Schwepnitz () ist eine Gemeinde in der Westlausitz im Norden von Sachsen, etwa 12 Kilometer nordwestlich von der Stadt Kamenz und rund 35 Kilometer nordöstlich von Dresden entfernt. Sie liegt zwischen Königsbrück und Bernsdorf am Wasserstrich. Westlich von Schwepnitz befindet sich die Königsbrücker Heide mit dem ehemaligen Truppenübungsplatz Königsbrück.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Schwepnitz besteht aus folgenden Ortsteilen: Bulleritz (Bólericy), 308 Einwohner Cosel (Kózły), 159 Einwohner Grüngräbchen (Zelena Hrabowka), 382 Einwohner Schwepnitz (Sepicy), 1596 Einwohner Zeisholz (Ćisow), 137 EinwohnerStand: 15. Dezember 2012; Angaben des Einwohnermeldeamtes Königsbrück

Geschichte mini|links|Ansicht um 1830 mini|links|Bulleritz, Herrenhaus des ehem. Ritterguts

Der Ortsname leitet sich vom altsorbischen Svepeťnica (von altsorbisch: svepet „Bienenstock“) für einen Bach ab, der durch einen Wald mit Bienenstöcken fließt,Ernst Eichler (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Band II: M–Z. Akademie-Verlag, Berlin 2001, S. 396. und stammt vermutlich aus der zweiten Besiedlungsperiode durch die Slawen. Der erste schriftliche Nachweis stammt jedoch erst von 1343.

Das abgeschiedene Heidedorf gehörte zunächst zur Herrschaft Kamenz und seit der Mitte des 16. Jahrhunderts zur Standesherrschaft Königsbrück. Bis ins 17. Jahrhundert wurde in Schwepnitz Sorbisch gesprochen und in der dortigen Kirche auch gepredigt, bis Ende des Jahrhunderts war die Sprache jedoch aus dem dortigen Alltag verschwunden.Vgl. Friedrich Pollack: Kirche – Sprache – Nation. Domowina-Verlag, Bautzen 2018, S. 190.

Seit der Gründung einer Glashütte durch die Bernsdorfer Glasmacherfamilie Klahn im Jahre 1865 entwickelte sich der Ort zu einer Industriegemeinde; mit Zugehörigkeit zur Amtshauptmannschaft Kamenz. Das örtliche Rittergut besaß damals die freiherrliche sächsische Nebenlinie der eigentlich brandenburgischen Uradelsfamilie von Rochow; mit Sitz an der sächsisch-preußischen Grenze, bei Strauch-Merzdorf. Ein VertreterFranz Schroeder: Bad Neuenahr seine Wirkungen, Orts- und Curverhältnisse. 13. Auflage, Bad Neuenahr 1895, S. 43. dieses Adelsgeschlecht vor Ort war Adolf Freiherr von Rochow (1851–1899), zugleich Besitzer eines Geld-Fideikommiss.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1900. Fünfzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1899, S. 613. Er war auch beim Jubiläum der Wettiner 1889 in Dresden zugegen.Dr. Blochwitz: Nachtrag zur amtlichen Festschrift. Die Wettin-Feier in Dresden. Juni 1889. Ein Blatt der Erinnerung für jeden Festteilnehmer. Albanus, Dresden 1889, S. 10. Sein Gut erbte später seine Schwester Amélie von Rochow, die mit Emil Alexander von Wolffersdorff verheiratet war.Allgemeiner Anzeiger zum Militär-Wochenblatt. Nr. 68, E. S. Mittler & Sohn, Berlin, 30. Mai 1908, S. 632. verheiratet war.Ad. M. Hildebrandt: Der Deutsche Herold. Zeitschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde . Jahrgang XXXI, Nr. 3, Hrsg. Herold (Verein), Selbstverlag-Carl Heymanns Verlag im Auftrag, Berlin März 1900, S. 58. Amélie von Wolffersdorff geb. von Rochow-Strauch starb 1914 in Dresden, als Gutsherrin auf Schwepnitz. Erbe der 153 ha wurde im Minorat ihr jüngster 1877 geborener Sohn Arndt von Wolffersdorff (1877–1965).Walter von Hueck, Klaus von Andrian-Werburg, Christoph Franke: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A. (Uradel). 1996. Band XXIV, Band 111 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn, S. 563–564. Der kgl. sächs. Rittmeister d. R. des Garde-Reiter-Regiments hatte seine Frau Lucia von Studnitz, geschiedene von Campe,Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. 1918. Der in Deutschland eingeborene Adel. Neunzehnter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha Anfang November 1917, S. 949 f. in Mecklenburg auf Schloss Hülseberg geheiratet.

Mitte der 1920er Jahre bestanden neben dem Rittergut der Familie von Wolffersdorf weiterhin noch mehrere größere Forst- und Landwirtschaftsbetriebe. Dem Sächsischen Staatsfiskus gehörten 1106 ha Forstfläche auf der Gemarkung von Schwepnitz. Des Weiteren waren neun Höfe vorhanden und das 20,5 ha große Pfarrlehn.Vgl. Ernst Ullrich, Ernst Seyfert: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Güter und Wirtschaften im Freistaat Sachsen. . Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. (Letzte Ausgabe), Band IX, 3. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1925, S. 43.

Mit der Klosterhütte entstand 1932 eine zweite Glasfabrik. Im Zweiten Weltkrieg erlitt Schwepnitz starke Zerstörungen. Die Besitzer des Rittergutes wurde 1945/1946 enteignet. Die letzte direkte Nachfahrin, Vera von Wolffersdorff, starb 2011 hundertjährig als Altabtissin„Wir haben einen Spruch: Klosterluft konserviert“., In: Walsroder Zeitung. 12. Februar 2011. Vgl. Bürgerliste Walsrode: „Wunderschönes Symbol auch fürs Kloster“. Bürgerliste pflanzt Elsbeere zu Ehren der Walsroder Altäbtissin Vera von Wolffersdorff. des Klosters Walsrode.

Die Glasfabriken wurden in der DDR enteignet und 1972 im VEB Sachsenglas Schwepnitz zusammengeführt. Hier wurden ab 1980 bis 1990 die durch ein patentiertes Ionenaustauschverfahren verfestigten „Superfest“-Trinkgläser für die Gastronomie hergestellt. Der Betrieb war Teil des Kombinats Lausitzer Glas. Im Jahr 2000 endete die Glasproduktion in Schwepnitz.

Politik Gemeinderat

Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die zwölf Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

+letzte GemeinderatswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Erste Freie Wählervereinigung Schwepnitz1078,41070,4970,8Freunde des DRK110,9–6,519,3Wählervereinigung Grüngräbchen110,7111,6––AfD––111,4––Seniorenclub Grüngräbchen––––19,3SPD––––18,7Wahlbeteiligung75,3 %71,1 %62,0 %

Bürgermeister 1990–2001: Lothar Helmert (SPD) 2001–2008: Heiko Driesnack (CDU) 2008–2025: Elke Röthing (parteilos) seit 2025: Marco Schmidt (Erste Freie Wählervereinigung Schwepnitz)

Marco Schmidt wurde bei der Bürgermeisterwahl am 17. August 2025 mit 71,9 % der gültigen Stimmen zum neuen Bürgermeister gewählt. Er ist seit dem 1. November 2025 im Amt. Seine Vorgängerin Elke Röthing war vor dem regulären Ablauf ihrer Amtszeit in den Ruhestand gegangen.

+letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2025Marco SchmidtEFWV71,92022Elke RöthigRöthig73,5201596,2200847,22001Heiko DriesnackCDU53,5

Städtepartnerschaften Flonheim, Deutschland Kożuchów, Polen

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|links|Kirche mini|hochkant|Rhododendren aus Grüngräbchen (1903) mini|Schloss (1915) mini|Herrenhaus Schwepnitz (Zustand 2016)

Im Ortsteil Grüngräbchen gibt es eine öffentlich zugängliche mehrere Hektar große Rhododendron-Gärtnerei, die von den Nachkommen der sächsischen Gärtnerdynastie Seidel betrieben wird. Zur Blütezeit ist sie wegen ihrer Größe (mehrere tausend Rhododendronsträucher verschiedensten Alters) und Vielfalt der Blütenfarben ein Besuchermagnet. Schwepnitz hält einen für die Region nordöstlich von Dresden bedeutenden Weihnachtsmarkt ab.

Die Kulturdenkmale sind in der Liste der Kulturdenkmale in Schwepnitz aufgeführt.

Naturschutz

Wirtschaft und Infrastruktur Im westlichen Bereich der Gemeinde ist ein Industriegebiet mit einer Fläche von 35 ha ausgewiesen, in dem verschiedene Firmen der Bau-Chemieprodukten- und Kartonherstellung einen Produktionsstandort betreiben, darunter die Firma Paul Bauder.

Verkehr Schwepnitz befindet sich an der Bundesstraße 97 und ca. 20 km von den Autobahnanschlussstellen der A4 (Hermsdorf, Ottendorf-Okrilla) und der A13 (Ruhland, Thiendorf) entfernt. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind Dresden, Hoyerswerda und Kamenz gut zu erreichen.

Zwischen 1899 und 1998 bestand eine Bahnstrecke als Normalspur, diese wurde 2001 stillgelegt und zwischen 2004 und 2005 zurückgebaut.

Bildung Die Gemeinde Schwepnitz verfügt über eine Grundschule und seit 2007 über eine Freie Mittel- bzw. Oberschule, nachdem die staatliche Mittelschule Schwepnitz geschlossen wurde. Im Jahr 2017 kam ein berufliches Gymnasium im Profil Gesundheit und Sozialwesen als Erweiterung hinzu.

Persönlichkeiten Johann Gottlieb von Wolff (1756–1817), kurfürstlich-sächsischer Leutnant und Kammerjunker, Landrat und Gutsbesitzer in Livland. Kaufte 1802 das Rittergut Grüngräbchen, ließ ein Herrenhaus erbauen und lebte ab 1804 dort dauerhaft. Gerhard Heinrich Jacobjan Stöckhardt (1772–1830), lutherischer Geistlicher, Philologe Eduard Leonhardi (1828–1905), Kunstmaler, ab 1875 als Besitzer der Glashütte Schwepnitz auch Fabrikant Emil Weber (1859–1928), LandesgeologeEmil Bernhard Weber: Studien über Schwarzwälder Gneisse. Inaugural-Dissertation Universität Leipzig, 1883; als Buch veröffentlicht: A. Hölder, Wien 1883; Reprint: Forgotten Books, London 2018, ISBN 978-1-391-05981-5., ChemikerRainer Frenzel: Der Landesgeologe und Chemiker Dr. Emil Weber. In: Beiträge zur Heimatkunde der Westlausitz, Heft 4/1992, S. 35–41., Ziegeleibesitzer, entwickelte Patente für die Glas- und TonindustrieVerfahren aus plastischen Tonen durch Zusatz von Soda, Natronlauge, Ammoniak, Pottasche, Wasserglas, Melasse, Seife u. dgl. gußfähige Masse herzustellen, Deutsches Patent Nr. DE159193, Zusatz zum Patente Nr. DE158496, Kaiserliches Patentamt Berlin, angemeldet 12. Juli 1903, ausgegeben 10. März 1905. T. J. Rudolf Seidel (1861–1918), Gärtner u. Pflanzenzüchter, Begründer des weltweit angesehenen Gartenbaubetriebs T. J. Rud. Seidel in Grüngräbchen Richard Tischer (1870–1940), Schulleiter und Oberlehrer der Elementarschule mit FortbildungsschuleHandbuch der Schul-Statistik für das Königreich Sachsen. Band N. F. 19 (1903), S. 581.Sowie Band N.F. 22 (1913) S. 537. Rammingsche Buchdruckerei und Verlag, Dresden.Siehe auch: 650 Jahre Schwepnitz i. Sa., Festwoche 1993, Gemeindeverwaltung Schwepnitz, Schwepnitz 1993, S. 19. sowie Kantor und Organist der Kirchengemeinde in Schwepnitz, HeimatkundlerR. Tischer (Berichterstatter): Umfrage des NSLB Sachsen zu Einstellungen, Sitten und Gebräuchen in der Bevölkerung bezüglich Heirat, Geburt, Tod, Aberglauben/Geister, Wahrsagen, Besprechen u. ä. Schwepnitz ca. 1933.Handschriftlich ausgefüllter Original-Fragebogen, In: Archiv Dr. R. Frenzel, Pulsnitz; R. Tischer u. a., Brauchtum um Geburt und Taufe Kreis Kamenz 1934, Frühlings-Brauchtum Kreis Kamenz 1935, Weihnachtsbrauchtum Kreis Kamenz 1936. Unveröffentlichte Erhebungen im Rahmen der Volkskundlichen Landesaufnahme, z. T. mit späteren Nachträgen, Landesstelle für Volksforschung und Volkstumspflege in Sachsen, vorhanden und ausleihbar, In: Sorbische Zentralbibliothek, Bautzen.Siehe auch: Rainer Frenzel: ...damit der Tod nicht ins Dorf komme. In: Oberlausitzer Hausbuch 2001. Lusatia Verlag, Bautzen 2000, S. 165–166. Erich Stange (1888–1972), evangelischer Theologe, Reichswart der Evangelischen Jungmännerbünde und einer der Begründer der Telefonseelsorge in Deutschland Annerose Fröhlich (1893–1970), Pädagogin und Historikerin Harald Karas (1927–2015), deutscher Journalist, 1952–1991 Nachrichtensprecher sowie Rundfunk- und Fernsehmoderator in West-Berlin Dietmar Hommel (* 1936), Kunstmaler,Dietmar Hommel, Schwepnitz: Aquarelle, Pastelle; Ausstellung im Kreiskulturhaus Bischofswerda vom 15.1. - 28.2.1978, Ausstellungskatalog, Bischofswerda 1978. Anne Kaiser/Gert Claussnitzer Dietmar Hommel, Jahreszeiten: Wachspastelle und Zeichnungen 1980-1982; Ausstellung im Stadt- und Kreismuseum Zittau, April-Mai 1983, Ausstellungskatalog, Stadtmuseum Zittau 1983Martin Schmidt Der Maler Dietmar Hommel, Ernst-Rietschel-Kulturring, Pulsnitz 2008.Sören Fischer: Dietmar Hommel - Kulturkreise: Ausstellungskatalog, zugleich Bestandsverzeichnis der Arbeiten Dietmar Hommels in den Städtischen Sammlungen Kamenz. In: Kleine Schriften der Städtischen Sammlungen Kamenz. Band 5, Kamenz 2016. Philosoph Peter Fiedler (* 1937), Glasgestalter