Der Club der toten Dichter (Originaltitel: Dead Poets Society) ist ein US-amerikanisches Filmdrama des Regisseurs Peter Weir, das am 2. Juni 1989 Premiere feierte. Der Filmstart in Deutschland war am 25. Januar 1990.
Nancy H. Kleinbaum verwendete das Drehbuch von Tom Schulman als Grundlage für den ebenfalls 1989 erschienenen Roman zum Film.
Handlung Todd Anderson kommt zu Beginn des Schuljahres 1959 an die traditionsbewusste Welton Academy, ein konservatives Internat für Jungen im US-Bundesstaat Vermont. Der schüchterne, in sich gekehrte Todd besitzt wenig Selbstvertrauen und steht im Schatten seines älteren Bruders, der einer der besten Absolventen der Schule war.
Ebenfalls neu an der Schule ist der Englischlehrer John Keating, selbst einst Schüler der Welton Academy. Sein Unterricht verblüfft die Schüler schon in der ersten Stunde. Mit unkonventionellen Methoden fordert der Lehrer sie zu selbstständigem Handeln und freiem Denken auf. Da ihm die Förderung der Individualität seiner Schüler sehr wichtig ist, ermutigt er sie immer wieder, sich mehr zuzutrauen und ihre Möglichkeiten auszuloten.
Keating vermittelt seinen Schülern die Welt der Literatur und der schönen Dinge des Lebens; sie sollen Poesie nachvollziehen und in sich selbst entdecken, anstatt nur auswendig Gelerntes zu wiederholen. Dazu gehört auch das Verfassen und Vortragen eigener Gedichte. Keating bezieht sich dabei wiederholt auf die Dichter Whitman, Thoreau und Frost. Zudem ermutigt er seine Schüler, „den Tag zu nutzen“, und bezieht sich dabei auf den lateinischen Ausdruck Carpe Diem.
In einem alten Schuljahrbuch stoßen die Schüler auf Fotos von Keating und erfahren, dass er als Schüler dem sogenannten „Club der toten Dichter“ angehörte. Bei nächster Gelegenheit darauf angesprochen, erklärt Keating, worum es in diesem Club ging: Man traf sich im Geheimen in einer Höhle im Wald zur Würdigung leidenschaftlicher Poesie. Angeführt von dem besonders begeisterten Schüler Neil Perry beschließt ein Freundeskreis, zu dem neben dem Neuling Todd auch Knox Overstreet, Richard Cameron, Stephen Meeks, Gerard Pitts und Charlie Dalton zählen, den Club wieder ins Leben zu rufen. Sie schleichen sich nachts vom Gelände, treffen sich in der besagten Höhle, tragen einander Gedichte vor und genießen die Gemeinschaft jenseits der engen Mauern und starren Regeln der Schule. Zur Eröffnung jeder „Sitzung“ des Clubs wird traditionell, wie schon zu Keatings Zeiten, als Ritual ein Auszug aus Thoreaus Walden von allen Mitgliedern gemeinsam rezitiert.
Auf Keatings Ermutigung, das Leben selbst in die Hand zu nehmen, entdeckt der Schüler Neil Perry seine Leidenschaft fürs Theaterspiel, womit er sich jedoch seinem Vater widersetzt, der Neils Leben bereits fertig geplant hat. In einer örtlichen Aufführung von Shakespeares Sommernachtstraum erhält Neil die Rolle des Puck und spielt sie mit großem Erfolg. Doch gleich nach der Aufführung zerrt sein Vater ihn nach Hause und kündigt ihm an, ihn am nächsten Tag von der Schule zu nehmen und auf eine Militärakademie zu schicken. Als Neil erkennt, dass er keinerlei Gehör findet und bis hin zur Berufswahl die Wünsche seines Vaters zu erfüllen hat, nimmt er in der Nacht den Revolver seines Vaters aus der verschlossenen Schreibtischschublade und begeht Suizid. Auf der Suche nach einem Schuldigen dafür machen Neils Vater und die Schulleitung Keatings Lehrinhalte und -methoden verantwortlich. Nachdem Cameron dem Schulleiter von den heimlichen Treffen berichtet und seine Mitschüler verraten hat, werden die Mitglieder des „Clubs der toten Dichter“, um ihre eigene Haut zu retten, von ihren Eltern dazu gedrängt, eine vorgefertigte Erklärung mit unwahren Behauptungen zu unterschreiben, die Keating die alleinige Verantwortung zuschreibt, so dass dieser anschließend suspendiert wird. Charlie Dalton wird, nachdem er in seiner Wut über den Verrat Cameron geschlagen hat, von diesem denunziert und von der Schule verwiesen.
Als Keating noch einige persönliche Dinge aus seinem Klassenzimmer holt, steigt Todd Anderson auf seinen Tisch und erweist dem scheidenden Lehrer, dem er so viel verdankt, vor der gesamten Klasse seinen Respekt, indem er ihm zum Abschied die von Keating bevorzugte Anrede „O Captain! Mein Captain!“ nachruft. Als Keating sich daraufhin noch einmal umwendet, schließen sich nach und nach weitere Mitschüler Todds Vorbild an, bis schließlich die halbe Klasse auf den Arbeitstischen steht, während der Schulleiter wütend durch die Reihen läuft und die Schüler lautstark, aber vergebens zum Hinsetzen auffordert. Sichtlich gerührt dankt Keating den Jungen für ihre Loyalität und verlässt den Klassenraum.
Synchronisation Die deutsche Synchronfassung entstand bei der Magma Synchron in West-Berlin. Joachim Kunzendorf schrieb das Dialogbuch und führte Regie.
+ Rolle Darsteller Synchronsprecher John Keating Robin Williams Peer Augustinski Neil Perry Robert Sean Leonard Benjamin Völz Todd Anderson Ethan Hawke Andreas Fröhlich Knox Overstreet Josh Charles Nicolas Böll Charlie Dalton Gale Hansen Stefan Krause Mr. Nolan, Schulleiter Norman Lloyd Friedrich Schoenfelder Mr. Tom Perry Kurtwood Smith Randolf Kronberg Chris Noel Alexandra Powers Maud Ackermann Richard Cameron Dylan Kussman Oliver Rohrbeck Steven Meeks Allelon Ruggiero Sven Plate Gerard Pitts James Waterston Torsten Sense Mr. McAllister, Lateinlehrer Leon Pownall Wolfgang Spier Dr. Hager, Mathelehrer George Martin Klaus Miedel Mrs. Perry Carla Belver Vera Müller-Weidner Mrs. Anderson Debra Mooney Stefanie Schmidt Mr. Anderson John Cunningham Bernd Rumpf
Entstehungsgeschichte Drehbuch Tom Schulman schrieb das Drehbuch für den Film Der Club der toten Dichter. Dabei wurde er inspiriert von seiner eigenen Schulzeit an der konservativen Montgomery Bell Academy, die ihm das Vorbild für die Welton Academy lieferte. Der Enthusiasmus seines Englischlehrers Sam Pickering führte zum Entwurf des fiktiven Lehrers John Keating. Während Schulmans Zeit an der Academy gab es allerdings weder einen Club noch einen Suizid. Ein Mitschüler des Drehbuchautors, Greenfield Pitts, wurde zum Namensgeber für den Schüler Gerard Pitts im Film.Greenfield Pitts: In: Education Digest 56/4 1990, S. 3–6. Zitiert nach: Niedersächsischer Bildungsserver; abgerufen am 23. Juli 2010
Basierend auf dem Filmdrehbuch schrieb Nancy H. Kleinbaum einen Roman. Während sich im Buch das Augenmerk auf Neil Perry und Todd Anderson gleichermaßen richtet, spielt Neil im Film eindeutig die Hauptrolle. Seine Geschichte (die Neugründung des Clubs als kreative Gegenwelt zum stupiden Schulunterricht; das Theaterspielen als emanzipatorischer Rollenwechsel und gegen den Vater gerichteter Befreiungsakt; der Suizid als Flucht aus der „Gefangenschaft“ des durch die Eltern aufgezwungenen Lebenswegs) stellt der Film ausführlich dar. Todd Andersons innere Entwicklung dagegen wird im Film weniger stark akzentuiert. So legt der Film nahe, dass Todd am Ende die vorgefertigte Erklärung zu Keatings alleiniger Schuld mitunterzeichnet. Im Buch aber verweigert er als einziger seine Unterschrift und weicht den entstehenden Konflikten nicht aus. Nicht zufällig ist er auch der erste, der dankbar, konsequent und mutig genug ist, Keating beim Abschied mit dem Ruf „O Captain, mein Captain!“ eine letzte Ehre zu erweisen und für ihn auf den Tisch zu steigen. Die Entwicklung zu einem selbständig denkenden und handelnden Menschen, Keatings primäres Unterrichtsziel, war bei Todd demnach noch erfolgreicher als bei Neil.
Der im Englischunterricht zitierte Philologe „Dr. J. Evans Pritchard“ ist erfunden. Das angeblich von ihm verfasste und im Unterricht vorgelesene Essay Vom Verständnis der Lyrik ist eine fast wörtliche Übernahme aus Sound and Sense: An Introduction to Poetry des US-amerikanischen Literaturprofessors Laurence Perrine (1915–1995), dessen Werke im Englischunterricht zahlreicher Schulen der Vereinigten Staaten Unterrichtsmaterial waren.
Filmproduktion Ursprünglich war Liam Neeson für die Hauptrolle des Lehrers vorgesehen, bis Robin Williams besetzt wurde, der bis dahin vor allem als Komödienschauspieler wahrgenommen worden war. Die Jungschauspieler Ethan Hawke und Robert Sean Leonard schafften mit Der Club der toten Dichter den Durchbruch als Schauspieler.
Drehorte waren unter anderem Middletown (dort die St. Andrew’s School), New Castle, Rockland; diese liegen alle im US-Bundesstaat Delaware Es gibt einen Director’s Cut des Films mit zusätzlichen Szenen, die in der Kinoversion fehlen.
Inhalt Die zentrale Thematik Das zentrale Thema des Films ist der Konflikt zwischen der konservativen Schulleitung und den nach Selbstentfaltung strebenden Jungen.
Die Leitideen des Welton-Internats Tradition, Ehre, Disziplin, Leistung (im engl. Original: Tradition, Honor, Discipline, Excellence) und deren Umsetzung sollen die Schüler zu beruflichem Erfolg führen und zur kommenden Elite machen. Dies wird durch einen strikten Lehrplan, hohe Anforderungen, harte Sanktionen bei Verweigerung und starke Einmischung von Eltern und Lehrern bei der Fächerwahl umgesetzt. Die Schule ist hiermit erfolgreich, was sich darin niederschlägt, dass ein hoher Anteil der Schüler später auf Universitäten der Ivy League studiert. Kritik hiergegen findet nur im Verborgenen statt, wo die Leitideen der Schule von den Schülern zu Travestie, Ekel, Dekadenz, Lethargie (Travesty, Horror, Decadence, Excrement) persifliert werden und die Welton-Akademie den Spitznamen Hellton-Akademie (engl. hell bedeutet Hölle) trägt.
Dieses Schema durchbricht Keating, der seine Schüler zu selbständig denkenden Menschen machen will und ihnen die Poesie als Ausdrucksform ihrer Individualität nahebringt. Er ermuntert sie, jeden Tag ihres kurzen, vergänglichen Lebens im Sinne des Horazischen Mottos Carpe diem zu nutzen. Die Schüler beginnen, ihren bislang strikten Gehorsam zu hinterfragen, was letzten Endes zum Konflikt mit der Schulleitung führt.
Die zitierten toten Dichter Die Dichter, die mit Schlüsselpassagen ihres Werks die Handlung des Films bzw. Buches beeinflussen, sind, literaturgeschichtlich chronologisch sortiertDie literaturgeschichtliche Einordnung geschieht nach Lydia Schuth: Dead Poets Society. Der Club der toten Dichter. Mentor Lektüre Durchblick. mentor, München 2006, ISBN 3-580-65435-7, S. 28f., folgende:
Englische Klassiker William Shakespeare (1564–1616) lässt den Elfen Puck (hier gespielt von Neil Perry; dt. auch Droll genannt) in Ein Sommernachtstraum zum Abschied folgende Verse ans Publikum richten: Wenn wir Schatten euch beleidigt, O, so glaubt – und wohl verteidigt Sind wir dann! – ihr alle schier Habet nur geschlummert hier Und geschaut in Nachtgesichten Eures eignen Hirnes Dichten. Wollt ihr diesen Kindertand, der wie leere Träume schwand, Liebe Herrn, nicht gar verschmähn, Sollt ihr bald was Bessres sehn. Wenn wir bösem Schlangenzischen Unverdienterweis’ entwischen, So verheißt auf Ehre Droll Bald euch unsres Dankes Zoll; Ist ein Schelm zu heißen willig, Wenn dies nicht geschieht, wie billig. Nun, gute Nacht, das Spiel zu enden, Begrüßt uns mit gewognen Händen! If we shadows have offended, Think but this, and all is mended, That you have but slumbered here While these visions did appear. And this weak and idle theme, No mor yielding but a dream, Gentles, do not reprehend; If you pardon, we will mend. And as I am an honest Puck, If we have unearnèd luck Now to scape the serpent’s tongue, We will make amends ere long; Else the Puck a liar call. So good night unto you all. Give me your hands, if we be friends, And Robin shall restore amends.
Robert Herrick (1591–1674) beschreibt in seinem Gedicht Rat an eine Jungfrau, etwas aus ihrem Leben zu machen (OT: To Virgins, to Make Much of Time) das Motto „Carpe diem“:
Pflückt Rosenknospen, solange es geht, die Zeit sehr schnell euch enteilt. Dieselbe Blume, die heute noch steht, ist morgen dem Tode geweiht. Gather ye rosebuds while ye may, Old Time is still a-flying;