mini|Luftaufnahme von Korschenbroich mini|Sebastianusstraße und Kirche Sankt Andreas

Korschenbroich (mit Dehnungs-i in der Endsilbe -broich, gesprochen -brooch []) ist eine deutsche Mittelstadt am Niederrhein in Nordrhein-Westfalen, die zum Rhein-Kreis Neuss gehört. Korschenbroich liegt zwischen den Ballungsräumen Mönchengladbach, Krefeld und Düsseldorf und ist Teil der Metropolregion Rhein-Ruhr.

Namensherkunft Die älteste überlieferte Form des Namens Korschenbroich stammt aus dem Jahre 1127 und lautet Crismeke, 1130 heißt es Kirsemig, 1280 Kirsmec, 1341 in hochdeutscher Lautung Kirsmich. Diese Namensform wurde im Laufe der Zeit in unterschiedlicher Schreibung beibehalten, bis sie durch Korschenbroich ersetzt wurde.Hans Georg Kirchhoff: Amt Korschenbroich: Geschichte der Gemeinden Korschenbroich und Pesch. Verlag B. Kühlen, Mönchengladbach 1974, S. 19.

Es wird vermutet, dass die Namen Crismeke und Cirsmich aus dem Wort Kirsche abgeleitet werden können. Der römische Feldherr Lukullus (* 117 v. Chr.; † 56 v. Chr.) brachte die Kirsche (lat.: cerasus; griech. κεράσιον) aus Kleinasien nach Europa. Cirsmich könnte somit die Wortbedeutung Kirschenfeld oder Kirschenmark haben.Jakob Bremer: Die reichsunmittelbare Herrschaft Millendonk – Das sind die heutigen Gemeinden Korschenbroich und Pesch. Verlag B. Kühlen, Mönchengladbach 1939, S. 8.

Geographie Das Stadtgebiet von Korschenbroich liegt am linken Niederrhein in der Tiefebene der Niederrheinischen Bucht. Westlich grenzt es an die Niers, die den Grenzfluss zu Mönchengladbach bildet. Die Landschaft ist geprägt von Bruchwald, Auen, Wiesen und Ackerland. Trotz der zunehmenden Besiedlung hat Korschenbroich seinen ländlichen Charakter in den Ortsteilen bewahrt. In den von Bruchlandschaft geprägten Ortsteilen mit der Namensendung -broich und auch im Stadtteil Kleinenbroich sind die Grundwasserstände sehr hoch.

Die Geländeoberfläche im Stadtgebiet fällt generell in nördliche Richtung ab, sie liegt im Süden im Mittel bei rund 60 m ü. NN in Rubbelrath (höchster Punkt: Quarzitkuppe Liedberg 80 m ü. NN (Siehe auch im Abschnitt Landschafts- und Naturschutzgebiete)), im Norden, am Nordkanal, bei rund 37 m ü. NN. Entlang des Süd-Nord verlaufenden Jüchener Baches, der Niers und des Trietbachs sowie deren Nebenbächen sind Eintalungen ausgebildet, die sich insbesondere im Norden des Stadtgebietes – an der Niers, dem Trietbach und dem Nordkanal – zu breiten Niederungen ausdehnen, wie z. B. beim Niersbruch, Raderbroicher Busch (nördlich Raderboich) und Hoppbruch (südlich Korschenbroich).H. Düllmann: . Aachen 2001, Blatt 8.

Im Stadtgebiet Korschenbroich werden etwa 68,1 % der Gesamtfläche landwirtschaftlich genutzt, 21,7 % entfallen auf Siedlungs-, Gewerbe- und Verkehrsflächen, 7,2 % auf Waldflächen, 1,6 % auf Erholungsflächen und 1,2 % auf Wasserflächen (Stand 1998).

Heute zählen zu Korschenbroich folgende fünf Stadtteile: Korschenbroich, Kleinenbroich, Glehn, Liedberg und Pesch. In diesen Stadtteilen befinden sich teilweise weitere Ortschaften. Diese sind Korschenbroich mit Herzbroich, Herrenshoff, Neersbroich, Trietenbroich und Raderbroich; Lüttenglehn, Epsendorf, Scherfhausen und Schlich in Glehn; Steinhausen, Drölsholz und Steinforth-Rubbelrath in Liedberg.

Siehe auch unter Eingemeindungen im Abschnitt Geschichte.

Katasterflächen Statistische Kennzahlen für Korschenbroich (Stand: 31. Dezember 2012): Gesamtfläche 5.526 ha - davon Siedlungsflächen 1.079 ha 19,5 % - davon Verkehrsflächen 413 ha 7,5 % - davon Freiraum 4.034 ha 73,0 %

Geologie Das Stadtgebiet wird vom Nordwest-Südost bzw. Westnordwest-Ostsüdost streichenden Viersener Sprung gequert, der die Venloer und Kölner Scholle im südlichen Stadtgebiet von der Krefelder Scholle im nördlichen Stadtgebiet abgrenzt. Gemäß untersuchten Schnitten wird das Quartär von der Störung nicht mehr versetzt. Die ältesten geologisch relevanten Schichten sind nördlich des Viersener Sprungs die Ablagerungen des Oligozän. Sie sind hier überwiegend als z. T. schluffige Feinsande (marine Sande) ausgebildet, die im Stadtgebiet bis über 100 Meter mächtig werden. Südlich des Viersener Sprungs bilden die miozänen Meeressande mit den eingelagerten Braunkohleflözen die Basis des Quartär. Im äußersten Südosten des Stadtgebietes, südlich der Störung, sind an der Tertiäroberfläche Tone (Glehner Ton) vorhanden. In weiteren Schichten folgen die pleistozänen Ablagerungen der Unteren Mittelterrasse des Rheins (Quartär). Die Terrassensedimente werden weitflächig von einer etwa ein bis zwei Meter mächtigen Löss- bzw. Lösslehmschicht überdeckt.H. Düllmann: . Aachen 2001, Blatt 11.

Die bruchtektonische Absenkung der Niederrheinischen Bucht setzte und setzt sich im Holozän bis heute fort. 10 % der tektonischen Bewegungen erfolgen in Form von Erdbeben, etwa alle vier Monate mit einer Stärke von 2 auf der Richter-Skala. Das Erdbeben von Roermond, das sich am 13. April 1992 mit einer Magnitude von 5,9 ereignete, war in Korschenbroich deutlich spürbar. Das Epizentrum des Bebens lag im circa 40 Kilometer von Korschenbroich entfernten niederländischen Ort Linne.

Geschichte

mini|Schloss Myllendonk mini|Schloss Liedberg mini|Haus Fürth bei Liedberg mini|Schlosskapelle und Mühlenturm in Liedberg Archäologische Funde am Fuß des Liedbergs im Stadtgebiet von Korschenbroich deuten auf Werkzeuge aus der frühen Altsteinzeit. Mit Sicherheit gehören aber Faustkeile und Klingen in die spätere Altsteinzeit. Dieser Fundplatz von Geräten von Neandertalern, die vor etwa 100.000 Jahren lebten, ist bisher im Rhein-Kreis Neuss einmalig. Die nächsten Zeugnisse menschlicher Anwesenheit kommen aus der mittleren Steinzeit (9.–5. Jahrhundert vor Chr.). Messerchen, Schaber und Klingen wurden dicht an der Niers und an der Triet gefunden. Sie stammen von Menschen, die vor allem als Jäger, Fischer und Sammler ihre Nahrung erwarben.Hans Georg Kirchhoff: Amt Korschenbroich: Geschichte der Gemeinden Korschenbroich und Pesch. Verlag B. Kühlen, Mönchengladbach 1974, S. 11–12.

Römische Funde auf dem Gebiet der ehemaligen Gemeinden Korschenbroich und Pesch weisen auf frühe Besiedlung der Region hin. So wurde im Feld zwischen Korschenbroich und Raderbroich eine villa rustica freigelegt, bei der die Fundamente und Reste der Fußbodenheizung (Hypokausten) noch vorhanden waren.Hans Georg Kirchhoff: Amt Korschenbroich: Geschichte der Gemeinden Korschenbroich und Pesch. Verlag B. Kühlen, Mönchengladbach 1974, S. 16.

Im 12. Jahrhundert wurden die Herren von Myllendonk erwähnt. Dabei handelte es sich zunächst um ein Lehen der Herzöge von Geldern und ging später als Lehen an die Herzöge von Jülich über. Das Gebiet der Herren von Myllendonk war mit dem Gebiet der späteren Gemeinde Korschenbroich identisch.

Im Jahre 1700 wurde die Herrschaft Myllendonk reichsunmittelbar. 1794 wurde Korschenbroich von den Franzosen besetzt und 1815 kam der Ort an das Königreich Preußen. Im Jahre 1816 wurde die Gemeinde Korschenbroich mit den Ortschaften Korschenbroich, Trietenbroich, Neersbroich, Herrenshoff, Herzbroich, Raderbroich, Engbrück und Fragenhütte gebildet. Sie bildete 1929 mit der Gemeinde Pesch das Amt Korschenbroich im Landkreis Grevenbroich-Neuß. Das Amt Korschenbroich wurde am aufgelöst.

1986 trat der Bürgermeister Wilderich Freiherr von Mirbach Graf von Spee (CDU) zurück. Er hatte angesichts der leeren Stadtkasse in einer Ratssitzung die Aussage getroffen, zur Sanierung des Haushalts „müsse man ein paar reiche Juden erschlagen“.W. Benz: Bilder vom Juden 2001 S. 26 / dpa Der antisemitische Vorfall wurde bundesweit diskutiert.Die Zeit, 14. Februar 1986Worte der Woche, Die Zeit, 21. Februar 1986.

Eingemeindungen mini|Kuhlenhof von 1566 Am 1. Januar 1975 wurde das Amt Korschenbroich aufgelöst und die Gemeinde Pesch eingegliedert, des Weiteren die Gemeinde Liedberg mit den Ortschaften Steinhausen, Drölsholz, Steinforth und Rubbelrath und die Gemeinde Glehn mit den Ortschaften Lüttenglehn, Epsendorf, Scherfhausen und Schlich. Die Gemeinden Liedberg und Glehn hatten noch bis zum 31. Dezember 1974 das Amt Glehn gebildet. Das Gut Bickhausen kam an die Stadt Grevenbroich.

Außerdem wurde auch die Gemeinde Kleinenbroich eingemeindet, mit Ausnahme von Eschert, das seither zur Stadt Willich gehört. Von der ehemaligen Stadt Rheydt erhielt die Gemeinde Korschenbroich die Westseite der Jahnstraße in Steinhausen. Am 1. Januar 1981 wurden der Gemeinde Korschenbroich die Stadtrechte verliehen.

Einwohnerentwicklung Gesamtstadt Die Zahlen geben die Einwohnerentwicklung vor und nach der Gemeindereform am wieder:

mini|400px|Einwohnerentwicklung von Korschenbroich von 1961 bis 2017

Jahr Einwohner 1961 7.376 1964 7.712 1970 8.324 1974 8.640 1983 26.000 2007 33.645 2012 32.193 2013 32.305201634.003 201734.1612019 34.214

Stadtteile Einwohnerzahlen der einzelnen Stadtteile im Jahr 2019Fünf Stadtteile, ganz viele Geschichten, abgerufen am 28. Dezember 2021.:

Stadtteil Einwohner Korschenbroich 11.908 Kleinenbroich 10.800 Glehn 6.263 Liedberg 2.956 Pesch 2.287

Bevölkerung Statistische Kennzahlen für Korschenbroich:Statistische Kennzahlen der Bezirksregierung Düsseldorf für Korschenbroich, abgerufen am 19. August 2014. Einwohner (EW) insgesamt 33.1871) Ausländeranteil 4,4 %1) Bevölkerungsdichte EW je km² 6011) Wohnende Sozialversicherungspflichtige Beschäftigte (SvB) 11.9842) Einpendler 4.5202) Auspendler 10.2402) 1) Stand: 31. Dezember 2012 2) Stand: 30. Juni 2012

Religionen Katholische Kirche mini|hochkant|Hochstraße und Kirche St. Andreas nach dem Bombenangriff 1943 Die fünf katholischen Pfarrgemeinden St. Andreas Korschenbroich, Herz-Jesu Herrenshoff, St. Marien Pesch, St. Dionysius Kleinenbroich und St. Georg Liedberg bilden die Gemeinschaft der Gemeinden Korschenbroich (GDG). Ferner besteht noch die Pfarrgemeinde St. Pankratius Glehn. Der Stadtteil Lüttenglehn gehört zur Pfarrei Neuss-Grefrath. Der größte Teil des Stadtgebietes und der Pfarreien gehören zum Bistum Aachen, nur die Pfarreien Glehn, Steinforth-Rubbelrath und Lüttenglehn gehören zum Erzbistum Köln.

Die katholische St.-Andreas-Kirche im Stadtkern von Korschenbroich existierte schon im Mittelalter. Bereits im 13. Jahrhundert bildete die Korschenbroicher Kirche eine eigenständige Pfarrei. Allerdings ist von dem Kirchenbauwerk nur noch der Turm aus dem Jahr 1504 als Wahrzeichen der Stadt vorhanden. Die neugotische Kirche, die 1888 eine spätgotische Kirche ersetzte, fiel in der Nacht vom 22. zum 23. August 1943 einem Bombenangriff der Alliierten zum Opfer, bei dem das Kirchenschiff zerstört wurde.Hans Georg Kirchhoff: Amt Korschenbroich: Geschichte der Gemeinden Korschenbroich und Pesch. Verlag B. Kühlen, Mönchengladbach 1974, S. 219.

Evangelische Kirche Die evangelischen Christen gehören zur Evangelischen Kirchengemeinde Korschenbroich mit den Bezirken Korschenbroich (Evangelische Kirche), Kleinenbroich (Martin-Luther-Haus) und Glehn (Friedenskirche).

Judentum 1933 lebten in Korschenbroich noch fünf jüdische Familien mit 21 Personen. Nicht alle konnten sich durch Emigration retten. Die letzte Beerdigung auf dem jüdischen Friedhof Pesch fand 1940 statt. Bis 1959 befand sich außerdem eine Synagoge in Korschenbroich. Diese wurde um 1938 verwüstet und später abgerissen.

Politik und Verwaltung

Stadtrat Die Kommunalwahlen 2014 und 2020 führten zu folgenden Ergebnissen für die Zusammensetzung des Stadtrats:

Partei / Liste2020Ministerium des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen – Landeswahlleiterin: Kommunalwahlen 2020, Endgültiges Ergebnis für die Stadtratswahl Korschenbroich 2014Landeswahlleiterin Nordrhein-Westfalen: Gesamtergebnis der Wahlen vom 25. Mai 2014 Stimmenanteil Sitze Ergebnis CDU45,99 %19 46,89 %, 20 Sitze Grüne22,04 %9 10,23 %, 4 Sitze SPD15,48 %7 21,85 %, 9 Sitze FDP6,57 %3 5,35 %, 2 Sitze Die Aktive5,58 %2 12,52 %, 5 Sitze LINKE2,32 %1−ZENTRUM1,47 %1 1,68 %, 1 SitzULLi 0,53 % 0 1,48 %, 1 Sitz

Bürgermeister