Mössingen (schwäbisch Messenga) ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Tübingen am Fuß der mittleren Schwäbischen Alb, rund 15 Kilometer südlich der Kreisstadt Tübingen. Mössingen gehört zur Region Neckar-Alb und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart. Die Stadt erfüllt für das südliche Einzugsgebiet des Verdichtungsraums Mittlerer Neckar vor allem die Funktionen Wohnen und Versorgung.

Geographie Lage mini|Der Farrenberg, Mössingens Hausberg mit Segelflugplatz, Mössingen dahinter mini|Der Mössinger Bergrutsch am Hirschkopf mini|Albtrauf beim Ortsteil Talheim. Dieser Erdrutsch ereignete sich seit dem 2. Mai 2013 als Folge schweren Dauerregens.Mössingen liegt am Nordrand der Schwäbischen Alb im Tal der Steinlach, einem rechten Nebenfluss des Neckars. Der niedrigste Punkt des Stadtgebietes liegt mit 435 m NN bei der Unteren Mühle an der Steinlach, der höchste auf dem Gipfel des Dreifürstensteins mit 853,5 m NN.

Geologie Das Mössinger Stadtgebiet erschließt die wechselhafte Gesteinsfolge aus Tonen, Sandsteinen, Mergeln und Kalksteinbänken des Schwarzen, Braunen und Weißen Jura (Lias, Dogger und Malm). Am bedeutendsten sind die über 100 m mächtigen gebankten Kalke des Weißen Jura, die die weithin sichtbare Traufkante der Schwäbischen Alb bilden. Weite Bereiche der Unterhänge und des Steinlachtals sind mit z. T. sehr mächtigen periglaziären Kalkschotterdecken überlagert. Am 12. April 1983 ereignete sich nach anhaltenden Regenfällen auf Mössinger Gemarkung der Bergrutsch am Hirschkopf, der größte Bergrutsch in Baden-Württemberg (). Dies ist durch die Lage Mössingens am Fuße des Albtraufs und die speziellen Lagerungsverhältnisse der unterschiedlichen Gesteine bedingt. Harte Kalke lagern hier plastischen Mergeln und Tonen auf. Außerdem wird dort durch natürliche Erosion fortwährend Gesteinsmaterial wegbefördert, so dass es zwangsläufig über kurz oder lang zu solchen Abrutschungen kommt. Am 12. Mai 2006 wurde dieses Gebiet in die Liste der nationalen Geotope aufgenommen.Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien e. V.alberlebnis.de Weitere große Bergrutsche ereigneten sich, ebenfalls nach vorausgegangenen ergiebigen Regenfällen, am 3. Juni 2013. Die Fläche von etwa einem Hektar nimmt allein die Rutschung im Bereich der Öschinger Landhaussiedlung ein. Die Siedlung wurde daraufhin evakuiert. Weitere Rutschungen ereigneten sich an der Südwestseite des Farrenbergs, am Buchberg, bei den Talheimer Wasserfällen und an der Talheimer Steige.Eike Freese unter neckar-chronik.de vom 4. August 2013, 0.08 Uhr

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an Mössingen; sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören zum Landkreis Tübingen beziehungsweise zum Landkreis Reutlingen¹ und zum Zollernalbkreis²:

Nehren, Gomaringen, Reutlingen¹, Sonnenbühl¹, Burladingen², Hechingen², Bodelshausen und Ofterdingen.

Stadtgliederung Die Stadt Mössingen besteht aus den drei Stadtteilen Mössingen, Öschingen und Talheim. Die Stadtteile sind räumlich mit den früheren Gemeinden gleichen Namens identisch und bilden drei als Wohnbezirke bezeichnete Wahlkreise. In den beiden Stadtteilen Öschingen und Talheim sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender eingerichtet.Hauptsatzung der Stadt Mössingen vom 11. Dezember 1995 (PDF; 207 KB)

Zum Stadtteil Mössingen gehören die Kernstadt Mössingen, das Dorf Belsen, der Weiler Bad Sebastiansweiler, die Häuser Ziegelhütte und der Ortsteil Bästenhardt. Zum Stadtteil Öschingen gehören das Dorf Öschingen und die Häuser Krümlingmühle. Zum Stadtteil Talheim gehören das Dorf Talheim und die Höfe Bleiche, Obermühle, Salpeterhütte und Unterhütte.

Im Stadtgebiet liegen mehrere abgegangene, heute nicht mehr bewohnte Ortschaften und abgegangene Burgen; Buch, eine Badstube im Butzen, St. Johannisweiler und Steinhofen (im Stadtteil Mössingen), die abgegangenen Burg First im Stadtteil Öschingen und Burg Andeck im Stadtteil Talheim und die Wüstung Weiler im Stadtteil Talheim.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4, S. 131–134.

Landschaft Mössingen liegt inmitten eines Streuobstwiesengebietes. Von April bis Juni ergeben sich verschiedene natürliche Blühaspekte beginnend mit der Zwetschgen- und Kirschblüte und endend mit der Blüte der artenreichen Wiesen vor allem am Trauf der Schwäbischen Alb. Die Hänge der im Mössinger Stadtgebiet gelegenen Albberge und Teile des Albvorlandes wie zum Beispiel der Firstberg oder der Bästenhardt Wald, sind bewaldet. Es dominieren forstlich genutzte, aber naturnahe Kalk-Buchenwälder. Speziell die Mergelhänge und Standorte über Tonschiefer und Braunjuratonen wurden in der Vergangenheit großflächig mit Nadelholz aufgeforstet, das dort von Natur aus nicht vorkommen würde. Die Bäche werden meist von naturnahen Erlen-Eschen-Bachwäldern begleitet. Den Bachwäldern entlang der Steinlach sind vielfach fremdländische Hybrid-Pappeln beigemischt. Kleinflächige Kalkmagerrasen vom Typ der Enzian-Schillergras-Rasen an den Braunjurahängen erinnern an die Zeit, als die Hüteschafhaltung noch einen größeren Stellenwert einnahm. Großflächige Halbtrockenrasen mit zahlreichen Orchideen-Vorkommen bilden die Hochfläche des Filsenbergs und den Kegel des Meisenbühls südlich von Öschingen.

Schutzgebiete Teile des Mössinger Stadtgebiets mit dem Farrenberg und dem Roßberg gehören den FFH-Gebieten 7620-343 Albtrauf zwischen Mössingen und Gönningen und 7520-341 Albvorland bei Mössingen an.

In diese europaweit bedeutsamen Schutzgebiete sind die Naturschutzgebiete Bei der Olgahöhe, Bergrutsch am Hirschkopf, Filsenberg und Öschenbachtal eingegliedert. Im Bereich des NSG Bergrutsch am Hirschkopf findet keine Nutzung mehr statt, so dass dort die natürliche Entwicklung der belebten Natur beobachtet werden kann und durch Dauerbeobachtung wissenschaftlich erforscht wird.

Fauna Mössingen weist eine artenreiche Vogelfauna auf. Bedeutende Lebensräume sind die strukturreichen und großflächigen Streuobstwiesen. Herausragend sind die individuenreichen Populationen des seltenen Halsbandschnäppers und des Grauspechts. Die Hochfläche des Farrenbergs ist ein Neuntöter-Habitat sowie Fortpflanzungszentrum der Spanischen Flagge, einer seltenen Bärenspinnerart. Auf dem Filsenberg brütet die Heidelerche. Die Streuobstwiesen sind auch Fledermaus-Reviere. In den Wäldern am Albtrauf haben Fledermauskästen für die Ansiedlung von Fledermäusen gesorgt. Dort kommt die Bechsteinfledermaus in großer Anzahl vor.

Geschichte Vor- und Frühgeschichte Nachweise erster menschlicher Ansiedlung wie eine Pfeilspitze, die unterhalb der Burg First gefunden wurde, oder ein spitznackiges Steinbeil vom Farrenberg, stammen aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. Sichere Hinweise auf erste menschliche Ansiedlungen geben Gräber aus der mittleren Bronzezeit um die Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. in Bästenhardt, Sebastiansweiler und am Talheimer Kirchkopf.Andreas Willmy: Vor- und Frühgeschichte. In: Mössingen. Stadtgeschichte - mit Öschingen und Talheim. Tübingen 2024, S. 6–12.

Keltenzeit, 800 – 50 v. Chr. In Bästenhardt wurden im 19. Jahrhundert zahlreiche keltische Grabfunde gemacht. Die meisten Fundplätze sind heute überbaut und die Fundstücke überwiegend nicht mehr auffindbar. Ein „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ stellt die 1971 von Karl Schauber entdeckte keltische Viereckschanze in Belsen dar. Sie gehörte zu den rund 200 im Land gefundenen Viereckschanzen. Nach heutigem Stand der Forschung handelt es sich bei den Viereckschanzen wohl um ländliche Herrenhöfe aus der Zeit des 2./1. Jahrhundert v. Chr.Andreas Willmy: Vor- und Frühgeschichte. In: Mössingen. Stadtgeschichte - mit Öschingen und Talheim. Tübingen 2024, 12–18.

Römerzeit, 80 n. Chr. Unter den römischen Kaisern Domitian (79–96) und Trajan (98–117) erfolgte der Ausbau des Alblimes und die Besiedlung der Gegend durch sogenannte römische Gutshöfe (villae rusticae), die als landwirtschaftliche Betriebe dienten. Ein solcher Gutshof wird in der „Steinsbreite“ östlich der Belsener Kapelle vermutet. Alle archäologischen Funde der römischen Zeit auf Mössinger Markung sind Zufallsfunde. Die drei in Belsen, Mössingen und auf einem Acker Richtung Talheim gefundenen römischen Münzen stammen aus dem 2. Jahrhundert.Andreas Willmy: Vor- und Frühgeschichte. In: Mössingen. Stadtgeschichte - mit Öschingen und Talheim. Tübingen 2024, 19–21. Ein aus Sandstein gefertigter Hypokaustpfeiler aus dem Unterbau einer römischen Fußbodenheizung wurde in den 1980er Jahren an der Südseite des Mössinger Friedhofs geborgen.Andreas Willmy: Kommen und Gehen. Mössingen zur Römerzeit. In: Dorothee Ade, Frieder Klein, Andreas Willmy: Verdammt lang her … Funde aus Mössingens Frühzeit. Esslingen 2014, S. 41.

Mittelalter mini|Belsener Kapelle von 1140/1141 Die alemannische Siedlung „Messingen“ mit lockeren Gehöften bestand schon vor der Mitte des 6. Jahrhunderts. Nachweise der Siedlung Belsen auf dem Kapellenberg stammen aus dem 12. Jahrhundert. Ein Grabfund des 8./9. Jahrhunderts im Vorgängerbau der berühmten um 1140/41 errichteten Belsener Kapelle könnte auf eine Siedlung in dieser Zeit hinweisen, ist aber archäologisch nicht belegbar. Talheim setzt in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts, Öschingen im später 7. Jahrhundert ein.Dorothee Ade: Mössingen im Frühen Mittelalter. In: Mössingen. Stadtgeschichte - mit Öschingen und Talheim. Tübingen 2024, S. 25 f. Die Erstnennungen der Orte erfolgen in Talheim 766Denis Drumm: Talheim im Mittelalter. In: Mössingen. Stadtgeschichte - mit Öschingen und Talheim. Tübingen 2024, S. 96 f. und in Mössingen 774 (Lorscher Codex),Denis Drumm: Mössingen im Mittelalter. In: Mössingen. Stadtgeschichte - mit Öschingen und Talheim. Tübingen 2024, S. 42 ff. in Öschingen im späten 11. Jahrhundert (Codex Hirsaugiensis)Denis Drumm: Öschingen im Mittelalter. In: Mössingen. Stadtgeschichte - mit Öschingen und Talheim. Tübingen 2024, S. 76 ff. und in Belsen 1342.Denis Drumm: Mössingen im Mittelalter. In: Mössingen. Stadtgeschichte - mit Öschingen und Talheim. Tübingen 2024, S. 72 ff. mini|Amtshaus Mössingen von 1467 Im Hochmittelalter stand Mössingen unter dem Einfluss der Grafen von Zollern. Als der hochverschuldete Graf Friedrich der Öttinger 1414 Mössingen an Württemberg verpfändete, geschah dies noch mit einem Wiederkaufsrecht. Dazu sollte es aber nicht mehr kommen, denn 1429/1441 gingen Mössingen, Öschingen und Belsen endgültig an Württemberg über. Nachfolgend mussten neue Grenzverläufe festgesetzt werden. So trennte der Tannbach, ein Zufluss der Steinlach bei Ofterdingen, fortan Zollern und Württemberg voneinander.Denis Drumm: Mössingen im Mittelalter. In: Mössingen. Stadtgeschichte - mit Öschingen und Talheim. Tübingen 2024, S. 64 ff.

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