mini|Untergattung Gossypium Sektion Gossypium: Gossypium arboreum

Baumwollpflanzen (Gossypium) oder Baumwolle ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Es gibt etwa 20 bis 51 Arten in den Tropen und Subtropen.

Baumwolle ist eine sehr alte Kulturpflanze. Bemerkenswert ist, dass mindestens vier Völker möglicherweise unabhängig voneinander diese Pflanzengattung domestizierten. Zweimal geschah dies in der Neuen Welt mit den Arten Gossypium hirsutum und Gossypium barbadense und in der Alten Welt je einmal in Asien (Gossypium arboreum) und Afrika (Gossypium herbaceum).William Bernstein: A Splendid Exchange – How Trade shaped the World. Atlantic Books, London 2009, ISBN 978-1-84354-803-4. Aus den Samenhaaren wird die Baumwollfaser, eine Naturfaser, gewonnen.R. F. Evert, K. Esau, S. E. Eichhorn: Esau’s plant anatomy. John Wiley and Sons, 2006, ISBN 0-471-73843-3. Die Baumwollfasern (Samenflughaare von Baumwollpflanzen) werden ebenfalls als Baumwolle bezeichnet.

Etymologie mini|Der Holzschnitt aus dem 14. Jahrhundert von Jehan de Mandeville zeigt das Missverständnis vom Schafe tragenden Baum.

Der Name „Baumwolle“ leitet sich von den Büscheln langer Fasern in den Früchten der Baumwollpflanzen, insbesondere Gossypium herbaceum,Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 434 (pawmwolle: Samenflughaare von Gossypium spec., insbesondere von Gossypium herbaceum L.) ab, welche die Ausbreitung der Pflanzensamen über größere Distanzen ermöglichen. Allerdings ist die Baumwollpflanze trotz des Namens kein Baum, sondern ein bis zu 6 Meter hoher Strauch. Viele Pflanzensamen tragen solche Samenhaare (auch Samenwolle), doch nur wenige wie die der Baumwollpflanze werden zur Textilherstellung verwendet. Wie die tierischen Wollhaare dienen diese Pflanzenfasern als Grundlage zur Herstellung von Garnen, Geweben und Wirkwaren.

Das Bestimmungswort „Baum“ wurde eventuell im Anschluss an Herodots Historien Buch 3, 106 gewählt, wonach in Indien Wolle, die die Schafwolle an Schönheit und Güte übertrifft und aus der die Inder ihre Kleider herstellen, auf Bäumen wächst. Im Mittelhochdeutschen ist für das 12. Jahrhundert bereits das Wort boumwolle dafür belegt.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. Auflage, De Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017473-1.

Das nicht nur im Englischen, sondern international gebräuchliche Wort cotton (mittelenglisch coton, frz. coton, span. algodón, ital. cotone) leitet sich über das mittelfranzösische coton aus dem spanisch-arabischen Dialektwort quṭún (hocharabisch )Vgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 164 („Bombax – baumwolle, Cotun, Coro, Goron“ = Gossypium herbaceum L., auch „G. bombax“) ab, das „Baumwolle“ bedeutet. Im Deutschen ist diese Wurzel in Kattun präsent.Webster, Volume I, S. 516.Kluge, S. 478.

Die plattdeutsche Form Boomwull hat zu den nordischen Formen geführt: nordfriesisch buumol, dänisch bomuld, schwedisch und norwegisch bomull, färöisch bummull, isländisch baðmull.

Beschreibung mini|Illustration aus Köhler's Medizinalpflanzen von Gossypium barbadense: A blühender Zweig, 1 Blüte ohne Kronblätter, 2 Staubgefäße, 3 Pollen, 4 und 5 Fruchtknoten im Längs- und Querschnitt, 6 Frucht, 7 Same mit Samenhaaren, 8 derselbe ohne Samenhaare, 9 und 10 derselbe in Längs- und Querschnitt, 11 Embryo

Gossypium-Arten sind dimorph: Während der Haupttrieb eine durchgehende (monopodiale), vegetative Achse bildet, kommt es an den Seitentrieben zur Blütenbildung. Die Seitentriebe sind außerdem sympodial, denn nach jeder Blüte stellt die alte Achse ihr Wachstum ein. Die neue Zweigachse wird von einer neben der Blüte auskeimenden Knospe übernommen.

Vegetative Merkmale Gossypium-Arten wachsen als einjährige bis ausdauernde, krautige Pflanzen, manchmal als Sträucher. Alle oberirdischen Pflanzenteile sind mit dunklen Öldrüsen punktiert.Ya Tang, Michael G. Gilbert, Laurence J. Dorr: Malvaceae.: Gossypium Linnaeus, S. 296–297 – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 12: Hippocastanaceae through Theaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2007, ISBN 978-1-930723-64-1.

Die wechselständigen Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreiten sind meist handförmig drei- bis neunlappig, selten ohne Lappen. Es sind Nebenblätter vorhanden.

Generative Merkmale Die im oberen Bereich der Pflanzen gebildeten Blüten stehen einzeln. Die Blütenstiele besitzen meist Drüsen direkt unter dem Nebenkelch. Die meist drei, selten bis sieben Nebenkelchblätter sind laubblattähnlich, drüsig, frei oder an ihrer Basis verwachsen, ganzrandig oder gezähnt bis tief geschlitzt.

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch, fünfzählig mit doppelter Blütenhülle (Perianth). Die fünf Kelchblätter sind becherförmig mehr oder weniger hoch verwachsen. Die fünf freien, relativ großen Kronblätter sind oben gerundet. Die Kronblätter besitzen eine weiße oder gelbe Grundfarbe und sind im Zentrum der Blüte manchmal purpurfarben bis rötlich. Bei der Unterfamilie Malvoideae sind die vielen Staubblätter zu einer den Stempel umgebenden Röhre verwachsen, der sogenannten Columna. Drei bis fünf Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, drei- bis fünfkammerigen Fruchtknoten verwachsen mit je zwei Samenanlagen in jeder Kammer. Der kurze, stabförmige Griffel endet in einer keulenförmigen, drei- bis fünfrilligen Narbe.

Die eiförmige, kugelige oder ellipsoide Kapselfrucht öffnet sich bei Reife mit drei bis fünf Klappen. Die kugeligen bis eiförmigen Samen besitzen dichte, weiße, lange wollige Trichome (Samenhaare), die mit kurzen gemischt sein können.

Inhaltsstoffe Die giftigen Samen enthalten bis zu 1,5 % Gossypol.

mini|Sektion Houzingenia: Gossypium thurberi mini|Untergattung Karpas: Gossypium barbadense mini|Untergattung Karpas: Gossypium hirsutum mini|Untergattung Karpas: Laubblätter und Blüte von Gossypium tomentosum mini|Untergattung Sturtia Sektion Hibiscoidea: Gossypium australe mini|Untergattung Sturtia Sektion Hibiscoidea: Gossypium bickii mini|Untergattung Sturtia Sektion Sturtia: Gossypium sturtianum mini|Gossypium darwinii

Systematik Der Gattungsname Gossypium wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 2, S. 693 erstveröffentlicht. Lectotypusart ist Gossypium arboreum Synonyme für Gossypium sind: Erioxylum , Ingenhouzia , Notoxylinon , Selera , Sturtia , Thurberia , Ultragossypium . Die Gattung Gossypium gehört zur Tribus Gossypieae in der Unterfamilie der Malvoideae in der Familie der Malvaceae.

Die Gattung Gossypium wird in vier Untergattungen, sieben Sektionen und Untersektionen gegliedert, hier mit allen 51 Arten: Untergattung Gossypium: Sie enthält zwei Sektionen: Sektion Gossypium: Sie enthält vier Untersektionen: Untersektion Anomala : Sie enthält etwa drei Arten: Gossypium anomalum (Syn.: Gossypium senarense ): Sie kommt in Äthiopien, Somalia, Eritrea, Sudan, im Tschad, in Angola, Niger und Namibia vor. Gossypium capitis-viridis (Syn.: Gossypium barbosanum ): Sie kommt nur auf den Kapverden vor. Gossypium triphyllum : Sie kommt in Angola, Botswana und Namibia vor. Untersektion Gossypium: Mit zwei Arten: Gossypium arboreum (Syn.: Gossypium cernuum , Gossypium indicum , Gossypium intermedium , Gossypium nanking , Gossypium neglectum , Gossypium obtusifolium , Gossypium sanguineum , Gossypium soudanense ) Gossypium herbaceum (Syn.: Gossypium africanum , Gossypium transvaalense ) Untersektion Longiloba: Sie enthält nur eine Art: Gossypium longicalyx : Sie kommt im Sudan, in Tansania und in Uganda vor. Untersektion Pseudopambak: Sie enthält etwa sieben Arten: Gossypium areysianum : Sie kommt im Jemen vor. Gossypium benadirense : Sie kommt in Äthiopien, Somalia und Kenia vor. Gossypium bricchettii : Sie kommt in Somalia vor. Gossypium incanum : Sie kommt im Jemen vor. Gossypium somalense : Sie kommt in Niger, Kenia, Uganda, Somalia, Tschad, in Äthiopien und im Sudan vor. Gossypium stocksii : Sie kommt in Pakistan, Oman und Somalia vor. Gossypium vollesenii : Sie kommt nur in Somalia vor. Sektion Serrata : Sie enthält nur eine Art: Gossypium trifurcatum : Sie kommt nur in Somalia vor. Untergattung Houzingenia: Sie enthält zwei Sektionen: Sektion Erioxylum: Sie enthält drei Untersektionen: Untersektion Austroamericana: Sie enthält etwa nur eine Art: Gossypium raimondii : Sie kommt in Peru vor. Untersektion Erioxylum: Die etwa vier Arten kommen nur in Mexiko vor: Gossypium aridum : Sie kommt in Mexiko vor. Gossypium laxum : Sie kommt nur im mexikanischen Bundesstaat Guerrero vor. Gossypium lobatum : Sie kommt nur im mexikanischen Bundesstaat Michoacán vor. Gossypium schwendimanii : Sie kommt nur im mexikanischen Bundesstaat Michoacán vor. Untersektion Selera: Sie enthält nur eine Art: Gossypium gossypioides : Sie kommt im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca vor. Sektion Houzingenia: Mit drei Untersektionen: Untersektion Caducibracteolata: Die etwa drei Arten kommen nur in Mexiko vor: Gossypium armourianum : Sie kommt in Mexiko vor. Gossypium harknessii : Sie kommt nur im mexikanischen Bundesstaat Baja California Sur vor. Gossypium turneri : Sie kommt im mexikanischen Bundesstaat Sonora vor. Untersektion Houzingenia: Sie enthält etwa zwei Arten: Gossypium thurberi : Sie kommt in Arizona und in Mexiko vor. Gossypium trilobum : Sie kommt in Mexiko vor. Untersektion Integrifolia: Sie enthält etwa zwei Arten: Gossypium davidsonii : Sie kommt in Mexiko vor. Gossypium klotzschianum : Dieser Endemit kommt nur auf den Galapagosinseln vor. Untergattung Karpas (von „Baumwolle“): Sie enthält etwa sechs Arten: Gossypium barbadense (Syn.: Gossypium acuminatum , Gossypium brasiliense , Gossypium evertum , Gossypium peruvianum , Gossypium vitifolium ) Gossypium ekmanianum : Dieser Endemit kommt nur in der Dominikanischen Republik vor. Gossypium hirsutum (Syn.: Gossypium jamaicense , Gossypium lanceolatum , Gossypium mexicanum , Gossypium morrillii , Gossypium palmeri , Gossypium punctatum , Gossypium purpurascens , Gossypium religiosum , Gossypium schottii , Gossypium taitense , Gossypium tridens ) Gossypium mustelinum : Sie kommt in Brasilien vor. Gossypium tomentosum : Sie kommt in Hawaii vor. Untergattung Sturtia : Es gibt drei Sektionen: Sektion Grandicalyx : Die etwa zwölf Arten kommen nur in Australien vor: Gossypium anapoides : Sie kommt in Western Australia vor. Gossypium costulatum : Sie kommt in Western Australia vor. Gossypium cunninghamii : Sie kommt im australischen Northern Territory vor. Gossypium enthyle : Sie kommt in Western Australia vor. Gossypium exiguum : Sie kommt nur in Western Australia vor. Gossypium londonderriense : Sie kommt nur in Western Australia vor. Gossypium marchantii : Sie kommt nur in Western Australia vor. Gossypium nobile : Sie kommt nur in Western Australia vor. Gossypium pilosum : Sie kommt nur in Western Australia vor. Gossypium populifolium : Sie kommt nur in Western Australia vor. Gossypium pulchellum : Sie kommt nur in Western Australia vor. Gossypium rotundifolium : Sie kommt nur in Western Australia vor. Sektion Hibiscoidea : Sie enthält etwa drei Arten: Gossypium australe : Sie kommt in Australien vor. Gossypium bickii : Sie kommt in Australien im Bundesstaat Queensland und im Northern Territory vor. Gossypium nelsonii : Sie kommt in Australien im Bundesstaat Queensland und im Northern Territory vor.