mini|hochkant=1.3|Hachenburg, Luftaufnahme (2016) mini|hochkant=1.0|Kirche und Alter Markt

Hachenburg ist eine Stadt im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Sie ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde, der sie auch angehört. Hachenburg ist ein staatlich anerkannter Erholungsort und in der Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.

Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt im Westerwald zwischen Koblenz im Süden und Siegen im Norden bzw. zwischen Altenkirchen im Westen und Bad Marienberg (Westerwald).

Ausdehnung des Stadtgebiets Das Stadtgebiet von Hachenburg erstreckt sich zwischen den Flüssen Nister im Norden und Wied im Süden. Im Südteil der Stadt befinden sich ausgedehnte Waldgebiete des Staatsforstes Hachenburg, der sich dem im Westteil der Stadt gelegenen großen Hachenburger Stadtwald anschließt. Mit seiner Größe von 21,43 Quadratkilometer ist Hachenburg flächenmäßig die zweitgrößte Gemarkung nach Montabaur im Westerwaldkreis. Dabei entfallen 24,6 % auf Landwirtschaftsflächen, 53,6 % auf Waldflächen, 1,0 % auf Wasserflächen, 19,1 % auf Siedlungs- sowie Verkehrsflächen und 1,8 % auf sonstige Flächen (Stand 2018).

Nachbargemeinden An das Stadtgebiet grenzen im Uhrzeigersinn die Gemeinden Nister, Unnau mit Ortsteil Korb (Verbandsgemeinde Bad Marienberg), Alpenrod, Gehlert, Steinebach an der Wied, Wied, Hattert und Müschenbach.

Stadtgliederung Hachenburg gliedert sich in die beiden Stadtteile Altstadt mit dem Wohnplatz Bellerhof Hachenburg mit den Wohnplätzen Hof Kleeberg, Nistermühle, Ziegelhütte und Raumscheuer.

Geschichte Altstadt

Das Schloss und die Stadt mini|Schloss Hachenburg, Luftaufnahme (2016) mini|Schloss Hachenburg mini|Grundriss Schloss Hachenburg mini|Innenperspektive Hachenburg

Das heutige Schloss Hachenburg wurde als Burg um 1180 durch den Grafen Heinrich II. von Sayn gegründet und war in der Folge Sitz der Grafen von Sayn. Vollendet wurde der Bau 1212 unter dessen Sohn Heinrich III. von Sayn. Derselbe wird auch als erster Besitzer von Stadt und Burg Hachenburg erwähnt. Unter ihm erfolgte gleichzeitig der Bau des benachbarten Zisterzienserklosters Marienstatt.

Das Stadtrecht erhielt Hachenburg, dessen Name sich von einem durch ein Dorngebüsch geschützten Burgberg herleitet, 1314 durch König Ludwig den Bayern.Abbildung der Stadtrechtsurkunde und quellenkritische Edition bei Marcel Oeben, Daniel Schneider: Die Stadtrechtsverleihung an Altenkirchen, Hachenburg und Weltersburg. Mit Edition der Urkunde von 1314, S. 53–65. Zum geschichtlichen Hintergrund der Stadtrechtsverleihung siehe Daniel Schneider: Die Stadtrechtsverleihung 1314 im Rahmen der Reichspolitik, S. 103–110. Siehe auch Daniel Schneider: Die Städtepolitik der Grafen von Sayn im Spätmittelalter, S. 33–49. Die ursprüngliche Siedlung lag nicht am hohen Burgberg, sondern im etwa 1½ km entfernten, 100 Meter tiefer liegenden Tal des Rothbaches, an der Stelle des heutigen Ortsteiles Altstadt Hachenburg, der erstmals 1343 (zur Abgrenzung gegen das jüngere Hachenburg) urkundlich erwähnt wurde. Die dort um 1200 entstandene, romanische St. Bartholomäuskirche (heute eine evangelische Kirche), ist das älteste noch erhaltene Bauwerk Hachenburgs, gefolgt vom Steinernen Haus (Zur Krone) am Alten Markt im Stadtzentrum aus dem 15. Jahrhundert. Für 1470 sind zwei Jahrmärkte zu Bartholomäus (24. August) und Katharina (25. November) nachgewiesen.

Die Schlosskirche entstand erst im späten 15. Jahrhundert und erlebte mehrere Umbauten bis zum 18. Jahrhundert. Die katholische Kirche Maria Himmelfahrt war zunächst die Kirche des Franziskanerklosters Hachenburg aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die 1813 Pfarrkirche wurde. Im Mittelalter lag die Bevölkerungszahl Hachenburgs wohl bei nicht mehr als 500–1000 Einwohnern. Im 17. und 18. Jahrhundert betrug sie dann zwischen 1000 und 1500. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl auf 3000, und heute zählt die kleine Stadt fast 6000 Einwohner.

Nachdem die ältere Linie der Grafen von Sayn 1606 erloschen war, kam Hachenburg an die Grafen von Sayn-Wittgenstein-Sayn. Nach dem Tode des letzten Grafen dieses Zweiges mitten im Dreißigjährigen Krieg 1636 wurde die Grafschaft zum Zankapfel zwischen der Witwe, Gräfin Louise Juliane, mit den Stiefbrüdern ihres Mannes sowie mit dem Kurfürstentum Köln. Nach langen Kriegswirren und endlosem Streit gelang es der „Gräfin von Sayn“ mit dem Westfälischen Frieden 1649 doch noch, die Herrschaft über die Grafschaft zu erlangen. Sie teilte sie nun unter ihren beiden Töchtern auf, in die Grafschaft Sayn-Hachenburg, die an die ältere Ernestine von Manderscheid-Blankenheim fiel, und die Grafschaft Sayn-Altenkirchen, die an die jüngere Johanna von Sachsen-Eisenach kam.Daniel Schneider: Die Landesteilung der Grafschaft Sayn in Sayn-Altenkirchen und Sayn-Hachenburg, S. 119–133. Hachenburg kam über Ernestines Tochter durch Heirat im Jahr 1714 an die Burggrafen von Kirchberg. 1799 fiel die Grafschaft an die Fürsten von Nassau-Weilburg. Im Zusammenhang mit der Bildung des Rheinbundes (1806) fiel Sayn-Hachenburg zusammen mit Sayn-Altenkirchen an das neu errichtete Herzogtum Nassau.

Ein großer Stadtbrand zerstörte am 13. Oktober 1654 große Teile der Innenstadt sowie die Burg. Graf Salentin Ernst von Manderscheid und Graf Georg Friedrich von Sayn-Hachenburg ließen Stadt und Burg (nun als Barockschloss) wieder aufbauen. Die Innenstadt hat noch heute die von ihnen angeordnete Gestalt, da die meisten der Fachwerkhäuser der Friedrichstraße, der Herrnstraße, des Alten Marktes, der Perlgasse, der Mittelstraße, der Judengasse und der Wilhelmstraße aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen.

Das von dem nassauisch-weilburgischen Architekten Julius Ludwig Rothweil zwischen 1715 und 1746 am Ort der alten Burg erbaute weitläufige Schloss zeigt einen in Hufeisenform umbauten Innenhof mit Ausblick auf den Burggarten. 1799, nach dem Tod des letzten Grafen von Kirchberg-Hachenburg, fiel die Grafschaft an Nassau-Weilburg. Hachenburg verlor seinen Status als Residenzstadt, blieb aber Amtssitz des Amtes Hachenburg. Das Schloss hat im 20. Jahrhundert mehrmals den Besitzer gewechselt und ist heute Sitz der Hochschule der Deutschen Bundesbank.Kwasnik/Trautmann, S. 20 ff.

Im Zweiten Weltkrieg von Schäden weitgehend verschont, hatte Hachenburg jedoch in früheren Jahrhunderten, beispielsweise durch mehrere Großfeuer (1400, 1439, 1484, 1541, 1594 und 1654) und durch Kriegseinwirkungen, vor allem im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) und in den beiden so genannten Koalitionskriegen (1792–1797 und 1799–1802), sehr zu leiden.

Am 7. Juni 1969 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Altstadt nach Hachenburg eingemeindet.

Juden in Hachenburg

Der Judenfriedhof wurde erstmals 1587 als Judenkirchhof erwähnt. Noch heute sind 83 Gräber zu finden, darunter auch Doppelgräber. Die meisten der noch erhaltenen Grabstätten wurden vom Hachenburger Steinmetz und Bildhauer Wilhelm Sax (16. August 1891 bis 26. Juni 1955) angefertigt. Weitere Steinmetzarbeiten stammen von Albert Mai (31. Dezember 1891 bis 15. März 1976) und dessen Sohn Herbert Mai (5. März 1925 bis 13. Februar 2015), dem späteren Schwiegersohn von Wilhelm Sax. 1913 lebten in Hachenburg 126 Juden, 1932 waren es noch 99.

Einwohnerstatistik Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Hachenburg bezogen auf das heutige Stadtgebiet; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1815 1.998 1835 2.080 1871 1.958 1905 2.563 1939 3.233 1950 3.714 1961 3.780 1970 4.246 Jahr Einwohner 1987 4.571 1997 5.458 2005 5.733 2011 5.855 2017 6.06020226.30420236.236

Konfessionsstatistik Mit Stand 30. Juni 2005 waren von den Einwohnern 39,0 % römisch-katholisch, 38,0 % evangelisch und 23,0 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Stadt Hachenburg Stichtag: 30. Juni 2005 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Derzeit (Stand September 2025) sind von den Einwohnern 27,9 % katholisch, 27,7 % evangelisch und 44,5 % sind konfessionslos oder gehören einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Stadt Hachenburg, abgerufen am 27. Oktober 2025

Politik Stadtrat Der Stadtrat in Hachenburg besteht aus 22 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Stadtrat: Wahl SPD CDU Grüne AfD FDP WGH FWG BAS L 94 Gesamt 2024 5 5 2 – – 10 – – – 22 Sitze 2019 6 9 3 1 1 – 1 1 – 22 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: 2014 9 8 2 – 1 – 1 1 – 22 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: 2009 8 7 2 – 2 – 1 1 1 22 Sitze unter www.hachenburg.de 2004 7 8 1 – 1 – 1 2 2 22 Sitze

Bürgermeister Stefan Leukel (WGH, früher CDU) wurde im Oktober 2017 Stadtbürgermeister von Hachenburg.Lebenslauf von Stefan Leukel, rhein-zeitung.de Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde er mit einem Stimmenanteil von 82,37 % in seinem Amt bestätigt. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 konnte sich Leukel bei einer Wahlbeteiligung von 67,0 % mit 72,7 % der Stimmen gegen Clint Sikorski (SPD) durchsetzen.

Ortsbeirat Die Interessen des Stadtteils Altstadt werden durch einen sieben Personen umfassenden Ortsbeirat und den Ortsvorsteher vertreten.

Wappen

Seit dem Jahr 1292 verfügt Hachenburg über ein eigenes Siegel (sigillo oppidanorum de Hachinberg – Siegel der Bürger von Hachenburg). Das alte Stadtwappen war früher u. a. am Hachenburger Rathaus am Markt zu sehen und über den beiden größeren Stadttoren, dem Ober- und dem Untertor. Heute wird das Hachenburger Wappen vom saynischen Löwen auf dem Marktbrunnen gehalten. Die Türme dieses Wappens haben konkave Zeltdächer, im Tor ist das Datum 10.X.1314 zu sehen, an dem dem früheren Dorf Hagenberg die Stadtrechte verliehen wurden. Auf dem aktuellen Wappen ist der Löwe nicht blaubezungt und -bewehrt, auf älteren Versionen schon. Die Hauben erscheinen auch mit grünen Kreuzblumen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Historisches Rathaus mini|Der Hachenburger Löwe

Hachenburg gilt als die heimliche Kulturhauptstadt des Westerwalds. Zu diesem Ruf haben Einrichtungen wie das Landschaftsmuseum Westerwald und die hervorragend ausgestattete Stadtbücherei ebenso beigetragen wie die Veranstaltungen des Kulturkreis Hachenburg e. V., des Marienstatter Musikkreises und der kommunalen „Hachenburger KulturZeit“.

Alter Markt mini|Alter Markt Der Alte Markt – rechteckig neben dem Schloss angelegt – mit der Ev. Schlosskirche (St.-Katharinen-Kirche) und der Kath. Kirche (ehem. Franziskanerkirche) ist von renovierten Giebelhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert mit teils offenem Fachwerk eingefasst. Mittig gegenüber der Katholischen Kirche befindet sich der Marktbrunnen, der 1626 aufgestellt wurde und 1702 seine heutige Gestalt erhielt. Der vergoldete Saynsche Wappenlöwe ist Sinnbild für die Landesherrschaft. Geschaffen wurde der Marktplatz nach dem Stadtbrand von 1439 in der Regierungszeit von Graf Dietrich von Sayn; seine heutige Gestalt erhielt er jedoch erst nach dem Brand von 1654.

Evangelische Schlosskirche Als St.-Katharinen-Kirche wurde sie 1372 erstmals urkundlich erwähnt. Eine doppelläufige Freitreppe führt zum Portal, das als Risalit mit Flachgiebel gestaltet ist. Das Bauwerk ist durch einen Bogengang mit dem Schloss verbunden. Der spätgotische Chor und Turm stammen aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, das Schiff von 1775, zu dem das Spiegelgewölbe (1775) die Verbindung herstellt. Im Chor befindet sich die gräfliche Familiengruft. Stilistisch handelt es sich um eine typische Predigerkirche mit dem Übereinander von Altar, Kanzel und Orgel an der Ostseite und dem hölzernen Einbau von Emporen an den übrigen Wänden. Der Turm an der Südseite (1481) gehört zu den älteren Bauteilen der Kirche.Kwasnik/Trautmann, S. 20 f. und Roth S. 80 f.