Der Australische Amethystpython (Simalia kinghorni, Syn.: Morelia kinghorni), auch Kinghorns Python, zählt zur Familie der Pythons (Pythonidae) und wird dort in die Gattung der Amethystpythons (Simalia) gestellt. Er wurde erst im Jahr 2000 als eigene Art vom Amethystpython abgetrennt. Mit gesicherten Längen über fünf Meter ist dieser schlanke Python die weitaus größte Schlange Australiens und gleichzeitig eine der längsten Schlangen der Welt. Das Verbreitungsgebiet umfasst den tropischen Nordosten Australiens und ein paar vorgelagerte Inseln der Torres-Straße. Hier bewohnt er vordergründig dichten tropischen Regenwald, wo er etwa die Hälfte der Zeit auf Bäumen verbringt. Die Nahrung besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Wirbeltiere, die der Größe des Pythons angepasst werden. Große Individuen erbeuten relativ häufig kleine Kängurus, die selten gegen 10 Kilogramm schwer sein können. Australische Amethystpythons sind wie alle Arten der Pythonidae eierlegend (ovipar) und gehören zu den Arten, bei denen die Weibchen die Bebrütungstemperatur durch Muskelzittern erhöhen können.
Beschreibung Körperbau Der Australische Amethystpython ist ein schlanker, aber dennoch ziemlich kräftig gebauter Python. Sein langer Schwanz ist bei Männchen länger ausgebildet und macht bei diesen bis über 15 %A. Freeman, A. Freeman: Habitat Use in a Large Rainforst Python (Morelia kinghorni) in the Wet Tropics of North Queensland, Australia. Herpetological Conservation and Biology 4, Heft 2, 2009, S. 252–260, online, pdf der Gesamtlänge aus. Der große Kopf ist deutlich vom Hals abgesetzt und bei adulten Weibchen deutlich verbreitert. Die Augen liegen an der Kopfseite und sind leicht nach vorne gerichtet. Die rundliche, von oben betrachtet halbovale Schnauze ist bei Männchen länger ausgeprägt als bei Weibchen. Ihr sitzen die runden Nasenlöcher schräg zwischen Kopfoberseite und Kopfseite auf.
Beschuppung Das von oben nur mäßig sichtbare Rostrale (Schnauzenschild) hat, wie bei den meisten anderen Pythons auch, zwei tiefe Labialgruben.O. G. Stull: Two new subspecies of the family Boidae. Occasional Papers of the Museum of Zoology, University of Michigan 267, 1933, S. 1–4, online, pdf Die Nasenlöcher sind jeweils im oberen hinteren Teil des großen Nasale (Nasenschild) positioniert. Vom Nasenloch bis zum Hinterrand des Schildes zieht eine gut erkennbare Naht. Zur Kopfmitte hin sind die Nasalia von einem Paar Internasalia (Zwischennasenschilden) separiert. Von der Schnauzenspitze her entlang der Mittellinie der Kopfoberseite folgen den Internasalia ein großes langes vorderes Paar Präfrontalia (Vorstirnschilde). Dieses hat meist großflächigen Kontakt zum dahinter liegenden einfachen großen Frontale (Stirnschild). Das hintere Paar Präfrontalia liegt den vorderen Präfrontalia seitlich an und wird durch dieses komplett getrennt. Hinter dem Frontale schließen drei Paar große Parietalia (Scheitelschilde) an. Auf der Mittellinie zwischen diesen Schildpaaren können ein bis zwei kleine Interparietalia (Zwischenscheitelschilde) liegen. Über den Augen befindet sich je ein großes dreieckiges Supraoculare (Überaugenschild). Präocularia (Voraugenschilde) existieren zwei bis drei, Postocularia (Hinteraugenschilde) drei bis fünf. Subocularia (Unteraugenschilder) fehlen bei dieser Art.
Auf der Seite des Kopfes zwischen Auge und Nasenloch liegen in ein bis drei Reihen angeordnet 7 bis 12 Lorealia (Zügelschilde). Von den 12 bis 14 Supralabialia (Oberlippenschilde) tragen die vordersten vier an ihrem hinteren Rand tiefe Labialgrube, wobei die Labialgrubengröße gegen den Maulwinkel hin abnimmt. Supralabialia Nummer 7 und 8 berühren zudem den Augenunterrand. Infralabialia (Unterlippenschilde) gibt es 20 bis 24, wovon die vordersten zwei schwach erkennbare, und ab Nummer 10 bis 12 acht bis neun Unterlippenschilde tiefe Labialgruben tragen. Die Kinngrube besteht aus schilderloser Haut oder selten auch wenigen kleinen Schilden.
Die Anzahl der Ventralia (Bauchschilde) variiert zwischen 328 und 344, die Anzahl der dorsalen Schuppenreihen in der Körpermitte zwischen 51 und 55. Von der Kloake bis zur Schwanzspitze finden sich 108 bis 116 meist paarige Subcaudalia (Schwanzunterseitenschilde). Das Anale (Analschild) ist ungeteilt.S. B. McDowell: A catalogue of the snakes of New Guinea an the Solomons, with spezial reference to those in the Bernice P. Bishop Museum. Part II. Anilioidea and Pythoninae. Journal of Herpetology 9, 1975, S. 1–79.(Anhand der beschriebenen Lokalitäten, wurden so weit wie möglich artspezifische Daten entnommen, die auf die heutige Morelia kinghorni zutreffen)
Färbung hochkant=1.2|mini|Australischer Amethystpython Vom Australischen Amethystpython sind keine ungemusterten oder axanthischen Farbmorphen bekannt. Die Körpergrundfarbe ist hellbraun und wird auf dem Bauch zu weißgrau aufgehellt. Entlang der Wirbelsäule verläuft eine breite, unregelmäßige, dunkelbraune bis schwarze Querbänderung und auf den Flanken je zwei unregelmäßige, teilweise unterbrochene dunkelbraune bis schwarze Längsbänder. Dabei gehen die Rückenbändern untereinander häufig Verbindungen ein und fusionieren zusätzlich oft mit den Längsbändern der Flanken. Auf der hinteren Körperhälfte zum Schwanz hin werden die Rückenbänder meist länger und dehnen sich auf die Flanken aus, wodurch der Schwanz teilweise geringelt erscheint.
Kopfoberseite und Kopfseite entsprechen der Körpergrundfarbe. Viele ihrer Schilde sind von einer feinen schwarzen Linie umrahmt. Lippen, Kinn und Kehle sind weißgrau. Ein dunkles Band zieht vom Augenhinterrand über den Oberrand der Oberlippenschilde bis zum Maulwinkel. Über den Hinterkopf verläuft von Maulwinkel zu Maulwinkel ein schwarzes Nackenband. Oft ist auch ein zweites, parallel dazu verlaufendes hinteres Nackenband oder ein simpler Nackenfleck vorhanden. Die Iris ist bei diesem Amethystpython golden.
Farbwechsel Die Art zeigt einen gut ausgeprägten ontogenetischen Farbwechsel. Frisch geschlüpfte Jungtiere sind braun und besitzen eine matte Musterung. Sie werden jedoch bereits nach ihrer ersten Häutung rötlichbraun und ihr Muster kontrastreicher. Australische Amethystpythons sind des Weiteren befähigt unter Umwelteinflüssen ihre Farben über eine Periode von zirka 24 Stunden in geringem Maße zu intensivieren oder abzuschwächen. Auch während der kühlen Wintermonate und der Tragzeit werden Weibchen generell dunkler.M. B. Harvey, D. G. Barker, L. K. Ammerman, P. T. Chippindale: Systematics of Pythons of the Morelia amethistina Complex (Serpentes: Boidae) with the Description of three new Species. Herpetological Monographs 14, 2000, S. 139–185.
Länge Australische Amethystpythons zeigen bezüglich Länge und Masse einen starken Geschlechtsdimorphismus. Männchen erreichen die Geschlechtsreife bereits mit einer Kopf-Rumpf-Länge von zirka 1,34 Meter, Weibchen hingegen erst mit einer Kopf-Rumpf-Länge von etwa 2,27 Meter. Im Gegensatz zu vielen anderen Pythons werden bei dieser Art die Männchen oft über einen Drittel länger und bis doppelt so schwerer wie Weibchen. Am Tully, einem Fluss zirka 140 Kilometer südlich von Cairns, wurden 24 adulte Weibchen vermessen. Diese hatten im Mittel eine Kopf-Rumpf-Länge von 2,68 Meter und eine Masse von 3,4 Kilogramm. Am selben Ort wurde an 80 adulte Männchen eine mittlere Kopf-Rumpf-Länge von 2,91 Meter und eine Masse von 5,1 Kilogramm ermittelt. Hiervon besaß das größte Männchen eine Kopf-Rumpf-Länge von 3,76 Meter und ein Gewicht von 11 Kilogramm.S. Fearn, L. Schwarzkopf, R. Shine: Giant snakes in tropical forests: a field study of the Australian scrub python, Morelia kinghorni. Wildlife Research 32, 2005, S. 1–9. Eine weitere Untersuchung einer geringeren Anzahl adulter Tiere auf den Atherton Tablelands lieferte sehr ähnliche Ergebnisse.A. Freeman, C. Bruce: The Things You Find on the Road: Roadkill and Incidental Data as an Indicator of Habitat Use in Two Species of Tropical Pythons. In: R. W. Henderson, R. Powell (Hrsg.): Biology of the Boas and Pythons. Eagle Mountain Publishing Company, Eagle Mountain 2007, ISBN 978-0-9720154-3-1, S. 153–165.
In der Vergangenheit hatten wiederholt Längenangaben über 6 Meter langer Individuen Einzug in die Literatur, die heute allesamt nicht mehr nachprüfbar sind und unter anderem von Fearn & Sambono (2000) stark bezweifelt werden. Die extremsten Angaben stammen von Worell, der 1954 aus zweiter Hand von einem angeblich 8,5 Meter langen Tier aus Greenhill in Cairns berichtet, dieses 1958 noch als 7,6 Meter lang beschreibt und selbiges 1963 wiederholt unter der Erstlänge erwähnt. Dabei lässt er offen, ob sich die Masse auf einen Kadaver oder eine möglicherweise um mehr als 3 Meter gedehnte Haut beziehen. Auch Dean beschreibt 1954 ein extrem großes Individuum aus den Barron Falls mit einer Gesamtlänge von 7,2 Meter, das allerdings aus einem seit mehr als zwei Tagen in den Tropen verwesenden, künstlich in die Länge gezogenen Kadaver bestand. Das größte bis heute seriös vermessene Australische Amethystpythonweibchen wurde 2000 in Palm Cove bei Cairns gefangen, hatte eine Gesamtlänge von 5,65 Meter, wobei 12 Zentimeter auf den Kopf und 75 Zentimeter auf den Schwanz entfallen, einem Umfang in der Körpermitte von 36 Zentimeter und einer Masse von 24 Kilogramm.S. L. Fearn, J. Sambono: A reliable size record for the Scrub Python Morelia amethistina (Serpentes: Pythonidae) in north east Queensland. Herpetofauna 30, 2000, S. 2–6. Das größte bisher seriös vermessene Männchen wurde 2002 in Kuranda entdeckt, war gesamthaft 5,33 Meter lang, wovon der Kopf 11 Zentimeter und der unvollständige Schwanz 60 Zentimeter ausmachten und wog 17 Kilogramm.S. L. Fearn: Notes on a maximal sized Scrub Python Morelia amethistina (Serpentes: Pythonidae) from Kuranda, North East Queensland. Herpetofauna 32, 2002, S. 2–3.
Verbreitung und Lebensraum hochkant=1.2|mini|Verbreitungsgebiet des Australischen Amethystpythons (Grün), Tanimbar-Pythons (Schwarz), Halmahera-Pythons (Violett), sowie des Neuguinea- (Rot, Dunkel- & Hellorange, Gelb) und Seram-Pythons (Blau) Sein Verbreitungsgebiet umfasst das tropische nordostaustralische Festland sowie mehrere Inseln der Torres-Straße vor der Kap-York-Halbinsel. Auf dem Festland erstreckt sich sein Vorkommen von der Spitze der Kap-York-Halbinsel südliche entlang des küstennahen Regenwaldes durch die Atherton Tablelands, die bewaldeten östlichen Gebirgsausläufer der Great Dividing Range, entlang der Küste über Mount Spec bis zum Burdekin River südlich von Townsville.S. L. Fearn, D. Trembath: Southern distribution limits and a traslocated population of scrub python Morelia kinghorni (Serpentes: Pythonidae) in tropical Queensland. Herpetofauna 36, Heft 2, 2006, S. 85–87. 2004 wurde zudem eine noch südlicher gelegene Population im Regenwald bei Conway, südlich von Airlie Beach, beschrieben.J. Augusteyn: Southerly range extension for the amethystine python Morelia kinghorni (Squamata: Boidae) in Queensland. Memoirs of the Queensland Museum 49, Heft 2, 2004, S. 602, online, pdf Genaue Informationen über die Populationsgröße sowie allfällige Verbindungen zu nördlicheren Populationen liegen noch nicht vor. Sie steht allerdings unter Verdacht 1990 durch entwichene adulte Tiere aus einem dortigen Zoo begründet worden zu sein und sich seither erfolgreich auszubreiten.
Der Australische Amethystpython lebt vordergründig in dichtem Primärem- und Sekundärem Regenwald. Daneben bewohnt er auch Buschwald, Eukalyptuswald und Hartlaubvegetation. Gelegentlich wird er auch im hohen Gras von Waldlichtungen und Waldrändern angetroffen und dringt offenbar ab und zu auch auf Farmland und Farmen vor.