mini|300px|Blick über Offenbach am Main von Süden: Im Vordergrund links (senkrecht) die Waldstraße, dahinter (waagerecht) die Bahnstrecke Frankfurt–Göttingen, im Vordergrund rechts (senkrecht) der Anlagenring, im Hintergrund links die Innenstadt und jenseits des Mains Fechenheim mini|hochkant=1.2|Skyline mit dem City Tower

Offenbach am Main ist mit Einwohnern () die fünftgrößte hessische Stadt, eines von zehn Oberzentren in Hessen und auf Platz 59 der größten Städte Deutschlands. Die kreisfreie Stadt liegt im Rhein-Main-Gebiet und grenzt direkt an die Nachbarstadt Frankfurt am Main, mit welcher ein zusammenhängendes Siedlungsgebiet gebildet wurde. Offenbach und Frankfurt sind über den Regionalverband FrankfurtRheinMain kooperativ verbunden.

Die ursprünglich hugenottisch geprägte Industriestadt war vor allem als Zentrum der Lederwarenindustrie bekannt. Heute ist die Großstadt ein Dienstleistungszentrum und mit der Hochschule für Gestaltung (kurz: HfG) ein Hochschulstandort mit hoher Clusterbildung im Designbereich. Außerdem befindet sich in Offenbach der Sitz des Deutschen Wetterdienstes sowie seit Juli 2025 der Fachbereich Wetterdienst der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung. Die Stadt hat unter den deutschen Großstädten den höchsten Anteil an Einwohnern mit Migrationshintergrund.

Name Offenbach ist eine Gründung aus der Zeit nach der fränkischen Reichsteilung von 561. Der Ortsname hat eine für diese Zeit typische Endung auf „-bach“. Die Herkunft ist nicht endgültig geklärt. Eine Herleitung von einem Ofen (an der Rohrmühle, dem späteren Standort des Teerfarbenwerk Oehler, wird eine römische Kalkbrennerei vermutetJohann Geiß: Der Vorgeschichte auf der Spur. In: Offenbacher Geschichtsverein: Offenbacher Geschichtsblätter. Nr. 32, 1982, , S. 67 ff.) oder dem offenen Bach gilt in der Ortsnamensforschung als wenig wahrscheinlich.Vergleiche unter anderem:

Einer neueren Auffassung zufolge steht der Ortsname in Verbindung mit dem Personennamen Ovo.Alfred Kurt: Tausend Jahre Offenbach 977 – 1977. In: Offenbacher Geschichtsverein: Offenbacher Geschichtsblätter. Nr. 26, 1977, S. 11. – In älteren Forschungen wurde auch vermutet, der Name leite sich ab von Ave (aus dem Althochdeutschen: ouwe Aue), also Auenbach.Otto Volger: Die Bedeutung des Namens der Stadt Offenbach. In: Bände 1 – 9. Bericht des Offenbacher Vereins für Naturkunde. 1860–1868, Offenbach am Main. .

Im neuhessischen Regiolekt lautet der Name „Offebach am Maa“.

Geographie Geographische Lage Die Stadt befindet sich am südlichen und südöstlichen Ufer des Mains am Mainbogen, gegenüber den Frankfurter Stadtteilen Ostend und Fechenheim und östlich der Frankfurter Stadtteile Oberrad und Sachsenhausen. Diese Lage bedeutet, dass die beiden Großstädte mittlerweile ein zusammenhängendes Siedlungsgebiet bilden. Die Bäche Bieber und Hainbach durchfließen das Stadtgebiet. Offenbach liegt an der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute. Das bebaute Stadtgebiet liegt überwiegend im Norden der Gemarkung, im Süden erstreckt sich ein großes Waldgebiet und der höchste Punkt der Stadt liegt mit auf dem Schneckenberg, der niedrigste Punkt mit vor dem Isenburger Schloss am Mainufer.

Klima Das Klima in Offenbach am Main ist warm und gemäßigt. Offenbach am Main hat während des Jahres eine erhebliche Menge an Niederschlägen zu verzeichnen. Das gilt auch für den trockensten Monat. Im Jahresdurchschnitt beträgt die Temperatur in Offenbach am Main 10,0 °C. Jährlich fallen etwa 650 mm Niederschlag.

Stadtgliederung Stadtteile Offenbach war lange Zeit nur teilweise in Stadtteile gegliedert. Weite Teile des Kernbereichs waren stadtteilfrei. Im Jahr 2010 wurde dann zunächst die östliche Innenstadt besonders als Stadtteil benannt und erhielt den Namen Mathildenviertel.Antrag Magistratsvorlage Nr. 144/10. Auf: pio.offenbach.de, vom 6. Mai 2010, abgerufen am 6. Oktober 2015. Bereits zuvor wurde dieser Name zum Teil von Bürgern verwendet. Im Juli 2019 wurde der gesamte stadtteilfreie Bereich in weitere elf Stadtteile gegliedert.

mini|Karte der Stadtteile von Offenbach am Main Das Stadtgebiet gliedert sich seitdem in 21 Stadtteile (Stadtteilnummer nebst Stadtteil):

Drei der genannten Stadtteile waren früher eigenständige Gemeinden: Bürgel wurde am 1. April 1908 nach Offenbach eingemeindetEin Stadtteil mit einer weit zurückreichenden Geschichte: Bürgel. Auf: offenbach.de, abgerufen am 6. Oktober 2015., Bieber am 1. April 1938Biebers Wahrzeichen ist 3000 Jahre alt. Auf: offenbach.de, abgerufen am 6. Oktober 2015. und Rumpenheim am 1. April 1942.

Innerhalb der einzelnen Stadtteile gibt es Viertel und Siedlungen, die nicht amtlich als separate Einheit aufgefasst werden, geografisch oder städtebaulich jedoch eine Einheit bilden. Darunter die Hans-Böckler-Siedlung in Bürgel, das Eschig an der Mühlheimer Straße, An den Eichen südlich der Mühlheimer Straße und zu Waldheim gehörend sowie Bieber-Waldhof.

Statistische Bezirke Aus statistischen Gründen ist die Stadt in statistische Bezirke unterteilt, die jeweils mit einer Nummerierung versehen sind. Die Bezirke sind wie folgt gegliedert (Stand Dezember 2015):

Nachbargemeinden Die Stadt grenzt im Westen und Norden an Frankfurt am Main, im Nordosten an die Stadt Maintal (Main-Kinzig-Kreis), im Osten an die Städte Mühlheim am Main und Obertshausen (beide Landkreis Offenbach), sowie im Süden an die Städte Heusenstamm und Neu-Isenburg (beide Landkreis Offenbach).

Stadtwald mini|Der Hainbach im Stadtwald

Der Offenbacher Stadtwald reicht als geschlossenes Waldgebiet im Süden der Stadt von Gravenbruch über Heusenstamm bis Obertshausen. Im Osten Offenbachs liegt ein weiterer Waldteil, der Lohberg. Der Stadtwald dehnt sich über eine Fläche von 1.330 Hektar aus, davon sind 1.256 Hektar baumbestanden.Hessen-Forst: Schlussbericht zur Forstbetriebsplanung Stadtwald Offenbach. Stand: 1. Januar 2017, S. 2. Online. Etwa 54 % der Waldfläche sind mit Kiefern bewachsen, 21 % mit Buchen sowie 14 % mit Eichen.Hessen-Forst: Schlussbericht zur Forstbetriebsplanung Stadtwald Offenbach. Stand: 1. Januar 2017, S. 5. Online. Eine Revierförsterei befindet sich am Rand des Stadtteils Bieber, Forstbehörde ist das Forstamt Langen.

In der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurden im Stadtwald Scheindörfer angelegt, welche die Bombenangriffe von der Stadt ablenken sollten. Bombensplitter in älteren Bäumen zeugen noch heute von zahlreichen irregeleiteten Bombenabwürfen.

Geschichte Frühgeschichte mini|Lage der Provinz Obergermanien

Bei Ausgrabungen in der Gemarkung Offenbach wurden Funde aus der Steinzeit gemacht. Jedoch ist nicht davon auszugehen, dass zwischen den Steinzeitmenschen und der fränkischen Besiedlung eine Kontinuität bestand.

Bereits in römischer Zeit verlief durch das Offenbacher Gebiet eine Römerstraße über Offenbach (Bernardstraße) zu einer vermuteten Römerbrücke in Bürgel und weiter über Mühlheim am Main nach Steinheim. Auch in Bieber und Offenbach-Bürgel sind römische Spuren nachgewiesen.. Die Karte gibt die Fundorte nur ungefähr an, um Schäden durch selbsterklärte aber unerfahrene Archäologen zu vermeiden. PDF, 45 kB. Ebenso durchzogen römische Straßen die Offenbacher Gemarkung und kreuzten sich vermutlich bei Bieber („Indianerpfad“). Die Gegend gehörte der römischen Civitas Auderiensium in der Provinz Obergermanien an.

Aus dem 6. oder 7. Jahrhundert ist südlich des ältesten Ortskernes an der Waldstraße ein fränkischer Reihenfriedhof erhalten.

Mittelalter mini|Goldgulden Werner von Falkensteins Bereits in den Jahren 770 (für Rumpenheim), 790 (Bürgel) und 791 (Bieber) finden sich die ersten urkundlichen Erwähnungen der im 20. Jahrhundert eingemeindeten heutigen Stadtteile. Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt Offenbach stammt vom 12. April 977: Kaiser Otto II. beurkundete eine Schenkung in Offenbach an die Salvatorkirche (den späteren Dom) in Frankfurt am Main.

Früher war der Ort Teil des Maingaues und die umliegenden Wälder gehörten zum Wildbann Dreieich. Dieser unterhielt in Offenbach eine seiner 30 Wildhuben. Vom Mittelalter bis 1819 war Offenbach Teil der Biebermark.

Offenbach wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrmals den Besitzer. Einer der ersten Besitzer waren die Herren von Hagen-Münzenberg, die Offenbach aufgrund ihres Amtes als Reichsvögte der Dreieich besaßen. Mit der Münzenberger Erbschaft 1255 fiel Offenbach an die Herren von Falkenstein. 1372 wurde Offenbach von Graf Philipp von Falkenstein für 1000 Gulden an den Rat der Stadt Frankfurt verpfändet. Werner III. von Falkenstein, Erzbischof von Trier und als Falkensteiner Landesherr in Offenbach, ließ um 1400 am Main ein Schloss bauen und Münzen prägen. Die Stadt Frankfurt fühlte sich dadurch provoziert und protestierte dagegen. Bei der Teilung der Falkensteiner Erbschaft 1433 fiel Offenbach an Sayn und Isenburg. 1446 verkaufte Graf Dieter von Sayn den sayn’schen Anteil an Graf Reinhard II. von Hanau. Bei der Abspaltung der Grafschaft Hanau-Babenhausen von dem später Grafschaft Hanau-Münzenberg genannten Landesteil 1458 fiel die Hanau zustehende Hälfte Offenbachs, wie alle Hanauer Besitzungen südlich des Mains, an Hanau-Babenhausen. Bei einem Vergleich zwischen Hanau-Babenhausen und Isenburg wurde der Hanauer Anteil an Offenbach 1500 an Isenburg abgetreten.Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: 'Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900 – 1806 = Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63. Marburg 2014. ISBN 978-3-942225-17-5, S. 196–230, S. 207.

Isenburgische Residenz mini|Offenbach – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655 mini|Ansicht von Offenbach in den 1770er Jahren(Zeichnung von Johann Caspar Zehender) Offenbach diente unter Graf Reinhard von Isenburg-Birstein dem Adelsgeschlecht als Residenz. Sie ließen das Isenburger Schloss errichten. 1559 wurde in Offenbach die Reformation eingeführt. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die bayerische Besatzung Offenbachs 1631 von den Schweden vertrieben und im Schloss die Kapitulation der Reichsstadt Frankfurt von König Gustav Adolf entgegengenommen.

1698 nahm Graf Johann Philipp von Isenburg-Offenbach hugenottische Flüchtlinge im Ort auf, sie gründeten ihre eigene Gemeinde, westlich der bestehenden. Somit wuchs das Dorf Offenbach zu einer Minderstadt an. Dieser Westteil entwickelte sich im Laufe des 18. Jahrhunderts zur Stadt. Die Hugenotten brachten das Wissen um die Tabakverarbeitung nach Offenbach und erschlossen damit einen Wachstumsmarkt des 18. Jahrhunderts.

Da Frankfurt keine Gewerbefreiheit zuließ, wanderten die Manufakturisten über die damalige Landesgrenze nach Offenbach ab, wo sie von den gewerbefreundlichen zu Isenburgern ein Regal bewilligt bekamen.

Im Jahr 1739 fand die Grundsteinlegung zur lutherischen Kirche – der heutigen Evangelischen Stadtkirche – statt. Die Bauarbeiten und die Ausstattung der Kirche wurden durch mehrere evangelische Reichsfürsten unterstützt, deren Gesandte sich im Frühjahr 1741 in Offenbach aufgrund der im benachbarten Frankfurt anstehenden Wahl Kaiser Karls VII. zusammengefunden hatten. 1768 wird der Aliceplatz, der diesen Namen seit 1879 trägt, als neuer Marktplatz angelegt. Er hieß zwischenzeitlich Paradeplatz, weil die isenburgischen Soldaten auf ihm Übungen abhielten.