mini|Anfang einer Abschrift der Urfassung des Dekadikon von 1369|alternativtext=Im Text ist die Seite einer Handschrift in lateinischer Schrift zu sehen. Der Text ist in eine Überschrift und einen Korpus gegliedert. An den Rändern stehen einige Wörter. In der linken oberen Ecke ist eine Verschnörkelung zu sehen.Johannes Klenkok (* um 1310 auf Schloss Hoya auf einer Insel im Mittellauf der Weser; † 15. Juni 1374 in Avignon in der Provence) war ein Theologe und Augustinermönch. Klenkok wurde als Sohn eines Burgmanns der Grafschaft Hoya geboren. Er trat in den 1340er Jahren in den Augustinerorden ein und absolvierte ein Studium der Theologie und der Sententiae des Petrus Lombardus. Im Anschluss an diese Studien lehrte er an der Universität Oxford. Überliefert ist aus dieser Zeit vor allem seine Kritik an den Lehren des Pelagianismus und an Personen, denen er vorwarf, diese Lehren zu vertreten. Nach wenigen Jahren der Lehrtätigkeit kehrte er in seine Heimatprovinz Magdeburg zurück. Dort führte er seine Tätigkeit als Lehrer an Schulen seines Ordens fort und fungierte darüber hinaus als Provinzial.
Über die Grenzen des theologischen Diskurses hinaus wurde Klenkok durch seinen Dekadikon gegen einige Sätze des Sachsenspiegels bekannt, des überaus bedeutenden Rechtsbuches. In seiner Schrift setzte er sich mit einigen Artikeln auseinander, die nach seiner Auffassung insbesondere gegen göttliches und kirchliches Recht verstießen. Sein Werk stieß seinerseits auf erhebliche Kritik, insbesondere beim Stadtrat von Magdeburg. Trotz dessen vehementer Beanstandung von Klenkoks Argumentation führte die Schrift letztlich zu einem Teilerfolg, denn Papst Gregor XI. verdammte manche der von Klenkok kritisierten Artikel in der 1374 erlassenen Bulle Salvator Humani Generis. Klenkok wurde Inquisitor im mährischen Brünn. Seine beiden letzten Jahre verbrachte er am päpstlichen Hof in Avignon als Päpstlicher Pönitentiar. Dort starb er wohl an der Pest.
Das Bild Klenkoks in der Forschung des 19. Jahrhunderts war vor allem von der ablehnenden rechtshistorischen Einschätzung seiner Argumentation gegen den Sachsenspiegel geprägt. Erst im 20. Jahrhundert entwickelte die Forschung eine differenzierte Bewertung seines Wirkens. Dabei begann sie die theologischen Schriften des Mönchs in den Blick zu nehmen. Die Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass Klenkoks Schriften, die vor allem die Theologie des Augustinus rezipierten, zu seinen Lebzeiten und auch noch einige Zeit danach Beachtung bei einer Reihe von Theologen fanden und er selbst als ein bedeutender Theologe seiner Zeit angesehen wurde. Nach seinem Tode gerieten seine theologischen Schriften jedoch in Vergessenheit.
Leben mini|Das Schloss Hoya im Jahre 1855|alternativtext=Das Bild ist eine schwarz-Weiß Zeichnung. Sie zeigt eine Burg, die von einem Wassergraben umgeben ist. Im linken Teil der Burg steht ein hoher Turm, der ein Spitzdach hat. Der rechte Teil der Burg besteht aus mehreren kleineren Häusern, die im Kreisrund um den Turm gebaut sind. mini|Ansicht Hoyas bei Matthäus Merian, erschienen 1647, rechts das Schloss
Frühes Leben
Familie Johannes Klenkok wurde als Sohn des Burgmanns in ThedinghausenHeiner Lück: Johannes Klenkok (um 1310–1374). In: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, Sp. 1888–1890. Heinrich Klenkok und dessen Gattin Margarete geboren. Klenkok schreibt in seinem Werk Postilla Super Actus Apostolorum, dass er in der Burg des Grafen von Hoya geboren worden sei. In einer in Niedersächsisch abgefassten Handschrift des Sachsenspiegels aus dem Jahr 1417, die neben den articuli reprobati auch eine biographische Anmerkung zu Klenkok enthält, wurde als Geburtsort Bücken angegeben. Dies führte zur Übernahme des Ortes durch frühe Biographen wie Carl Gustav Homeyer und Hans Böhlau,Christopher Ocker: Johannes Klenkok: a friar’s life, c. 1310–1374. 1993, S. 9. aber auch noch von Ruth Schmidt-Wiegand in der Neuen Deutschen Biographie.Ruth Schmidt-Wiegand: Johannes Klenkok. In: Neue Deutsche Biographie, Band 12, S. 43. Der Theologe Christopher Ocker hält diese Angabe nicht nur aufgrund der persönlichen Bemerkung Klenkoks für falsch. Er begründet seine Ansicht mit der Stellung von Klenkoks Vater: Dieser war Ritter. Ein Rittersitz lasse sich in Bücken jedoch nicht nachweisen. Ocker hält es aufgrund einiger Bemerkungen Klenkoks für möglich, dass er in der Wasserburg, dem Schloss Hoya, nicht nur geboren wurde, sondern auch aufgewachsen ist.Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla ” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 18–19.
Seit 1290 stand Thedinghausen nicht mehr unter der Kontrolle des Erzbischofs von Bremen, sondern unter der des Grafen von Hoya. Im Jahr 1314 wurde Thedinghausen vom Erzbischof zurückerobert. Daher wird Klenkoks Geburt meist in die Zeit zwischen 1290 und 1314 datiert, wobei Christopher Ocker der Ansicht ist, dass auch die Jahre bis 1320 als Geburtsjahre noch möglich sind.Christopher Ocker: Johannes Klenkok: a friar’s life, c. 1310–1374. 1993, S. 7–9.
Klenkok hatte mindestens zwei Brüder, die in einem Dokument von 1324 genannt werden. Ihre Namen waren Tideric und Ortigse. Tideric scheint der älteste der Brüder gewesen zu sein, da er offenbar den verstorbenen Vater beerbte und selbst im Jahr 1328 den Titel eines Ritters von Thedinghausen trug. Die Mutter der drei Brüder, Margarete Klenkok, muss aber noch bis 1342 gelebt haben, dem Zeitpunkt eines Erbstreits zwischen Johannes und seinem Bruder Tideric (Ortigse muss inzwischen verstorben sein) als einer Partei und seinen vermutlichen Cousins Rudolf, Hartbert, Alard, Herbord und Konrad als anderer Partei. Gegenstand des Streites war der Verkauf eines Familiengutes durch Johannes und Tideric Klenkok. In ihrer Klage gegen diese Veräußerung bezogen die Cousins sich auf eine Bestimmung im Sachsenspiegel, die den Verkauf von Familiengütern unter bestimmten Voraussetzungen verbot. Graf Gerhard von Hoya entschied am 13. November 1343 zugunsten von Johannes und Tideric. Trotz dieses Erfolgs im Erbstreit wird diese rechtliche Auseinandersetzung als der mögliche Beginn von Johannes Klenkoks Abneigung gegen den Sachsenspiegel angesehen.Christopher Ocker: Johannes Klenkok: a friar’s life, c. 1310–1374. 1993, S. 10–11. Für eine ausführlichere Darstellung der Stimmen zu der Frage von Klenkoks Motivation siehe Lars Rentmeister: Staat und Kirche im späten Mittelalter – Der Schriftwechsel zwischen Johannes Klenkok und Herbord von Spangenberg über den Sachsenspiegel. S. 87 ff.
Eintritt in den Stand des Klerikers und den Augustinerorden in den 1340er Jahren Klenkok verließ nun seine Familie. Die nächste urkundliche Erwähnung wird in das Jahr 1343 datiert; in dieser Urkunde wird Klenkok bereits als Geistlicher bezeichnet.Ruth Schmidt-Wiegand: Johannes Klenkok. In: Neue Deutsche Biographie, Band 12, S. 43. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits seine Subdiakonen-Weihe erhalten. Auffallend ist, dass die Urkunde sich mit Familienangelegenheiten beschäftigte, Klenkok also trotz Eintritts in den Stand eines Klerikers weiterhin mit der Familie in Kontakt stand.Christopher Ocker: Johannes Klenkok: a friar’s life, c. 1310–1374. 1993, S. 11; In einem anderen Werk hält er es auch für ungewöhnlich, dass beide Brüder nur im Rahmen von Verkäufen, aber nie von Käufen auftreten. Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla ” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 21.
In einer in das Jahr 1346 datierten Urkunde wird Johannes Klenkok als Mönch des Augustinerordens beschrieben. Wo er ins Kloster eintrat, ist unklar. Zumeist nimmt die Forschung das Kloster in Herford an, gestützt auf einen Bericht des Augustiners Johannes Schiphower.Christopher Ocker: Johannes Klenkok: a friar’s life, c. 1310–1374. 1993, S. 12; Von Herford sprechen bspw. Andere Studien nennen hingegen BolognaHeiner Lück: Johannes Klenkok (um 1310–1374). In: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, Sp. 1888–1890; So hält Damasus Trapp es auch für wahrscheinlich, weil er auch noch ein Studium Klenkoks in Bologna annahm, vgl. Notes on John Klenkok O.S.A. († 1374). In: Augustinianum, Band 4, 1964, S. 358. oder Osnabrück. Diese Urkunde aus dem Jahr 1346 erwähnt Klenkok im Kontext von Familienangelegenheiten. Deshalb wird angenommen, dass er sich zu dieser Zeit noch im Noviziat befand und somit frühestens 1345 in den Orden eingetreten ist.Christopher Ocker: Johannes Klenkok: a friar’s life, c. 1310–1374. 1993, S. 12; Nach dem Noviziat hätte Klenkok nämlich die Ansprüche auf das Familienvermögen aufgegeben und da das Noviziat nur etwa ein Jahr andauerte, konnte er noch nicht länger als ein Jahr im Orden gewesen sein, vgl. Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla ” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 22. Christopher Ocker vermutet, dass Klenkok nicht nur in Osnabrück in den Orden eingetreten sei, sondern dort ebenso die Subdiakonenweihe erhalten und seine priesterliche Ausbildung erfahren haben könnte.Christopher Ocker: Johannes Klenkok: a friar’s life, c. 1310–1374. 1993, S. 13; in seiner Dissertation zwei Jahre früher begründet er dies unter anderem mit der Vertrautheit Klenkoks mit der Osnabrücker Tradition der Verteilung von Almosen, vgl. Christopher Ocker: Interpretation, authority, and religious community in fourteenth-century Germany: The “Postilla ” of Johannes Klenkok (c. 1310—1374) on the Acts of the Apostles in its cultural and intellectual contexts. 1991, S. 20.
Jahre des Studiums und der Lehrtätigkeit, Paris und Oxford