mini|Ortsbild Lambrecht (Pfalz) ist eine Stadt im Landkreis Bad Dürkheim im Pfälzerwald. Sie ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde. Den Beinamen „Tuchmacherstadt“ verdankt sie der früheren Textilindustrie, die den Ort lange Zeit prägte.

Geographie

Lage Lambrecht liegt inmitten des mittleren Pfälzerwaldes im Lambrechter Tal; der Südwesten der Gemarkung reicht bis an das Elmsteiner Tal heran. Im Nordosten befindet sich die Karl-Rauch-Siedlung; im äußersten Südwesten der Gemarkung liegt der Weiler Iptestal. Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Deidesheim, Lindenberg, Neustadt an der Weinstraße, Esthal und Frankeneck. Östlich der Stadt bildet die sogenannte Lambrechter Verwerfung eine geologische Trennlinie, an der sich die Haardt anschließt.

Erhebungen und Gewässer Die Stadt wird vom Speyerbach durchflossen, dem stärksten Fließgewässer der Vorderpfalz; im Westen ist dieser Bach die Gemarkungsgrenze zu Frankeneck und Esthal. In der Stadtmitte (am Friedrich-Ebert-Platz) mündet in ihn von links der Luhrbach. Höchster Berg ist der Kaisergarten mit im Süden unmittelbar an der Gemarkungsgrenze zu Neustadt an der Weinstraße; weiter nordöstlich liegt der Schauerberg. Im Norden des Stadtgebiets erstrecken sich der Eichelberg und der Kreuzberg sowie im Westen der Schorlenberg und der Hohe Kopf.

Flächenaufteilung Die 8,32 Quadratkilometer – entsprechend 832 ha – teilen sich wie folgt auf:

Flächenbezeichnung ha Hof- und Gebäudeflächen 86 Wege, Straßen und so weiter 41 Sonstige Nutzungsarten 21 Landwirtschaftliche Nutzfläche 25 Waldflächen 655 Gewässer 3 Übrige Flächen, Ödland und so weiter 1

Geschichte Entwicklung der Stadt mini|Lambrecht 1640 Im Jahr 977 wurde Lambrecht zum ersten Mal urkundlich erwähnt; Herzog Otto von Worms stiftete im Ort Grevenhausen das Benediktinerkloster St. Lambrecht zu Ehren des heiligen Bischofs Lambert von Lüttich. 1553 wurde das Kloster allerdings aufgelöst. 1568 überließ Kurfürst Friedrich III. die Gebäude des Klosters samt Häusern, Kirche und Äckern heimatvertriebenen Wallonen als Asyl.

1838/1839 schlossen sich die Nachbardörfer St. Lambrecht und Grevenhausen zusammen, der Doppelname St. Lambrecht-Grevenhausen wurde bis zur Stadterhebung 1887 geführt.Manfred Niemeyer (Hrsg.): Deutsches Ortsnamenbuch. De Gruyter, Berlin / Boston 2012, ISBN 978-3-11-025802-8, S. 345 (). Am 25. August 1849 wurde Lambrecht durch die Eröffnung der Teilstrecke Neustadt-Frankenstein als Abschluss der Rhein-Saar-Strecke zum Kohlentransport Eisenbahnstation. Am 21. Dezember 1887 wurden Lambrecht Stadtrechte gewährt.

Ab 1939 war die Stadt ein Bestandteil des Landkreises Neustadt an der Weinstraße. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort innerhalb der französischen Besatzungszone ein Teil des Regierungsbezirks Pfalz im damals neu gebildeten Land Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte Lambrecht 1969 in den neu geschaffenen Landkreis Bad Dürkheim. Drei Jahre später wurde es Bestandteil der ebenfalls neu entstandenen gleichnamigen Verbandsgemeinde. Die Aufnahme der Verwaltungstätigkeiten fand am 1. Januar 1973 statt.

In den Jahren 2017 und 2018 erschütterten die Verbrechen dreier Altenpfleger im Seniorenhaus Lambrechter Tal die Bevölkerung der Stadt.

Einwohnerentwicklung

Religion mini|Ehemalige Klosterkirche, heute protestantische Pfarrkirche

Konfessionsstatistik 2007 waren 43,8 % der Einwohner evangelisch und 30,4 % katholisch. Die übrigen 25,8 % gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.KommWis, Stand: 31. Dezember 2007 Der Anteil evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Ende September 2025 hatten 29,6 % der Einwohner die evangelische Konfession und 21,2 % die katholische. 49,2 % gehörten entweder einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Gemeindestatistik Lambrecht, abgerufen am 16. Oktober 2025

Katholiken Lambrecht hat eine eigenständige katholische Pfarrgemeinde (Herz Jesu). Die katholische Kirchengemeinde ist Träger der Katholischen Kindertagesstätte St. Lambertus. Der Seelsorger in der Pfarreiengemeinschaft betreut neben Lambrecht auch die Gemeinden von Lindenberg, Neidenfels-Frankeneck und Weidenthal-Frankenstein. Die Pfarrei Lambrecht ist Teil des Pfarrverbandes Neustadt (Weinstraße) im Dekanat Bad Dürkheim und gehört zur Diözese Speyer. Im Toni-Schröer-Haus erinnert eine Gedenkstätte an Edith Stein.

Protestanten Gemeinsam mit dem Nachbarort Lindenberg besteht eine protestantische Kirchengemeinde. Lambrecht ist Teil des protestantischen Dekanats Neustadt in der Evangelischen Kirche der Pfalz.

Politik Stadtrat Der Stadtrat in Lambrecht (Pfalz) besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Stadtrat: Wahl SPD CDU Grüne BSW Linke FWG SWG Gesamt 2024 3 6 2 2 – 6 1 20 SitzeLandeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Lambrecht (Pfalz), Gemeinde- / Stadtratswahl 09.06.2024. Abgerufen am 17. August 2024. 2019 4 6 – – 1 8 1 20 Sitze 2014 6 7 – – – 7 – 20 SitzeKommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz. 2009 6 8 – – – 6 – 20 Sitze 2004 5 11 – – – 4 – 20 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Talgemeinden e. V. SWG = Soziale Wählergemeinschaft e. V.

Bürgermeister 2014 wurde Karl-Günter Müller (FWG) zum Stadtbürgermeister gewählt. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde er mit einem Stimmenanteil von 53,06 % in seinem Amt bestätigt. Sein Vorgänger war Michael Stöhr von der CDU, der bis 2014 amtierte. Bei der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 trat Müller nicht mehr an. Da sich im ersten Wahlgang keiner der drei Kandidaten mit einer absoluten Mehrheit durchsetzen konnte, wurde eine Stichwahl zwischen Tanja Bundenthal-Beck (FWG) und Andreas Ohler (CDU) durchgeführt. Diese entschied Ohler bei einer Wahlbeteiligung von 41,7 % mit 52,8 % der Stimmen für sich.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kulturdenkmäler

Der Stadtkern, die Beerentalstraße, die ehemalige Tuchfabrik Gebrüder Haas und der Friedhof sind als Denkmalzonen ausgewiesen. Hinzu kommen zahlreiche Einzelobjekte, die unter Denkmalschutz stehen.

Natur

mini|Ritterstein 256 mini|Gruppe mit dem Geißbock trifft in Deidesheim ein Die Ortsgemeinde liegt im Naturpark Pfälzerwald, der zum Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord gehört, und ist Sitz von dessen Geschäftsstelle. Auf Gemarkung der Stadt befinden sich insgesamt fünf Naturdenkmale, darunter die südwestlich der Kernstadt liegende Felsformation Dicker Stein an der Flanke des Hohen Kopfs. Auf ihr befindet sich mit dem Dicker-Stein-Turm ein kleiner Aussichtsturm, der 1933 aus Holz errichtet wurde; er enthält zwei Aussichtsplattformen. auf kruemelhuepfer.de Am Kaisergarten befindet sich der gleichnamige Ritterstein mit der Nummer 256.

Regelmäßige Veranstaltungen Drei Wochen vor Ostern, am Sonntag Laetare, feiert die Stadt Lambrecht in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverein den „Sommertag“, den Übergang vom Winter in den Sommer. Dann heißt es nach altem Brauch: „Ri, ra, ro, de Summerdach is do.“ Dann singen auf dem Schulhof Kinder Frühlingslieder, zeigen eine Steckenpferdparade und zwei Ringer kämpfen als Winter und Sommer miteinander, bevor ein Festzug beginnt. Zum Schluss wird ein Strohballen angezündet und symbolisch der Winter verbrannt. Website von Lambrecht. Sommertag. Abgerufen am 26. November 2025.

Am Ostermontag findet auf dem Pickplatz das Eierpicken statt. Rund 3000 hart gekochte und einheitlich gefärbte Eier stehen dann bereit, die von „Einzelkämpfern“ oder von Teams aneinandergestoßen werden, zuerst Spitze auf Spitze, dann stumpfes Ende auf stumpfes Ende und Spitze auf stumpfes Ende, bis die Schalen beider Pole zerbrochen sind und einer den Durchgang verloren hat. Der Sieger sucht sich einen neuen Gegner und am Ende werden die Besten mit Pokalen und Urkunden ausgezeichnet.Website von Lambrecht. Historisches Eierpicken. Abgerufen am 26. November 2025.

Eine weitere traditionsreiche Veranstaltung ist die Ablieferung des Tribut-Geißbocks als Teil der Geißbockversteigerung nach Deidesheim am Pfingstdienstag. Eine Urkunde aus dem Jahr 1404 besagt, dass Lambrecht Weiderecht im Deidesheimer Wald hat. Eine Gegenleistung in Form eines Geißbocks, der jährlich an Deidesheim geliefert werden muss, wurde 1534 erstmals erwähnt. Daran erinnert der 14 Kilometer lange Geißbockmarsch durch den Wald. Morgens um 5:30 Uhr zieht ein junges Ehepaar mit dem Bock los, begleitet von vielen Lambrechtern. Das Tier wird allerdings ein großes Stück des Weges gefahren. Um 10 Uhr wird die Gruppe am Zielort vom Bürgermeister empfangen, anschließend der Bock auf Tauglichkeit geprüft und gegen Abend versteigert. Punkt 18 Uhr erhält der Meistbietende den Zuschlag.Website von Lambrecht. Geißbockmarsch. Abgerufen am 26. November 2025.

Hinzu kommt das Geißbock-Festspiel auf dem Tuchmacherplatz Fabrikstraße gegenüber dem Sportplatz Jahnwiese. Die Lambrechter Geißbock-Kerwe findet jeweils am ersten Samstag im August statt.

Weitere Veranstaltungen sind sommerliche Abendmusiken in der ehemaligen Klosterkirche und der Adventsmarkt. Alle zwei Jahre organisieren die in Lambrecht und Umgebung ansässigen Gewerbebetriebe eine Leistungsschau. Der Gäsbock Mountainbike-Marathon startet jeweils samstags am zweiten Mai-Wochenende; er beginnt und endet jeweils in Lambrecht.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft

mini|Gebäude der früheren Tuchfabrik Gebrüder Haas

Lambrecht galt lange Zeit als Tuchmacherstadt. Mit den im 16. Jahrhundert eingewanderten Hugenotten, genauer gesagt mit den Wallonen aus Belgien, entwickelte sich in Lambrecht eine florierende Tuchmacherwirtschaft. Im Zuge dessen entstand beispielsweise in der Wallonenstraße, einer Straße in der Innenstadt Lambrechts, ein regelrechtes Tuchmacherzentrum mit vielen kleinen Handwebereien. An diese Zeit erinnert das alte, mit Erker versehene Zunfthaus aus den Jahren 1606 und 1607. Der Prachtbau geht auf einen wohlhabenden wallonischen Zuwanderer zurück. Nach der industriellen Revolution schafften viele Betriebe nicht den Sprung zum Fabrikmaßstab. Dennoch existierten 1931 noch neun Tuchfabriken und erst in den 1960er Jahren kam das endgültige Aus für die Tuchmacherei. Größter Arbeitgeber war lange Zeit die J. Häussling AG bzw. nach deren Liquidierung Anfang der 1930er Jahre die Firma Heinrich Häussling. Häussling produzierte Vlies- und textile Isolier- und Dämmstoffe unter anderem für die Automobilindustrie. Nach mehreren Eigentümerwechseln wurde der Standort 2020 geschlossen. Außerdem war Lambrecht zeitweise Standort einer Filzfabrik, die ab 1881 zu den Vereinigten Filzfabriken gehörte.

In den historischen Gebäuden einer ehemaligen Tuchfabrik produziert die Jola Spezialschalter GmbH & Co. KG seit den 1950er Jahren Geräte zur Niveau-Regelung und Leckage-Detektion. In einer weiteren Tuchfabrik werden heute Filze, Papiermaschinenbespannungen und Nadelfilze hergestellt. Auch sonst hat sich eine mittelständische Zulieferindustrie entwickelt. Neben diesen Betrieben zählen der Tourismus und in geringerem Umfang die Forstwirtschaft zu den Wirtschaftsfaktoren der Stadt, die zusätzlich über Einkaufsstätten, Handwerksbetriebe und Dienstleister verfügt, die den täglichen Bedarf abdecken. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird mit der Talpost in Lambrecht eine Zeitung herausgegeben.

Zudem war die Stadt Sitz der Stadtsparkasse Lambrecht, die 1972 in der heutigen Sparkasse Rhein-Haardt aufging.

Bildung und Erziehung mini|Grundschule Lambrecht mini|Ehemaliges Schulgebäude