mini|Satellitenbild Ouagadougous mini|hochkant|Blick in das Stadtzentrum auf den Markt
Ouagadougou [] (auch Wagadugu []) ist die Hauptstadt von Burkina Faso in Westafrika. Mit über zwei Millionen Einwohnern ist sie die größte Stadt des Landes und dessen administratives, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. Die Stadt ist Sitz der flächenidentischen Stadtgemeinde () und des Départements Ouagadougou.
In Ouaga, wie es umgangssprachlich oft genannt wird, residiert der Mogho Naba, der machtlose Kaiser der Mossi. Die Metropole ist bekannt als Veranstaltungsort des panafrikanischen Filmfestivals FESPACO.
Geographie Lage Ouagadougou liegt im Zentrum des Landes auf dem Zentralplateau in der Region Centre und der Provinz Kadiogo. Es grenzt im Norden an Pabré, im Nordosten an die Region Plateau Central, im Osten an Saaba, im Südosten an Koubri, im Süden an Komsilga und im Westen an Tanghin-Dassouri.
Klima Die jährliche Durchschnittstemperatur beträgt 28,8 °C. Wie der Rest des Landes unterliegt die Stadt dem Einfluss des tropisch-wechselfeuchten Klimas mit einer Regenzeit von Mai bis September und einer Trockenzeit über den Rest des Jahres.
mini|Blick auf den rond-point des Nations-Unies im Zentrum der Stadt mini|Hauptstraße avenue Kwame-Nkrumah
Geschichte Der genaue Zeitpunkt der Gründung Ouagadougous ist nicht bekannt. Laut touristisch orientierten Quellen wurde die Stadt im 11. Jahrhundert von Nyonyonsé unter dem Namen Kombemtinga („Stadt der Krieger“) gegründet. 1441 wurde sie unter dem Mossi Naaba Niandfo als Wogdgo („Komme, mich zu ehren“) Regierungssitz des Königreichs Wogdgo, woraufhin Wogdgo deutlich wuchs.Jean Louis Coll, Jean-Jacques Guibbert (Hrsg.): L’aménagement au défi de la décentralisation en Afrique de l’ouest. Presses universitaires du Mirail, Toulouse 2005, S. 185. Wogdgo blieb zunächst bis 1691 ununterbrochen Regierungssitz, allerdings eignete sich die nomadische Lebensweise der Mossi nicht, eine städtische Infrastruktur zu schaffen, so dass die Ortschaft ihren ruralen (ländlichen) Charakter behielt.Ola Söderström, Blaise Dupuis, Stephanie Geertman, Pierrick Leu: La mondialisation des formes urbaine à Hanoi et Ouagadougou, version provisoire, 3. Teil. Institut de géographie et Fonds national suisse de la recherche scientifique, Neuchâtel 2010, S. 9. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Besiedlung mit der Sesshaftwerdung unter Naba Zembre kontinuierlicher gepflegt.
Für 1887 schätzt Louis-Gustave Binger die Einwohnerzahl Waghadougous – aus sieben Dörfern bestehend und überwiegend bewohnt von Anhängern des Islam und afrikanischen Religionen – auf nicht mehr als 5000. Das Gros der Häuser waren einfache Lehmbauten.Louis-Gustave Binger: Du Niger au Golfe de Guinée par le pays de Kong et le Mossi, Band 1. Hachette, Paris 1892, S. 459. Mit der Ankunft der französischen Kolonialmacht in den 1880er Jahren begann die autoritäre Urbanisierung und Segregation der Stadt. 1897 wurde sie Militärstützpunkt Frankreichs. 1926 setzte die Kolonialmacht einen administrativen Bürgermeister ein, wobei das politische Tagesgeschäft während der gesamten Kolonialzeit auf die Mossielite übertragen wurde.Elliott P. Skinner: Political Conflict and Revolution in an African Town. In: American Anthropologist 74 (5), 1972, S. 1208–1217, S. 1211.
mini|Ouagadougou um 1930/31. Luftbild von Walter Mittelholzer. Nachdem 1919 aus sieben Kreisen der Kolonie Obersenegal und Niger die neue Kolonie Obervolta mit Ouagadougou als Hauptstadt geschaffen worden war, begann der französische Gouverneur Édouard Hesling mit der Umgestaltung des Dorfes. Während der vier Trockenzeiten von 1920 bis 1923 wurden großzügige Straßen angelegt, Verwaltungsgebäude, ein Gouverneurspalast, Schulen und Krankenstationen errichtet.Salfo Albert Balima: Le Gouverneur Édouard Hesling (1869–1934). In: Gabriel Massa, Yénouyaba Georges Madiéga: La Haute-Volta coloniale. Karthala, Paris 1995, ISBN 2-86537-480-7.
Die Franzosen errichteten um die neue Kathedrale Stadtviertel () mit modernen, zweistöckigen Gebäuden. Seither breitet sich die Metropole vom Zentrum in die Savanne aus. Ouagadougou wurde Sitz des französischen Kolonialgouverneurs und Hauptstadt der Kolonie und des später unabhängigen Staates Obervolta, der 1984 in Burkina Faso umbenannt wurde.
Zum Monatswechsel August/September 2009 überschwemmten heftige Regenfälle die Stadt, in deren Verlauf es Dutzende Tote und Verletzte gab. Auch an Gebäuden gab es erhebliche Schäden, unter anderem an der Cinemathek.Markus M. Haefliger: Hauptstadt Burkina Fasos überschwemmt. In: NZZ Online vom 3. September 2009, abgerufen am 20. Januar 2010Dutzende Tote nach Überschwemmungen in Westafrika. In: NZZ Online vom 3. September 2009, abgerufen am 20. Januar 2010
Bei einem Terroranschlag und anschließender Geiselnahme im Hotel Splendid starben im Januar 2016 mehr als 20 Menschen. Zu dem Anschlag bekannte sich die Salafisten-Gruppe AQIM.
Bei einem Angriff auf verschiedene französische Einrichtungen am 2. März 2018 töteten islamistische Terroristen nach Angaben von AFP mindestens 28 Menschen.
Bevölkerungsentwicklung ZensusjahrEinwohnerzahl1985465.9691996750.39820061.475.22320192.453.496
Politik und Verwaltung Stadtgliederung Ouagadougou unterteilt sich in zwölf durchnummerierte Arrondissements und diese in 55 Sektoren. mini|Der neue Präsidentenpalast in Ouaga 2000 mini|Gebäude der Stadtverwaltung mini|Gebäude der Westafrikanischen Zentralbank (BCEAO)
Hauptstadt Ouagadougou ist die Hauptstadt von Burkina Faso. In der Stadt haben der Präsident (im Palais Kosyam), die Regierung, das Parlament, sämtliche Ministerien und zahlreiche diplomatische Vertretungen ihren Sitz. Außerdem befinden sich dort der Kassationshof (Cour de cassation) sowie der Verfassungsrat (Conseil constitutionnel).
Verwaltung Alle fünf Jahre finden Wahlen zum Gemeinderat statt. Dieser wählt aus seinen Reihen den Bürgermeister. Nach der Wahl von 2006 hat der Rat neben dem Bürgermeister und seinen beiden Stellvertretern 163 Mitglieder. Seit den Wahlen von 1995 hat Simon Compaoré das Amt inne. Die fünf Arrondissements verfügen jeweils über eine Ratsversammlung und einen Bürgermeister. In der Gemeindeverwaltung sind 25 Direktionen für ihre jeweiligen Ressorts zuständig. Abgerufen am 2. Juni 2010. Die Regierungspartei Congrès pour la démocratie et le progrès (CDP) konnte 126 Mandate erlangen, die Union pour la renaissance/Mouvement sankariste (UNIR/MS) 15 und die Alliance pour la Démocratie et la Fédération - Rassemblement Démocratique Africain (ADF-RDA) gewann neun Sitze. Die weiteren Abgeordneten werden von kleineren Parteien gestellt. Abgerufen am 2. Juni 2010.
Symbole mini|Wappen der Stadt Am 31. Dezember 2003 wurde das von Titinga Frédéric Pacéré gestaltete neue Stadtwappen vorgestellt. Es umfasst neun Elemente: ein Pferd, ein Rückenschild, eine aufgehende Sonne, Wasser, eine Kette, eine Hirseähre, einen Baumwollzweig, eine Fahne und die Devise: « Waogdg ra yees beoogo » (‚Ouagadougou, fürchte nicht die Zukunft‘). (Abgerufen am 2. Juni 2010)
Stadtbild und Architektur mini|hochkant|Große Moschee im Stadtzentrum In der Stadt gibt es, abgesehen von der Zentrale der Westafrikanischen Zentralbank sowie einigen Hotelbauten, nur wenige große moderne Gebäude. Die Große Moschee ist eines der prägenden Bauwerke der Stadt. Einer der größten Märkte Westafrikas, der Marché Rood-Woko, dominiert das Stadtzentrum.
Zentrum der Stadt sind neben dem Markt der rond-point des Nations-Unies und die Hauptgeschäftsstraße avenue Kwame-Nkrumah.
Große Teile der Stadt, die an ihren Rändern jährlich hunderte Meter ins Umland wächst, sind ohne Strom und fließendes Wasser, und die Mehrzahl der Gebäude ist ein- oder zweistöckig und aus Lehmziegeln gebaut.
Alle einstöckigen Gebäude in einem großen Bereich der Innenstadt wurden im Rahmen eines großangelegten Stadtentwicklungsprojektes (projet ZACA) abgebrochen und die Bewohner an den Stadtrand umgesiedelt. Ehemals dicht bebaute und lebhafte Viertel sind nun öde und ausgestorben. Am Südrand der Kapitale ist ein neues Wohn- und Verwaltungsviertel, Ouaga 2000, in Bau. Dort befinden sich der neue Sitz des Präsidenten, Ministerien und das neue Nationaldenkmal Monument aux Héros Nationaux.
Sehenswürdigkeiten mini|Kathedrale an der avenue Bassawarga Neben der Großen Moschee ist unter den Sakralbauten die zwischen 1934 und 1936 im Stil der europäischen Neoromanik erbaute Kathedrale von Ouagadougou beachtenswert, die Bischofskirche des Erzbistums Ouagadougou. Der Palast des Mogho Naba und das Monument des Cinéastes bilden weitere touristische Attraktionen.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Die Stadt besitzt nur bescheidene Industrie, hauptsächlich im Lebensmittel- und Textilsektor. Ouaga ist als Dienstleistungsmetropole des Landes der Sitz von Banken, Versicherungen und Medien. Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung ist im informellen Sektor tätig.
Verkehr mini|Der Flughafen liegt nahe dem Stadtzentrum. Der internationale Flughafen Ouagadougou befindet sich in Secteur 5 in unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums. Er sollte bis 2017 durch einen Neubau, den Flughafen Ouagadougou-Donsin, im nordöstlich gelegenen Departement Loumbila ersetzt werden. Dieses Projekt ist aber Stand 2024 noch nicht abgeschlossen. Nach Europa existieren Direktflüge nach Istanbul, Paris und Brüssel; darüber hinaus bestehen zahlreiche innerafrikanische Linienflüge.
Der Hauptbahnhof ist Endpunkt der Abidjan-Niger-Bahn nach Abidjan (Elfenbeinküste). Für Güterzüge besteht eine weitergehende Verbindung nach Kaya.
Zahlreiche Nationalstraßen beginnen ihren Verlauf in Ouagadougou. Die N1 führt in Richtung Westen nach Bobo-Dioulasso, die N2 Richtung Nordwesten nach Ouahigouya und Mali, die N3 nach Nordosten Richtung Dori, die N4 nach Osten Richtung Niger, die N5 und die N6 in Richtung Süden nach Ghana und die N22 nach Norden in Richtung Djibo. Im Verlauf des Jahres 2009 soll der vierspurige Ausbau der Nationalstraße 1 in Richtung Bobo-Dioulasso von der place de la Bataille du rail bis hinter die barrage de Boulmiougou begonnen werden. Dabei werden auch Rad- und Gehwege angelegt. Die Kosten sollen sich auf 17 Milliarden CFA-Franc (26 Millionen Euro) belaufen.
Wichtigste Verkehrsmittel der Bevölkerung – und somit überall in Massen anzutreffen – sind Mofas, Roller, Mopeds und Fahrräder. Taxis sind ebenfalls gängige innerstädtische Transportmittel, außerdem wurde in jüngster Zeit ein Bussystem eingerichtet.
Medien Ouagadougou ist Sitz zahlreicher staatlicher – namentlich der nationalen Radio- und Fernsehgesellschaft RTB – und privater Medienunternehmen und beherbergt auch die meisten Sendeanlagen für die Verbreitung von landesweiten Fernseh- und Radioprogrammen. Private Radiostationen mit lokaler und mittlerer Reichweite wie Ouaga FM, Horizon FM, Pulsar FM oder Savane FM senden ebenfalls von Ouagadougou aus. In Ouagadougou haben aber auch Printmedien ihr Zentrum. Sowohl die dem Informationsministerium unterstehende Tageszeitung Sidwaya wie auch unabhängige Zeitungen haben ihre Redaktionen und Druckereien in Ouagadougou. Für weitere Informationen zur Medienlandschaft in Burkina Faso siehe Medien Burkina Fasos.
Tourismus In den letzten Jahren steigt der klassische Studien- und Erlebnistourismus an. Neben dem Hôtel Sofitel Silmandé im Norden der Stadt wurde von libyschen Investoren ein neues Luxushotel in Ouaga 2000 errichtet. Zahlreiche weitere Hotels sowie Pensionen aller Kategorien entstanden in den vergangenen Jahren.
Kultur mini|Das maison du peuple mini|Im CENASA finden viele Veranstaltungen statt Größter Veranstaltungsort ist das Maison du Peuple. Daneben finden Konzerte im CENASA und dem französischen Kulturzentrum Centre Culturel Français Georges Méliès statt, das über eine Bühne, eine Bibliothek und Ausstellungsflächen verfügt.
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