mini|hochkant=1.3|Schloss Bertholdsburg, erbaut ungefähr zwischen 1223 und 1232 mini|Rathaus in Schleusingen mini|Schleusingen, „Teutsche Schule“, hennebergisch-fränkisches Fachwerk, 1681 mini|Slusia mit Reh vor dem Rathaus

Schleusingen ist eine thüringische Kleinstadt am südlichen Abhang des Thüringer Waldes im fränkisch geprägten Landkreis Hildburghausen. Sie wird von der Landesplanung als Teil des kreisübergreifenden und funktionsteiligen Oberzentrums Südthüringen festgeschrieben.

Geographie Die Stadt Schleusingen im Henneberger Land erhielt ihren Namen vom Fluss Schleuse, der südlich des Kernstadtgebietes verläuft. Die Kernstadt selbst liegt an der Nahe, einem Nebenfluss der Schleuse. Von Norden kommend mündet die Erle in Schleusingen in die Nahe. Auf dem Gebiet der Stadt liegt der 850 m hohe Adlersberg (Thüringer Wald).

Stadtgliederung Zur Stadt Schleusingen gehören neben der Kernstadt weitere siebzehn Ortsteile:

In der Bevölkerung sind darüber hinaus Begriffe für Wohngebiete wie Ober- und Unterstadt, Schmuckplatz, Weißer Berg, Hirtengrund, Kalkrangen, Sonneneck, Rubetal usw. gebräuchlich.

Geschichte Erstmals urkundlich erwähnt wurde Schleusingen im Jahre 1232 als villa Slusungen. Graf Poppo VII. von Henneberg ließ als Amtssitz und Befestigung in der Zeit von 1226 bis 1232 die Bertholdsburg erbauen. 1274 erfolgte die Teilung der Grafschaft Henneberg in drei Linien. Die Bertholdsburg wurde danach zur Residenz der Schleusinger Linie. Schleusingen erlebte im Jahr 1353 eine erste Brandkatastrophe, durch weitere Stadtbrände wurden 1679, 1765, 1773 und 1876 ganze Stadtteile zerstört.

Schleusingen erhielt 1412 das Stadtrecht, jedoch erst 1533 das Marktrecht. Graf Wilhelm IV. gründete 1502 am Stadtrand ein Barfüßerkloster, das zur Sächsischen Franziskanerprovinz (Saxonia) gehörte.Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Chronologischer Abriß der Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinzen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Werl 1999, S. 223. Während der Unruhen im Bauernkrieg im Frühjahr 1525 wurden die Insassen, Dokumente und Wertgegenstände der benachbarten Klöster Veßra und Trostadt nach Schleusingen und auf die Bertholdsburg in Sicherheit gebracht. Im Jahre 1544 wurde die Reformation eingeführt. Die Ägidienkapelle der St.-Johannis-Kirche wurde 1566 Begräbnisstätte der Henneberger Grafen und von Elisabeth von Brandenburg. Das nach der Reformation 1545 aufgelassene Barfüßerkloster wurde in Landeseigentum überführt und ab 1560 als Schule genutzt. Diese wurde am 7. Juni 1577 als Gymnasium eingeweiht und besteht heute noch unter dem Namen Hennebergisches Gymnasium „Georg Ernst“. Bis 1583 war Schleusingen Sitz der Grafen von Henneberg. Nach dem Tod des Grafen Georg Ernst, mit dem sein Geschlecht im Mannesstamm erlosch, gelangte Schleusingen an die sächsischen Herzöge der Ernestiner und Albertiner Linie, zunächst noch unter gemeinsamer Verwaltung. Von 1500 bis 1806 gehörte Schleusingen zum Fränkischen Reichskreis.

Von 1621 bis 1622 befand sich in der Stadt eine Kippermünzstätte, in der unter dem Münzmeister Barthel Eisendraht Interimsmünzen (Kippermünzen) für Henneberg geschlagen wurden. Das waren Kreuzerstücke und sogenannte Kippertaler zu 40 Groschen.

Zu einer wirtschaftlichen Bedeutung kam Schleusingen durch Zuzug von Glasmachern aus dem hessischen Gläsnerbund und dem Spessart. Die reichen Holzvorräte im gebirgigen Hinterland des Thüringer Waldes bildeten bis in das 19. Jahrhundert die Grundlage zahlreicher Glashütten und bedeutender Thüringer Porzellanmanufakturen. Während des Dreißigjährigen Krieges konnte der Stadtkommandant Ludwig Ernst Marschall beim Eintreffen der ersten kaiserlichen Truppen 1634 mit viel Verhandlungsgeschick die Stadt vor der Plünderung und Zerstörung durch die Kroaten des gefürchteten Generals Isolani retten. Diese nutzten jedoch Schleusingen als Winterquartier und zogen werraabwärts plündernd und brandschatzend bis in die Kuppenrhön.

Im Sächsischen Teilungsvertrag von 1660 fielen Stadt und Amt Schleusingen an Sachsen-Zeitz. Im Jahre 1709 wurde mit dem Bau eines Badehauses am Wilhelmsbrunnen begonnen. Nach dem Erlöschen der Linie Sachsen-Zeitz fiel Schleusingen an das Kurfürstentum Sachsen. Die St.-Johannis-Kirche wurde 1725 umgebaut. Die Stadtkirche entstand im Barockstil.

Ab 1815 gehörte Schleusingen zu Preußen und wurde 1816 zur Kreisstadt des Kreises Schleusingen erhoben. Die Kunststraßen nach Suhl, Hildburghausen, Burgstraße, Königstraße, Kloster Veßra und Ilmenau wurden 1817 gebaut. Die Jahre 1846 und 1847 waren schwere Hungerjahre. Bei der bürgerlichen Revolution 1848 kam es in Schleusingen zu einer großen Volksversammlung und zu Krawallen auf dem Markt. Eine Straße nach Eisfeld wurde 1849 gebaut. Von 1870 bis 1874 wurde das Gymnasium neu erbaut.

Im Jahr 1888 wurde die Bahnstrecke Schleusingen–Themar, 1904 die Rennsteigbahn nach Ilmenau und 1911 die Friedbergbahn nach Suhl gebaut. Seit dem späten 19. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zum Erholungsort. Im 19. Jahrhundert war die jüdische Gemeinde so angewachsen, dass sie 1881 an der Ecke Berthold-/Walchstraße eine neue Synagoge einweihte. Sie wurde beim Novemberpogrom 1938 von den Nazis zerstört, woran eine 1988 angebrachte Gedenktafel erinnert. Die 1932 noch vorhandenen circa 30 Gemeindemitglieder wurden in die Emigration getrieben oder 1942 in die Vernichtungslager deportiert. Auf dem Jüdischen Friedhof im Judengrund fand 1937 die letzte Beerdigung statt.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten 1612 Frauen und Männer vorwiegend aus der Sowjetunion sowie Kriegsgefangene aus den von Deutschland besetzten Ländern Zwangsarbeit verrichten: in der Land- und Forstwirtschaft, im Zieh- und Stanzwerk, in der Firma Adam Heinz Glashütte Friedrichswerk, in der Firma L. F. Ansorg und in der Bahnmeisterei. An 44 verstorbene Häftlinge des „Arbeitserziehungslagers“ Römhild erinnert eine Gedenkanlage auf dem Friedhof an der Ilmenauer Straße.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe Heimatgeschichtliche Wegweiser, Band 8: Thüringen. Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 132.

Schleusingen wurde 1945 zuerst durch US-amerikanische, später durch sowjetische Truppen besetzt. Der Landkreis Schleusingen wurde in das Land Thüringen eingegliedert und 1946 in Landkreis Suhl umbenannt. Die Stadt gehörte 1950 bis 1952 für zwei Jahre zum Landkreis Hildburghausen, kehrte danach aber wieder in den Kreis Suhl zurück. Das Amtsgericht Schleusingen wurde 1951 aufgelöst. Nach der Wende wurde Schleusingen 1994 in den Landkreis Hildburghausen eingegliedert.

Wiederholt versuchte die NPD im Ort Fuß zu fassen, stieß aber auf die Ablehnung der Bürger. Höhepunkt war 2007, als ein NPD-Funktionär und Neonazi versuchte, in die Freiwillige Feuerwehr Schleusingen einzutreten. Daraufhin legte die Feuerwehr des Ortes eine Liste mit 42 Personen vor, die in diesem Fall austreten würden. Der Bürgermeister lehnte das Ansinnen des NPD-Funktionärs ab. Dieser Fall von Zivilcourage machte den Ort in ganz Deutschland bekannt.

Die Kernstadt Schleusingen hatte im Jahr 2013 4122 Einwohner.

Eingemeindungen Fischbach am 1. März 1970 Geisenhöhn und Gottfriedsberg am 1. April 1974 Gethles, Ratscher und Heckengereuth am 22. Februar 1994 Rappelsdorf am 1. Juni 1996 Nahetal-Waldau und St. Kilian (für St. Kilian war Schleusingen zuvor erfüllende Gemeinde) am 6. Juli 2018

Einwohnerentwicklung mini|hochkant=2|Einwohnerentwicklung von Schleusingen von 1791 bis 2018 (jeweiliger Gebietsstand)

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 jeweils am 31. Dezember): Jahr Einwohner 1631 1.814Wilhelm Maesser: Die Bevölkerung des Kreises Schleusingen, vornehmlich im 17. Jahrhundert, Seite 91. 1646 1.151Wilhelm Maesser: Die Bevölkerung des Kreises Schleusingen, vornehmlich im 17. Jahrhundert, Seite 23. 1660 1.052 1791 2.050 (2.245) 1831 2.725 1852 3.105 1960 5.310 1994 5.585 1995 5.605 1996 6.007 1997 5.995 1998 5.990 1999 5.949 2000 5.923 Jahr Einwohner 2001 5.854 2002 5.892 2003 5.868 2004 5.808 2005 5.769 2006 5.653 2007 5.609 2008 5.481 2009 5.445 2010 5.384 2011 5.415 2012 5.392 2013 5.394 2014 5.390 Jahr Einwohner 2015 5.342 2016 5.391 2017 5.323 2018 10.960 2019 10.930 2020 10.801 2021 10.656 2022 10.542 2023 10.374 2024 10.225

Politik

Stadtrat Der Stadtrat der Stadt Schleusingen besteht aus 24 gewählten Mitgliedern und zusätzlich dem Bürgermeister, der dem Stadtrat vorsitzt. Die Mitglieder des Stadtrates sind in folgenden Gremien tätig: Hauptausschuss, Ausschuss Bau/Wirtschaft/Ordnung, Kulturausschuss, Aufsichtsratsmitglieder der Wohnungsgesellschaft mbH Schleusingen und als Mitglieder der Stadt Schleusingen im Aufsichtsrat der Henneberg-Kliniken gGmbH Hildburghausen.

Die Kommunalwahl am 26. Mai 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 69,6 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Stadtratswahl am 26. Mai 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Stadtratswahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 26,9 % 7 30,7 % 7 Bürgerinitiativen für Schleusingen (18sind1) – – 25,3 % 6 Freie Wählergemeinschaft Schleusingen (FWS) 29,5 % 7 14,6 % 4 Bündnis-Zukunft-Hildburghausen (BZH) 4,9 % 1 8,9 % 2 Freie Wählergemeinschaft Waldau (FWW) 8,8 % 2 7,7 % 2 SPD 16,9 % 4 5,7 % 1 Die Linke 7,9 % 2 4,8 % 1 AKTIV 3,2 % 1 2,2 % 1 FDP 1,8 % – – – Insgesamt 100 % 24 100 % 24

Bürgermeister 1990–2018: Klaus Brodführer (CDU) 2018–2024: André Henneberg (Freie Wählergemeinschaft Schleusingen)Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 28. Oktober 2018 seit 2024: Alexander Brodführer (CDU)

Alexander Brodführer wurde am 1. September 2024 mit 69,1 % der gültigen Stimmen zum neuen Bürgermeister gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 1. September 2024

Wappen mini|hochkant=0.5|links|Schleusinger Wappen Blasonierung: „In Blau eine wachsende silberne Torburg aus drei Rundtürmen mit roten Glockendächern, goldenen, beknauften, linkswehenden Wetterfahnen, die Flankentürme zur halben Höhe schwarz gefugt, erhöht von schwarzem Rundbogenfenster, der erhöhte Mittelturm mit zwei niedrigen, schwarzen Rundbogenfenstern über eingefasstem, offenem goldenem Portal, darin auf grünem Dreiberg eine schwarze, rotbewehrte Henne.“

Das Wappen geht im Wesentlichen auf ein Stadtsiegel von 1430 zurück, das Mechthild, Gemahlin des Grafen Heinrich XI. von Henneberg, der Stadt verlieh. Der seinerseits noch vorhandene badische Schrägbalken aus dem Familienwappen Mechthilds entfiel später. Die heute gültige Form erhielt das Wappen 1938.

Städtepartnerschaft Seit 1990 besteht mit der Stadt Plettenberg im Sauerland (Nordrhein-Westfalen) eine Städtepartnerschaft.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Stadtkirche Sankt Johannis mini|Johann Ulrich Stähelin: Schleusinger Marktplatz mit Festumzug zum Schützenfest 1874 mini|Blick vom Merbelsroder Wachberg (621 m) auf die Talsperre Ratscher bei Schleusingen Zu den Sehenswürdigkeiten gehören das Schloss Bertholdsburg, die St. Johanniskirche und die Teutsche Schule.

Sehenswert ist auch die evangelische Kreuzkirche. Die Kirche befindet sich im Norden der Stadt am Friedhof. 1454 wurde an dieser Stelle eine Heiligenkreuzkapelle errichtet, 1530 der Friedhof an diese Stelle verlegt. Nachdem die Kapelle nach der Reformation verfallen war, wurde zwischen 1600 und 1602 diese Gottesackerkirche erbaut, damals mit längst zurückgebautem kleinem sechseckigem Turm mit Totenglocke in der Mitte des Daches. Die Orgel von 1896 wurde 1949 von 11 auf 12 Register erweitert. Die Kirche wurde in den 2010er Jahren restauriert.

Außerdem gibt es das 1577 von Graf Georg Ernst von Henneberg-Schleusingen gegründete Hennebergische Gymnasium, eines der ältesten Gymnasien Deutschlands.