Die 5. Internationale Friedensfahrt war ein Radrennen, das vom 30. April bis zum 13. Mai 1952 ausgetragen wurde.

Die fünfte Ausgabe des Amateur-Radetappenrennens bestand aus zwölf Einzeletappen und führte auf einer Gesamtlänge von 2135 Kilometer von Warschau über Berlin nach Prag. Somit wurde die Friedensfahrt erstmals auch auf dem Boden der DDR ausgetragen.

Gesamtsieger wurde der Schotte Ian Steel, ohne eine Etappe gewonnen zu haben.

Alle Teams und Fahrer Insgesamt starteten 98 Fahrer aus 16 Ländern zur ersten Etappe in Warschau. 65 von ihnen erreichten das Rundfahrtziel in Prag.Illustrierter Radsport, Ausgabe vom 2. Juni 1952, Heft 10, Rückblick auf große Tage, Seite 6, Herausgeber: Sportverlag GmbH Mit Jan Veselý war der Rundfahrtsieger von 1949 am Start. Teilnehmende Nationen waren Belgien, Österreich, Vereinigtes Königreich, Bulgarien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Niederlande, Rumänien, Triest, Ungarn, Polen, Italien, DDR, Tschechoslowakei und Albanien. Zusätzlich trat ein Team mit in Frankreich lebenden Polen an. Für Albanien startete nur ein Fahrer, die Mannschaften aus Italien, Frankreich und die der in Frankreich lebenden Polen traten mit fünf Fahrern an, alle anderen Mannschaften starteten mit sechs Fahrern. Für die Mannschaft aus der DDR war erstmals Gustav-Adolf Schur im Aufgebot, der die Rundfahrt in der Folge zweimal gewinnen konnte, (1955 und 1959). In der Mannschaft der in Frankreich lebenden Polen startete auch der spätere Profi-Weltmeister Jean Stablinski (noch unter seinem polnischen Namen Jan Stablewski, den er später änderte). Die Mannschaft Frankreichs bestand aus Fahrern des französischen Arbeitersportbundes Fédération sportive et gymnique du travail (FSGT).

Mit 38 Jahren war der Franzose Eugène Garnier der älteste Teilnehmer der Rundfahrt.Illustrierter Radsport, Ausgabe vom 17. Mai 1952, Garnier sagt "Unvorstellbar!", Seite 3, Herausgeber: Sportverlag GmbH

+ 1 – Bevis Wood 2 – Frank Seel 3 – Les Scales 4 – Ken Jowett 5 – Ian Steel 6 – Ian Greenfield + 7 – Alfred Sitzwohl 8 – Franz Deutsch 9 – Franz Weißenbacher 10 – Johann Karlik 11 – Karl Cerkovnik 12 – Franz Skrucny + 13 – Gustaaf Verschueren 14 – Raymond Van Hoven 15 – Frans Van Looveren 16 – Robert Raymond 17 – Joseph Bauwens 18 – Joseph Verhelst + 19 – Dimitar Bobtschew 20 – Bojan Kozew 21 – Petar Dimitrow Georgiew 22 – Dimitar Kolew 23 – Milko Dimow 24 – Ilja Krestew + 25 – Gunnar Røpke 26 – Christian Pedersen 27 – Helge Hansen 28 – Finn Christoffersen 29 – Frank Jensen 30 – Jörgen Falkbøll + 31 – Onni Niemi 32 – Veikko Haaga 33 – Veikko Kasslin 34 – Sulo Punkinen 35 – Eino Salminen 36 – Veikko Kasslin + 37 – Eugène Garnier 38 – Andre Laurent 39 – Robert Jonet 40 – Gabriel Audemard 41 – Pierre Favier

+ 43 – Albertus Donkert 44 – Johannes la Grouw 45 – Wilhelmus Remkes 46 – Daan de Groot 47 – Johannes van Ingen 48 – Andre van Neerden + 55 – Ervant Norhadian 56 – Constantin Șandru 57 – Petre Nuță 58 – Marin Dumitrescu 59 – Nicolae Maxim 60 – Nicolae Chicomban + Triest 61 – Giuliano Donadell 62 – Giuseppe Bordon 63 – Enrico Sossi 64 – Livio Zanolla 65 – Merano Mallich 66 – Vittorio Zorzenon + 67 – Tibor Vida 68 – Gyula Sere 69 – Pál Kucsera 70 – Gyula Domjan 71 – Mihály Mayer 72 – Lajos Szabó + 73 – Domenico Perrotti 74 – Edmondo Galotta 75 – Francesco Parisini 76 – Alberto Ferri 77 – Luigi Federici

+ 79 – Rudi Kirchhoff 80 – Heinz Gleinig 81 – Paul Dinter 82 – Gustav-Adolf Schur 83 – Bernhard Trefflich 84 – Horst Gaede + 85 – Jan Veselý 86 – Karel Nesl 87 – Stanislav Svoboda 88 – Jan Kněžourek 89 – Josef Skořepa 90 – Lubomir Puklicky + /In Frankreich lebende Polen 91 – Jan Stablewski 92 – Jan Kuznicki 93 – Henryk Salyga 94 – Ryszard Kruszyna 95 – Konrad Lipka

+ 97 – Henryk Hadasik 98 – Jerzy Jarzabek 99 – Władysław Klabiński 100 – Stanisław Królak 101 – Wacław Wrzesinski 102 – Wacław Wójcik + 102a – Pirro Angjeli

Trikots Bei dieser Rundfahrt wurden zwei Trikots vergeben: das Gelbe Trikot des Gesamtbesten und das Blaue der besten Mannschaft.

Am Ende jeder Etappe erhielt der Sieger eine Gutschrift von einer Minute für die Gesamteinzelwertung und damit für das Gelbe Trikot.

Des Weiteren wurden auf den Etappen mehrere Prämienwertungen (Sprints und/oder Bergwertungen) ausgefahren. Auf dem Gebiet der DDR stellten Betriebe und Organisationen hierzu Prämien oder Ehrenpreise bereit.Illustrierter Radsport, Ausgabe vom 3. April 1952, Heft 5, Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, Seite 3 So gab es beispielsweise auf der sechsten Etappe bei der Wertung in Vetschau einen Fotoapparat vom Rat des Kreises Cottbus und bei der Wertung in Lübben einen ersten Preis im Wert von 300 DM vom Energiebezirk Mitte VVB Calau zu erspurten.Illustrierter Radsport, Ausgabe vom 2. Mai 1952, Heft 7, Wo wird um Prämien gespurtet, Seite 7, Herausgeber: Sportverlag GmbH

Etappenübersicht Die Rundfahrt führte in zwölf Etappen auf 2135 Kilometern von Warschau über Berlin nach Prag. Die dritte Etappe von Łódź nach Chorzów war mit 223 Kilometern der längste Tagesabschnitt. Nach der fünften und nach der neunten Etappe wurde jeweils ein Ruhetag eingelegt. Es gab elf verschiedene Etappensieger, nur der in Frankreich lebende Pole Jan Stablewski sicherte sich zwei Tageserfolge. Etappe Datum Start – Ziel Etappensieger Etappen-länge FahrzeitBei allen Zeitangaben sind die Etappenzeitgutschriften bereits mit eingerechnet.1. Etappe 30. April Rund um Warschau Gustaaf Verschueren 105 km 2:34:14 h2. Etappe 1. Mai Warschau – Łódź Stanislav Svoboda 139 km 3:50:15 h3. Etappe 2. Mai Łódź – Chorzów Jan Stablewski / 223 km 5:16:04 h4. Etappe 3. Mai Katowice – Wrocław Dimitar Bobtschew 189 km 4:36:43 h5. Etappe 4. Mai Wrocław – Görlitz 180 km 4:44:14 h6. Etappe 6. Mai Bautzen – Berlin Franz Deutsch 208 km 5:30:36 h7. Etappe 7. Mai Berlin – Leipzig Jan Kuznicki / 205 km 5:29:42 h8. Etappe 8. Mai Leipzig – Chemnitz 212 km 5:53:12 h9. Etappe 9. Mai Chemnitz – Bad Schandau Jan Veselý 117 km 3:10:22 h10. Etappe 11. Mai Hřensko – Plzeň Jan Stablewski / 210 km 5:50:54 h11. Etappe 12. Mai Plzeň – České Budějovice Daan de Groot 152 km 3:52:46 h12. Etappe 13. Mai České Budějovice – Prag Josef Skořepa 195 km 5:29:44 h

Trikots im Rundfahrtverlauf Die Tabelle zeigt den Führenden in der jeweiligen Wertung zu Beginn jeder Etappe an.

Etappe Gelbes Trikot20px Teamwertung20px 1. Etappe nicht vergeben nicht vergeben 2. Etappe Gustaaf Verschueren 3. Etappe 4. Etappe Jan Stablewski 5. Etappe 6. Etappe 7. Etappe 8. Etappe Jan Veselý 9. Etappe Ian Steel 10. Etappe 11. Etappe 12. Etappe Sieger Ian Steel

Etappen im Detail Bei allen Zeitangaben sind die Etappenzeitgutschriften bereits mit eingerechnet. 1. Etappe: Rund um Warschau, 105 km Die erste Etappe der 5. Friedensfahrt führte über 105 Kilometer rund um die polnische Hauptstadt Warschau. Nur wenige Kilometer nach dem Start setzte sich der Brite Frank Seel vom Feld ab, fuhr bis zu 40 Sekunden Vorsprung heraus und wurde bald vom Feld wieder geschluckt. Anschließend bildeten der Pole Stanisław Królak, der Niederländer Daan de Groot, der Franzose Eugène Garnier sowie der DDR-Fahrer Gustav-Adolf Schur eine vierköpfige Spitzengruppe. Nach 50 Kilometern wurden sie vom Feld eingeholt. Vier polnische Fahrer erlitten wenig später Materialschaden und hatten somit vor heimischem Publikum mit dem Ausgang der Etappe nichts zu tun. Die beiden Belgier Gustaaf Verschueren und Joseph Verhelst setzten sich vom Feld ab, Verhelst fiel kurz vor dem Ziel zurück, so dass Gustav Verschueren die erste Etappe der Rundfahrt gewann und somit das Gelbe Trikot übernahm. Drei Belgier platzierten sich unter den ersten fünf Fahrern, und so übernahm das belgische Team auch das Blaue Trikot der besten Mannschaft.Illustrierter Radsport, Ausgabe vom 17. Mai 1952, Seite 3, Warschau umjubelt die Friedensfahrer, Herausgeber: Sportverlag GmbH

+ Etappeneinzelwertung Fahrer Zeit1. Gustaaf Verschueren 2:34:14 h2. Joseph Verhelst 2:35:51 h3. Jan Veselý 2:35:52 h4. Stanislav Svoboda 5. Raymond Van Hoven

2. Etappe: Warschau – Łódź, 139 km Die zweite Etappe führte über 139 Kilometer von Warschau nach Łódź. Nach einigen erfolglosen Vorstößen konnten sich schließlich der Pole Wacław Wójcik, der Däne Jörgen Falkbøll und der Bulgare Ilja Krestew vom Feld lösen. Der Gesamtführende Gustav Verschueren erlitt auf der Etappe zweimal einen Defekt und kämpfte sich trotzdem mit weiteren Fahrern zur später 15-köpfigen Spitzengruppe vor. Die Entscheidung über die Podestplätze fiel auf den letzten Kilometern in Łódź. Die beiden Tschechoslowaken Jan Veselý und Stanislav Svoboda sowie der Belgier Frans Van Looveren fuhren einen Vorsprung von elf Sekunden heraus und erreichen als erste das Stadion. Hier setzt sich Svoboda im Sprint knapp gegen Van Looveren durch. Veselý hatte sich in der Zielkurve versteuert und belegte somit den dritten Platz.Illustrierter Radsport, Ausgabe vom 17. Mai 1952, Seite 4, Erst in Lodz fiel die Entscheidung, Herausgeber: Sportverlag GmbH

In der Gesamtwertung konnte Gustav Verschueren sein Gelbes Trikot und die belgische Mannschaft ihr Blaues Trikot verteidigen.

+ Etappeneinzelwertung Fahrer Zeit1. Stanislav Svoboda 3:50:15 h2. Frans Van Looveren 3:51:15 h3. Jan Veselý 3:51:26 h4. Christian Pedersen 5. Jan Knezourek 3:51:27 h

3. Etappe: Łódź – Chorzów, 223 km Die längste Etappe der Rundfahrt führte über 223 Kilometer von Łódź nach Chorzów. Der Belgier Frans Van Looveren erlitt bereits kurz nach dem Start einen Reifenschaden. Drei seiner Mannschaftskollegen blieben bei ihm. Der Illustrierte Radsportler schrieb hierzu: Diese zahlreiche Hilfe war taktisch völlig falsch, denn nur zwei der in der Mannschaftswertung führenden Belgier blieben vorn. Die Fahrer der ČSR nutzten die Chance und setzten sich, im Stil eines Mannschaftszeitfahrens fahrend, 100 bis 200 Meter vor die Spitze des Hauptfeldes. Die Belgier versuchten Anschluss herzustellen, schaffen es auf Grund des hohen Tempos im Hauptfeld jedoch nicht. Schließlich fielen die tschechoslowakische Fahrer wieder ins Feld zurück, und es setzte sich eine größere Gruppe ab. Heinz Gleinig und Bernhard Trefflich konnten nach einer Verfolgungsjagd die Spitzengruppe komplettieren. Damit fuhren hier ein Bulgare, zwei Dänen, zwei Holländer, ein Ungar, ein Pole, ein Belgier, ein in Frankreich lebender Pole und vier Vertreter der DDR. Damit hatte die DDR die Chance, die Führung in der Mannschaftswertung zu übernehmen, und machte das Tempo in der Gruppe. Hin und wieder starteten die DDR-Fahrer Vorstöße, der in Gelb fahrende Belgier Gustav Verschueren führte die anderen Fahrer jedoch immer wieder heran. Schließlich gelang es dem in Frankreich lebenden Polen Jan Stablewski sich erfolgreich abzusetzen. Am Ziel im Stadion von Chorzów hatte er über eine Minute Vorsprung, gewann die Etappe und übernahm dank der einen Minute Zeitgutschrift das Gelbe Trikot von Verschueren, der als Vierter ins Ziel kam. Die DDR übernahm das Blaue Trikot. Die bis dahin führende belgische Mannschaft hatte auf dieser Etappe über 20 Minuten auf die DDR verloren.Illustrierter Radsport, Ausgabe vom 17. Mai 1952, Seite 3, DDR-Mannschaft erkämpft die Führung, Herausgeber: Sportverlag GmbH

+ Etappeneinzelwertung Fahrer Zeit1. Jan Stablewski 5:16:04 h2. Daan de Groot 5:18:11 h3. Jörgen Falkbøll 5:18:13 h4. Gustaaf Verschueren 5:18:14 h5. Constantin Șandru 5:18:15 h

4. Etappe: Katowice – Wrocław, 189 km