Das Knüllgebirge, meist nur (der) Knüll genannt, ist ein bis zu hohes deutsches Mittelgebirge in den nordhessischen Landkreisen Schwalm-Eder und Hersfeld-Rotenburg.

Das Gebirge stellt naturräumlich innerhalb der Haupteinheitengruppe Osthessisches Bergland (Nr. 35) die Haupteinheit Knüll (356) dar und besteht aus dem Hochknüll im Zentrum, dem ringförmig darum angeordneten westlichen und östlichen Knüll-Vorland und dem sich von diesem aus nach Norden ziehenden Homberger Hochland. Zusätzlich werden gelegentlich nach Süden und Osten angrenzende Naturräume dem Knüll zugerechnet (siehe Abschnitt Der Knüll im erweiterten Sinne).

Das Knüllgebirge ist dünn besiedelt und stark bewaldet. Die Anerkennung als Naturpark Knüll erfolgte 2021 als 13. Naturpark in Hessen, eine Weiterentwicklung ist angekündigt.Entwicklung zum Naturpark Knüll

Geographie Naturräumliche Gliederung Der Knüll gliedert sich naturräumlich wie folgt: 356 Knüll-Hochland 356.0 Westliches Knüllvorland 356.1 Östliches Knüllvorland 356.2 Hochknüll 356.3 Homberger Hochland

Lage und Grenzen Der Knüll liegt 45 km südlich von Kassel und 20 km westlich von Bad Hersfeld (jeweils in Luftlinie). Das Zentrum des Gebirges ist die Region um die Stadt Schwarzenborn. Die Grenze des Knüll in westliche und nordwestliche Richtungen ist, in engerem wie in erweitertem Sinne, die Westhessische Senke (Haupteinheit 343) inklusive der Schwalm (343.0), die den Übergang ins Westhessische Bergland (Haupteinheitengruppe 34) einleitet.

Knüll im engeren Sinne mini|Landschaft des Hochknülls: Blick vom Aussichtsturm auf dem Knüllköpfchen in Richtung Südosten vorbei am Waldknüll über Schwarzenborn zum Eisenberg Die Südwestgrenze des eigentlichen Knüll (356.0-356.2) zum Ottrauer Bergland (355.0), Teil des Fulda-Haune-Tafellandes (Haupteinheit 355), bildet die als jenseitig angesehene Grenff. Ab deren Mündung ist die Schwalm zwischen Zella (Gemeinde Willingshausen) und Ziegenhain Westgrenze zur gleichnamigen Landschaft.

Die (jenseitige) Nordwestgrenze bilden in etwa der Mittel- und Unterlauf des Ohebachs bis zu seiner Mündung in die Efze westlich Hombergs. Nordgrenze zum Homberger Hochland ist der Mittellauf der Efze, der – verlängert um seinen rechten Nebenfluss Breitenbach – auch die Nordostgrenze zum Rotenburg-Ludwigsecker Wald (357.00) als Teil des Fulda-Werra-Berglandes (Haupteinheit 357) ist.

In südöstliche Richtungen gibt es keine im Relief erkennbaren Grenzen zum Kirchheimer Bergland (355.4) bzw. zum Nordosten des Ottrauer Berglandes (beide Fulda-Haune-Tafelland). Die Geis bis Saasen und die Aula bis einschließlich Gersdorf (Gemeinde Kirchheim) werden gerade noch dem Knüll zugerechnet.

Homberger Hochland Das flachwelligere und stark landwirtschaftlich genutzte Homberger Hochland (356.3) schließt sich nördlich der Efze bei Homberg an den höheren Knüll an. Es reicht westlich bis kurz vor die Schwalm bzw. – ab deren Mündung – an die Eder.

Nach Norden erstreckt sich das Hochland bis kurz vor die Mündung der Eder in die Fulda, deren sogenanntes Bebra-Melsunger Fuldatal (357.1) im Osten auch berührt wird. Jedoch stehen in östliche Richtungen Teile des Neuenstein-Ludwigsecker-Höhenzuges (357.0) wie die Melgershäuser Höhen im Norden, der Eichelsberg im Osten und der Neuenstein-Ludwigsecker Wald im Südosten dazwischen. Alle sich nördlich bis östlich anschließenden Naturräume gehören zum Fulda-Werra-Bergland (Haupteinheit 357). Ungefähre Ostgrenze zum Eichelsberg ist das (jenseitige) Tal der Beise.

Der Knüll im erweiterten Sinne Da vom Knüll aus gesehen nach Süden der Vogelsberg und nach Südosten die Rhön das jeweils nächste gemeinhin bekannte Mittelgebirge sind und überdies das Bebra-Melsunger Fuldatal an der Ostseite der Landschaft der auffallende Geländeeinschnitt ist, grenzt man landläufig oft den Knüll so ab: nach Osten durch die Fulda; nach Südosten grob durch die Jossa, verlängert um ihren Nebenfluss Schwarza; nach Südwesten durch die Berf.

Hierdurch erhielte man die folgende Gliederung: Knüll im erweiterten Sinne 356 Knüll-Hochland 356.0 Westliches Knüllvorland 356.1 Östliches Knüllvorland 356.2 Hochknüll 356.3 Homberger Hochland 355 Fulda-Haune-Tafelland (nur Nordhälfte) 355.0 Ottrauer Bergland (bis auf den Südwesten) 355.4 Kirchheimer Bergland 357 Fulda-Werra-Bergland (nur äußerster Südwesten) 357.0 Neuenstein-Ludwigsecker Höhenzug 357.00 Rotenburg-Ludwigsecker Wald 357.01 Wichtetal 357.02 Eichelsberg

Den Kern des Gebirges bildet ein heute als Hochknüll bezeichneter Basaltblock. Dieser umfasst das Knüll-Hochplateau um das Knüllköpfchen () bei Schwarzenborn und dazu den südöstlich davon gelegenen Gebirgsstock Eisenberg (), der mit dem Hochplateau durch einen schmalen Rücken verbunden ist.

Ein Höhenzug nördlich des Einzugsgebietes des Geisbaches – er erstreckt sich über den Semmelberg (), den Pommer () und den Höhwald () – verbindet den Knüll mit dem Neuenstein-Ludwigsecker Höhenzug, der sein Nordost-Ausläufer ist. Ein weiterer Höhenzug – dieser zieht sich über Olberode, dann den sich südlich an diesen Ort anschließenden, bis zu hohen Kirschenwald nördlich von Weißenborn sowie schließlich den Wald östlich von Weißenborn in Richtung Süden – verbindet den Hochknüll mit seinem Süd-Ausläufer Ottrauer Bergland. Es liegt um den Rimberg () und den noch südlicher gelegenen Hirschberg (ca. ) mit der Burg Herzberg.

Westlich und nördlich des Hochknülls ist der Knüll von einzeln stehenden Bergkuppen geprägt.

Berge mini|Der Eisenberg im Knüll Zu den Bergen und Bergausläufern des Knüllgebirges und seinen angrenzenden Naturräumen gehören – sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN): Eisenberg (), Borgmannturm (AT); Südosten des Hochknüll, Landkreis Hersfeld-Rotenburg Knüllköpfchen (), Aussichtsturm und Wanderjause; zentraler Hochknüll, Schwalm-Eder-Kreis Waldknüll (), 500 m östlich des Knüllköpfchens, Schartenhöhe um 15 m; Schwalm-Eder-Kreis Wilsberg (), 1,5 km südwestlich des Knüllköpfchens, Schartenhöhe um 40 m Köpfchen (ca. ); südlicher Hochknüll, Schwalm-Eder-Kreis Rimberg (); Ottrauer Bergland, Nahtstelle zwischen beiden Landkreisen Krötenkuppe (); Osten des Östliches Knüll-Vorlandes, Landkreis Hersfeld-Rotenburg Holnsteinkopf (ca. ); Osten des Östliches Knüll-Vorlandes, Landkreis Hersfeld-Rotenburg Semmelberg (); Norden des Östlichen Knüll-Vorlandes, Nahtstelle beider Landkreise Katzenstein (früher „Kirschenwald“, , durch Basaltabbau wohl inzwischen weniger), Basaltwerk; Süden des (Westlichen) Knüll-Vorlandes, Schwalm-Eder-Kreis Dammskopf (); Neuenstein-Ludwigsecker Höhenzug, Landkreis Hersfeld-Rotenburg (nahe: Schloss Ludwigseck am Atzelstein) Hirschberg (ca. ); Ottrauer Bergland, Landkreis Hersfeld-Rotenburg (mit Burg Herzberg) Nöll (ca. ); Südwesten des Hochknüll, Schwalm-Eder-Kreis Rehkopf (); Neuenstein-Ludwigsecker Höhenzug, Landkreis Hersfeld-Rotenburg Ibrakuppe (), Schwalm-Eder-Kreis Eichelsberg (); gleichnamiger Naturraum, Schwalm-Eder-Kreis Mosenberg (); südliches Homberger Hochland, Schwalm-Eder-Kreis Gernkopf (); Neuenstein-Ludwigsecker Höhenzug Bornbergskopf (), südliches Homberger Hochland, Schwalm-Eder-Kreis Heiligenberg (), AT; nördliches Homberger Hochland, Schwalm-Eder-Kreis (mit Burg Heiligenburg)

Gewässer Im Knüll entspringen zahlreiche Fließgewässer, dazu gehören die Efze, die Aula, der Geisbach, die Beise, der Rohrbach und die Grenff (in Landkarten teils auch nur mit einem „f“ als Grenf bezeichnet). Der Efze-Zufluss Lochbach läuft durch die Lochbachklamm.

Durch den Knüll zieht von Norden nach Süden die Wasserscheide zwischen den Grenzflüssen Schwalm und Fulda.

Tabelle der wichtigsten Flüsse

Im Folgenden werden die nach Größe oder für die naturräumliche Gliederung bedeutendsten Flüsse des Knüll und der unmittelbar angrenzenden Höhenzüge aufgeführt. Ordnung im Uhrzeigersinn, beginnend an der Südseite der Schwalm-Fulda-Wasserscheide. Zur besseren Übersicht und um flussabwärts sortieren zu können, wurde in die DGKZ-Ziffernfolge jedes Flusses ein Bindestrich eingefügt hinter dem Anfangsstück, das den Hauptfluss in seinem Flussgebiet bezeichnet. Verlinkte Naturräume liegen außerhalb des Knüll im engeren Sinne, kursiv geschriebene außerhalb des Knüll im erweiterten Sinne. Der Name der Jossa wurde kursiviert, dies soll darauf hinweisen, dass hier beim Abfluss nur derjenige aus dem Knüll und beim Einzugsgebiet nur der in diesem liegende Teil berücksichtigt sind.

Name Haupt-fluss Länge[km] Einzugsgebiet[km²] Abfluss(MQ) [l/s] Quellgebiet(der Nebenflüsse) Natur-raum DGKZ Berf Schwalm (r) 20,0 42,2 218 Ottrauer Bergland 355.0 4288-16 Grenff Schwalm (r) 22,0 86,4 711 Ottrauer Bergland 355.0 4288-32 Steina Schwalm (r) 13,9 20,5 167 Hochknüll 356.2 4288-332 Grenzebach Schwalm (r) 13,3 18,9 135 Hochknüll 356.2 4288-334 Gers Schwalm (r) 10,3 23,7 117 Westl. Knüll-Vorland 356.0 4288-38 Olmes Schwalm (r) 11,1 48,1 208 Westh. Senke 343 4288-76 Ohebach Efze (l) 21,7 103,4 665 Westl. Knüll-Vorland 356.0 42888-8 Rinnebach Ohebach (r) 15,9 30,1 239 Hochknüll 356.2 428888-8 Efze Schwalm (r) 38,2 220,5 1.481 Hochknüll 356.2 4288-8 Breitenbach Efze (r) 7,2 17,6 138 Neuenst.-Ludwigsecker 357.0 42888-4 Rhünda Schwalm (r) 13,0 31,9 194 Homberger Hochland 356.3 4288-96 Schießbach Eder (r) 5,4 11,3 55 Homberger Hochland 356.3 428-914 Beise Fulda (l) 20,9 63,2 447 Neuenst.-Ludwigsecker 357.0 42-76 Wichte Fulda (l) 9,7 20,2 142 Neuenst.-Ludwigsecker 357.0 42-758 Rohrbach Fulda (l) 18,0 73,9 576 Neuenst.-Ludwigsecker 357.0 42-714 Geisbach Fulda (l) 22,1 76,2 487 Östl. Knüll-Vorland 356.1 42-596 Aula Fulda (l) 22,6 124,8 919 Westl. Knüll-Vorland 356.0 42-56 Ibra Aula (r) 9,7 28,1 214 Ottrauer Bergland 355.0 4256-4 Bieben Jossa (l) 5,4 9,7 63 Ottrauer Bergland 355.0 4254-32 Jossa Fulda (l) 22,9 122,0 780 Schlitzer Land 355.1 42-54

Geologie Das Knüllgebirge ist magmatischen Ursprungs. Die Basaltkuppen ragen aus einem Sockel aus Buntsandstein- oder Tertiärunterlage heraus. Aufgrund seines Aufbaus und der Gliederung wird der Knüll oft als „kleiner Bruder“ des Vogelsberges bezeichnet. Die Gebirgsbildung trug sich im mittleren Tertiär vor etwa 10 Mio. Jahren zu, gleichzeitig zu der des um vieles größeren Vogelsberges. Ursache war der Absenkungsprozess der Hessischen Senke vor etwa 15 Mio. Jahren. Dadurch entstanden Grabenbrüche, an denen heute der Muschelkalk als schmales Band ansteht. In dieser Zeit entstanden Hunderte von Basaltkuppen, Kegeln und Rücken in unregelmäßiger Anordnung. In der Diluvialzeit hob sich das Land weiter und die Temperatur, die zuvor noch tropisch bis subtropisch heiß gewesen war, sank; es begann die erste Eiszeit, die weite Teile Europas mit Gletschern überzog. Ursache dafür war, dass sich das von Gondwana abgespaltene Südamerika mit dem Nordamerikanischen Kontinent verband und damit das globale System der Meeresströmungen veränderte. Die Mittelgebirge blieben frei von Vereisung, doch führte diese erste Eiszeit zu verstärkten Niederschlägen, die eine starke Erosion auslösten. Dabei bildeten sich die heutigen Täler und Talterrassen.

Etymologie