mini|Neues Rathaus, Hannovers Wahrzeichen mini|Neues Rathaus mit Maschpark, Aegidienkirche, Verwaltungsgebäude der Nord/LB, Landesmuseum, Südstadt, rechts der Maschsee mini|Messegelände Hannover von Norden, März 2008 mini|Das Goldene Tor in den Herrenhäuser Gärten mini|Schützenfest Hannover 2014 von oben mini|Maschsee

Hannover ist die Hauptstadt des Landes Niedersachsen. Der am Südrand des Norddeutschen Tieflandes an der Leine gelegene Ort wurde 1150 erstmals erwähnt und erhielt 1241 das Stadtrecht. Hannover war ab 1636 welfische Residenzstadt, ab 1692 Residenz des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg und ab 1814 Hauptstadt des Königreichs Hannover. Von 1714 bis 1837 bestand die Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover, wonach Hannovers Monarchen auch gleichzeitig die Könige Großbritanniens waren. Nach der Annexion des Königreiches Hannover durch Preußen wurde Hannover ab 1866 Provinzhauptstadt der Provinz Hannover und nach Auflösung Preußens im August 1946 Hauptstadt des Landes Hannover. Seit dessen Fusion mit den Freistaaten Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe im November 1946 ist Hannover niedersächsische Landeshauptstadt. Seit 1875 Großstadt, zählte sie 2025 mit 558.051 Einwohnern zu den 14 einwohnerreichsten Städten Deutschlands.

Stadt und früherer Landkreis sind zu einem Kommunalverband besonderer Art, der Region Hannover, zusammengeschlossen, die der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg angehört. In Hannover kreuzen sich wichtige Schienen- und durch Hannover verlaufen wichtige Straßenwege der Nord-Süd- und Ost-West-Richtung, der Hauptbahnhof, der ZOB und der Flughafen gehören jeweils zu den Top 10 in Deutschland. Über den Mittellandkanal ist die Stadt mit mehreren Häfen an das Binnenschifffahrtsnetz angebunden. Vom 13. Jahrhundert bis ca. 1620 war Hannover Hansestadt und ist seit Ende Juni 2019 Mitglied in der Neuen Hanse.haz.de: Hannover ist wieder Hansestadt Hannover ist Sitz der Evangelischen Kirche in Deutschland und Hauptsitz der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen.

Hannover ist Standort von siebzehn Hochschulen und mehreren Bibliotheken. Der Briefwechsel von Gottfried Wilhelm Leibniz und der Goldene Brief, aufbewahrt in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, gehören zum Weltdokumentenerbe der UNESCO. Hannover ist ein bedeutender Forschungs-, Wirtschafts- und Medienstandort sowie eine überregional bedeutende Einkaufsstadt. Die Kulturszene gilt mit zahlreichen Theatern, Museen, Galerien und internationalen Theater-, Musik- und Tanzfestivals als vielfältig. Einige Museen besitzen Sammlungen von Weltrang. Im Georgenpalais sitzt das Wilhelm Busch – Deutsche Museum für Karikatur und Zeichenkunst. Das Niedersächsische Staatstheater mit Staatsoper und Schauspiel, das GOP, das Neue Theater und das TAK gehören zu den renommiertesten Theatern in Deutschland. Hannover ist eine bedeutende Sportstadt und auf Grund der vielfältigen Musikszene mit renommierten Orchestern, Chören und Bands auch eine UNESCO City of Music. Der Kuppelsaal ist Deutschlands größter klassischer Konzertsaal und der Jazz Club Hannover ist einer der renommiertesten Jazz-Clubs Europas.

Das Stadtbild ist geprägt durch zahlreiche öffentliche Grünanlagen, eine hohe Dichte an Straßenkunst und zahlreiche Baudenkmale, dazu gehören repräsentative Bauten der Norddeutschen Backsteingotik, der Hannoverschen Architekturschule, des Backsteinexpressionismus und des Klassizismus. Überregional bekannt sind der Erlebnis-Zoo Hannover, der Maschsee und die Herrenhäuser Gärten mit dem Schloss Herrenhausen, eine weltweite Rarität ist der Bogenaufzug im Neuen Rathaus. In der Marktkirche liegt der Deutsche Michel und in der Neustädter Kirche liegt Gottfried Wilhelm Leibniz begraben. Die Basilika St. Clemens ist Norddeutschlands größte Kirche mit rein italienischem Charakter und die Pagode Viên Giác ist eine der größten Pagoden Europas. Mit dem zweitgrößten Messegelände der Welt und zahlreichen Weltleitmessen (u. a. Hannover-Messe) ist Hannover eine der führenden Messestädte Europas. Jährlich findet das größte Schützenfest der Welt statt und seit 1955 trägt Hannover den offiziellen Ehrentitel „Schützenstadt“. Das Maschseefest ist das größte Seefest Deutschlands.

Geografie Lage mini|Hannover und Umgebung

Hannover liegt im Tal der Leine am Übergang des Niedersächsischen Berglands zum Norddeutschen Tiefland, die Stadtmitte auf 52°22'28" N und 9°44'19" O. Im Südwesten der Stadt grenzen die Ausläufer des Weserberglandes mit fruchtbaren Lössböden, im Norden die sandigen und moorigen Geestlandschaften der Burgdorf-Peiner und der Hannoverschen Moor-Geest an das Stadtgebiet.

Die naturräumliche und verkehrsgeographische Lage bot Hannover günstige Voraussetzungen für die Entwicklung vom mittelalterlichen Dorf zur Großstadt. Im Mittelalter passierte ein bedeutender Nord-Süd-Handelsweg durch das Leinetal die Ortsstelle an einer Flussfurt. Im 19. Jahrhundert folgte die Eisenbahn diesem Verlauf und durch den Bau des Mittellandkanals als Ost-West-Verbindung im 20. Jahrhundert lag Hannover am Kreuzungspunkt dieser wichtigen Verkehrswege. Gleiches gilt für den Straßenverkehr durch den Schnittpunkt der Bundesautobahnen A 2 und A 7 nahe Hannover.

Die nächstgelegenen Großstädte sind Hildesheim, Salzgitter, Braunschweig, Wolfsburg, Bielefeld und Göttingen. Die Nordseeküste liegt etwas näher an Hannover als die Ostseeküste.

* Entfernungen sind gerundete Straßenkilometer bis zum Ortszentrum.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden der Region Hannover grenzen an die Stadt Hannover: Langenhagen, Isernhagen, Lehrte, Sehnde, Laatzen, Hemmingen, Ronnenberg, Gehrden, Seelze und Garbsen. Dabei ist die Umgebung geprägt durch städtisch geprägte Bebauung entlang der Verkehrsachsen sowie durch ländlich geprägte Bauweise in anderen Teilen. Im Ballungsraum Hannover lebten 2019 etwa 1.130.000 Menschen.

Stadtgliederung

mini|Stadtteile und Stadtbezirke von Hannover hochkant=0.7|mini|Grenzpfahl mit Wappendarstellung auf der Lenther Chaussee an der Stadtgrenze

Hannover ist eine Einheitsgemeinde und besteht aus 51 Stadtteilen. Jeweils zwei bis sieben dieser Stadtteile sind zu einem Stadtbezirk zusammengefasst, so dass folgende 13 Stadtbezirke bestehen: Mitte, Vahrenwald-List, Bothfeld-Vahrenheide, Buchholz-Kleefeld, Misburg-Anderten, Kirchrode-Bemerode-Wülferode, Südstadt-Bult, Döhren-Wülfel, Ricklingen, Linden-Limmer, Ahlem-Badenstedt-Davenstedt, Herrenhausen-Stöcken und Nord.

Über elf Prozent des etwa 200 Quadratkilometer großen Stadtgebietes sind öffentliche Grünflächen, weshalb Hannover auch als Großstadt im Grünen bezeichnet wird. Der zentrumsnahe Stadtwald Eilenriede hat allein eine Größe von 650 Hektar.

Topographie Gewässer Südlich des Stadtzentrums befindet sich der Maschsee, ein circa 78 Hektar großer künstlich angelegter See ohne natürlichen Zu- und Ablauf.

Von Süden her kommend fließt die Leine durch Hannover nordwestlich in Richtung Aller. In Höhe des Maschsees wird über den Schnellen Graben Leinewasser zur Ihme geleitet. Das dortige Wehr dient neben der Regulierung des Wasserstandes der Stromerzeugung. Die Ihme ist ein kleiner Bach, der aus dem Calenberger Land kommt. Durch die Zuleitung von Leinewasser wird sie zum Fluss, der sich nach wenigen Kilometern wieder mit der Leine vereinigt. Ab hier ist die Leine schiffbar. In Limmer mündet die Fösse in die Leine.

Gelände Hannover liegt durchschnittlich . Die höchsten natürlichen Erhebungen im Stadtgebiet sind der am Südostrand gelegene Kronsberg, dessen höchster Punkt mit 118,2 Metern ein um einige Meter künstlich erhöhter Aussichtshügel ist, und der 89,0 Meter hohe Lindener Berg. Die höchste künstliche Erhebung ist der Nordberg mit 122 MeternConrad von Meding: In: Hannoversche Allgemeine Zeitung. 4. Juni 2010, abgerufen am 30. April 2020. am Nordostrand auf dem Gelände der Mülldeponie Lahe. Der tiefste Punkt befindet sich im Landschaftsschutzgebiet Klosterforst Marienwerder und liegt .

Klima Hannover liegt in einer Region mit Seeklima (Typ Cfb). Die Jahresmitteltemperatur liegt bei etwa 10,6 °C.Vergleiche World map of Köppen-Geiger Climate Classification auf Wikimedia Commons (siehe auch Köppen-Geiger-Klassifikation); Quelle: Im langjährigen Mittel erreichte die Lufttemperatur in Hannover 8,7 °C und es fielen 661 Millimeter Niederschlag. Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 22 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden.

Natur- und Landschaftsschutzgebiete Teilweise im Stadtgebiet liegen die Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiete Altwarmbüchener Moor, Mergelgrube bei Hannover, Leineaue zwischen Ruthe und Hannover, Bockmerholz-Gaim sowie Aller (mit Barnbruch), untere Leine, untere Oker. Teilweise darin enthalten sind, ganz oder teilweise im Stadtgebiet liegend, die Naturschutzgebiete Bockmerholz, Mergelhalde und Gaim sowie die Landschaftsschutzgebiete Wietzeaue, Obere Wietze, Laher Wiesen, Kugelfangtrift-Segelfluggelände, Altwarmbüchener See, Altwarmbüchener Moor-Ahltener Wald, Mardalwiese, Breite Wiese-Nasse Wiese, Alte Bult, Kronsberg, Obere Leine, Hirtenbach/Wettberger Holz, Benther Berg Vorland/Fössetal, Mittlere Leine und Mecklenheide/Vinnhorst.Karte Naturschutzgebiete des Bundesamtes für Naturschutz (BfN)

Geschichte

Siedlungsspuren, Gründung und erste Blüte mini|hochkant|Ältestes Fachwerkhaus Hannovers von 1566 in der Burgstraße 12

Auf dem Gebiet der späteren Alt- und Neustadt Hannovers wurden Spuren einer Besiedlung „von nicht geringer Ausdehnung“ aus der römischen Kaiserzeit (1. bis 3. Jahrhundert n. Chr.) gefunden, wie der Stadthistoriker Helmut Plath schrieb. Reste von Tongefäßen aus dieser Zeit fanden sich unter der Aegidienkirche. In einem alten Leinearm wurde ein Denar des römischen Kaisers Severus Alexander (222–235) geborgen, für Plath der Beweis, dass die Siedlung „von dem mit den Römern in Zusammenhang stehenden Handel erreicht wurde“. Die Siedlung unbekannten Namens könnte mit dem Ort Touliphourdon (lateinisch Tulifurdum) identisch sein, den der Geograph Claudius Ptolemäus in einer um 150 n. Chr. entstandenen Karte der Germania magna einzeichnete. Wissenschaftler des Instituts für Geodäsie der TU Berlin lokalisierten Tulifurdum im Jahr 2010 mittels einer neuen Kartenprojektion „bei Hannover“. Sprachgeschichtlich ist der Name als Zusammensetzung der lateinischen Wörter tuli („ich habe getragen“) und furdum („Furt“), was auf den Leineübergang Hannovers hinweisen könnte, gedeutet worden.Michael Krische: Hannover viel älter als gedacht. In: Neue Presse (Hannover), 30. September 2010; Hans-Jörg Nüsse, Christian Marx, Dieter Lelgemann: Germania magna – Ein neuer Blick auf eine alte Karte. Entzerrte geographische Daten des Ptolemaios für die antiken Orte zwischen Rhein und Weichsel. In: Germania. Band 89, 2011, S. 115–155 (researchgate.net [englische Kurzversion, S. 12]).