mini|Martin Luther King Jr. (1964) rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Martin Luther King Martin Luther King Jr. (* 15. Januar 1929 in Atlanta, Georgia als Michael King Jr.; † 4. April 1968 in Memphis, Tennessee) war ein US-amerikanischer Baptistenpastor und Bürgerrechtler.
Er gilt als einer der herausragendsten Vertreter im gewaltfreien Kampf gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit und war zwischen Mitte der 1950er und Mitte der 1960er Jahre der bekannteste Sprecher des Civil Rights Movement, der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner. Er propagierte den zivilen Ungehorsam als Mittel gegen die politische Praxis der Rassentrennung (Racial segregation) in den Südstaaten der USA mit religiösen Begründungen und nahm an entsprechenden Aktionen teil.
Wesentlich durch Kings Einsatz und Wirkkraft ist das Civil Rights Movement zu einer Massenbewegung geworden, die schließlich erreicht hat, dass die Rassentrennung gesetzlich aufgehoben und das uneingeschränkte Wahlrecht für die schwarze Bevölkerung der US-Südstaaten eingeführt wurde. Wegen seines Engagements für soziale Gerechtigkeit erhielt er 1964 den Friedensnobelpreis. Am 4. April 1968 wurde King im Alter von 39 Jahren bei einem Attentat in Memphis erschossen.
Leben Familie und Kindheit King wurde 1929 als Sohn der Lehrerin Alberta Christine Williams King (1904–1974) und ihres Ehemanns Martin Luther King (1897–1984, ursprünglich Michael King),rundfunk.evangelisch.de: Eine folgenreiche Reise. Martin Luther King in Deutschland, 15. Januar 2017, abgerufen am 8. Dezember 2021. dem zweiten Prediger der baptistischen Ebenezer-Gemeinde in Atlanta geboren. Sein Vater war vor seiner Tätigkeit als Pfarrer unter anderem Hilfsmechaniker in einer Autowerkstatt und Feuerwehrmann bei einer Eisenbahngesellschaft gewesen. King Sr. hatte seinen Abschluss an einer Abendschule nachgeholt und war bereits vor der Geburt von King Jr. Vorsitzender der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP – Nationale Gesellschaft zur Förderung farbiger Menschen) in Atlanta.
King Juniors Großvater mütterlicherseits, Adam McNeil Williams (* 1863), ein Sohn von Sklaven, trat 1894 in die Ebenezer-Gemeinde ein. Dieser Kirchengemeinde gehörten auch alle nachfolgenden Generationen an. James King, der Großvater väterlicherseits, hatte auf Baumwollplantagen bei Stockbridge gearbeitet, etwa 20 Kilometer von Atlanta entfernt.
Ursprünglich hieß sein Vater Michael King und er selbst Michael King Jr. Der Vater änderte beide Namen nach einer Europareise im Jahre 1934, die ihn im Zusammenhang mit dem in Berlin stattfindenden baptistischen Weltkongress auch nach Deutschland führte, zu Ehren von Martin Luther, für den er große Bewunderung empfand. Der Name war für den Vater und später für den Sohn Ausdruck tiefen religiösen Empfindens. () Zusammen mit seinen Eltern lebte King Jr. bis 1941 in der Auburn Avenue, einer Straße, in der fast ausschließlich wohlhabende Schwarze wohnten, im Haus Nr. 501.
Wie alle Schwarzen wurde auch er durch die Rassentrennung in den Südstaaten der USA diskriminiert. Diese trennte alle Bereiche des täglichen Lebens in schwarz und weiß: Schulen, Kirchen, öffentliche Gebäude, Busse und Züge, selbst Toiletten und Waschbecken. King Jr. empfand schon früh solche Segregation als große Ungerechtigkeit, in dieser Haltung wurde er vor allem durch die väterliche Erziehung geprägt. Mit 14 Jahren fuhr er von Atlanta nach Dublin in Georgia, um dort an einem Redner-Wettbewerb teilzunehmen, den er gewann. Schon damals setzte er sich öffentlich für die Desegregation und auch für die Stärkung der USA als Nation ein. Clayborne Carson zitiert ihn in The Autobiography of Martin Luther King, Jr. mit den Worten:
Am 18. Juni 1953 heirateten King Jr. und Coretta Scott Williams. Die Hochzeit fand in ihrem Elternhaus in Marion, Alabama, statt; die Trauung wurde von Kings Vater vorgenommen. Das Ehepaar bekam vier Kinder: Yolanda Denise (* 17. November 1955 in Montgomery, Alabama; † 15. Mai 2007 in Santa Monica, Kalifornien) Martin Luther III (* 23. Oktober 1957 in Montgomery, Alabama) Dexter Scott (* 30. Januar 1961 in Atlanta, Georgia; † 22. Januar 2024 in Malibu, Kalifornien) Bernice Albertine (* 28. März 1963 in Atlanta, Georgia)
Alle vier engagierten sich wie ihr Vater für Bürgerrechte; ihre veröffentlichten Texte und Reden weichen thematisch voneinander ab. King Juniors Witwe, Coretta Scott King, starb am 30. Januar 2006 im Alter von 78 Jahren in Rosarito in Mexiko.
Ausbildung und Einflüsse Seine erste negative Erfahrung mit der Rassentrennung machte King bereits mit Beginn seiner Grundschulzeit. Sein engster Freund in der Vorschulzeit war ein weißer Junge aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Dann mussten die beiden verschiedene Schulen besuchen, und die Eltern seines Freundes teilten King mit, dass er nicht mehr mit ihrem Sohn spielen könne, weil er schwarz sei. King ging mit seiner Schwester Christine zur Younge Street Elementary School, auf der es ausschließlich schwarze Schüler gab. Das Lernen fiel ihm relativ leicht. In der sechsten Klasse wechselte er auf die David T. Howard Colored Elementary School. Im Alter von 13 Jahren besuchte er schließlich die Booker T. Washington High School, wo er das neunte und das zwölfte Schuljahr übersprang.Stephen B. Oates: Martin Luther King, Kämpfer für Gewaltlosigkeit. Heyne, München 1986, ISBN 3-453-55140-0, S. 24, 30–32.
Am 20. September 1944 begann King sein Studium am Morehouse College, der einzigen Hochschule für Schwarze im Süden; es nahm ihn trotz seines Alters von noch nicht 16 Jahren als Ausnahme auf. Im Hauptfach Soziologie wurde er von Walter P. Chivers in die Problematik der Rassentrennung eingeführt; bei George D. Kelsey, dem Leiter der School of Religion, hörte er von Mahatma Gandhis gewaltfreiem Widerstand. Benjamin Mays, der damalige Präsident der Schule und ein Bürgerrechtler, war ein wichtiger Mentor für King. Auch sonst beschreibt King die Atmosphäre an dem College als konstruktiv und weitestgehend frei von Rassismus und Intoleranz gegenüber Schwarzen. 1948 schloss er das College mit einem Bachelor of Arts in Soziologie ab.Clayborne Carson: The Autobiography of Martin Luther King, Jr. S. 13.
Neben dem Studium wurde King mit 17 Jahren Hilfsprediger seines Vaters an der Ebenezer Baptist Church in Atlanta. Er wollte damals trotz seines tiefen Glaubens kein Prediger werden. Auf dem College entdeckte er endgültig das Reden für sich und belegte bald vordere Plätze bei Studentenwettbewerben in politischer Rede. Von Vater und Professoren schließlich überzeugt, studierte er am Crozer Theological Seminary in der Nähe von Chester (Pennsylvania) Theologie. (1970 Zusammenschluss mit der Colgate Rochester Divinity School in Rochester, N. Y.)
Er las Plato, John Locke, Jean-Jacques Rousseau, Aristoteles, Henry David Thoreau und Walter Rauschenbusch. Bücher von letzterem veranlassten King, Rolle und Verantwortung eines Predigers für sich neu zu definieren:
Zudem beschäftigte er sich intensiv mit verschiedenen Theorien zu Gesellschaftsformen und las zum Beispiel Karl Marx, von dem er beeinflusst wurde, obwohl er ihn größtenteils ablehnte:
Außerdem wurde er stark von Mahatma Gandhi geprägt, dessen erfolgreicher, von Nächstenliebe getragener Kampf mit dem Mittel der Gewaltlosigkeit ihn tief beeindruckte. King sagte einmal über Gandhi:
Später las er Pazifismus-kritische Texte von Reinhold Niebuhr. Diese konnten ihn zwar nicht vom gewaltfreien Widerstand abbringen, veränderten jedoch sein Weltbild:
Im Mai 1951 beendete er sein Studium mit einem Bachelor of Divinity in Theologie. Für die Zeit nach seinem Studium hatte er mehrere Angebote. King wählte nicht den einfachen Weg, sondern entschied sich für eine Pfarrerstelle im Süden des Landes. So wurde er 1954 Pastor der Dexter Avenue Baptist Church in Montgomery (Alabama). Zu dieser Zeit schrieb er an der Boston University in Massachusetts seine Doktorarbeit mit dem Titel A Comparison of the Conceptions of God in the Thinking of Paul Tillich and Henry Nelson Wieman, wofür ihm 1955 der Titel Doctor of Philosophy verliehen wurde. 1991 wurde bekannt, dass Teile der Arbeit Plagiate enthalten.Boston U. Panel Finds Plagiarism by Dr. King. New York Times, 11. Oktober 1991. Ein Hochschulkommittee untersuchte die Dissertation (the dissertation still “makes an intelligent contribution to scholarship”).
Erste Erfolge – Montgomery
Am 1. Dezember 1955 weigerte sich die schwarze Bürgerrechtlerin Rosa Parks in Montgomery, ihren Sitzplatz in einem öffentlichen Bus für einen Weißen freizumachen. Sie wurde festgenommen und zu einer Geldstrafe verurteilt. Das führte zu einer großen Solidarisierungsbewegung innerhalb der schwarzen Einwohnerschaft. Knapp ein Drittel der Bevölkerung von Montgomery waren Schwarze; die meisten von ihnen arbeiteten als Landarbeiter und Hausangestellte.
Für den 5. Dezember, den Tag des Gerichtsverfahrens gegen Rosa Parks, organisierte das Women’s Political Council einen eintägigen Boykott der öffentlichen Busse. Es rief die schwarze Bevölkerung auf, Fahrgemeinschaften zu bilden, Taxis zu nutzen oder zu Fuß zu gehen. Fast 100 Prozent der Schwarzen taten dies; es wurde deutlich, dass die schwarze Bevölkerung geschlossen hinter dem Protest stand.
Der Boykott sollte zeigen, wie groß die wirtschaftliche Abhängigkeit weißer Unternehmer von der schwarzen Bevölkerung war, und wie wenig Rechte ihnen im Gegenzug dafür eingeräumt wurden. Der Boykott dauerte schließlich etwa 385 Tage. Der damals neu zugezogene 26-jährige King wurde zum Leiter des zur Koordination des Boykotts gegründeten Komitees Montgomery Improvement Association ernannt. Er wurde von dem Bürgerrechtler und offen homosexuellen Bayard Rustin im gewaltfreien Widerstand nach Gandhi beraten. Der Boykott erregte auch im Ausland Aufsehen. Es gab neben verbaler Zustimmung auch finanzielle Unterstützung für die schwarzen Bewohner der Stadt, so etwa von der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP). Am 30. Januar 1956 wurde das Pfarrhaus, in dem King mit seiner Familie lebte, durch einen Bombenanschlag zum Teil zerstört; niemand kam zu Schaden.https://kinginstitute.stanford.edu/kings-home-bombed
Der gewaltlose Widerstand führte schließlich zu einem Erfolg. Am 13. November 1956 erklärte der Oberste Gerichtshof die Rassentrennung in den öffentlichen Verkehrsmitteln der Stadt Montgomery für verfassungswidrig und sprach ein Verbot dagegen aus. Der Busboykott von Montgomery wurde als ein großer Sieg wahrgenommen, und Kings Verdienste dabei führten dazu, dass er zum Präsidenten der am 10. Januar 1957 neu gegründeten Southern Christian Leadership Conference (SCLC) gewählt wurde. Am 27. Januar wurde ein weiteres Bombenattentat auf das Pastorat verübt. Einige Tage später nahm die Polizei sieben weiße Männer fest, zwei von ihnen gestanden den Anschlag. Trotzdem wurden sie wieder freigelassen. King reiste in den nächsten Jahren Tausende von Meilen durch den Süden der USA und warb vehement dafür, sich gewaltlos und unnachgiebig für Bürgerrechte einzusetzen. 1957 hielt King 208 Reden und schrieb sein erstes Buch – „Schritte zur Freiheit: Die Montgomery Story“ (Original: Stride Toward Freedom: The Montgomery Story). Der gelungene Boykott mehrte die Bedeutung der gewaltlosen Bürgerrechtsbewegung enorm; in den folgenden Jahren schlossen sich ihr auch immer mehr Weiße an.