Berchtesgaden ist ein Markt im Landkreis Berchtesgadener Land im äußersten Südosten Oberbayerns. Als Mittelzentrum für den südlichen Teil des Landkreises Berchtesgadener Land gehört es regionalplanerisch zur Planungsregion Südostoberbayern,Entwicklungskonzept Region 18 – November 2007 – Regionaler Planungsverband Südostoberbayern, PDF 338 Seiten, online unter region-suedostoberbayern.bayern.de. in der die Kreisstadt Bad Reichenhall und Freilassing gemeinsam das nächste Oberzentrum bilden. Die grenznahe österreichische Landeshauptstadt Salzburg strahlt als Ober- und WirtschaftszentrumAusgangslage, In: Entwicklungskonzept Region 18 – November 2007 – Regionaler Planungsverband Südostoberbayern, PDF, S. 10 von 338, online unter region-suedostoberbayern.bayern.de. ebenfalls auf die Gemeinde und den Landkreis aus. Die nächste Groß- und Weltstadt in Deutschland ist München.

Erstmals ist der Ort zwischen 1102 und 1105 als Ansiedlung der Klosterstiftung berthercatmen urkundlich erwähnt worden, dem als Kollegiatstift bereits 1156 die Forsthoheit und damit verbunden auch die Schürffreiheit auf Salz und Metall gewährt wurde. Salz- und Metallgewinnung sorgten für einen ersten wirtschaftlichen Aufschwung und ließen den Ort zu einem Markt heranwachsen. Die Pröpste der Augustiner-Chorherren weiteten ihn zum Hauptort eines Territoriums aus, das bereits ab 1294 „weltlich“ eigenständig war. Von 1559 bis 1803 bildete Berchtesgaden das geistliche und weltliche Zentrum des zur Fürstpropstei Berchtesgaden erhobenen Klosterstifts, und die Fürstpröpste regierten von dort aus über das zwar kleine aber reichsunmittelbare Fürstentum Land Berchtesgaden bzw. Berchtesgadener Land, das seit 1973 als namensgebende Südregion Teil des Landkreises Berchtesgadener Land ist.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Berchtesgaden dank seiner Sehenswürdigkeiten und Naturdenkmale zu einem Touristenziel mit rapide wachsenden Gästezahlen. Der Aufschwung setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg fort, anfangs vor allem auch wegen des Führersperrgebiets in seiner Gnotschaft Obersalzberg und der damit verbundenen Rolle Berchtesgadens in der Zeit des Nationalsozialismus. Dabei war Obersalzberg nicht nur eine „Wallfahrtsstätte für Ewiggestrige“,Gerd Henghuber: Sorge um den Ruf, online unter zeit.de; zu „Nach dem Zweiten Weltkrieg vermochte der Ort gerade auch wegen seiner historischen Bedeutung während der Zeit des Nationalsozialismus an diesem Aufschwung wieder anzuknüpfen“ das Zitat aus der Quelle: „Neben den Touristen haben nämlich fünfzig Jahre nach Kriegsende auch Scharen von Journalisten den Obersalzberg entdeckt. Rasch war ein Zusammenhang zwischen den Touristenmassen und den Heften hergestellt: Der Obersalzberg, so sendete und schrieb man von Stuttgart bis Seoul, sei zu einer ‚Wallfahrtsstätte für Ewiggestrige‘ geworden.“ in Die Zeit 24/1995. sondern gehört bis heute u. a. regelmäßig zum Besuchsprogramm amerikanischer Salzburg-Touristen.DiePresse.com, 26. Februar 2005: Bayern: Urlaub auf Hitlers Lieblingsberg.

Seit den 1990er-Jahren sind die Gästezahlen jedoch rückläufig, und die Gemeinde versucht sich seither, mit Ökologie und umweltverträglicherem Tourismus zu profilieren.

Geografie Lage mini|Blick auf Berchtesgaden mit Stifts- und Pfarrkirche, dahinter das Watzmannmassiv

Berchtesgaden gehört zum Regierungsbezirk Oberbayern im Freistaat Bayern. Die Gemeinde ist Teil der hochalpinen Region im südlichen Landkreis Berchtesgadener Land, die nahezu völlig von den Berchtesgadener Alpen und im Osten, Süden und Südwesten vom österreichischen Bundesland Salzburg umgeben ist. Diese und die benachbarten Gemeinden Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau bilden innerhalb der geomorphologischen Einheit Berchtesgadener Talkessel die Region Berchtesgadener Land. (Siehe hierzu auch Abschnitt: Geografisch soziokulturelle Zuordnungen.)

In Berchtesgaden vereinigen sich die Flüsse Königsseer Ache aus Schönau am Königssee und die Ramsauer Ache aus Ramsau zur Berchtesgadener Ache. Diese fließt auf relativ schmalem Talniveau entlang der B 305 in nordöstliche Richtung nach Marktschellenberg und von dort in die Salzach in der Nähe von Salzburg. Zuflüsse innerhalb des Gemeindegebietes sind der dem Rauhenkopf entspringende Anzenbach, welcher am Salzbergwerk linksseitig einmündet, und der von der Buchenhöhe kommende Larosbach, welcher an der Laroswacht von rechts zufließt.

Abgesehen von der Talebene in Richtung Salzburg, ist die Gemeinde durch unterschiedliche Höhenlagen gekennzeichnet. Der Hauptbahnhof liegt auf 520 m über NN, das Marktzentrum auf 570 m, die Erhebungen innerhalb des Marktes sind der Lockstein mit 687 m und zum Teil der Kälberstein mit 786 m. Höhenangaben zu Lockstein und Kälberstein aus der Tourbeschreibung Lockstein, Kälberstein, Baderlehenkopf. Gemeindeteile und Gnotschaften wie die Au und Maria Gern liegen auf 700–1100 m, Obersalzberg auf 1000 m und das Kehlsteinhaus auf 1834 m über NN.

Die Gemeinde ist etwa 20 Kilometer südlich von Bad Reichenhall entfernt, 24 Kilometer von Salzburg, etwa 150 Kilometer südöstlich von München und 200 Kilometer nordöstlich von Innsbruck.Zahlen, Daten, Fakten, unter „Übersicht“ der Gemeindehomepage, online unter gemeinde.berchtesgaden.de.

Sie gehört zusammen mit den anderen Gemeinden des Landkreises Berchtesgadener Land zum Vorfeld des Nationalparks Berchtesgaden und ist dessen Verwaltungssitz. Der Nationalpark und das seinerzeit noch hauptsächlich auf den inneren, südlichen Teil des Landkreises beschränkte Vorfeld wurden ab 1978 offiziell zum Alpenpark Berchtesgaden erklärt. (PDF; 164 kB): Nationalparkverordnung, § 1,2.Für den Gebrauch des Begriffs Alpenpark Berchtesgaden vor der offiziellen Erklärung dazu 1978 siehe zum Beispiel Kosmos, Band 71, 1975, S. 436. 1990 erklärte die UNESCO den Alpenpark zum Biosphärenreservat Berchtesgaden. (PDF): UNESCO-Biosphärenreservat Berchtesgaden (PDF; 5 kB), zur identischen Größe und Kartierung von Alpenpark Berchtesgaden und Biosphärenreservat Berchtesgaden, siehe Hellmut Schöner (Hrsg.): Berchtesgaden im Wandel der Zeit. – Ergänzungsband I, S. 27 f. Seit Juni 2010 zum Biosphärenreservat Berchtesgadener Land erweitert, bezieht es jetzt den ganzen Landkreis ein.

Geologie Der Ort liegt inmitten der gleichnamigen Berchtesgadener Alpen, deren Basis meist Ramsaudolomit bildet. Über dem Dolomit liegt nicht selten eine bis zu 1000 Meter mächtige Schicht Dachsteinkalk. In dem gebankten Dachsteinkalk finden sich Muschelschalen, die wegen ihrer Halbmondform Kuhtritte genannt werden. Die in dünnen Dolomitschichten eingelagerten Algenmatten lassen auf Ablagerungen eines tropischen Flachmeeres schließen, die innerhalb von ca. 15 Millionen Jahren den Kalk entstehen ließen.

Der Steinbruch auf dem Kälberstein, von dem nur ein Teil zu Berchtesgaden gehört, weist stratigraphisch Liegendes auf. Es setzt das Hallstätter Kalkprofil fort und enthält das unterkarnische Terrigenintervall (Halobienschiefer) und die lückenlose Sedimentation über der Karnium/Norium-Grenze mit einem Überschneidungsbereich, der das Tuval 3 bis Lac 1 umfasst.Abhandlungen der Geologischen Bundesanstalt, Wien. (PDF; 2,8 MB), Dezember 1999, S. 10 von 22.steinkern.de, Abfolgeschaubild.

Der Geophysiker R. Gaenger entdeckte 1954 die Berchtesgadener Anomalie, bei der als erste innerhalb eines Mitteleuropäischen Gürtels magnetischer Anomalien eine starke Störung im Erdmagnetfeld durch hohe Magnetische Suszeptibilität des Gesteins unterhalb der Nördlichen Kalkalpen gemessen wurde.

Während die Berghänge häufig mit Bergkiefern bewachsen sind, überwiegen auf den ungerodeten Talflächen des Ortes Tannen- und Fichtenwälder.

Bei dem salzführenden Gestein im Bereich Berchtesgaden-Bad Reichenhall handelt es sich um ein Haselgebirge. Sein durchschnittlicher Salzgehalt beträgt um die 50 Prozent, kann aber zwischen 0 und 90 Prozent schwanken (siehe hierzu auch: Salzbergwerk Berchtesgaden).

Klima mini|Klimadiagramm von Berchtesgaden

Das Berchtesgadener Klima wird als thermisch und aktinisch reizmäßiges Hochgebirgsklima beschrieben, das auch von Föhnwinden geprägt ist.

Die Jahresmitteltemperatur beträgt 7,2 °C. Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 16,3 °C, der kälteste der Januar mit −2,7 °C im Mittel. Die Differenz zwischen dem Maximum und dem Minimum, die Amplitude, beträgt 19,0 °C.

Es sind für den Ort ganzjährig Niederschläge zu verzeichnen, deren mittlere Menge mit 126 Millimetern pro Monat angegeben wird. Spitzenwerte werden im Juli mit durchschnittlich 219 Millimetern, die geringsten Niederschlagsmengen im November mit 85 Millimetern gemessen. Das Klima ist somit humid. Der Jahresniederschlag liegt mit 1514 Millimetern über dem deutschen Durchschnitt von 700 Millimetern (Stand: Oktober 2006).

Nachbargemeinden Die Berchtesgadener Nachbargemeinden auf deutscher Seite gehören wie Berchtesgaden selbst zum Landkreis Berchtesgadener Land. Seine nordwestliche Nachbargemeinde ist Bischofswiesen, der sich nördlich das gemeindefreie Gebiet Schellenberger Forst anschließt. Im Nordosten grenzt die Gemeinde Marktschellenberg und im Südwesten die Gemeinde Schönau am Königssee an, der sich im Süden beziehungsweise Südosten ebenfalls ein gemeindefreies Gebiet namens Eck mit der Exklave Resten anschließt. Östlich von Berchtesgaden befindet sich der deutsch-österreichische Grenzübergang am Dürrnberg und dahinter die österreichische Stadt Hallein.

Gemeindegliederung mini|Umrisskarte mit den Gemarkungen von Berchtesgaden (BGD = Berchtesgaden) Zu Berchtesgaden gehören der Markt als Ortskern sowie nach den Eingemeindungen von 1972 im Rahmen der Gebietsreform in Bayern die vormals selbstständigen Gemeinden Au, Gern und Salzberg, die in zwölf Gnotschaften und eine neuere Siedlung unterteilt sind, von denen Obersalzberg wegen seiner Bedeutung während der Zeit des Nationalsozialismus große Bekanntheit erlangte. Resten im Gemeindeteil Au bildet eine Exklave von Berchtesgaden, die vom gemeindefreien Gebiet des Staatsforstes Eck umschlossen ist. In Resten wurde während der NS-Zeit die Wohnsiedlung Buchenhöhe für Angestellte und Beamte in Obersalzberg errichtet. Die Gemeindefläche hat sich nach den Eingemeindungen von 1,5 auf 35,62 km² vergrößert. – zu Berchtesgaden Ost mit gekennzeichneter Exklave Resten; PDF-Datei (5,21 MB), online unter gemeinde.berchtesgaden.de„Snippet-Zitat“ zu Wohnsiedlung Buchenhöhe in Exklave Resten aus Winfried Nerdinger, Katharina Blohm: Bauen im Nationalsozialismus: Bayern, 1933–1945. zu M Berchtesgaden, online über statistik-portal.de Am 1. Januar 1984 wurde zudem ein kleiner Teil des „Forstes Königssee“ eingemeindet.

Gemeindeteile und Gnotschaften des Marktes Berchtesgaden Gemarkungen Flächeha Gemeindeteile Art Anmerkungen Berchtesgaden 150,92 Berchtesgaden Hauptort vormals fürstliche Residenz des Klosterstifts Berchtesgaden Au 1080,78 Unterau Gnotschaft Gemeinde bis 1971 Oberau Gnotschaft Resten Gnotschaft Maria Gern 629,68 Hintergern Gnotschaft Gemeinde bis 1971,1953 Namensänderung von Gern in Maria Gern Obergern Gnotschaft Vordergern Gnotschaft Salzberg 1683,77 Anzenbach Gnotschaft Gemeinde bis 1971 Metzenleiten Gnotschaft Mitterbach Gnotschaft Obersalzberg Gnotschaft Untersalzberg I Gnotschaft Untersalzberg II Gnotschaft Am Etzerschlößl Neuere Siedlung benannt nach dem von Fürstpropst Jakob Pütrich 1574 erbauten,1960 abgerissenen „Lustschloss“ Etzerschlößl am Fuße derGnotschaft Gern Eck (Gemarkungsteil 0) 17,24 — — Kehlsteinhaus sowie fünf Exklaven im gemeindefreien Gebiet Eck,darunter das Purtschellerhaus

Geschichte Frühgeschichte, Namensgebung und Ersterwähnung