mini|Schwarzach-Unterschwarzach aus etwa 3900 Fuß Höhe

Schwarzach ist eine Gemeinde im Neckar-Odenwald-Kreis in Baden-Württemberg und staatlich anerkannter Erholungsort. Sie gehört zur europäischen Metropolregion Rhein-Neckar.

Geografie Lage Schwarzach liegt im Naturpark Neckartal-Odenwald am Südrand des Odenwalds (im Kleinen Odenwald) mit Blick auf den Kraichgau. Im Westen grenzt sie an den Rhein-Neckar-Kreis. Der Waldanteil beträgt nahezu 48 Prozent.

Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus den ehemaligen Gemeinden Unterschwarzach und Oberschwarzach. Zur ehemaligen Gemeinde Oberschwarzach gehört das Dorf Oberschwarzach und der Ort Forsthaus. Zur ehemaligen Gemeinde Unterschwarzach gehören das Dorf Unterschwarzach und der Schwarzacher Hof (Diakonische Einrichtung für Menschen mit Behinderung) zwischen Unterschwarzach und Oberschwarzach.Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.): Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2 (Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band 5), S. 261–262.

Die drei Orte Unterschwarzach, Oberschwarzach und Schwarzacher Hof werden vom Schwarzbach durchflossen.

Geschichte Schwarzach wurde 1143 erstmals urkundlich erwähnt. 1823 wurde die Gemeinde in die selbständigen Gemeinden Unterschwarzach und Oberschwarzach geteilt. Mitte des 19. Jahrhunderts wanderte etwa ein Drittel der Bevölkerung aus wirtschaftlichen Gründen nach Nordamerika aus. Am 1. Januar 1972 wurde Oberschwarzach nach Unterschwarzach eingemeindet. Am 20. Januar 1972 wurde die Gemeinde Unterschwarzach in Schwarzach umbenannt.

Siehe auch: Der Schwarzacher Hof und seine Geschichte während der NS-Zeit und als DP-Kinderlager

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Schwarzach wurde bis 2019 durch die Unechte Teilortswahl gewählt. Dies garantierte den Ortsteilen eine festgelegte Anzahl von Sitzen. Die Unechte Teilortswahl wurde inzwischen abgeschafft. Der Gemeinderat besteht jetzt aus den 14 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 WVS Wählervereinigung Schwarzach 45,95 7 42,6 6 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 31,07 4 23,8 4 CDU/BL Christlich Demokratische Union Deutschlands/Schwarzacher Bürgerliste 22,99 3 29,8 5 Grüne Bündnis 90/Die Grünen – – 3,8 1 gesamt 100,0 14 100,0 16 Wahlbeteiligung 52,61 % 49,1 %

Wappen Das Wappen der Gemeinde Schwarzach zeigt in Silber (Weiß) an pfahlweise gestelltem, belaubtem grünem Zweig drei rote Äpfel (1:2). Die Bedeutung dieser Darstellung ist unbekannt. Bis zur Zusammenlegung der Gemeinden Ober- und Unterschwarzach war dies das Wappen von Oberschwarzach, während die Gemeinde Unterschwarzach ein fast identisches Wappen führte, bei dem lediglich die Blätter am Zweig fehlten.Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.): Der Neckar-Odenwald-Kreis (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Band 2, Jan Thorbecke, Sigmaringen 1992, ISBN 3-7995-6047-5, S. 590.

Bürgermeister Im Oktober 2014 wurde im ersten Wahlgang Mathias Haas zum neuen Bürgermeister gewählt, er ist Nachfolger von Theo Haaf, der nach 24 Jahren nicht mehr antrat.https://www.nokzeit.de/2014/10/19/mathias-haas-wird-buergermeister-von-schwarzach/ Haas trat sein Amt am 2. Februar 2015 an.http://www.mathias-haas.de/Mathias_Haas_-_Ihr_Burgermeister_fur_Schwarzach/Home.html Er wurde am 16. Oktober 2022 mit 88,8 Prozent der Stimmen für eine zweite Amtszeit wiedergewählt.

Wirtschaft und Infrastruktur Ansässige Unternehmen mini|Das Gelände der Johannes-Diakonie in Schwarzach mini|Gebäude der Johannes-Diakonie von 1914/15

Der Schwarzacher Hof der Johannes-Diakonie Mosbach ist der größte Arbeitgeber und hat beim zwischen Ober- und Unterschwarzach gelegenen Wasserschloss inzwischen eine eigene Siedlung ausgebildet. Die ältesten Gebäude des „Schwarzacher Hofes“ datieren von 1914/15, der Großteil der Gebäude der Einrichtung entstand jedoch erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Schwarzacher Hof bietet 780 Wohnplätze und Außenwohngruppen für Menschen mit Behinderungen. Außerdem bieten die Schwarzacher Werkstätten 800 Plätze und die Fachschule für Sozialpädagogik 240 Plätze.

Während der NS-Gewaltherrschaft wurden im Jahr 1940 von den 200 Heimbewohnern 167 im Rahmen der „Euthanasie“-Tötungsaktion T4 in die Mordanstalt Grafeneck deportiert und umgebracht. Nachdem in den letzten Kriegsjahren die Gebäude als Hilfskrankenhaus von Daimler-Benz requiriert wurden, kamen die verbliebenen Jugendlichen in die Anstalt Eichberg, wo sie ermordet wurden.Ulrike Puvogel, Martin Stankowski: Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0 (Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Band 1), S. 81 f.

Von 1945 bis vermutlich November 1948 befand sich im Schwarzacher Hof das Internationale Kinderzentrum Aglasterhausen,After the Shoah: Aglasterhausen – Internationales UNRRA/IRO DP-Kinderlager Es war deutschlandweit eines von über zwei Dutzend Children’s Centers und wurde laut Jim G. Tobias so benannt, „weil sich in der nur wenige Kilometer entfernten Gemeinde Aglasterhausen die Bahnstation befunden hatte“.Jim G. Tobias: „Selten gab es eine herzlichere Stimmung als hier…“ Das Internationale Kinderzentrum Aglasterhausen 1945–48, hagalil.com, 8. Dezember 2013. Das Kinderzentrum verfügte über einen eigenen Kindergarten und eine Schule und bot diverse berufskundliche Lehrgänge an. Auch eine eigene Fußballmannschaft war gegründet worden. Über das Schicksal der Kinder heißt es bei Tobias:

Die Ende 1948 noch im Schwarzacher Hof verbliebenen Kinder wurden in das DP-Lager und Children’s Village Bad Aibling gebracht, und die Diakonie erhielt den Schwarzacher Hof zurück.

Bildungseinrichtungen Schwarzach verfügt über eine eigene Grundschule und mit der Schwarzbachschule über ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum (Förderschwerpunkte geistige Entwicklung, Lernen und emotionale und soziale Entwicklung) der Johannes-Diakonie Mosbach.

Freizeiteinrichtungen Schwarzach verfügt über ein beheiztes Schwimmbad, über eine Alla Hopp-Anlage und im großen Wildpark gibt es einen Streichelzoo und einen Afrikaspielplatz. Ebenso verfügt Schwarzach über einen Wohnmobil-Platz mit Kiosk. Im August 2023 wurde in Oberschwarzach zudem ein Kneipp-Becken im neu gefassten Dorfteich eingeweiht.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Wasserschloss Schwarzach mini|Katholische Kirche St. Martin mini|Rathaus

Bauwerke

Das Wasserschloss Schwarzach geht auf die mittelalterliche Wasserburg Schwarzach zurück, die später Lehensgut und ab dem späten 17. Jahrhundert kurpfälzische Kellerei war. Der verputzte längliche Hauptbau steht noch über dem alten Wassergraben und lässt sich über eine steinerne Brücke erreichen. Von der Wasserburg sind außer Teilen des Grabens noch Mauerreste und ein Eckturm erhalten. Heute befindet sich in dem Gebäude das staatliche Forstamt. Die um 1750 im Barockstil erbaute katholische Kirche St. Martin in Unterschwarzach hat einen außergewöhnlichen runden Kirchturm. Die evangelische Kirche wurde 1914 im Jugendstil erbaut. Das Rathaus in Unterschwarzach ist ein schlossartiger Backsteinbau mit einem Brunnen von 1990. Das historische Rathaus in Oberschwarzach ist heute Geschäftshaus. Die Gemeinde Schwarzach ist reich an Fachwerkhäusern, Gasthöfen, Brunnen- und Dorfteichanlagen Mörserglocke (größte und tontiefste Glocke in Baden-Württemberg), Wildpark Schwarzach An der Straße nach Michelbach befindet sich ein historischer Wasserhochbehälter von 1913

Natur mini|Regenrückhaltebecken Oberschwarzach

Wildpark in Unterschwarzach Um die Gefahr von Hochwasser in der Tallage des Ortes zu dämmen, wurde oberhalb von Oberschwarzach ein Regenrückhaltebecken errichtet.

Theater Auf der Freilichtbühne im Birkenhof führt das Amateurtheater des Vereins Freilichtspiele Kleiner Odenwald, kurz KleinOd, hervorgegangen aus dem Theater im Birkenhof, Stücke auf.RNZett, das Veranstaltungsmagazin der Rhein-Neckar-Zeitung vom 12. Mai 2016.

Sport 2021 bewarb sich die Gemeinde als Host Town für die Gestaltung eines viertägigen Programms für eine internationale Delegation der Special Olympics World Summer Games 2023 in Berlin. 2022 wurde sie als Gastgeberin für Special Olympics Mongolei ausgewählt. Es waren 71 Personen angekündigt.

Persönlichkeiten Georg von Jäger (1778–1863), Pädagoge, arbeitete vor seiner pädagogischen Tätigkeit als Hofmeister in Schwarzach Arno Reinfrank (1934–2001), Schriftsteller, verbrachte Teile seiner Kindheit in Schwarzach im Versteck vor nationalsozialistischer Verfolgung Bernd Förster (* 1956), Fußballspieler, wuchs in Schwarzach auf Karlheinz Förster (* 1958), Fußballspieler, wuchs in Schwarzach auf und lebt dort wieder Josha Frey (* 1959), Politiker, wuchs in Schwarzach auf Michael Lofink (* 1980), Radsportler, trainiert in Schwarzach

Weblinks

Literatur Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.): Der Neckar-Odenwald-Kreis (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Band 2, Jan Thorbecke, Sigmaringen 1992, ISBN 3-7995-6047-5, S. 590–618.

Einzelnachweise

Kategorie:Ersterwähnung 1143 Kategorie:Staatlich anerkannter Erholungsort in Baden-Württemberg Kategorie:Gemeindegründung 1972