Groningen ( , , ) ist die nordöstlichste Provinz der Niederlande. Sie grenzt im Osten an Ostfriesland und an das Emsland (Niedersachsen). Im Norden liegt die Nordsee. Nachbarprovinzen sind Drenthe (südlich) und Friesland (westlich). Hauptstadt ist Groningen. In der Provinz Groningen werden neben der niederländischen Sprache die heimischen niedersächsischen Dialekte (Gronings) gesprochen.
Die Provinz wird auch Stad en Ommelanden („Stadt und Umland“) genannt, weil historisch die Stadt Groningen (ursprünglich sächsisch) und die Ommelande (bis zum 15. Jahrhundert friesisch) lange Zeit in Unfrieden miteinander gelebt hatten.
Geographie Die Provinz Groningen wird im Norden durch das Wattenmeer, im Osten durch das deutsche Land Niedersachsen, im Süden durch die Provinz Drenthe und im Westen durch die Provinz Friesland begrenzt. Ihre höchste Erhebung hat die Provinz auf dem Gemeindegebiet von Westerwolde im Südwesten mit dem hohen Hasseberg im Grenzgebiet zur Bundesrepublik Deutschland.
Geschichte Landschaftsentstehung Am Ende der letzten Eiszeit, also vor rund 12.000 Jahren, stieg der Wasserspiegel der Nordsee schnell an. Dadurch wurde die flache Landschaft der heutigen Provinz Groningen kaum entwässert und es bildete sich ein ausgebreitetes Sumpf-Moor-Gebiet, das von vielen Seen durchzogen war. Dieses Gebiet umfasste viele Quadratkilometer und wurde nur durch eine sandige Erhebung (der höchste Punkt ist 30 m ü. N.) durchzogen. Der Hondsrug zieht sich in einer Länge von ungefähr 60 Kilometer vom heutigen Groningen (Stadt) in Richtung Emmen in Drenthe.
Erste menschliche Besiedelung Dieser Sandrücken war mehr oder weniger schon seit dem Neolithicum wahrscheinlich von Menschen prä-indogermanischer Herkunft bewohnt. Die Hünengräber legen davon Zeugnis ab. Das nördlichste wurde in Delfzijl unter einer dicken Schicht Lehm gefunden.
In der frühen Eisenzeit von 600 bis 400 v. Chr. mussten auch die tiefer liegenden Lehmgebiete besiedelt werden, da der Platz auf dem Sandrücken langsam knapp wurde. Seit dem Ende der Bronzezeit waren immer mehr Ingwäonen in die Gegend eingewandert. Dieser Volksstamm der Westgermanen stammte ursprünglich aus dem südlichen Skandinavien. Die Bezeichnung Ingwäonen ist von dem Namen des Gottes Yngvi abgeleitet, als dessen Nachkommen sich die Friesen betrachten. Inguz ist ein anderer Name für den germanischen Gott Freyr. Andere Stämme der Ingwäonen waren beispielsweise die Sachsen.
Allerdings kann bis ca. 400–200 v. Chr. nicht von einer eigenen friesischen Volksgruppe gesprochen werden, da zwischen Texel (Noord-Holland) und Weser (Engern) noch keine homogene Kultur existierte. Im Gebiet des heutigen Groningen verschmolz die Volksgruppe der Friesen mit den Falen, die ursprünglich aus dem Gebiet der Ems stammten. Sie gehörten zu den Chauken. In dieser Zeit fanden bedeutende kulturelle Veränderungen statt. Dies hatte eventuell mit dem erneuten Anstieg des Meeresspiegels zu tun, der durch den Beginn einer neuen Warmzeit eingeleitet wurde. Um die regelmäßige Überschwemmung ihrer Gehöfte zu verhindern, begannen die Friesen, Erdwälle – sogenannte Wierden oder auch Warden (im Deutschen: Warften) – zu errichten. Da der Meeresspiegel mehrfach anstieg und dieser Anstieg meist mit Sturmfluten einherging, gab es mehrere Wierdenbau-Perioden, die zeitlich mit dem Anstieg des Meeresspiegels übereinstimmen. Es gibt drei verschiedene Perioden: Die erste um 500 v. Chr., die zweite 200 v. Chr. bis 50 v. Chr. und die dritte 250 n. Chr. waren der Anstieg des Meeresspiegels und die gleichzeitig stattfindenden Sturmfluten derart vehement, dass beinahe alle Friesen die Lehmgebiete verließen und erst 400 n. Chr. zurückkehrten.
Römische Zeit Julius Caesar hatte das keltische Gallien (heute Frankreich und Belgien) zwischen 58 und 50 v. Chr. erobert und die Grenzen Roms dadurch bis zum Rhein verlagert. Erst als Kaiser Augustus 28 v. Chr. die Grenzen bis zur Elbe ausweiten wollte, kamen die Friesen unter den Einfluss der Römer. Das Groninger Gebiet war nur kurz unter Römischer Herrschaft. Drusus handelte 12 v. Chr. mit den Friesen einen Waffenstillstand aus und erhob eine regelmäßige Steuerabgabe in Form von Rinderhäuten. Da die Abgaben aber immer höher wurden und die Römer sogar Frauen und Kinder in die Sklaverei brachten, lehnten sich die Friesen gegen die Besatzung auf. Bei der nachfolgenden Strafaktion erlitten die Römer eine Niederlage und zogen sich daraufhin aus dem Gebiet zurück.
Völkerwanderungszeit Während der Völkerwanderung vom 4. bis zum 7. Jahrhundert bildeten sich zum ersten Mal große germanische Staaten, in denen Jüten, Sachsen, Angeln und auch die Friesen lebten.
Um 400 begannen die Friesen mit dem Aufbau ihres friesischen Reiches. Sie bauten ihren Handel aus und standen ca. im 7. Jahrhundert auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Ihr Einflussbereich reichte von Nordbelgien bis in den Süden Dänemarks. Ein Großfriesland (Magna Frisia) war entstanden, das bis 719 bestand. Im Unterschied zum benachbarten Frankenreich war Friesland nach wie vor „heidnisch“; der Gebrauch der Schrift nahm infolgedessen ab. Eines der wenigen schriftlichen Zeugnisse zur Geschichte Frieslands im 5. und 6. Jahrhundert ist der Verweis von Gregor von Tours auf den wahrscheinlichen friesischen König Hygelac, der rd. 526 starb.
Christianisierung 688 begann der Missionar Wigbert, die Friesen zu christianisieren. 734 erlitten die Friesen eine Niederlage in der Schlacht an der Boorne gegen Karl Martell. Aber erst Karl der Große konnte mit dem Sieg über die Sachsen das ganze Gebiet der heutigen Niederlande, also auch das spätere Groningen unter karolingischem Herrschaftsgebiet vereinen. Damit galt dann auch die Bekehrung zum Christentum als abgeschlossen. Allerdings waren nur Grafen und ihre Vasallen getauft worden. Die meisten Bauern und Handwerker waren noch heidnisch und sollten das auch noch für einige Zeit bleiben. Neben dem christlichen Glauben wurde auch ein feudalistisches System etabliert. Allerdings weniger deutlich als in anderen europäischen Ländern. Leibeigenschaft kam nur sehr selten vor. Die Karolingische Zeit war eine Zeit des Blühens, auch für die Friesen. Ihr Handel profitierte enorm davon, dass sie stets enge Kontakte zu friesischen Gemeinden in England und Schweden pflegten.
Nach dem Tod Karls des Großen nahm der Einfluss der zentralen Macht ab. Die „Dänen“ (womit meist die Wikinger gemeint waren) fielen mehrfach ins Land ein.
Heiliges Römisches Reich 843 wurde Groningen unter Lothar II. ein Teil des Heiligen Römischen Reiches. Um diese Zeit findet sich auch die erste schriftliche Erwähnung des ursprünglichen Namens „Villa Cruoninga“. Er wird erstmals in Zusammenhang mit einem Weiler 1040 genannt. Dieser lag ungefähr im heutigen Stadtzentrum. Die Rechtsprechung lag noch bis 1217 in den Händen der Grafen.
Im 11. Jahrhundert begannen die Friesen im ganzen Gebiet entlang der nördlichen Küste mit dem Bau von eineinhalb Meter hohen Deichen. Im Schutz der Deiche liefen vier Meter breite Straßen, damit zwei Fuhrwerke einander passieren konnten. Schon früh etablierte sich ein ausgeklügeltes System zur Wartung und Kontrolle der Dämme. Die Friesen bewohnten ein Gebiet vom Rhein-Maas-Delta bis zur Weser in Deutschland und befanden sich in einem Gebiet ohne politische Oberherrschaft. Nur Groningen und die angrenzende Gebiete (Go und Wold – Gorecht) standen unter der Herrschaft des Bischofs von Utrecht, waren also eigentlich Teil von Drenthe. Während der Herrschaft Bischof Hartberts erhoben sich die Groninger Bürger. Der Bischof ließ den Aufstand niederschlagen. Die Bürger mussten sich verpflichten, Groningen nicht mit einer Mauer zu umgeben – ein Versprechen, das sie nicht einhielten. Bischof Hartbert vergab die einträglichsten Ämter an seine Familie. Sein älterer Bruder Ludolf wurde Vorsteher („prefectus“) der Stadt Groningen, sein jüngerer Bruder Leffart bekam das Schloss zu Coevorden im Südosten von Drenthe und damit die Kontrolle über den einzigen Weg durch das Moor von Drenthe nach Deutschland (Vancouver ist nach Coevorden benannt).
Hochmittelalter Im April 1227 kam es unter der Herrschaft von Bischof Otto II. von Lippe in der Stadt Groningen zwischen dem bischöflichen Statthalter Egbert sowie der reichen und einflussreichen Familie Gelkingen zu einem bewaffneten Konflikt.Jan Frans Joseph van den Broek: Groningen, een stad apart. van Gorcum, Assen 2007, S. 288. Rudolf, der Verwalter der Burg in Coevorden, schlug sich auf die Seite der Familie Gelkingen; gemeinsam belagerten sie das „feste Haus“ des Statthalters. Der Bischof vermittelte einen Waffenstillstand. Egbert zog ab und baute ein neues „festes Haus“ südlich der Stadt. Doch Rudolf griff mit seinen Soldaten – den „Drenten“ – Egbert auch dort an. Sie vertrieben den Statthalter in die Ommelande, die „Umlande“, wie die friesischen Gebiete um die Stadt genannt wurden. Bei einem Gegenschlag konnte sich Egbert wieder der Stadt Groningen bemächtigen, wurde jedoch dort von der Familie Gelkingen, von Rudolf und den Drenten belagert. Um Egbert zu entsetzen, zog Bischof Otto mit seinen Truppen auf Groningen zu. Doch im Moor von Ane, im Süden von Drenthe, geriet seine Streitmacht in einen von Rudolf gelegten Hinterhalt. Der Bischof und hunderte Ritter wurden getötet. Der Konflikt dauerte bis 1258 fort.
Bildung einer Selbstverwaltung Groningen hatte sich zu einem bedeutenden Handelszentrum mit Selbstverwaltung und Rechtsprechung entwickelt. Um ihre Handelsbeziehungen zu sichern, schloss die Stadt Groningen mit den Vertretern der Gaue der Ommelande (Hunsingo, Fivelgo, Westerkwartier) Verträge ab. Infolgedessen ging die Rechtsprechung allmählich an die Hoofdmannenkamer („Hauptleutekammer“) über, den Vorläufer des provinzialen Gerichtshofes.
Die stets größer werdende Bedeutung (und auch Abhängigkeit) der umliegenden Gebiete von der Stadt führte aber weiter zu anhaltenden Konflikten und Unzufriedenheit bei den Bürgern. So hatte sich die Stadt z. B. das Stapelrecht ausbedungen. Dieses Stapelrecht legte fest, dass alle Güter, wie z. B. Getreide und Bier, nur in der Stadt gehandelt werden durften. Um dieser Konflikte Herr zu werden, gründete man im 15. Jahrhundert Beratungsgremien, die sich aus Vertretern von Stadt und Umland zusammensetzten. Diese Beratungen fanden mit Teilnahme von Vertretern der „Hauptleutekammer“ statt und wurden unter Zusicht der Zentralregierung in Brüssel abgehalten. 1536 brachte Karl V. Groningen und Drenthe unter den burgundisch-niederländischen Herrschaftsbereich, kurz zuvor Gelderland und Friesland. Damit trug er mit zur Bildung eines Niederländischen Staates bei, da schon früh einheitliche Strukturen gehandhabt wurden.
Unabhängigkeit der Niederlande mini|Die Ommelanden mini|Groningen und Ommelande, nach 1681
Während des Achtzigjährigen Krieges, im Jahr 1594, musste sich die Stadt Groningen und die umliegenden Gebiete als siebte Provinz an die Republik der Vereinigten Niederlande anschließen. Die Führung der Provinz lag in den Händen der sogenannten „Staten“. Dieses Gremium, bestehend aus Vertretern der drei Stände: Adel, Kirche und (reiche) Bürger, trat je nach Bedarf einmal oder mehrmals jährlich zusammen. Die Tagesgeschäfte überließ es acht Deputierten. Dem Deputiertenrat saß der stadhouder (Statthalter) vor. Er fungierte außerdem als Vertreter der Zentralgewalt.
Die Provinz bestand im 16. Jahrhundert aus sechs Gauen: Hunsingo, Fivelgo, Westerkwartier, Gorecht, die Oldambten und Westerwolde. Es gab zahlreiche Klöster, die sich der Armenfürsorge annahmen.
Franzosenzeit