mini|Aschaffenburger Altstadt mini|hochkant=1|Aschaffenburger Innenstadt

Aschaffenburg ([], , lokal Aschebersch []) ist eine kreisfreie Mittelstadt im bayerischen Regierungsbezirk Unterfranken, Teil der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main, größte Stadt der Region Bayerischer Untermain und nach Würzburg die zweitgrößte Stadt im Regierungsbezirk Unterfranken. Die Stadt ist Sitz des Landratsamtes Aschaffenburg und der Technischen Hochschule Aschaffenburg.

Geografie Lage Aschaffenburg liegt an der Nordwestecke des Mainvierecks an der Mündung der Aschaff in den Main und am Westrand des Spessarts. Das Stadtgebiet ist auf drei Seiten vom Landkreis Aschaffenburg umgeben und grenzt im Süden an den Landkreis Miltenberg. Der höchste Geländepunkt liegt bei am Westhang des Pfaffenberges an den Grenzen der vorgenannten Landkreise . Die niedrigste Stelle liegt bei im Unterwasser der Staustufe Obernau.

Stadtgliederung und -umgebung mini|Stadtgliederung Aschaffenburg Maßgeblich für die statistische Einteilung nach Stadtteilen ist die Kleinräumige Gliederung 2010. Nach der Kleinräumigen Gliederung 2010 werden die Einwohnerzahlen (Wohnbevölkerung) der Stadtteile und ihre flächenmäßige Größe bestimmt. Am 31. Dezember 2023 hatte Aschaffenburg 72.918 Einwohner. Aschaffenburg gliedert sich in zehn Stadtteile, die an diesem Tag folgende Einwohnerzahlen aufwiesen:Aschaffenburger Anzeiger, 16. Mai 2007 sowie (PDF; 2,9 MB). Stadtmitte, bestehend aus den Stadtteilen Stadtmitte/Innenstadt und Stadtmitte/Aschaffenburg-Ost: 27.635 Einwohner, 841 ha Damm: 14.513 Einwohner, 731 ha Schweinheim: 10.999 Einwohner, 1598 ha Nilkheim: 5.362 Einwohner, 802 ha Obernau: 4.922 Einwohner, 810 ha Leider: 3.383 Einwohner, 317 ha Strietwald: 3.298 Einwohner, 755 ha Österreicher Kolonie: 1.682 Einwohner, 32 ha Gailbach: 1.753 Einwohner, 316 ha Obernauer Kolonie: 911 Einwohner, 45 ha

An das Stadtgebiet von Aschaffenburg grenzen folgende Gemeinden (im Uhrzeigersinn, von Norden beginnend): Johannesberg, Glattbach, Goldbach, Hösbach, Haibach, Bessenbach, Sulzbach am Main, Niedernberg, Großostheim, Stockstadt am Main, Mainaschaff und Kleinostheim.

Aschaffenburg hat eine Gesamtfläche von 6.245 Hektar, davon Siedlungs- und Verkehrsfläche 2.492 Hektar, Wald 1.777 Hektar, Landwirtschaftliche Fläche 1.274 Hektar und Parks und Grünanalgen 320 Hektar.

Geologie Das Mineral Aventurin-Quarz findet sich in Europa nur an ein paar Stellen, nämlich in der Nähe von Aschaffenburg und in Österreich bei Mariazell in der Steiermark. Ansonsten findet man es in Europa in größerem Maße besonders am Ural.

Schutzgebiete Im Stadtgebiet gibt es zwei Naturschutzgebiete, ein Landschaftsschutzgebiet, 26 Naturdenkmäler, drei FFH-Gebiete und sechs vom Bayerischen Landesamt für Umwelt ausgewiesene Geotope (Stand 2019).

Seit 2018 gibt es südlich von Schweinheim das Nationale Naturerbe Aschaffenburg.

Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete in der Stadt Aschaffenburg Liste der Landschaftsschutzgebiete in Aschaffenburg Liste der Naturdenkmäler in Aschaffenburg Liste der FFH-Gebiete in der Stadt Aschaffenburg Liste der Geotope in Aschaffenburg

Streuobstwiesen Streuobstwiesen sind Lebensräume vieler seltener Tiere und Pflanzen. Im Stadtgebiet sind infolge des bis ins 20. Jh. fortgeltenden Kurmainzischen Rechts durch Erbteilung ziemlich schmale Grundstücke entstanden, die oft im Nebenerwerb bewirtschaftet wurden. Infolge der in den 1960er Jahren einsetzenden Sozialbrache und nach Unterbleiben staatlicher Flurbereinigungen sind viele dieser Baumäcker und Obstwiesen erhalten geblieben. Seit geraumer Zeit werden viele davon wieder besser gepflegt, werden Hochstamm-Obstbäume regionaler Sorten nachgepflanzt. Damit konnte neben anderen streng geschützten Vogelarten zwischen Schweinheim und Obernau eine Population des seltenen Steinkauzes überleben.

Im Jahr 2000 ging aus dem behördlichen Naturschutz in Zusammenarbeit mit dem Landesbund für Vogelschutz die „Schlaraffenburger Streuobstagentur“ hervor, ein privates Unternehmen mit Sitz in Mömbris-Heimbach, das sich neben der Verwertung von Streuobst mit der Pflege der regionstypischen Kulturlandschaft und der Erhaltung ihrer artenreichen Lebensräume befasst. Hierzu schließt das Unternehmen Obstlieferverträge mit regionalen Grundeigentümern und vermarktet die aus dem Obst gewonnenen Erzeugnisse. Die Grundeigentümer müssen ihre Vertragsflächen nach Bioland-Richtlinien bewirtschaften.

Geschichte Ortsname Der ursprüngliche Name Ascafaburc setzt sich aus den Wörtern ascafa, das den Fluss Aschaff beschreibt (siehe dazu Name der Aschaff) und dem althochdeutschen burch, für Burg, zusammen.

Frühere Schreibweisen der Stadt aus diversen historischen Karten und Urkunden waren:

Frühgeschichte Bereits für die Frühlatènezeit (4. Jahrhundert v. Chr.) lassen sich Siedlungsaktivitäten im Bereich der heutigen Aschaffenburger Altstadt nachweisen.KeltenWelten e. V.: Aschaffenburg. Kurzinfo (PDF), o. D., abgerufen am 24. Mai 2026. Vorläuferin der heutigen Stadt war eine spätantike Höhensiedlung auf dem Stadtberg. Diese war vom späten 4. bis ins späte 5. Jahrhundert n. Chr. besiedelt. Aus Grabungen stammen unter anderem eine Tierkopffibel, keltische Keramik sowie ein goldener Fingerring. Diese werden in der Forschung als Hinweise auf einen eisenzeitlichen Zentralort am Mainübergang gewertet.

In rund acht Metern Tiefe wurden 2026 im Zuge von Bauarbeiten für ein Regenüberlaufbecken archäologische Strukturen am Mainufer entdeckt. Die freigelegte Anlage besteht aus massiven, horizontal verbauten Eichenbalken, die in Richtung Main mit einer sorgfältig errichteten Trockensteinmauer abschließen und sich über mehrere Dutzend Meter entlang des Ufers erstrecken. Mittels dendrochronologischer Untersuchungen der Eichenhölzer wurde die Konstruktion in das 4. Jahrhundert v. Chr. datiert. Damit zählt sie zu den wenigen großformatigen, sicher datierten eisenzeitlichen Uferbauwerken in Mitteleuropa.Bayerischer Rundfunk (BR24): Hafen aus der Eisenzeit? Sensationsfund am Main in Aschaffenburg. 21. Mai 2026, abgerufen am 24. Mai 2026.

Nach Aufgabe der Höhensiedlung kam es zunächst zu einer Siedlungslücke. In der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts setzte erneut Siedlungstätigkeit ein.Zur spätantiken Besiedlung siehe Katharina Ramstetter: Die „civitas Ascapha“ – Höhensiedlung und Zentralort des 5. Jahrhunderts. In: Alexander Reis (Hrsg.): Das Rhein-Main-Gebiet in der Spätantike – Beiträge zur Archäologie und Geschichte. Akten der Tagung in Obernburg am Main vom 12.–13. April 2018. Verlag Dr. Faustus, Büchenbach 2022, ISBN 978-3-946387-39-8, S. 155–166.

Mittelalter mini|Aschaffenburg. Stich von Matthaeus Merian in der Topographia Germaniae.

Um 957 gründeten Herzog Liudolf von Schwaben und seine Frau Ida das Kollegiatstift St. Peter und Alexander. Als kirchliche Institution, wenn auch noch nicht in Form eines Kollegiatstifts, existierte die Klerikergemeinschaft bereits weit früher. 982 gingen Stadt und Stift Aschaffenburg als Schenkung von Herzog Otto (mit Zustimmung Kaiser Ottos II.) an das Erzstift Mainz (Erzbischof Willigis) über. Seit dem 10. Jahrhundert bis zum Reichsdeputationshauptschluss im Jahre 1803 gehörte Aschaffenburg zum Mainzer Kurfürstentum und war damals die Zweitresidenz der Mainzer Erzbischöfe. Das vom Erzstift Mainz weltlich beherrschte Territorium war im gesamten Mittelalter und in der Frühen Neuzeit sehr stark fragmentiert. Der größte zusammenhängende Teil („Oberes Erzstift“) befand sich um Aschaffenburg herum im Bereich des heute so genannten Bayerischen Untermain, zog sich aber auch bis nach Buchen, Walldürn und Tauberbischofsheim im heutigen Nordbaden. Deshalb war die Stadt ein bedeutender Verwaltungssitz und häufiger Aufenthaltsort der Erzbischöfe und Kurfürsten.

Vermutlich 869 gab es schon eine Kapelle, an der Stelle, wo heute die Stiftskirche St. Peter, später St. Peter und Alexander steht. Denn hier fand die Hochzeit zwischen König Ludwig III. und der sächsischen Grafentochter Liutgard statt. 989 ließ der Erzbischof von Mainz, Willigis, eine erste Holzbrücke über den Main bauen. Um 1122 befestigte der Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken die Siedlung bzw. erneuerte deren Befestigung. 1144 erhielt Aschaffenburg das Marktrecht und 1161 Stadtrechte. Noch vor 1346 entstand die Ummauerung der Vorstadt um die Agathakirche. Im selben Jahr bestätigte Erzbischof Heinrich III. von Virneburg die Privilegien der Stadt.Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte. Erlangen 1963, S. 60–61.; siehe auch S. 966. Aschaffenburg war Mitglied des Rheinischen Städtebundes von 1254/57 und von Anfang des 14. Jahrhunderts bis 1526 Mitglied des Neunstädtebundes im mainzischen Oberstift.

Neuzeit Frühe Neuzeit mini|hochkant|Albrecht von Brandenburg als Hl. Erasmus auf der Erasmus-Mauritius-Tafel von Matthias Grünewald mini|hochkant|Aschaffenburg – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655 mini|hochkant|50 Pfennig Aschaffenburger Notgeld mit einem Profil-Porträt Grünewalds auf der Rückseite, gestaltet von Heinz Schiestl

Der Erzbischof und Kurfürst von Mainz, Albrecht von Brandenburg, residierte anfangs in Halle (Saale) und wirkte schon dort als Mäzen bildender Künstler, wobei er besonders Lucas Cranach den Älteren umfangreich mit Aufträgen bedachte. Als Albrecht 1541 infolge der Reformation seine Residenz hier her verlegte, brachte er viele seiner der Kirche gestifteten Kunstschätze mit. So wechselten in den Besitz der Stiftskirche St. Peter und Alexander mehrere Cranach-Bilder und ein Reliquien-Kalender, in welchem zu jedem Tagesheiligen eine seiner Reliquien gesammelt wurde. Aus seiner neuen Residenz führte Albrecht auch den berühmten Schriftwechsel mit Martin Luther zum Ablasshandel.

Im Jahr 1516 gaben die Stiftsherren von St. Peter und Alexander bei Mathis, dem Maler, später als Matthias Grünewald berühmt geworden, Altarbilder in Auftrag.

1547, während des Schmalkaldischen Krieges, verheerten die Truppen des Grafen von Oldenburg die Stadt Aschaffenburg und ihre Umgebung.

Im Jahr 1552 wurde im zweiten Markgräflerkrieg die alte Johannisburg zerstört, vermutlich durch Truppen des Albrecht II. Alcibiades. Kurfürst Johann Schweikhard von Cronberg ließ an ihrer Stelle 1605 bis 1619 unter Erhaltung des alten Bergfrieds das Schloss Johannisburg im Renaissance-Stil errichten.

Schon unter Erzbischof und Kurfürst Johann Adam von Bicken nach 1596 und in der Regierungszeit seines Nachfolgers Johann Schweikhard von Cronberg kam es in Aschaffenburg zu Hexenprozessen, die zu mehreren hundert Hinrichtungen auf dem Scheiterhaufen führten. So wurden am 19. Dezember 1611 zwei vermeintliche Hexen enthauptet und verbrannt: Margarethe Rücker, die Wirtin der Gastwirtschaft Goldener Karpfen und Elisabeth Strauß, vulgo die Kreuzschneiderin.Die Stadt vergisst ihre Opfer. In: FAZ. 9. Januar 2015, S. 39.

Von 1631 bis 1634 war Aschaffenburg Bestandteil des Schwedischen Staates in Mainz. In diesem Zusammenhang ist eine Sage bedeutsam, nach der Aschaffenburg der Brandschatzung durch Gustav Adolf entging.

Im Ersten Koalitionskrieg besetzten 1796 französische Truppen Aschaffenburg. Sie wurden am 5. September 1796 von den „Spessarter Schützen“, zumeist Spessarter Bauern, die sich gegen die Besatzer erhoben hatten, wieder vertrieben.Franz Hettinger: Aus Welt und Kirche. Bilder und Skizzen, Band 2: Deutschland und Frankreich. Herder, Freiburg, vierte Aufl. 1897, S. 532.

19. Jahrhundert