Hradec Králové (tschechisch ; deutsch Königgrätz; ) ist eine Stadt am Oberlauf der Elbe im Vorland des Riesengebirges in Tschechien. Sie ist das Verwaltungszentrum der Königgrätzer Region, Universitätsstadt und Bischofssitz. In der Nähe der Stadt fand 1866 die Schlacht bei Königgrätz zwischen Preußen und Österreich statt.
Geographie Hradec Králové liegt auf einer Höhe von am Zusammenfluss von Elbe und Adler (Orlice) im südwestlichen Teil der gleichnamigen Region etwa 21 km nördlich von Pardubitz und 112 km östlich von Prag.
Geschichte mini|Das Stadtzentrum (Luftbild) mini|Marktplatz von Hradec Králové Mittelalter Königgrätz war schon um 1062 befestigt, wurde 1225 zur Königsstadt erhoben und 1307 Elisabeth Richza von Polen, der Witwe der Könige Wenzel II. und Rudolf I., als Witwensitz zugeteilt. Seitdem hieß die Stadt Grecz Reginae bzw. Hradec Králové (wörtl. kleine Burg bzw. Schlösschen der Königin) statt bisher bloß Hradec (Grecz/Grätz). Seit Mitte des 14. Jahrhunderts war der Ort namensgebend für den altböhmischen Königgrätzer Kreis.
Im Deutschen setzte sich spätestens um 1800 anstelle der korrekten Übersetzung Königingrätz der Name Königgrätz durch, auch als amtliche Bezeichnung.Noch 1809 war die weibliche Bezeichnung dieser Stadt in den Zeitungen der Zeit gebräuchlich. Vgl. Augsburgische Ordinari Postzeitung, Nro. 135, Mittwoch, den 7. Jun. Anno 1809.
Die Stadt war eine der ersten, die sich auf die Seite der Hussiten stellten; Jan Žižka wurde 1424 dort begraben. Sie hatte unter den wechselvollen Auseinandersetzungen der Hussitenkriege zu leiden und blieb bis zum Dreißigjährigen Krieg überwiegend protestantisch.
Neuzeit mini|Karte von Königgrätz um 1772 mini|Bischofspalast mini|hochkant|Hl.-Geist-Kathedrale Von 1574 bis 1580 wurde im Stil der Renaissance der Weiße Turm (Bílá věž) errichtet, der mit der Augustin über die zweitgrößte Glocke Böhmens verfügt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 1639 von den Schweden erobert, acht Monate lang besetzt und geplündert. Im Jahre 1664 wurde die Stadt Bischofssitz des neu gegründeten Bistums Königgrätz der katholischen Kirche. Der Jesuit Antonín Koniáš verfasste dort erstmals 1729 seine Indexschrift Clavis haeresim claudens et aperiens, die nach seiner Auffassung ketzerische Werke aufzählte und als unerwünschte Literatur einstufte. Dabei entwickelte er großen Eifer, ließ Bücher vernichten und bewirkte drakonische Strafen für deren unerlaubten Besitz. Nach seiner Auffassung sollte jeder „anständige“ Katholik seine private Büchersammlung der Prüfung durch den Beichtvater verfügbar halten. Sein Wirken fügte von Hradec Králové aus dem tschechischen Kulturerbe spürbare Verluste zu.Jaroslav Vrchotka : Bibliotheken in Böhmen. In: Bernhard Fabian: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Österreich und Europa (Fabian-Handbuch). online-Ausgabe der Uni GöttingenClavis haeresim claudens et aperiens. bibliographischer Eintrag im Gemeinsamen Verbundkatalog (GVK)
Im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) wurde die Stadt bei Auseinandersetzungen zwischen den preußischen und den österreichischen Truppen in Mitleidenschaft gezogen. Unter Kaiser Joseph II. wurde Königgrätz 1778 zur Festung erklärt; in den Jahren 1780 bis 1789 wurden rund um die Stadt mächtige Festungswerke geschaffen. Während dieser Zeit war die Verwaltung des Königgrätzer Kreises im Schloss Horziniowes untergebracht, 1792 kehrte sie nach Aufhebung der Festung in die Stadt zurück.
19. Jahrhundert Auch die Napoleonischen Feldzüge hinterließen ihre Spuren in der Stadt: So herrschte 1809 während des Fünften Koalitionskriegs großer Mangel an Lebensmitteln infolge zeitweiligen Aufenthalts der Armee des Erzherzogs Karl in der Stadt und wegen des Versorgungsbedarfs weiterer böhmischer Städte wie Prag und Theresienstadt, die sich ebenfalls aus Angst vor Belagerung rüsteten.
1866 fügte nordwestlich der Stadt (beim Flecken Sadowa) die preußische Armee der vereinigten österreichischen und sächsischen Armee in der Schlacht bei Königgrätz eine vernichtende Niederlage zu, welche den Deutschen Krieg zu Gunsten Preußens entschied.
mini|Festung Königgrätz um 1890 Die Festungsanlagen hatten in der Kriegsführung der damaligen Zeit an Bedeutung verloren und wurden im Jahre 1884 geschleift. Sie machten Platz für großzügige Parkanlagen und Bauwerke als Zeugnisse der Architekturströmungen der Klassischen Moderne wie des von Wien ausgehenden Jugendstils und des nachfolgenden Reformstils. Dazu zählen Kaufhäuser, Hotelbauten, Sparkassen und Wohnhäuser.
20. Jahrhundert Die Stadt bekam nach dem Ersten Weltkrieg, als sie beständig wuchs und neue moderne Bauten hinzukamen, den Beinamen Salon der Republik. Viele dieser Bauten sind erhalten und wurden saniert. Darunter befinden sich Gebäude nach Entwürfen von Hubert Gessner, Josef Gočár, Jan Kotěra, Oldřich Liska, Otakar Novotný, Jan Rejchl, Václav Rejchl, Bohumíl Waigant und Václav Weinzettl.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1869 1880 1890 1900 1910 1921 1930 1950 1961 1970 1980 1991 2001 2011 2021 Einwohner 18.884 24.230 25.236 29.310 35.675 39.151 50.137 57.118 66.608 80.463 96.145 99.917 97.155 94.314 92.649Zensus 2021, Český statistický úřad, abgerufen am 25. Juni 2025 (tschechisch)
Stadtstruktur mini|Hauptmarkt mini|Stadthäuser Hradec Králové ist von einer differenzierten Stadtstruktur gekennzeichnet. Die Hauptteile sind die historische Altstadt (Staré město) und die Neustadt (Nové město). Die Altstadt befindet sich auf einer mächtigen, länglich gestreckten Felserhebung, deren ursprüngliche Struktur durch die jahrhundertelange Stadtentwicklung kaum noch erkennbar ist. Die Altstadt ist nur über zwei Straßen mit Fahrzeugen erreichbar. Seitlich führen Treppenaufgänge hinauf. Auf der Erhebung befindet sich der alte Stadtkern von Königgrätz mit seinen kirchlichen und bürgerlichen Bauten.
Um diese Erhebung ziehen sich gürtelartig alte Kasernen- und Magazingebäude aus der Zeit der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Westlich und südlich wird die Altstadt von der Elbe und der Adler eingefasst, die südwestlich unweit des Eisstadions zusammenfließen. Von der ehemaligen Auenlandschaft beider Flüsse ist nur noch nördlich der Altstadt ein nennenswertes Areal vorhanden, das heute einen parkartigen Charakter besitzt. Die Flussufer sind im Innenstadtbereich durchgängig kanalartig befestigt. Alte Mäanderfragmente von Adler und Elbe sind jenseits der bebauten Fläche noch am Stadtrand vorhanden und stellen naturräumliche Schutzzonen dar.
Die Neustadt erreicht man von der Altstadt aus über die architektonisch bemerkenswerte Prager Elbebrücke (Pražsky most). Dieser Stadtteil erstreckt sich in westlicher Richtung und ist von einem sternförmig angelegten, sowie quer dazu verlaufenden Straßennetz durchzogen, das bei dieser Brücke seinen Ursprung hat. Die zentrale Straße (Gočárova třída) der Neustadt führt zum Bahnhofsareal, das sie durch eine Biegung nur seitlich berührt. Im Zuge der Stadtentwicklung bildeten sich die Prager Vorstadt (Pražské předmestí), die Schlesische Vorstadt (Slezské předmestí) und die Mährische Vorstadt (Moravské předmestí) heraus. Weitere Siedlungen, ehemalige Dörfer, wurden später eingemeindet. Im Süden liegt auf einer Erhebung der Stadtteil Nový Hradec Králové (Neu-Königgrätz) mit einem alten Kirchbau.
Stadtgliederung mini|Stadtteile Zu Hradec Králové gehören die Ortsteile: Hradec Králové (Altstadt) – 3,45 km², 16.350 Ew. mini|Kleiner Platz mini|Laubengang um den Marktplatz mini|hochkant|Nebenstraße des Marktplatzes Březhrad (Brezhrad) – 2,80 km², 950 Ew. Kukleny (Kuklena) – 4,03 km², 2503 Ew. Malšova Lhota (Lhota Malschowa) – 1,94 km², 526 Ew. Malšovice (Malschowitz) – 2,37 km², 2670 Ew. Moravské Předměstí (Mährische Vorstadt) Nový Hradec Králové (Neu Königgrätz) – 24,74 km², 24.331 Ew., mit Kluky (Kluk) Piletice (Piletitz) – 3,03 km² Plačice (Platschitz) Plácky (Platzka) Plotiště nad Labem (Plotischt) Pouchov (Bauschenhof) Pražské Předměstí (Prager Vorstadt) Roudnička (Kleinraudnitz) Rusek (Rusek) Slatina Slezské Předměstí (Schlesische Vorstadt) Svinary (Swinar) Svobodné Dvory (Freihöfen) Třebeš (Trebesch) Věkoše (Wiekosch) – 5,54 km², 2651 Ew.
Politik Wappen Beschreibung: In Rot ein goldbewehrter und -gekrönter silberner doppelschwänziger nach links stehender Löwe mit einer goldenen Majuskel „G“ in den Pranken haltend.
Flagge Die Flagge von Hradec Králové besteht aus drei horizontalen Streifen Weiß-Gelb-Rot. Das Verhältnis der Breite zur Länge macht 2 : 3.
Städtepartnerschaften Hradec Králové unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden neun Städten: StadtLandseitAlessandria 15px|alt=1961Arnheim 15px|alt=1992Banská Bystrica 15px|alt=1950Breslau 15px|alt=2003Gießen 15px|alt=1990Kaštela 15px|alt=1992Kronstadt 15px|alt=2019Metz 15px|alt=2001TschernihiwМіста партнери (ukrainisch) 15px|alt=2010Wałbrzych 15px|alt=1991
Wirtschaft und Infrastruktur Hersteller von Musikinstrumenten mini|Wasserkraftwerk im JugendstilInformationszentrum / Wasserkraftwerk Hučák 1842 gründete der Blechblasinstrumentenbauer Václav František Červený das Unternehmen V. F. Červený & synové. Bis 2020 hatte der Musikinstrumenten-Hersteller Amati eine Produktionsstätte in Hradec Králové, in der die Marke produziert wurde. Seit 1864 werden von Petrof Klaviere hergestellt (benannt nach dem Gründer Antonín Petrof), die seit 1924 auch exportiert werden. Das Familienunternehmen ist (Stand 2008) mit jährlich bis zu 5000 Pianinos und 900 Flügeln gegenwärtig gemessen an der Stückzahl einer der größten Klavierproduzenten in Europa. Während des Sozialismus in der Tschechoslowakei wurden die Instrumente vom zwischen 1948 und 1992 bestehenden volkseigenen Unternehmen Československé hudební nástroje (ČSHN, Tschechoslowakische Musikinstrumente) hergestellt, das auch Gitarren und Bässe der Marke Jolana produzierte.
Verkehr Straßen Der heutige Stadtkern aus Altstadt und Neustadt ist von einer breit ausgebauten inneren Ringstraße umschlossen. Sternförmig stoßen die überregionalen Verbindungen auf diesen Ring. Er verringert somit den Durchfluss überregionaler Verkehrsaufkommen durch die Innenstadt.
Hradec Králové liegt an den Europastraßen:
E 67 (Via Baltica): Helsinki – Warschau – Kłodzko – Hradec Králové – Prag E 442: Karlsbad – Liberec – Hradec Králové – Olmütz – Žilina.
Die Autobahn D11 aus Richtung Prag endet südwestlich von Hradec Králové, es existieren Planungen, sie künftig, an der Stadt vorbei Richtung Südpolen zu verlängern.
Außerdem ist Hradec Králové Schnittpunkt verschiedener Straßen I. und II. Klasse: I/11: Chlumec nad Cidlinou – Hradec Králové – Třebechovice pod Orebem – Týniště nad Orlicí – Vamberk – Žamberk – Šumperk – Rýmařov – Bruntál – Opava – Ostrava – Havířov – Český Těšín – Třinec – Mosty u Jablunkova – slowakische Grenze I/33: Hradec Králové – Jaroměř – Náchod – polnische Grenze I/35: polnische Grenze – Hrádek nad Nisou – Liberec – Turnov – Jičín – Hořice – Hradec Králové – Holice – Vysoké Mýto – Litomyšl – Moravská Třebová – Mohelnice – Olmütz – Lipník nad Bečvou – Hranice – Valašské Meziříčí – Rožnov pod Radhoštěm – slowakische Grenze I/37: Trutnov – Jaroměř – Hradec Králové – Pardubice – Chrudim – Slatiňany – Ždírec nad Doubravou – Žďár nad Sázavou – Křižanov – Velá Bíteš II/308: Hradec Králové – Černilov – Libřice – Bohuslavice – Nové Město nad Metují II/324: Městec Králové – Skochovice – Nový Bydžov – Nechanice – Stěžery – Hradec Králové – Opatovice nad Labem – Hrobice – Pardubice
Bahn Der Hauptbahnhof von Hradec Králové befindet sich westlich der Innenstadt und ist Schnittpunkt folgender Bahnstrecken: Velký Osek–Hradec Králové–Choceň (Fahrplannummer 020) Pardubice–Hradec Králové–Jaroměř (Fahrplannummer 031) Hradec Králové–Jičín–Turnov (Fahrplannummer 041)
Über diese Linien existieren Verbindungen in viele Städte Tschechiens.
Luftverkehr Der Flughafen Hradec Králové befindet sich einige Kilometer außerhalb nordnordöstlich des Stadtzentrums.
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