mini|Gregor Johann Mendel, etwa 1864Gregor Johann Mendel OESA (,Todesanzeige (Brünn, 6. Januar 1884) Geburtsname Johann MendelWidmar Tanner: Gregor Johann Mendel: Leben, Werk und Wirkung. In: Biologie in unserer Zeit. 14/1984, S. 84–87. * 20. Juli 1822Digitalisiertes Kirchenbuch mit Original-Geburtseintrag auf der Matrikel-Website des Landesarchivs in Opava. Der oft zitierte 22. Juli als Tauftag ist falsch, Mendel wurde am 20. Juli geboren und getauft. in Heinzendorf bei Odrau, Österreichisch-Schlesien; † 6. Januar 1884 in Brünn, Mähren) war ein mährisch-österreichischer Priester des Augustinerordens und seit 1868 exemter Abt der Brünner Abtei St. Thomas.

Bedeutend wurde er als Entdecker der nach ihm benannten Mendelschen Regeln der Vererbung, die er 1866 veröffentlichte. Seine Kreuzungsversuche, die er über viele Jahre im Klostergarten durchführte, folgten einem völlig neuen, quantitativen Ansatz und begründeten die Vererbungslehre. Mendels Ergebnisse wurden in Fachkreisen lange nicht verstanden. Sie wurden erst im Jahre 1900 durch Wissenschaftler bestätigt, die übereinstimmende Resultate erhalten hatten. Leben Herkunft, Schule und erstes Studium Johann Mendel war der Sohn der Kleinbauern Anton und Rosina Mendel. Er hatte vier Schwestern, von denen allerdings nur zwei das Erwachsenenalter erreichten. Schon als Kind half er im elterlichen Garten bei der Veredlung der Obstbäume. Als ausgezeichneter Schüler konnte er nach der Dorfschule ab 1834 das Gymnasium in Troppau besuchen, wobei er allerdings ab seinem 16. Lebensjahr seinen Lebensunterhalt größtenteils als Privatlehrer selbst verdienen musste. Mehrere schnell aufeinanderfolgende Unglücksfälle, darunter eine schwere Verletzung des Vaters bei Waldarbeiten im Jahre 1838, verhinderten, dass seine Eltern ihn weiter unterstützen konnten. Als einziger Sohn der Familie sollte Johann eigentlich den Bauernhof übernehmen. Nur weil seine jüngere Schwester Theresia teilweise auf ihr Erbe verzichtete und sein Schwager den Hof übernahm, konnte er eine akademische Laufbahn anstreben.Jaroslav Kříženecký: Gregor Johann Mendel 1822–1884: Texte und Quellen zu seinem Wirken und Leben. Barth, Leipzig 1965.Von Theresia hat sich eine Fotografie in den Sammlungen der Universität Wien erhalten. Der Leiter des Troppauer Gymnasiums und Lehrer von Mendel, Faustin Ens, hatte an dieser Schule ein schon damals berühmtes naturkundliches Museum eingerichtet, aus dem später das Schlesische Landesmuseum hervorging. Dort durfte Mendel seinem Lehrer bei der Betreuung des Museums zur Hand gehen. Mendel verließ das Gymnasium im Jahre 1840 als einer der besten Schüler seiner Klasse.Franz Weiling: Johann Gregor Mendel – Der Mensch und Forscher. Teil 1. In: Medizinische Genetik. 1/1993, S. 36–51 (). Von 1840 bis 1843 studierte er am Philosophischen Institut der Universität Olmütz. Die ersten beiden Jahrgänge des Studiums schloss er 1843 mit sehr guten Noten ab. Dann sah er sich, wie er in seiner kurzen Autobiografie vermerkt, wegen „bitterer Nahrungssorgen“ gezwungen, seine Studien abzubrechen und Ordensmann zu werden.Widmar Tanner: Gregor Johann Mendel: Leben, Werk und Wirkung. 1984, S. 84.

Mönch mini|Die Abteikirche Mariä Himmelfahrt in Staré Brno Auf Empfehlung seines Physiklehrers, des Paters Friedrich Franz, wurde er 1843 als Postulant bei den Augustiner-Eremiten der Abtei St. Thomas in Alt Brünn aufgenommen. Mendel erhielt den Ordensnamen Gregorius. Die Profess legte er am 26. Dezember 1846 ab. Von 1845 bis 1848 studierte er Theologie an der Brünner Bischöflichen Theologischen Lehranstalt und 1845/46 zusätzlich Ökonomie, Obstbaumzucht und Weinbau an der Philosophischen Lehranstalt in Brünn. Dort erlernte er bei Franz Diebl (1770–1859) die Kreuzungstechnik, Auslese und Samenvermehrung.Franz Weiling 1993: S. 44. Am 6. August 1847 empfing er die Priesterweihe. Weil seine Vorgesetzten sahen, dass er mehr der Wissenschaft als der Seelsorge zuneigte, erhielt er 1849 eine Stelle als „Suppl. Professor“ (Aushilfslehrer) am k. k. Gymnasium in Znaim (tschechisch Znojmo), wo er Mathematik und Griechisch unterrichtete.Hugo Iltis (Hrsg.): Mendels Autobiographie vom 17. April 1850. In: Genetica. 8/1928, S. 329–335.

Studium 1850 bemühte sich Mendel um die Zulassung für das Lehramt an Gymnasien in Naturgeschichte und Physik. Als Externer bestand er jedoch nicht die Prüfung an der Universität Wien. Obwohl schon der erste Biograph Mendels, Hugo Iltis, die Prüfer für gegenüber dem Kandidaten voreingenommen hielt, vermuteten spätere Autoren eine mangelnde Vorbereitung Mendels, da er in diesen Fächern Autodidakt gewesen sei.Hugo Iltis: Gregor Johann Mendel: Leben, Werk und Wirkung. Julius Springer, Berlin 1924. Unterlagen über die mündliche Prüfung sind nicht erhalten, jedoch liegen die vier schriftlichen Prüfungsarbeiten Mendels und ihre Beurteilung durch die Prüfer vor. Eine erneute Begutachtung dieser Unterlagen kam zu dem Schluss, dass die Prüfungsaufgaben sehr wohl didaktisch gut aufgebaut waren und inhaltlich den damaligen Wissensstand richtig wiedergaben, jedoch wohl insbesondere der Prüfer Rudolf Kner von Vorurteilen gegenüber dem Mönch beeinflusst war.Vitězslav Orel, Gerhard Czihak, H. Wieseneder: Mendel’s Examination Paper on the Geological Formation of the Earth of 1850. In: Folia Mendeliana. Band 18 (1983), S. 227–249.

Daraufhin ermöglichte sein Abt Cyrill Napp Mendel von 1851 bis 1853 ein Studium in Wien. Dort hörte Mendel unter anderem Morphologie und Systematik der phanerogamen Pflanzen bei Eduard Fenzl, Demonstrative Experimental-Physik bei Christian Doppler, dem Entdecker des Doppler-Effekts, und Anatomie und Physiologie der Pflanzen bei Franz Unger.Franz Weiling: J. G. Mendels Wiener Studienaufenthalt 1851–1853. In: Sudhoffs Archiv (Wiesbaden). 51/1967, S. 260–266. Ab 1854 war er wieder als Aushilfslehrer tätig, jetzt an der Oberrealschule in Brünn, an der er 14 Jahre die Fächer Physik und Naturgeschichte unterrichtete.

Warum 1856 sein zweiter Versuch zur Lehramtsprüfung an der Universität Wien scheiterte, war lange Zeit ebenso unklar wie Mendels Motiv, unmittelbar nach der misslungenen Prüfung acht Jahre der systematischen Erforschung der Vererbung bei Erbsen zu widmen. Zuvor schon hatte er zwei Jahre mit der Prüfung und Auswahl geeigneter, erbkonstanter Sorten verbracht. Jaroslav Kříženecký (1896–1964), Direktor des Mendelianum-Museums in Brünn, vermutete wie auch andere nach ihm, dass ein gesundheitliches Problem das Examen vereitelte.Jaroslav Kříženecký: Mendels zweite erfolglose Lehramtsprüfung im Jahre 1856. In: Sudhoffs Archiv (Wiesbaden). 47/1963, S. 305–310. Als die Biologin Rosalie Wunderlich (1907–1990) die Unterlagen des Lehrbetriebes an der Universität Wien genau untersuchte, stellte sie fest, dass Mendel im August 1856 nicht von dem Pflanzenphysiologen Franz Unger geprüft worden war, sondern wahrscheinlich von Eduard Fenzl. Im Gegensatz zu Unger lehnte Fenzl die Vorstellung der Befruchtung als Verschmelzung einer weiblichen und einer männlichen Zelle strikt ab; außerdem war er für sein aufbrausendes Temperament bekannt. Da auch Mendel auf der von ihm als richtig erachteten These Ungers beharrte, sei es zum Konflikt gekommen, wobei der Prüfer Mendel durchfallen ließ oder ihn zum Rücktritt bewog.Rosalie Wunderlich: Der wissenschaftliche Streit über die Entstehung des Embryos der Blütenpflanzen im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts (bis 1856) und Mendels „Versuche über Pflanzen-Hybriden“. In: Acta Musei Moraviae, Folia Mendeliana. 17/1982, S. 225–242.Rosalie Wunderlich: The scientific controversy about the origin of the embryo of Phanerogames in the second quarter of the 19th century (up to 1856) and Mendel’s „Versuche über Pflanzenhybriden“. In: V. Orel, A. Matalová (Hrsg.): Gregor Mendel and the Foundation of Genetics. Mendelianum, Brno 1983, S. 229–235. Für diese Interpretation spricht vor allem eine Fußnote in Mendels Forschungsbericht, in der er ausführlich die damals kontroversen Ansichten vom Befruchtungsvorgang beschrieb. Neben Mendels Neigung zu den Naturwissenschaften aufgrund seiner HerkunftFranz Weiling: Das Kuhländchen, die Heimat Gregor Mendels. In: Mitt. Verein Alte Heimat Kuhländchen. 1984, S. 274 (kuhlaendchen.de [PDF; 61 kB]). und Ausbildung scheint ihm also eine starke persönliche Motivation Kraft und Ansporn gegeben zu haben, von ihm als richtig erkannte Anschauungen experimentell zu beweisen.Rudolf Hagemann: Gewidmet dem Andenken an Franz Weiling.

Als nach der Veröffentlichung seiner Forschungsergebnisse im Jahre 1866 kaum Echo aus der wissenschaftlichen Fachwelt kam, tat dies seinem Selbstbewusstsein keinen Abbruch. Überliefert ist sein Wort: „Meine Zeit wird schon kommen!“Gustav Niessl von Mayendorf: Erinnerungen an Mendel. In: Neue Freie Presse. Nr. 13619 vom 24. Juli 1902.

Abt zu St. Thomas mini|hochkant|Mendel als Augustiner-Abt mini|hochkant|Abtwappen Gregor Mendels mini|hochkant|Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens Im Juli 1867 starb Prälat Cyrill Franz Napp, der Abt des Stiftes St. Thomas zu Brünn. Als Nachfolger wählten die Augustiner Ende März 1868 mit 11 von 12 Stimmen Gregor Mendel. Sein Wappen weist ihn nach kirchlicher Heraldik als infulierten Abt aus, der zur Liturgie nicht nur Krummstab, sondern auch Mitra trägt. Die vier Schildfelder zeigen: 1. Lilien → Botanik, Vererbungsforschung; 2. Pflug mit Kreuz → Segen für Landwirtschaft; 3. Handschlag mit brennendem Herz → Symbole zum Wappenspruch; 4. Alpha=Omega → Gott als Anfang und Ende. Der Wappenspruch lautete: Pax Christi exsultet in cordibus vestris [Der Friede Christi entspringe in euren Herzen].Abtwappen (abweichend!) und Wappenspruch.

Mendel berichtete Carl Nägeli von seiner Wahl zum Abt: „In meinen Verhältnissen ist in der letzten Zeit ganz unvermuthet eine vollständige Aenderung eingetreten, meine Wenigkeit wurde nämlich am 30. März von dem Kapitel des Stiftes, dessen Mitglied ich bin, zum lebenslänglichen Vorstande gewählt. Aus meiner bisherigen ganz bescheidenen Stellung als Lehrer der Experimentalphysik sehe ich mich mit einem Male in eine Sphäre versetzt, in welcher mir so manches fremd erscheint und es wird wohl noch einige Zeit und Mühe kosten, bis ich mich darin heimisch fühlen kann. Das soll mich indessen nicht abhalten, die mir so lieb gewordenen Bastardierungs-Versuche fortzusetzen.“Carl Correns (Hrsg.): Gregor Mendels Briefe an Carl Nägeli 1866–1873: Ein Nachtrag zu den veröffentlichten Bastardierungsversuchen Mendels. In: Abhandlungen der Mathematisch-Physischen Klasse der Königlich-Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 29,3/1905 bzw. 1906: S. 189–265. Zitat S. 220: 5. Brief Mendels vom 4. Mai 1868. Books on Demand, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8370-4176-7.

Noch im Jahre 1868 bekam Mendel Audienz bei Kaiser Franz Joseph I. Der Abt engagierte sich als gründendes Mitglied der Meteorologischen Gesellschaft; beim Naturforschenden Verein Brünn wurde er 1869 Vizepräsident. Das k.u.k. Finanzministerium berief Mendel 1870 in die Landeskommission zur Regelung der Grundsteuer in Mähren.

Nachdem Mendel vier Jahre als Abt gewirkt hatte, trug der Minister des Innern dem Kaiser am 19. März 1872 das Schriftstück N° 1096 vor –

Der Vorschlag wurde umgehend ausgeführt, als der König von Ungarn und Kaiser von Österreich auf Schloss Gödöllő residierte:

Mendel unterschrieb am 29. März 1872 in Brünn den Revers, die Dekoration samt Statutenbuch nach seinem Ableben durch die Erben an den Ordensschatz in Wien zurückzugeben.Gregor Mendel: Revers. Schriftstück N° 151, Kanzlei des Franz Joseph Ordens, Österreichisches Staatsarchiv, Wien.