 erfolgten Eingemeindung von fünf Orten in unmittelbarer Stadtnähe sind in den Jahren 1954 (4), 1963 (2), und 1976 (5) weitere 11 Dörfer zur Stadt Liberec hinzugekommen.

1980 erfolgte die Eingemeindung von Kunratice, Vratislavice nad Nisou, Krásná Studánka, Radčice, Machnín, Bedřichovka und Karlov pod Ještědem. 1986 kamen Dlouhý Most, Jeřmanice und Šimonovice zu Liberec, alle drei Gemeinden sind jedoch seit 1990 wieder eigenständig.

Geschichte Name der Stadt Der Ort Reichenberg findet sich erstmals im Jahre 1352 als Reychinberch erwähnt. Weitere Namensformen sind 1352 Reychinberg, 1360 Richenburg, 1385/1399 Reichenberg, 1411 Rychemberg alias in Habersdorf, 16. Jahrhundert Rychberk, Rychperk, Rychburc (in tschechischen Texten), 1634 Libercum, 1690 Liberkum, 1790 Reichenberg; Liber, ehedem auch Habersdorf genannt; Liberk, 1834 Reichenberg (böhmisch Liberk), 1845 Liberec, 1945 Liberk, Liberec.

Der Name Reichenberg bedeutet „Ort (Dorf) am reichen Berge“. Da ein wesentlicher Bergbau in der unmittelbaren Umgebung in keiner historischen Quelle überliefert ist, ist er entweder ein Wunschname – die Gründer hätten sich gewünscht, dass der neue Ort an diesem Berge einst reich würde –, oder aber der Name wurde von den deutschen Siedlern aus ihrer Heimat mitgebracht. Der manchmal mitgenannte Ortsname Habersdorf bezog sich auf eine mit Reichenburg zusammengeschlossene Nachbarsiedlung.Rudolf Śrámek: Reichenberg // Liberec. In: Deutsches Ortsnamenbuch. Hrsg. von Manfred Niemeyer. De Gruyter, Berlin/Boston 2012, S. 515.

Der tschechische Name basiert auf einer deutschen Variante Richberk: Durch Dissimilation von r–r > l–r entstand im 17. Jahrhundert die Namenform Liberk (vergleiche tschechisch legrace „Spaß, Zeitvertreib, Entspannung“, von lateinisch recreatio), und der tschechische Genitiv z Leberce und Lokativ na Liberci führte zum 1845 erstmals bezeugten neuen Nominativ Liberec.

Ur- und Frühgeschichte Als ältester Beleg für die Anwesenheit von Menschen auf diesem Gebiet gilt eine Beilklinge aus der jüngeren Steinzeit. Gefunden wurde sie in der Nähe der Neiße bei Vratislavice nad Nisou (Maffersdorf).

Mittelalter Die Gegend um Reichenberg gewann im 13. Jahrhundert an Bedeutung, als deutsche Siedler das bislang kaum bewohnte Gebiet erschlossen und die Wälder im Bereich des alten Handelsweges vom Zentrum Böhmens zur Ostsee rodeten. Die älteste belegte Siedlung der Gegend neben der Johanniterkommende von Böhmisch Aicha ist Friedland, von wo aus die Fürsten, denen unter anderem auch Reichenberg unterstand, jahrhundertelang herrschten.

Reichenberg wurde im Jahr 1352 erstmals urkundlich erwähnt. Ende des 14. Jahrhunderts war es bereits gut besiedelt. Seine ersten bedeutenden Eigentümer stammten aus der Familie von Biberstein.

In den Hussitenkriegen hatten die Hussiten in der Gegend um Reichenberg ihre Stützpunkte gegen die katholischen Lausitzen. Nach dem Ende der Kriege um 1433 begann eine ruhige Zeit des Aufbaus. Die deutsch-tschechische Sprachgrenze verlief bereits damals knapp zehn Kilometer südwestlich der Stadt. Mit dem Entstehen neuerer Siedlungen bildete sich bereits größtenteils die heutige Besiedlungsstruktur heraus.

16. bis 18. Jahrhundert Im 16. Jahrhundert erlebten Stadt und Umgebung eine Blütezeit. Die Familie von Redern, das neue Herrschergeschlecht auf Friedland, förderte den Aufbau der Textilerzeugung, einer guten Einnahmequelle in dieser rauen Gegend, in der außer Flachs nicht viel wächst. So wurde Nordböhmen zu einem Zentrum der Leinenweberei und der Tuchmacherei. Reichenberg entwickelte sich in dieser Zeit vom Dorf zur größeren Siedlung. Im Jahre 1577 wurde es von Kaiser Rudolf II. zur Stadt erhoben und erhielt das Stadtwappen, das zwei Türme, ein Rad (das Symbol der Adelsfamilie von Redern) und einen einschwänzigen (!) Löwen enthält.

Nach der Schlacht am Weißen Berg 1620 wurde Christoph von Redern enteignet, da er auf Seiten der protestantischen Opposition gegen das Haus Habsburg gestanden hatte. Die Ländereien um Reichenberg wurden Albrecht von Wallenstein zugesprochen. Dieser sorgte dafür, dass seine Ländereien von den Kämpfen des Dreißigjährigen Krieges zunächst weitgehend verschont blieben. Er verhalf der Gegend zu einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung, die ihm zusätzliche Waffen und Söldner verschaffte. Für die so aufgestellten Heere bekam er wiederum neue Ländereien. Bei der Aufteilung von Wallensteins Besitz nach seiner Ermordung 1634 fiel die Gegend um Friedland der italienischen Adelsfamilie Gallas zu und ging nach deren Aussterben im Mannesstamm an die Linie Clam-Gallas über. Im Dreißigjährigen Krieg wurden Reichenberg und Umgebung von durchziehenden Armeen stark in Mitleidenschaft gezogen. Zu Beginn des Krieges beim Einsetzen der Gegenreformation in Böhmen emigrierten besonders aus dem Grenzgebiet viele Adlige ins evangelisch-lutherische Kurfürstentum Sachsen, da sie den römisch-katholischen Glauben öffentlich in einer Taufzeremonie annehmen sollten, um ihren Besitz in Böhmen zu behalten. Es dauerte etwa 70 Jahre, bis sich das verwüstete Land von den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges und den Pestepidemien erholt hatte. Im Siebenjährigen Krieg fand am 21. April 1757 zwischen preußischen und österreichischen Truppen das Gefecht bei Reichenberg statt. Von 1862 bis 1945 bestand in Reichenberg wieder eine evangelische Pfarrgemeinde Deutsche Evangelische Gemeinde Reichenberg A.B. Das Toleranzedikt Kaiser Josephs II. von 1781 ermöglichte den Bau einer eigenen Kirche. Die Glaubensgemeinschaft Altkatholische Kirche wurde „geduldet“.

Von 1619 bis Oktober 1939 bestand in Reichenberg eine jüdische Gemeinde, die von 1887 bis 1889 in der Lerchenfeldgasse eine Synagoge im Stil der Frührenaissance errichten ließ, die 1889 im Beisein der Stadtverwaltung, des Militärs der Garnison Reichenberg und der römisch-katholischen und evangelisch-lutherischen Geistlichen eine Weihe erhielt.

In der Zeit des Frühkapitalismus entstanden im 18. Jahrhundert aus vielen Handwerksbetrieben Manufakturen. Aus dem Landesinneren kamen auch Tschechen auf der Suche nach Arbeit in die Industriegebiete des Nordens. Aus dieser Zeit stammen die ersten Belege des tschechischen Namens der Stadt Liberec.

19. Jahrhundert: Industrialisierung und Blütezeit