Rockenhausen ist eine Stadt in Rheinland-Pfalz im Donnersbergkreis und nach der Einwohnerzahl dessen drittgrößte Ortsgemeinde. Sie ist Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Nordpfälzer Land. Rockenhausen ist gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.
Geographie
mini|Rockenhausen (rechts unten) innerhalb des Nordpfälzer Berglandes
Lage Rockenhausen liegt im Norden der Pfalz im Nordpfälzer Bergland innerhalb des Teilbereichs Glan-Alsenz-Höhen auf halber Strecke zwischen Kaiserslautern und Bad Kreuznach. Der äußerste Osten der Gemarkung reicht bis an das Donnersbergmassiv heran.
Nachbargemeinden An Rockenhausen angrenzende Orte sind – im Uhrzeigersinn – die Gemeinden Dielkirchen, Würzweiler und Ruppertsecken, die Stadt Kirchheimbolanden sowie die Gemeinden Dannenfels, Steinbach am Donnersberg, Börrstadt, Imsbach, Falkenstein, Schweisweiler, Imsweiler, Dörrmoschel, Schönborn und Katzenbach. Eine weitere Nachbargemeinde ist das westlich gelegene Bisterschied.
Erhebungen Ganz im Osten des Stadtgebiets erhebt sich der Kübelberg (), unmittelbar östlich von diesem der Hühnerberg () und weiter südlich Dorntreiber Kopf (). Im Nordwesten der Stadtgemarkung an der Grenze zu Katzenbach erstreckt sich der rund 483 Meter hohe Lichtenberg, der alternativ als Platte bezeichnet wird.
Gewässer Die Stadt wird in Süd-Nord-Richtung von der Alsenz durchflossen. Im Stadtgebiet nimmt sie mehrere Nebenflüsse wie den Degenbach, den Schelmesbach, den Dörnbach – aus dem gleichnamigen Stadtteil kommend –, den Langwaldbach, ein weiteres, im Nordosten der Stadtgemarkung entspringendes Gewässer mit Namen Dörnbach und den Erbsengraben mit dessen Nebenfluss Hoppbach auf. Im Osten auf Gemarkung des Stadtteils Marienthal verläuft der Appelbach, der von rechts den mitten durch den Ort fließenden Mordkammertalbach aufnimmt; letzterer nimmt zuvor außerdem den Königsbach auf.
Stadtgliederung mini|Stadtteil Dörnbach
Die Stadt Rockenhausen gliedert sich in die Stadtteile Rockenhausen, Dörnbach und Marienthal. Dörnbach und Marienthal sind zugleich Ortsbezirke. Zum Stadtteil Rockenhausen gehören die Wohnplätze An der Linde, Buchwaldhof, Hintersteinerhof, Im Degenbachtal, Inkeltalerhof, Lindenhof, Römerhof, Rußmühlerhof, Schacherhof und Scharfeeck. Zum Stadtteil Marienthal gehört der Wohnplatz Mordkammerhof, der ursprünglich Teil der Gemeinde Dannenfels war.
Paläontologie und Mineralogie Paläontologen fanden innerhalb der Stadtgemarkung gut erhaltene, bis zu drei Meter lange Fossilien von Süßwasserhaien aus der Rotliegend-Zeit, dem sogenannten Perm, wie sie ebenfalls in Heimkirchen vorkamen. In der Gemarkung kommen außerdem die Mineralien Skutterudit und Nickelskutterudit vor.
Geschichte Rockenhausen erhielt 1332 das Stadtrecht. Damals den Raugrafen unterstehend, gehörte die Stadt ab 1457 – mit einer Unterbrechung von 1559 bis 1592, als sie Teil von Pfalz-Lautern war – bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zur Kurpfalz und unterstand dort dem Oberamt Lautern. Auch das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hrsg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (540). Im Dreißigjährigen Krieg wurde Rockenhausen – wie fast alle Ortschaften der Region – nahezu völlig zerstört.
mini|hochkant|Historische Ansicht von Rockenhausen
Nach 1792 wurde die Region im Ersten Revolutionskrieg von französischen Truppen besetzt und nach dem Frieden von Campo Formio (1797) annektiert. Von 1798 bis 1814 gehörte Rockenhausen zum französischen Departement Donnersberg und war Hauptort (chef-lieu) des Kantons Rockenhausen. Aufgrund der auf dem Wiener Kongress (1815) getroffenen Vereinbarungen und eines Tauschvertrags mit Österreich kam die Region 1816 zum Königreich Bayern. Ab 1818 war Rockenhausen dem Landkommissariat Kirchheim im bayerischen Rheinkreis, später dem Bezirksamt Kirchheimbolanden zugeordnet. Am 1. Dezember 1900 wurde aus Teilen der Bezirksämter Kirchheimbolanden und Kaiserslautern das Bezirksamt Rockenhausen gebildet. Am 1. Januar 1939 wurde das Bezirksamt in Landkreis Rockenhausen umbenannt.Landkreis Rockenhausen. In: Territoriale Veränderungen in Deutschland, territorial.de Im März 1945 in der Endphase des Zweiten Weltkriegs nahm die United States Army während der Operation Undertone die Stadt ein.
Nach dem Krieg wurde Rockenhausen innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz und gehörte bis 1968 zum Regierungsbezirk Pfalz. 1969 wurde der Landkreis Rockenhausen im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform mit dem Landkreis Kirchheimbolanden zum heutigen Donnersbergkreis vereinigt. Drei Jahre später wurde die Stadt Sitz der ebenfalls neu gebildeten gleichnamigen Verbandsgemeinde. Am 10. Juni 1979 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Dörnbach mit 550 Einwohnern und Marienthal mit 280 Einwohnern in die Stadt eingemeindet. Rockenhausen wurde 2004 vom damaligen rheinland-pfälzischen Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage zusammen mit fünf weiteren Kommunen – und als einzige aus der Pfalz – als „mittelstandsfreundliche Kommune“ ausgezeichnet. Zum 1. Januar 2020 wechselte Rockenhausen in die neu geschaffene Verbandsgemeinde Nordpfälzer Land, die aus der Fusion der Verbandsgemeinden Rockenhausen und Alsenz-Obermoschel hervorging.
Bevölkerung
Einwohnerentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Rockenhausen bezogen auf das heutige Stadtgebiet, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:
Religion Mit Stand Februar 2026 waren von den Einwohnern 44,7 % evangelisch, 17,3 % katholisch und 38,1 % gehörten einer sonstigen oder keiner Glaubensgemeinschaft an.
Christentum Die Protestantischen Kirchengemeinden Rockenhausen (mit Katzenbach) und Rockenhausen-Marienthal gehören kirchenbezirklich der Evangelischen Kirche der Pfalz an. Die Protestantische Pfarrkirche von Rockenhausen steht am Marktplatz. In das Gemeindeleben ist auch das Evangelische Diakoniewerk Zoar eingebunden, dessen Vorläufer in Rockenhausen bis ins Jahr 1854 zurückreichen. Das Werk auf dem Inkelthalerhof wird von einem eigenen Pfarrer betreut und verfügt mit der Zoarkirche über ein eigenes Kirchengebäude.
Die Katholiken werden von der „Pfarrei Rockenhausen Hl. Franz von Assisi“ des Bistums Speyer betreut. Die Großpfarrei umfasst die Stadt Rockenhausen und 21 benachbarte Ortsgemeinden mit insgesamt acht Kirchen. Zu ihnen gehören die Pfarrkirche St. Sebastian in Rockenhausen sowie eine Simultankirche in Dörnbach.
Die Gemeinde Rockenhausen der Neuapostolischen Kirche gehört dem Kirchenbezirk Rheinpfalz der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland an und verfügt über eine Kirche in der Waldbergstraße.
Judentum Bereits 1283 kam es zu Pogromen gegen die in Rockenhausen lebenden Juden. Die einstige jüdische Gemeinde, die zum Rabbinatsbezirk Kaiserslautern gehörte, besaß eine Synagoge, deren Inneneinrichtung 1938 den Novemberpogromen zum Opfer fiel. Bis 1912 gab es eine weitere jüdische Gemeinde in Rockenhausen-Marienthal.
Politik
Stadtrat Der Stadtrat in Rockenhausen besteht aus 22 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Stadtrat: Wahl SPD CDU FDP FWG Gesamt 2024 10 6 4 2 22 Sitze 2019 10 6 4 2 22 Sitze 2014 12 6 2 2 22 SitzeKommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen. wahlen.rlp.de, Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz. 2009 11 6 3 2 22 Sitze 2004 11 7 2 2 22 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Rockenhausen und Umgebung e. V.
Bürgermeister Michael Vettermann (FDP) wurde am 26. Juni 2019 Stadtbürgermeister von Rockenhausen. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 hatte er sich als Kandidat von CDU und FDP mit einem Stimmenanteil von 51,60 % gegen den bisherigen Amtsinhaber, Karl-Heinz Seebald (SPD), durchgesetzt. Seebald hatte das Amt 31 Jahre ausgeübt. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 konnte Vettermann sein Amt mit 53,7 % der Stimmen gegen Güngör Aydin (SPD) verteidigen. Die Wahlbeteiligung lag bei 62,4 %.
Ortsbezirke Die Belange der Ortsbezirke Dörnbach und Marienthal werden durch Ortsvorsteher und Ortsbeiräte vertreten. Der Ortsbeirat Dörnbach hat neun, der Ortsbeirat Marienthal fünf Mitglieder.Hauptsatzung der Stadt Rockenhausen in der Fassung vom 10. Juli 2014. (PDF) rockenhausen.de
Wappen
Städtepartnerschaften Seit 2014 existiert eine Partnerschaft mit der kroatischen Stadt Krk. Eine weitere Partnergemeinde ist die polnische Gmina Kietrz.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Protestantische Pfarrkirche am Marktplatz Kulturdenkmäler Die Altstadt und der jüdische Friedhof sind jeweils als Denkmalzonen ausgewiesen.
Hinzu kommen außerdem zahlreiche Einzelobjekte, die unter Denkmalschutz stehen, darunter die katholische Kirche St. Sebastian, die protestantische Pfarrkirche, das Schloss und die frühere Synagoge im Stadtteil Marienthal.
Museen mini|Turmuhrenmuseum
Im Museum für Zeit – Pfälzisches Turmuhrenmuseum werden Uhren, insbesondere Großuhren gezeigt, und die Mechanik an funktionstüchtigen Exponaten – Sonnenuhren, Sanduhren und astronomische Uhren – demonstriert. Es befindet sich Am Schloss in Rockenhausen.Pfälzisches Turmuhrenmuseum – Museum für Zeit. museum-fuer-zeit.de
Im Kahnweilerhaus werden Erbe und Andenken an Daniel-Henry Kahnweiler, einem Ehrenbürger der Stadt Rockenhausen, bewahrt und öffentlich gezeigt. Dieser war Kunsthändler und Pariser Galerist, sowie Mitbegründer und Förderer des Kubismus und moderner Kunst Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Museum zeigt zudem eine Dauerausstellung zum Leben und Wirken des Picasso-Förderers, die deutschsprachige Bibliothek und zwei Picasso-Lithographien Kahnweilers sowie Ausstellungsplakate seiner Galerie Louise Leiris, Paris. Die Stadt Rockenhausen verleiht seit 1981 den mit 7500 Euro dotierten Daniel-Henry-Kahnweiler-Preis.
Das 1926 errichtete Museumsgebäude in Rockenhausen, Nordpfälzer Heimatmuseum, zeigt auf zwei Etagen die Sammlungen des 1904 gegründeten Nordpfälzer Geschichtsvereins. Die einzelnen Abteilungen im Erdgeschoss: Vor- und Frühgeschichte, Geologie und Paläontologie des Donnersbergraumes, Bergbau und Burgen der Nordpfalz, Stadt und ehemaliger Landkreis Rockenhausen. Im Obergeschoss werden alte Handwerksberufe präsentiert: Schmied, Schuhmacher, Töpfer, Schneider, Schreiner, Zimmermann und Büchsenmacher. Eine Nordpfälzer Stube des 19. Jahrhunderts vermittelt einen guten Einblick in das Leben der Urgroßeltern.
Sonstige Bauwerke Die Donnersberghalle, die neben einer Mehrzweckhalle auch eine Kegelbahn beinhaltet, ist das kulturelle und sportliche Zentrum von Rockenhausen und seiner Umgebung. Am südöstlichen Siedlungsrand von Marienthal befindet sich außerdem eine Kneipp-Anlage. Das Museum in der Speyerstraße in Rockenhausen, Museum Pachen, zeigt Deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts, Malerei, Grafiken und Plastiken. Mittlerweile abgegangen ist die Ruhenburg, die sich einst an der Stelle des Schlosses befunden hatte.
Natur und Parks Rockenhausen hat drei Naturdenkmale. Das sind ein Rohrbrunnen südwestlich von Marienthal, eine Platane in der Bezirksamtsstraße und „Die zwei Linden am Königsbach“ in Marienthal. Über den Nordosten der Stadtgemarkung erstreckt sich das Naturschutzgebiet Katzenbacherhang, das seit 1972 ein ausgewiesenes, 50 Hektar großes Naturwaldreservat bildet.
Seit Januar 2016 gibt es den privaten Tierpark Donnersberg.Tierpark Donnersberg. tierpark-donnersberg.de Zudem verfügt die Stadt über ein Naturerlebnisbad.
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