mini|Der Riesenotter ist eine der größten Marderarten mini|Das Mauswiesel ist die kleinste Marderart

Die Marder (Mustelidae) sind eine Familie hundeartiger Raubtiere (Canoidea). Während zur Familie der Marder unter anderem auch Otter, Dachse, Iltisse, Nerze und Wiesel gehören, sind in der Umgangssprache mit „den Mardern“ meistens die Echten Marder (Martes) – unter anderem Stein- und Baummarder – gemeint.

Die Skunks oder Stinktiere, die früher ebenfalls zu den Mardern gerechnet wurden, betrachtet man heute meist als eigene Familie.

Merkmale Verglichen mit anderen Raubtieren sind die meisten Marder eher klein. Doch der Größenunterschied zwischen den kleinsten und größten Mitgliedern dieser Familie ist beträchtlich: Das winzige Mauswiesel ist mit etwa 25 g Körpergewicht das kleinste Raubtier überhaupt. Dagegen können Riesenotter und Vielfraße mehr als 30 kg erreichen.

Gestalt Der Körperbau entspricht der Lebensweise. Die meisten Marder sind langgestreckt, schlank und geschmeidig. So können Iltisse und Wiesel Kleintiere in unterirdische Gänge verfolgen. Lediglich Dachse und Vielfraße sind stämmig und eher plump. Dachse leben ebenfalls zum Teil unterirdisch und besitzen einen gedrungenen Körper und kräftige Grabklauen. Baumbewohner kennzeichnen scharfe Kletterkrallen und lange Schwänze, die dem Balancieren dienen.

Die meisten Arten weisen einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus hinsichtlich der Körpergröße auf: Männchen werden im Schnitt 25 % schwerer als Weibchen. Männliche Marder besitzen einen Penisknochen, der je nach Art unterschiedlich geformt ist.

Das Fell ist oft braun oder schwarz. Bei einigen Arten sind Flecken, Streifen oder Kehlzeichnungen vorhanden. So sind der Tigeriltis, der Zorilla und das Libysche Streifenwiesel, am ganzen Körper auffällig gezeichnet. Kontrastreiche Gesichtszeichnungen aus hellen und dunklen Bereichen mag Wehrhaftigkeit signalisieren und potenzielle Raubfeinde abschrecken. So zeigt der eurasischen Dachs ein Muster aus schwarzen und weißen Bändern.

Nördliche Arten, namentlich das Hermelin, das Langschwanzwiesel und das Mauswiesel, wechseln ihre Fellfarbe von braun im Sommer zu weiß im Winter. Der extreme Farbwechsel findet allerdings nur in den nördlichen Verbreitungsgebieten dieser Arten statt. Die Färbung wird über Hormone gesteuert, deren Produktion von Tageslichtmenge und Temperatur abhängt.

Kopfform Der Kopf ist durch eine kurze Schnauze und relativ kleine Ohren charakterisiert. Alle Marder tragen Tasthaare, die insbesondere bei den Ottern sehr stark ausgeprägt sind, um auch unter Wasser vom Kopf abzustehen.

Das Gebiss ist sehr variabel; seine Ausprägung hängt von der Ernährungsweise ab. Je nach Art besitzen die Marder 28 bis 38 Zähne. Ein charakteristisches Merkmal ist der Verlust des zweiten oberen Molars. Alle besitzen das für Raubtiere typische Scherengebiss, das aus dem vierten oberen Prämolaren und dem ersten unteren Molaren gebildet wird und die auch als Reißzähne bezeichnet werden. Diese sind bei spezialisierten Fleischfressern wie den Wieseln besonders scharf, während sie bei anderen kräftig angelegt sind und eine Brechschere bilden, um harte Schalen zu öffnen. Insbesondere der Seeotter, der Kapotter und der Zwergotter, die vor allem von Schalentieren leben, besitzen starke Reißzähne, die an Backenzähne erinnern. Bei diesen Arten sind auch die Backenzähne selbst besonders kräftig ausgebildet. Die Eckzähne der Marder sind lang, die Schneidezähne unspezialisiert.

Gliedmaße Die Extremitäten sind in der Regel kurz. Jeder Fuß trägt fünf gebogene, nicht einziehbare Krallen. Die Dachse sind echte Sohlengänger, die Wiesel hingegen Zehengänger. Einige baumlebende Vertreter der Familie, wie die Marder im engeren Sinne (Gattung Martes), bewegen sich teilweise auf den Sohlen, teils auf den Zehen. Die Beine der Wassermarder sind kurz und mit Schwimmhäuten versehen. Allerdings besitzen die Nerze nur unvollständige Schwimmhäute. Am stärksten ans Wasserleben angepasst ist der Seeotter, dessen Hinterfüße an die von Robben erinnern.

Außerdem Der Schwanz der meisten Marder ist lang und dicht behaart. Dachse besitzen allerdings relativ kurze Schwänze. Die meisten Marder haben gut entwickelte Analdrüsen, (ähnlich den Skunks), deren stinkendes Sekret der Reviermarkierung und bei einigen Arten auch der Verteidigung dient. Die Analdrüsen sind bei den Ottern allerdings schwach ausgebildet; beim Seeotter fehlen sie ganz.

Verbreitung und Lebensraum Marder sind nahezu weltweit verbreitet, sie fehlen lediglich im australisch-ozeanischen Raum, auf Madagaskar, den karibischen und anderen abgelegenen Inselgruppen sowie in der Antarktis. Die Mehrzahl der Marderarten kommt in Eurasien vor. Afrika beherbergt neun Arten von Mardern, Südamerika ist Heimat von vier verschiedenen Ottern, zwei Grisons (Gattung Galictis), des Patagonischen Wiesels sowie von drei Mustela-Arten. Dazu kommt die Tayra, die auch die südlichsten Teile Nordamerikas besiedelt. Auch der Südamerikanische Fischotter und das Großgrison bewohnen neben Südamerika teile Mittel- und damit Nordamerikas. Darüber hinaus kommen in Nordamerika Silberdachs, Vielfraß, Fichtenmarder, Fischermarder (Pekan), Nordamerikanischer Fischotter, der Mink und vier Wiesel- beziehungsweise Iltisarten (Gattung Mustela) vor. Auf Neuseeland wurden die beiden Marderarten Hermelin und Mauswiesel durch den Menschen angesiedelt.

Die verschiedenen Arten der Marder bewohnen eine Vielzahl von Habitaten, wie gemäßigte und boreale Wälder sowie tropische Regenwälder, auch Steppen, Savannen und Tundragebiete. Allerdings dringen sie kaum in extrem trockene Lebensräume vor. Viele Arten sind auf die Nähe von Wasser angewiesen und leben entlang von Flüssen und Seen, einige auch an Meeresküsten. Bei den Ottern ist diese Affinität zum Wasser am stärksten ausgeprägt; der Seeotter bewohnt sogar das offene Meer des Nordpazifiks und kann als nahezu völlig aquatisch lebende Art gelten. Da Marder als relativ kleine Tiere von zahlreichen größeren Prädatoren bejagt werden, sind sie auf Unterschlüpfe als Ruhestätten angewiesen. Vielerorts kommen mehrere Marderarten nebeneinander vor. So leben auf den Britischen Inseln sieben Arten nebeneinander.

Lebensweise mini|Otter führen eine semiaquatische Lebensweise Die Mehrzahl der Marderarten ist dämmerungs- oder nachtaktiv, manche gehen jedoch auch am Tag auf Nahrungssuche. Als Ruheplätze verwenden viele Marder selbst gegrabene oder von anderen Tieren übernommene Baue oder andere Unterschlüpfe. Viele Arten sind Bodenbewohner oder dringen dank ihrer schlanken Gestalt bei der Jagd in unterirdische Baue ein, andere halten sich oft auf Bäumen auf. Es gibt zahlreiche ausgezeichnete Schwimmer unter den Mardern, insbesondere die Otter und die Nerze. Die meisten Marderarten sind ganzjährig aktiv. Dachse halten in nördlichen Gebieten jedoch eine Winterruhe, da ihre Nahrung dann schwer erreichbar ist.

Sozialverhalten Marder sind eher einzelgängerische und territoriale Tiere, die ihre Reviergrenzen mit dem Sekret ihrer Analdrüsen, mit Urin oder Kot markieren. Der Geruchssinn ist sehr stark ausgeprägt und dient dem Finden von Beute und der Kommunikation mit Artgenossen, auch der Gesichts- und Gehörsinn sind gut entwickelt. Abgesehen von einigen Otterarten und dem europäischen Dachs sind alle Marderarten Einzelgänger. Dabei verteidigen die Weibchen in der Regel Reviere, die groß genug sind, um sich und ihren Nachwuchs zu ernähren. Die Reviere der Männchen sind größer und überlappen stets mit denen mehrerer Weibchen. Die Reviere der Männchen untereinander überlappen in aller Regel nicht, Weibchen sind toleranter, doch scheinen auch bei ihnen nur geringe Überschneidungszonen vorzukommen. Als Resultat entsteht ein jeweils intra-sexuelles Reviersystem, das mit dem des anderen Geschlechts stark überlappt. Die Gruppen der südamerikanischen Riesenotter bestehen meist aus einem züchtenden Paar und einigen Halbwüchsigen sowie dem Nachwuchs des jeweiligen Jahres. Seeotter leben in getrenntgeschlechtlichen Gruppen, die bisweilen erstaunlich groß sein können. So umfassen die Männchengruppen von Seeottern in Alaska bisweilen hunderte Tiere. Die Gruppen der Männchen sind im Gegensatz zu den Weibchengruppen nur periodisch stabil und lösen sich während der Paarungszeit auf. Europäische Dachse leben auf den Britischen Inseln teilweise in gemischtgeschlechtlichen Gruppen von bis zu 23 Tieren. Andernorts in Europa sind sie allerdings Einzelgänger oder leben paarweise. Marder sind in der Regel leise, um keine Aufmerksamkeit von Jägern und potentiellen Beutetieren zu erregen. Lediglich beim direkten Aufeinandertreffen mit anderen Tieren oder Artgenossen ist Lautgebung häufiger zu beobachten. Zwergotter und Riesenotter, zwei Arten, die in Gruppen zusammen leben, verfügen über jeweils mehr als zwölf beziehungsweise neun verschiedene Laute, um sich zu verständigen.

Fortpflanzung Die Trächtigkeitsdauer bei den Mardern beträgt in der Regel 30 bis 60 Tage, bei vielen Arten kommt es jedoch zu einer verzögerten Einnistung der befruchteten Eizelle in den Uterus, sodass zwischen Begattung und Geburt etliche Monate liegen können. In der Regel trägt das Weibchen nur einmal im Jahr einen Wurf aus. Neugeborene Marder sind Nesthocker, sie kommen blind und hilflos zur Welt, wachsen aber schnell. Bei den meisten Arten sind die Jungtiere nach zwei Monaten selbständig, die Geschlechtsreife tritt meist zwischen einem halben und zwei Jahren ein. Die Lebenserwartung in freier Natur beträgt üblicherweise fünf bis 20 Jahre.

Nahrung mini|Buntmarder Marder sind vorrangig Fleischfresser, je nach Art und Jahreszeit nehmen sie in unterschiedlichem Ausmaß aber auch pflanzliche Nahrung zu sich. Das Beutespektrum der Mitglieder dieser Familie ist – auch entsprechend ihrer Größe – beträchtlich. Gemeinsam ist vielen Arten jedoch, dass sie Beutetiere jagen, die oft erheblich größer als sie selbst sind. So erbeuten manche Wieselarten deutlich schwerere Kaninchen, und der Vielfraß greift Tiere von der Größe eines Rentieres an.

An tierischer Nahrung stehen alle Arten von Wirbeltieren, darunter kleine Säugetiere, Vögel und deren Eier, Reptilien, Lurche und Fische, aber auch Insekten, Krebstiere, Würmer und vieles mehr auf ihrem Speiseplan. An pflanzlicher Nahrung werden unter anderem Früchte, Nüsse und Knollen verzehrt.