Der Landkreis Berchtesgadener Land ist eine Gebietskörperschaft mit  Einwohnern () im Freistaat Bayern. Der Landkreis liegt im Südosten Oberbayerns an der Grenze zum österreichischen Salzburg. Kreisstadt des Landkreises ist Bad Reichenhall. Der Landkreis wurde 1972 im Zuge der Gebietsreform in Bayern aus dem ehemaligen Landkreis Berchtesgaden, einem Teil des ehemaligen Landkreises Laufen und der vormals kreisfreien Stadt Bad Reichenhall gebildet. Wie sonst üblich, wurde der Landkreis erst nach seinem Verwaltungssitz in Bad Reichenhall benannt, 1973 erfolgte auf Beschluss der Bayerischen Staatsregierung eine bis heute gültige Umbenennung nach der Landkreisteilregion Berchtesgadener Land.

Der Landkreis weist mit dem Watzmann () den höchsten Berg Deutschlands auf, dessen Basis sich vollständig auf deutschem Staatsgebiet befindet – nach anderer Berechnungsgrundlage ist der Watzmann unter den deutschen Hauptgipfeln allerdings „nur“ der dritthöchste. Durch seine exponierte Lage im äußersten Südosten Deutschlands ist der Landkreis der einzige, der an nur einen anderen deutschen Kreis angrenzt (Landkreis Traunstein).

Geographie Der Landkreis Berchtesgadener Land bildet die Südostecke Bayerns und Deutschlands. Keilförmig („Schwanzspitze des bayerischen Löwen“ bzw. österreichisch „Kleines Deutsches Eck“Ulrich Ammon, Hans Bickel, Jakob Ebner u. a.: Variantenwörterbuch des Deutschen. Walter de Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3-11-016575-9, S. 197.) ragt er nach Österreich hinein. Im Osten, Süden und Südwesten ist die Landkreisgrenze zugleich Staatsgrenze. Einziger deutscher Nachbarlandkreis ist Traunstein im Nordwesten und Norden.

Landschaft Während der Landkreis im Norden leicht hügelig ist, mit einigen kleinen Seen wie dem Abtsdorfer See und der Salzach als Grenze zu Österreich, ist er im Süden, ab Bad Reichenhall mit einem Ausläufer der Chiemgauer Alpen und den anschließenden Berchtesgadener Alpen alpin bzw. hochalpin.

Höchster Punkt des Landkreises ist mit die Watzmann-Mittelspitze, tiefster Punkt die Stelle nordwestlich von Laufen, wo die Salzach auf die Grenze zum benachbarten Landkreis Traunstein trifft, auf einer Höhe von . Die daraus resultierende Höhendifferenz von ist die zweitgrößte eines deutschen Landkreises. Nur der Landkreis Garmisch-Partenkirchen weist mit über eine größere Höhendifferenz auf. Neben den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen und Oberallgäu gehört der Landkreis zu den drei einzigen Landkreisen Deutschlands mit hochalpinen Regionen.

Gliederung Gegliedert ist der Landkreis in drei geographische Regionen:Geschichte des Landkreises Berchtesgadener Land mit Hinweis auf die drei geographischen Regionen des Landkreises, online auf der Homepage des Landratsamtes des Landkreises Berchtesgadener Land unter lra-bgl.de die voralpine mit den Städten Laufen und Freilassing, als Teil des einst zum Erzstift Salzburg gehörenden südlichen Rupertiwinkels, die alpine um die Große Kreisstadt Bad Reichenhall, die schon seit jeher zu Bayern gehörte, sowie die hochalpine um Berchtesgaden als Zentrum der namensgebenden Region Berchtesgadener Land, deren Gebietsfläche ab 1155 in etwa dem ausgewiesenen Kernland des Klosterstifts Berchtesgaden bzw. der von 1559 bis 1803 eigenständigen Fürstpropstei Berchtesgaden entsprach.

+ Gemeinden und Städte des Landkreises Berchtesgadener Land (gegliedert nach historisch-geografisch definierten Regionen) Durchgehend bei Bayern Berchtesgadener Land Südlicher Rupertiwinkel Bad Reichenhall Berchtesgaden Ainring Bayerisch Gmain Bischofswiesen Anger Schneizlreuth Marktschellenberg Freilassing Ramsau bei Berchtesgaden Laufen Schönau a.Königssee Piding Eck Saaldorf-Surheim Schellenberger Forst1 Teisendorf

Fläche Mit einer Fläche von 840 Quadratkilometern nimmt der Landkreis Berchtesgadener Land unter den 71 bayerischen Landkreisen die 43. Stelle ein; unter den 20 oberbayerischen Landkreisen steht er an 9. Stelle. Er gehört damit in Bayern zu den mittelgroßen Landkreisen.

Schutzgebiete Im Landkreis gibt es einen Nationalpark, drei Naturschutzgebiete, 20 Landschaftsschutzgebiete, 13 Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung und mindestens 72 ausgewiesene Geotope (Stand August 2016). Das größte Naturschutzgebiet ist das 1955 eingerichtete Naturschutzgebiet Östliche Chiemgauer Alpen.Grüne Liste der Naturschutzgebiete in Oberbayern, Stand 2023, PDF, 7 Seiten, online unter lfu.bayern.de. Das gesamte Kreisgebiet bildet das Biosphärenreservat Berchtesgadener Land.

Nachbarlandkreise bzw. -bezirke Der Landkreis Berchtesgadener Land grenzt im Norden und Nordwesten an den Landkreis Traunstein. Ansonsten grenzt er an den Salzburger Bezirk Salzburg-Umgebung, die Statutarstadt Salzburg und den Bezirk Hallein im Osten, den Bezirk St. Johann im Pongau im Südosten sowie den Bezirk Zell am See im Südwesten.

Bevölkerung mini|Bevölkerungspyramide für den Landkreis Berchtesgadener Land (Datenquelle: Zensus 2011, Kreis Berchtesgadener Land, Alter und Geschlecht, online unter ergebnisse2011.zensus2022.de.)

Zum hatte der Landkreis Einwohner. Hinsichtlich der Bevölkerungszahl gehört er zu den mittelgroßen Landkreisen. In Oberbayern steht er an 13., in Bayern an 46. Stelle. Die Bevölkerungsdichte liegt mit  Einwohnern pro Quadratkilometer deutlich unter dem bayerischen Durchschnitt. Im Zuge der kriegsbedingten „Völkerwanderungen“ zwischen 1944 und 1950 stiegen die Einwohnerzahlen bayernweit ungewöhnlich stark an.Gregor Delvaux de Fenffe: Flüchtlingsströme des Zweiten Weltkriegs, Innerhalb der ARD-TV-Reihe Planet Wissen Erstveröffentlichung 2005 zur Sendung Kriegsende – Flucht und Vertreibung. Letzte Aktualisierung 2. Dezember 2020, online unter planet-wissen.de. So kam es in dieser Zeit nicht zuletzt durch den Zuzug von „Heimatvertriebenen“ zu einem starken Anstieg der Bevölkerungszahl in der Region, die vor Kriegsbeginn knapp 60.000, Anfang der 1950er-Jahre dann über 84.000 Personen umfasste.Berchtesgadener Land: Einwohner und Städte, Abschnitt des Artikels Berchtesgadener Land – Lage, Geschichte, Politik und Wirtschaft im Münchner Merkur vom 25. März 2022, online unter merkur.de. 2022 waren 54,3 Prozent der Bevölkerung römisch-katholisch, 9,3 Prozent evangelisch-lutherischer Konfession. Der Ausländeranteil machte 16,6 Prozent aus.

Einwohnerentwicklung Von der Neubildung des Landkreises 1972 bis 1987 stieg die Einwohnerzahl leicht. Eine größere Steigerung ist im Zeitraum 1987 bis 1991 mit 6,5 % zu verzeichnen. Danach hat sich der Zuwachs wieder abgeschwächt. Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Landkreis von 91.923 auf 105.722 um 13.799 Einwohner bzw. um 15 % – nach dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen (11,2 %) der zweitniedrigste Zuwachs aller oberbayerischen Landkreise im genannten Zeitraum.

+ Bevölkerungsentwicklung Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2025 Einwohner 27.227 36.160 59.793 84.336 81.340 86.287 90.689 95.397 98.946 99.848 102.587 102.389 103.907 106.327 105.118

Geschichte Vorgeschichte der drei Landkreisregionen mini|Die drei Regionen des Landkreises Berchtesgadener Land

Das heutige Landkreisgebiet gehörte ursprünglich vollständig zum baierischen Stammesherzogtum. Ab dem 13. Jahrhundert gelangten wechselnd große Teile davon in das politisch eigenständig gewordene Erzstift Salzburg, während das Klosterstift Berchtesgaden ab Ende des 12. Jahrhunderts zunehmend höhere Gerichtsbarkeiten und damit auch weltliche Macht auf sich vereinigen konnte und ab 1559 als Fürstpropstei Berchtesgaden für das Land Berchtesgaden gleiche reichsunmittelbare Eigenständigkeit wie das fürsterzbischöfliche Salzburger Land errang.

Historisch ergibt sich daraus für die Vorgeschichte des Landkreises eine Gliederung in drei Regionen:Berchtesgadener Land Tourismus GmbH: , Zitat siehe Absatz ganz unten, online unter berchtesgadener-land.com:„Der ‚Landkreis Berchtesgadener Land‘ bildet sowohl geschichtlich und kulturell als auch wirtschaftlich eine Einheit; alle drei Teile – das eigentliche ‚Berchtesgadener Land‘ (im engeren Sinne der ehemaligen Landesherrschaft der Fürstpropstei Berchtesgaden), die Stadt Bad Reichenhall und das Land um Laufen – standen seit dem frühen Mittelalter über die Jahrhunderte hinweg bis hin zum Anfang des 19. Jahrhunderts im Spannungsfeld zwischen dem Erzstift Salzburg und dem Herzogtum Bayern, die den Salzreichtum des Gebietes beide für sich beanspruchten.“

im Südteil das dem Landkreis namensgebende, „eigentliche“ Berchtesgadener Land, das der Fläche nach seit 1155 dem Kernland des später zur Fürstpropstei erhobenen Klosterstifts Berchtesgaden entsprach und bis heute eine geografisch-soziokulturelle Region bildet, nordwestlich davon in der Mitte des Landkreises die Stadt Bad Reichenhall, die mit ihrem Umland der heutigen Gemeinden Bayerisch Gmain und Schneizlreuth durchgängig bis 1806 dem baierischen Stammesherzogtum und dann der Kurpfalz-Bayern angehörte und im Norden der südliche Teil des ehemals vom Erzstift Salzburg beherrschten Rupertiwinkels.

Berchtesgadener Land

mini|hochkant=1.4|Karte des Berchtesgadener Landes (1626 oder 1628), die bis 1803 in Gebrauch war (Vorzeichnung: Johann Faistenauer, Holzschnitt: Simon Stangastager)

Die Besiedelung des hochalpinen Gebietes um den heutigen Markt Berchtesgaden setzte mit den ersten Rodungsaktivitäten von Augustiner-Chorherren Anfang des 12. Jahrhunderts ein. 1122 wurde in Berchtesgaden ein erster Bauabschnitt oder Notbau der Stiftskirche eingeweiht. Im Laufe der Jahrhunderte konnte sich das Gemeindewesen entwickeln und gelangte auf Grund der reichen Salzvorkommen und des von Kaiser Friedrich Barbarossa übertragenen Salzregals zu erheblichem Wohlstand. Die Salzvorkommen führten allerdings auch immer wieder zu „Salzirrungen“Kaiserl. Decret, in salzburgischen und berchtesgadischen Salzirrungen – Prag, den 20. November 1591. In: Johann Georg von Lori: Sammlung des baierischen Bergrechts: mit einer Einleitung in die baierische Bergrechtsgeschichte. Franz Lorenz Richter, München 1764, S. 345 (online über Google Books). bzw. kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Erzbistum Salzburg. Zudem machten die pröpstlichen Regenten weit mehr Schulden, als sie Einnahmen hatten, so dass Teile des Gebietes verpfändet und von 1393 bis 1404 das komplette Gebiet in das Erzstift Salzburg inkorporiert wurde. Davor und danach sind dem 1380 als Zepterlehen zur Reichsprälatur aufgestiegenen Klosterstift Berchtesgaden dennoch immer mehr Rechte bis hin zur Blutgerichtsbarkeit übertragen worden, bis es 1559 schließlich zur Fürstpropstei Berchtesgaden erhoben wurde und dadurch völlige Reichsunmittelbarkeit erlangte. Erst 1803 im Rahmen der allgemeinen Säkularisation in Bayern wurde die fürstpröpstliche, d. h. geistliche und weltliche Eigenständigkeit aufgehoben und das Berchtesgadener Land ging vorerst in dem neugegründeten Kurfürstentum Salzburg auf. Nach dem Frieden von Pressburg 1805 fiel es an das Kaiserreich Österreich, 1809 unter Napoleon an Frankreich und 1810 wurde es schließlich dem Königreich Bayern angegliedert.

Heute wird die einst fürstpröpstlich regierte Region Berchtesgadener Land mit den Gemeinden Berchtesgaden, Bischofswiesen, Marktschellenberg, Ramsau bei Berchtesgaden und Schönau am Königssee sowie den gemeindefreien Gebieten Eck und Schellenberger Forst auch als Südlicher oder Innerer Landkreis bezeichnet.

Herzoglich bayerisches Reichenhall und Umland Bereits 1800 v. Chr. besiedelt, gehörte die Region um Reichenhall seit dem Frühmittelalter zum bairischen Stammesherzogtum. Seinen Namen führt Reichenhall seit dem 14. Jahrhundert., online unter stadt-bad-reichenhall.de.