mini|Luftbild mit dem Zentrum der Stadt und dem Flensburger Hafen mini|Stadtmitte an der Hafenspitze (2011) mini|Silhouette am Westufer der Flensburger Förde (2013)
Flensburg (dänisch und niederdeutsch Flensborg, oder Flensborag, südjütisch Flensborre, oder Flensburgum) ist eine große kreisfreie Mittelstadt im Norden Schleswig-Holsteins. Flensburg ist mit Einwohnern (Stand: ) hinter Kiel und Lübeck die drittgrößte Stadt des Bundeslandes, die größte im Landesteil Schleswig und die nördlichste kreisfreie Stadt Deutschlands.
Als Zentrum der dänischen Minderheit in Südschleswig nahm Flensburg nach der Volksabstimmung in Schleswig 1920 und den Bonn-Kopenhagener Erklärungen von 1955 eine Vorreiterrolle für die Anerkennung nationaler Minderheiten ein, abgedeckt durch eine Vielzahl dänischer Institutionen. Von einem nicht geringen Teil der Bevölkerung werden außer Deutsch und Dänisch noch Plattdeutsch und Petuh gesprochen.
Bekanntheit erlangte die Hafenstadt bundesweit durch die vom Kraftfahrt-Bundesamt gespeicherten „Punkte in Flensburg“, den Erotikversandhandel von Beate Uhse, das Flensburger Bier und den Handballverein SG Flensburg-Handewitt, international durch den Sitz der letzten Reichsregierung 1945 unter der Leitung von Karl Dönitz im Stadtteil Mürwik.Flensburg wurde zum Ende des Krieges nicht zur Reichshauptstadt. Lediglich der Stadtteil Mürwik wurde zum provisorischen Sitz der Reichsregierung; vgl. Broder Schwensen in: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg! Flensburg 2009, Artikel: „Reichshauptstadt“. (Obwohl die Behauptung, Flensburg sei in dieser Zeit „provisorische Reichshauptstadt“ gewesen, manchmal dennoch aufgestellt wird; vgl. dazu etwa , abgerufen am 6. Mai 2014.)
Faktoren wie der Rumhandel und militärische Einrichtungen, etwa der Marinestützpunkt Flensburg-Mürwik, die das Wachstum der Stadt im 19. und 20. Jahrhundert prägten, spielen heute nur noch eine unwesentliche Rolle. Von größerer Bedeutung für das Oberzentrum sind der ausgeprägte Grenztourismus, der Flensburger Hafen mit dem Historischen Hafen und der Werft der FSG sowie die Hochschule Flensburg und die 1994 gegründete Europa-Universität Flensburg mit zusammen rund 9000 Studierenden (Stand 2025).
Geographie Lage Das Gemeindegebiet der Stadt Flensburg liegt am inneren Ende der Flensburger Förde im Nordwesten der Halbinsel Angeln an der deutsch-dänischen GrenzeDer Abschnitt der Stadtgrenze, der entlang der deutsch-dänischen Grenze verläuft, liegt vollständig in der Flensburger Förde.vgl. Topographische Karte des Digitalen Atlas Nord. im Naturraum Schleswig-Holsteinisches Hügelland. Der nächstgelegene Grenzübergang nach Dänemark befindet sich in der nördlich angrenzenden Nachbargemeinde Harrislee im Kreis Schleswig-Flensburg. Nach der Nachbarstadt Glücksburg ist Flensburg die zweitnördlichste Stadt der Bundesrepublik Deutschland.Irrtümlich wird Flensburg häufig als nördlichste Stadt Deutschlands bezeichnet. Geographisch betrachtet liegt Glücksburg aber weiter nördlich, auch wenn Flensburg näher an der dänischen Grenze liegt und der kürzeste Landweg von Glücksburg nach Dänemark über Flensburg führt. Das Stadtgebiet erstreckt sich auf dem westlichen und südlichen Ufer der Flensburger Förde über verschiedene Anhöhen wie den Friesischen Berg oder den Marienberg. Der östliche Uferbereich der Stadt wird bereits zur Halbinsel Angeln gerechnet. Der höchste Punkt im Stadtgebiet mit mindestens befindet sich im Bereich der Marienhölzung nahe der Anschlussstelle Duburg der Bundesstraße 200. Der Innenstadtbereich liegt beim ZOB auf einer Höhe von nur .vgl. amtlicher DigitalerAtlasNord.
Stadtteile Die Stadt Flensburg ist in 13 Stadtteile untergliedert, die sich wiederum in insgesamt 38 statistische Bezirke unterteilen. Die Grenzen der heutigen Stadtteile und Stadtbezirke folgen nur näherungsweise den historischen Grenzverläufen der früheren Landgemeinden beziehungsweise den historischen Kirchspielgrenzen auf dem alten Stadtfeld. Die Stadtteile Flensburgs sind Altstadt (beziehungsweise Flensburger Innenstadt), Engelsby, Friesischer Berg, Fruerlund, Jürgensby, Mürwik, Neustadt, Nordstadt, Sandberg, Südstadt, Tarup, Weiche und Westliche Höhe.
Nr. Stadtteil(dänischer Name) Lage Einwohner(Stand 2013) Migranten(% in der Gesamtbevölkerung)(Stand 2014) Stadtbezirke Weitere Ortsteile(ehemalige Ortschaften und Kirchspiele) Sammlung von Bildern 1 Altstadt (Innenstadt)(Indre By) 3.324 801 (24,1 %) St. Nikolai (Sankt Nikolaj)St. Marien (Sankt Mariæ)Nordertor (Gertrudenviertel/Ramsharde) (Nørreport) 2 Neustadt(Nystaden) 4.134 1138 (27,5 %) Duburg (Duborg)(Neustadt) Nord 3 Nordstadt(Nordstaden) 10.994 3312 (30,1 %) (Harrisleer) Kreuz (Kors)Galwik (Galvig)Klues (Klus) Ostseebad (Østersøbadet) 4 Westliche Höhe(Vestlig Høj) 7.897 1427 (18,1 %) Stadtpark (Byparken/Øvelgønne)Marienhölzung (Frueskov)St. Gertrud(Mühlen) Friedhof (Møllekirkegård) FalkenbergMarienhof 5 Friesischer Berg(Friserbjerg) 6.686 1293 (19,3 %) Exe (Eksercerløkke)MuseumsbergFriedenshügel (Fredshøj) Gottrupel-Teilstück am StadtwegHarrisleehof-Teilstück am OchsenwegSchäferhaus (Skæferhus) 6 Weiche(Sporskifte) 6.939 1399 (20,2 %) Sophienhof (Sophiegård)Schäferhaus (Skæferhus) 7 Südstadt(Sydstaden) 4.034 813 (20,2 %) Martinsberg (Martinsbjerg)RudePeelwatt (Pælevad) 8 Sandberg(Sandbjerg) 6.012 872 (14,5 %) Achter de Möhl (Fiskergården)AdelbylundSünderup-West (Campus) westlicher Teil von Löwenberg 9 Jürgensby(Jørgensby) 7.850 1159 (14,8 %) Johannesviertel (Sankt Hans)St. Jürgen (Sankt Jørgen)Jürgensgaard (Jørgensgaard)Sender Flensburg-Jürgensby FruerlundmühleHohlwege (Hulvejene)Kapitänsviertel 10 Fruerlund(Fruerlund) 6.333 1067 (16,8 %) Blasberg (Blæsbjerg)Bohlberg (Bolsbjerg)(Fruerlund)-Hof (Fruerlundgård) Kielseng (Kilseng)FruerlundholzFruerlundmühle 11 Mürwik(Mørvig) 14.334 2454 (17,1 %) Stützpunkt Flensburg-MürwikOsbek (Osbæk)Wasserloos (Vandløs)FriedheimSolitüde (Solitude) Blocksberg (Bloksbjerg)Engelsby DorfFahrensodde (Farnæsodde)Klosterholz (Klosterskov)SonwikTwedter Holz (Tvedskov)Twedter MarkTwedter Feld (Tved Ager)Waldsiedlung TremmerupWaldeshöh 12 Engelsby(Engelsby) 7.774 1843 (23,7 %) Engelsby-Süd (Engelsby syd)Vogelsang (Fuglsang)MusikerviertelWindloch (Vejrgab) SternenviertelTrögelsby (Troelsby)Twedt (Tved)Kauslund (Kavslund) mit dem südlichen Teil von Wasserloos (Vandløs) in Form einer Straße 13 Tarup(Tarup) 4.317 689 (16,0 %) Tarup Adelby östlicher Teil von LöwenbergSünderup (Sønderup)Kattloch (Katgab)Hochfeld
Nachbargemeinden Folgende Gemeinden des Kreises Schleswig-Flensburg und der Region Syddanmark grenzen an die Stadt Flensburg – im Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten: Glücksburg (amtsfreie Stadt), Wees (Amt Langballig), Hürup und Freienwill (beide Amt Hürup), Handewitt (amtsfreie Gemeinde), Harrislee (amtsfreie Gemeinde) und die Kommune Aabenraa (dt. Apenrade) auf dänischer Seite der Flensburger Förde.
Dabei gelten vor allem Harrislee mit den zugehörigen Ortsteilen Wassersleben und Kupfermühle sowie Wees und Tastrup als Vororte von Flensburg. Sie sind baulich mehr oder minder dicht mit der Stadt verwachsen. Insbesondere die Gemeinde Harrislee beharrt seit den 1970er-Jahren immer wieder – trotz wiederholten Vorschlags der Stadt Flensburg, sie einzugemeinden – auf ihrer Eigenständigkeit.
Tastrup, seit 2023 Teil der Gemeinde Hürup, ist ein Rest der ehemaligen Gemeinde Adelby, die schrittweise eingemeindet wurde. Durch den stetigen Ausbau des Ortsteils Sünderup wächst Flensburg immer deutlicher an Tastrup heran. Ähnlich verhält es sich mit Wees, wo in den an der Nordstraße (Bundesstraße 199) gelegenen Flensburger Ortsteilen Wasserloos und Kauslund Neubaugebiete erschlossen werden. Eine weitere Siedlung, die schon seit vielen Jahren nahtlos mit Flensburg verwachsen ist, ist Meierwik, die aber dennoch zur Stadt Glücksburg gehört. Ebenfalls recht stark an Flensburg herangewachsen ist Handewitt, das an den Flugplatz Schäferhaus grenzt und nicht weit entfernt vom Flensburger Stadtteil Weiche liegt. Die Zusammengehörigkeit wird durch die seit 1990 bestehende Spielgemeinschaft Flensburg-Handewitt bestärkt. Des Weiteren gilt zuweilen Maasbüll als ein ländlicher Vorort von Flensburg, wobei das Dorf nicht mit Flensburg verwachsen ist. Das von Naherholung und Landwirtschaft geprägte Maasbüll liegt nahe dem kaum bebauten Gebiet Vogelsang.
Nachbarstädte
Klima
Geschichte Vor- und frühgeschichtliche menschliche Spuren Auf dem Stadtgebiet wurden verschiedene Spuren menschlichen Lebens und Wirkens aus der Zeit der Vor- und Frühgeschichte entdeckt. Stätten, die von diesen Zeiten zeugen, sind unter anderem die Grabhügel Friedenshügel, Nonnenberg und Weinberg.
Ursprung des Namens Die Herkunft des erstmals 1248 erwähnten Stadtnamens Flensburg konnte noch nicht geklärt werden. Einer Sage nach gab Herzog Knud Lavard einem Ritter Fleno den Auftrag, am Ende der Förde eine Burg zu errichten. Diese Fleno-Burg solle der Stadt ihren Namen gegeben haben.Horst-Dieter Landeck: Flensburg. Boyens, Heide 2006, S. 8. Eine neuere Theorie besagt, dass sich der Name von einer kleinen Turmfestung ableite, deren Fundamente in der Nähe der Marienkirche gefunden wurden und die auf etwas wie einer Art kleinen Insel oder Landzunge lag. Die Silbe „flens“ könnte eine Verschmelzung der Wörter „fle“ (Schilf) und „naes“ (Landzunge) sein.
Neben dem Gründungsmythos um den Ritter Fleno besitzt Flensburg einen apokalyptischen Mythos zu seinem Untergang, dessen Ausgangspunkt sich beim Hafermarkt befinden soll und in dem das Schwarze Schwein eine entscheidende Rolle spielt.
Anfänge Flensburgs mini|Heimstätte der im 12. Jahrhundert gegründeten Knudsgilde ist seit 1844 St. Knudsborg am Hillig-Water Gang (Helligvandsgangen)
Während der Wikingerzeit vermied man es, Siedlungen direkt am Ufer anzulegen. Spätestens um die Mitte des 12. Jahrhunderts entstand dann am inneren Bereich der Flensburger Förde eine Handels- und Fischersiedlung rund um Sankt Johannis. Die St. Johannis-Siedlung zählte aufgrund ihres Standortes zur Husbyharde in Angeln. Im Jahr 1170 entstand weiter westlich am Fördeufer zudem das Kirchspiel Sankt Marien, um 1200 schließlich Sankt Nikolai und zuletzt im Jahr 1290 Sankt Gertrud. Diese Seite zählte zur Wiesharde und lag im Einzugsbereich des Flusses Scherrebek, der im Übrigen zum Mündungsbereich in die Flensburger Förde hin, nach dem Bau einer Wassermühle, den Namen Mühlenstrom erhielt. Diese Gebiete standen sämtlich unter der Herrschaft des dänischen Königs.
Historiker nehmen an, dass es mehrere Gründe für die Siedlungswahl an diesem Standort gab. Nach dem Ende der Wikingerzeit und der Überwindung der wendischen Land- und Seeherrschaft infolge der Versöhnung des Dänenkönigs Waldemars I. mit Heinrich dem Löwen war das Leben direkt am Wasser wesentlich ungefährlicher geworden als zuvor. Der Ort galt zudem als sicherer Hafen an der Förde, mit Schutz vor heftigen Winden. An dieser Stelle kreuzten sich überdies zwei bedeutende Handelsstraßen der damaligen Zeit: Es waren dies der historisch bedeutsame, durch ganz Jütland führende Ochsenweg und die Handelsstraße zwischen Nordfriesland und Angeln (einer der Angelbowege). Auch das große Vorkommen von Heringen in der Förde war ein bedeutender Faktor für das wirtschaftliche Wohlergehen der neuen Siedlungen.
mini|Die Stadtrechtsurkunde Flensburgs aus dem Jahr 1284
Im Laufe der Zeit gewannen die kleinen Handelsniederlassungen an Bedeutung und wuchsen zusammen. Zu dieser Zeit existierte bereits die Knudsgilde, eine bestimmende Macht in Flensburg, die aus wohlhabenden Kaufleuten bestand und schon damals mit Vorrechten ausgestattet war. Mit ihr konnte auf das Stadtregiment Einfluss ausgeübt werden. In Kämpfen zwischen dem dänischen König Erik Plovpenning und seinem Bruder und Nachfolger Abel war der im Dammhofareal aufkeimende Ortskern 1248 zerstört worden. Abel förderte den Wiederaufbau des Ortes. Vermutlich 1263 oder früher wurde das Minoritenkloster erbaut.