mini|hochkant=1.4|Luftbild mit Altstadtinsel am Strelasund (2011). mini|Das Rathaus am Alten Markt (2015) mini|Stralsund von Altefähr aus gesehen (2013) mini|hochkant=0.7|Rügenbrücke von Stralsund nach Rügen (Blick vom Dänholm (2011)) mini|Blick auf Stralsund aus der Luft Stralsund [] (seit 1990 amtlich Hansestadt Stralsund) ist eine Stadt im Nordosten Deutschlands. Sie gehört zum Landesteil Vorpommern des deutschen Landes Mecklenburg-Vorpommern und ist Kreisstadt des Landkreises Vorpommern-Rügen. Nach Landesrecht führt Stralsund die Bezeichnungen Hansestadt S. 3. und Große kreisangehörige Stadt.Kommunalverfassung Mecklenburg-Vorpommern
Stralsund erhielt 1234 das Lübische Stadtrecht. Damit ist sie die älteste Stadt Pommerns. Als Gründungsmitglied der Hanse kam Stralsund durch internationalen Handel zu beachtlichem Wohlstand. Die Altstadt mit ihren zahlreichen Baudenkmalen und besonders wertvollen Zeugnissen der Backsteingotik gehört seit 2002 mit dem Titel Altstädte von Stralsund und Wismar zum UNESCO-Weltkulturerbe. Stralsund ist als Erholungsort und bedeutendes touristisches Zentrum der südlichen Ostseeregion zudem bekannt für das Meeresmuseum, das Ozeaneum Stralsund, das Stralsund Museum und für Veranstaltungen wie die jährlichen Wallensteintage und den Rügenbrücken-Marathon. Wirtschaftlich dominiert der Tourismus. Weitere Wirtschaftszweige sind der Schiffs- und Maschinenbau, Dienstleistungsbetriebe, Logistik, die Gesundheitswirtschaft und Betriebe im Bereich der Informationstechnik und der Biomedizintechnik. Seit 1991 ist die Mittelstadt Sitz der Hochschule Stralsund, das benachbarte Parow beherbergt seit 1996 die Marinetechnikschule.
Stralsund wird wegen seiner Lage am Strelasund, einer Meerenge der Ostsee zwischen Festland und der Insel Rügen, als „Tor zur Insel Rügen“ bezeichnet.
Geographie Raumordnung Zusammen mit Greifswald bildet Stralsund eines der vier Oberzentren Mecklenburg-Vorpommerns. In den regionalen Entwicklungsprogrammen für das Land und im Planungsverband Vorpommern ist eine enge Zusammenarbeit Stralsunds mit seinem Umlandraum und Greifswald vorgesehen. Beide Hansestädte hatten zusammen rund 118.000 Einwohner, die dazwischen gelegenen Amtsbereiche Miltzow und Landhagen sowie Grimmen hatten zusammen rund 27.000 Einwohner (2018).
Die für die Stadtregion relevanten nächstgelegenen Ballungsräume sind die Regiopole Rostock sowie die Metropolregionen von Stettin im Osten, Berlin im Südosten, Hamburg im Westen und Kopenhagen-Malmö im Norden.
Stadtgliederung
Das Gebiet von Stralsund ist in acht Stadtgebiete gegliedert, sieben dieser Stadtgebiete wiederum in Stadtteile.www.stralsund.de, Kleinräumige Gliederung – Stadtgebiete und Stadtteile, abgerufen am 5. März 2023
Nach der Aufhebung des Festungscharakters der Altstadt von 1869 wurden die umliegenden Gegenden besiedelt. 1928 wurden die Orte Andershof, Devin, Grünhufe, Langendorf, Lüssow, Voigdehagen sowie ein Teil von Klein Kedingshagen in den Stadtkreis Stralsund eingegliedert.Karl Heinz Jahnke: Von der Novemberrevolution bis zur Befreiung vom Faschismus. 1918–1945, in: Herbert Ewe: Geschichte der Stadt Stralsund, Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar, 1984, S. 297.
Die Stadt besitzt zudem Ländereien in der näheren Umgebung sowie auf den Inseln Rügen, Hiddensee und Ummanz.
Nachbargemeinden Viele der vormals kleineren Dörfer im Umkreis, wie Parow, Prohn, Wendorf (OT Neu Lüdershagen) oder Negast, sind nach 1990 durch Zuzug von Stralsundern oder in Stralsund Arbeitenden stark gewachsen.
In der näheren Umgebung Stralsunds befinden sich zudem die Städte Barth, Grimmen und Ribnitz-Damgarten, die Stadt Greifswald liegt gut 30 km südöstlich von Stralsund.
Landschaften, Erhebungen, Gewässer Die Stadt liegt am Strelasund, einer Meerenge der Ostsee. Die geographische Nähe zur Insel Rügen brachte Stralsund die Bezeichnung Tor zur Insel Rügen ein. Es gibt sowohl einen Damm mit Brücke zur Verbindung zwischen der Stadt und der Insel – den Rügendamm über die Insel Dänholm nach Altefähr – als auch eine Brücke, die Rügenbrücke; beide Verbindungen bilden die einzigen festen Strelasundquerungen. Stralsund liegt nahe dem Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft mit seiner großen Artenvielfalt.
Zum Stadtgebiet Stralsunds gehören ein Stadtwald und drei „Stadtteiche“ (Knieperteich, Frankenteich und Moorteich). Die drei Teiche und der Strelasund verleihen dem heute Altstadt genannten ursprünglichen Siedlungsgebiet und historischen Zentrum der Stadt eine geschützte Insellage.
Die höchste Erhebung der Stadt ist der Galgenberg am westlichen Ortseingang; an dieser Stelle steht seit 1912 die Klinikumskirche des Krankenhauses West.
Geschichte mini|hochkant|Gründungsurkunde von 1234 mini|hochkant|Stralsund von Norden in der Stralsunder Bilderhandschrift 1611/15 mini|hochkant|Stralsund: Belagerung im Dreißigjährigen Krieg mini|hochkant|Stadtansicht nach Merian (ca. 1640) mini|hochkant|Büste des schwedischen Königs Gustav II. Adolf im Stralsunder Rathaus
Name Die Siedlung Strale ist seit dem 10. Jahrhundert bekannt. Stralesund als Stadtname wurde 1240 erstmals urkundlich erwähnt. Der Strelasund ist ein Meeresarm der Ostsee.
Die Stadt führt vor ihrem Namen Stralsund seit 1990 den Namenszusatz Hansestadt. S. 3.
Mittelalter Stralsund erhielt nach der Besiedlung im Zuge der deutschen Ostsiedlung am 31. Oktober 1234 vom rügenschen Fürsten Wizlaw I. das Stadtrecht nach Rostocker bzw. Lübecker Vorbild. Die Gegend war von Slawen besiedelt gewesen, was auch ihren slawischen Namensbestandteil Stral erklärt (stral bedeutet Pfeil- bzw. Speerspitze, -sund steht in germanischen Sprachen für eine trennende Enge und meint hier den Strelasund).
Stralsund wurde vorwiegend durch Siedler aus Westfalen schnell zu einer bedeutenden Handelsstadt im Ostseeraum. Die Stadt gehörte nach dem Erlöschen des Fürstentums Rügen 1325 zu Pommern-Wolgast. Sie war im 14. Jahrhundert nach Lübeck die bedeutendste Hansestadt im südlichen Ostseeraum. Zahlreiche kriegerische Auseinandersetzungen mit den Herrschern von Dänemark gipfelten 1370 im Frieden von Stralsund. Nach dem Niedergang der Hanse nahm Stralsunds Bedeutung ab. Die Stadt lebte jedoch weiterhin vorwiegend vom Fernhandel und Nahhandel sowie vom Schiffbau.
Frühe Neuzeit Bereits 1525 traten die Bürger Stralsunds mehrheitlich zum evangelischen Glauben über. Die Stadt war damit Schrittmacher der Reformation in Norddeutschland.
Im Dreißigjährigen Krieg widerstand Stralsund mit Hilfe von Schweden und Dänemark der Belagerung durch Wallensteins Truppen; es folgte eine fast 200-jährige Zeit der Zugehörigkeit zum Königreich Schweden als Teil von Schwedisch-Pommern.
Im Pommernfeldzug 1715/1716 wurde die Festung Stralsund am 23. Dezember 1715 von den verbündeten Dänen, Preußen und Sachsen eingenommen. Stralsund wurde dänisch, kam aber 1720 im Frieden von Frederiksborg zusammen mit Rügen und dem pommerschen Festland nördlich der Peene an Schweden zurück.
19. Jahrhundert Nachdem Napoleon befohlen hatte, über den Frieden von Tilsit vom 7. Juli 1807 hinaus den Vierten Koalitionskrieg gegen Schweden fortzuführen, nahmen französische Truppen am 20. August 1807 Stralsund ein.Felix Biermann, Gunnar Möller: Stralsund, Kolberg, Stettin. Pommerns Festungen zur Zeit der Napoleonischen Kriege. In: Dirk Alvermann, Irmfried Garbe (Hrsg.): Ernst Moritz Arndt in seiner Zeit. Pommern vor, während und nach der napoleonischen Besetzung. Böhlau, Köln 2021, ISBN 978-3-412-52131-8, S. 89–124, hier S. 112–113. Im Mai 1809 gelang es einem von Ferdinand von Schill geführten Freikorps kurzzeitig, die französischen Besatzer aus der Stadt zu vertreiben. Durch den Pariser Frieden vom 6. Januar 1810 erhielten die Schweden Stralsund zurück.
1815 kam Stralsund zu Preußen und wurde Sitz einer Oberpostdirektion, eines Regierungsbezirks mit fünf Kreisen und der preußischen Marinebasis (1871 nach Kiel verlegt). 1868 verschmolzen die Oberpostdirektionen Stralsund und Stettin zur Oberpostdirektion Stettin.Brockhaus Enzyklopädie, 21. Auflage, Bd. 26, Brockhaus-Verlag, Leipzig 2005.
20. und 21. Jahrhundert Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Sturz der Monarchie in Deutschland erlebte Stralsund kurzzeitig heftige Unruhen (→ Novemberrevolution), bis sich 1919 eine bürgerliche Stadtregierung etablierte; diese wurde 1933 von den Nationalsozialisten abgelöst. 1939 wurden aus der Landesheilanstalt Stralsund 1.287 Patienten deportiert. mini|Stolperschwelle am Hauptbahnhof zur Mordaktion T4 Landesheilanstalt Stralsund (2010) Die Deportierten wurden Opfer von Krankenmorden an unterschiedlichen Orten, unter anderem beim Massaker von Piaśnica.Mißbrauchte Medizin im Dritten Reich, abgerufen am 20. Oktober 2015. Dem schwersten Bombenangriff auf Stralsund am 6. Oktober 1944 fielen etwa 800 Menschen zum Opfer, weite Teile der Stadt wurden zerstört oder beschädigt. Am 1. Mai 1945 wurde Stralsund von der Roten Armee besetzt; nach dem Zweiten Weltkrieg war Stralsund 1945 Teil der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands.
Während der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurden in der Stadt zahlreiche Plattenbausiedlungen errichtet, der historische Altstadtkern allerdings verkam. Wirtschaftlich lebte die Stadt vor allem vom Schiffbau auf der Volkswerft Stralsund, die Schiffe für die Sowjetunion wurden teilweise im 10-Tage-Rhythmus fertiggestellt.
Nach der politischen Wende wurde Stralsund 1990 Modellstadt der Städtebauförderung. Der historische Stadtkern mit dem Altstadthafen wurde mit Hilfe der Programme zur Städtebauförderung und zum städtebaulichen Denkmalschutz gründlich saniert. Auch das Wohnumfeld der Plattenbausiedlungen Grünhufe und Knieper wurde im Rahmen der Programme „Aufwertung“, „Stadtumbau Ost“ und „Soziale Stadt“ verbessert und ein Wohnungsrückbau eingeleitet.
Seit 2002 ist Stralsunds Altstadt zusammen mit der von Wismar UNESCO-Welterbe, unter dem Namen Altstädte von Stralsund und Wismar. Im Zuge dessen gab es einen großen Investitionsschub in Baudenkmäler und Infrastruktur, was den Tourismus beflügelte.
Wirtschaftlich gab es nach der Wende große Herausforderungen, die in der strukturschwachen Region erhebliche Probleme verursachen. Der dadurch einsetzende Strukturwandel führt allmählich zu stabileren Bevölkerungs- und Arbeitsmarktverhältnissen. So steigt die Bevölkerungs- und Beschäftigtenzahl in Stralsund seit einiger Zeit kontinuierlich.
Im Zuge der Kreisgebietsreform 2011 wurden die bis dato kreisfreie Stadt Stralsund sowie die Landkreise Rügen und Nordvorpommern Teile des neuen Landkreises Vorpommern-Rügen mit Verwaltungssitz in Stralsund.
Am 1. August 2016 wurde Stralsund die Bezeichnung staatlich anerkannter Erholungsort verliehen; davon ausgenommen sind die Stadtteile Knieper West, Franken Mitte, Vogelsang und Grünthal-Viermorgen.Regierung MV: Kur- und Erholungsorte in Mecklenburg-Vorpommern (Stand: Februar 2018).
Straßennamen und ihre Bedeutung Die Stralsunder Straßennamen spiegeln vielfach historische Ereignisse wider.
Stralsunder Stadtbefestigungen
Stralsund besaß bis 1871 den Status einer Festung, der der Stadt über viele Kriege verhalf. Neben zehn Stadttoren, von denen nur das Kniepertor und das Kütertor erhalten sind, wurden auch die Stadtteiche und Dämme angelegt. Das dritte nach der Entfestung noch erhaltene Stadttor, das im Zweiten Weltkrieg beschädigte Semlower Tor, wurde 1960 gesprengt.
Eingemeindungen