mini|hochkant=1.5|Stadtkarte Groningen mini|hochkant=1.5|Gemeindekarte Groningen Groningen ( , in alten hochdeutschen Dokumenten Gröningen, Groninger Platt Grönnen) ist die Hauptstadt der Provinz Groningen in den Niederlanden. Sie hat Einwohner (Stand: , mit dem Umland (Regio Groningen-Assen) 505.000 Einwohner). Die Gemeinden Ten Boer und Haren wurden zum 1. Januar 2019 nach Groningen eingemeindet.
Die Stadt hat seit 1614 eine Universität, außerdem befindet sich in Groningen die Fachhochschule Hanzehogeschool. Fast 50.000 Studenten sind in der Stadt eingeschrieben.Lena Bopp: Wir sind Provinz, hier schlägt das Herz. Groningen liegt am nördlichen Rand der Niederlande – aber nicht im stillen Abseits. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. Oktober 2008.
Geografie Ortslage Groningen liegt am nördlichen Ende des „Hondsrug“ (nicht zu verwechseln mit dem Hunsrück), einer sandigen Erhebung mitten im ehemals ausgedehnten Moor, die sich vom „Drentschen Plateau“ bis ins Zentrum der Stadt zieht und in früherer Zeit die einzige Verbindung dieser beiden Gebiete war.
Groningen liegt 75 km westlich von Leer (Ostfriesland) und 180 km nordöstlich von Amsterdam an der A7 (E 22). Die Stadt ist ein Eisenbahnknoten und liegt 15 km nördlich vom Flughafen Groningen. Sie hat eine Fläche von 76,77 km² und liegt an den Kanälen Winschoterdiep, Nord-Willemskanal, Van Starkenborghkanaal und am Eemskanaal, der Groningen mit Delfzijl an der Emsküste verbindet. Dank ihrer günstigen Lage wurde die Stadt zum Mittelpunkt der Region. Die Innenstadt ist – wie bei alten Stadtkernen üblich – sehr dicht bebaut.Beitrag in Streetfilms zu Groningen als Welt-Fahrradstadt
Stadtgliederung Die Stadt Groningen (ohne Haren und Ten Boer) gliedert sich in fünf Stadtteile mit insgesamt 64 Vierteln ( „wijk“ und „buurt“)., abgerufen am 29. Juni 2018. Centrum (Stadtmitte) mit den Vierteln: A-Kwartier, Binnenstad, Binnenstad-Oost, Hortusbuurt, Ebbingekwartier, Westerhaven, Stationsgebied Oude Wijken („Alte Viertel“, die vor allem im 19. Jahrhundert entstandenen Wohngebiete unmittelbar westlich, nördlich und östlich der Altstadt) mit den Vierteln: De Hoogte, Korrewegwijk, Indische buurt, Professorenbuurt, Noorderplantsoenbuurt, Oosterparkwijk, Oranjebuurt, Schildersbuurt, Kostverloren, Woonschepenhaven Oost (der Norden, Nordosten und Osten des Stadtgebietes) mit den Vierteln: Beijum, Drielanden, Engelbert, De Hunze, Van Starkenborgh, Lewenborg, Middelbert, Noorderhoogebrug, Oosterhoogebrug, Ruischerbrug, Meerstad, Noorddijk, Ulgersmaborg, Ruischerwaard, Woonschepenhaven Zuid (der Süden und Südosten des Stadtgebietes) mit den Vierteln: Badstratenbuurt, Coendersborg, Corpus den Hoorn, Grunobuurt, Helpermaar, Helpman, Herewegbuurt, Hoornse Meer, Hoornse Park, Laanhuizen, Rivierenbuurt, Oosterpoortbuurt, De Linie, Europapark, Piccardthof, De Wijert, Zeeheldenbuurt, Klein Martijn, De Meeuwen, Villabuurt, Kop van Oost West (der Westen und Nordwesten des Stadtgebietes) mit den Vierteln: De Buitenhof, Dorkwerd, Gravenburg, De Held, Hoogkerk, Leegkerk, Paddepoel, Reitdiep, Selwerd, Tuinwijk, Vinkhuizen
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Geschichte Die Stadt Groningen oder Cruoninga – wie sie im Mittelalter hieß – entstand aus einem losen Zusammenschluss von drei oder vier verstreut gelegenen Bauernhöfen. Die ersten Spuren können auf ca. 300 v. Chr. datiert werden. Seit dem 7. Jahrhundert n. Chr. war der Kernbereich der jetzigen Altstadt – heute „de Grote Markt“ (deutsch: der Große Markt) – dauerhaft besiedelt. Dies ergaben Ausgrabungen des Archäologen Albert Egges van Giffen und des Rijksdienst voor het Oudheidkundig Bodemonderzoek (Reichsamt für archäologische Bodenuntersuchungen).Arent Toncko Schuitema Meijer: Groningen vroeger en nu. Bussum 1969, S. 5–6.
Mittelalter Groningen wurde erstmals im Jahre 1040 urkundlich erwähnt, als die „villa Gruoninga“ durch eine Schenkung von Heinrich III. auf den Bischof von Utrecht überging.Arent Toncko Schuitema Meijer: Groningen vroeger en nu. Bussum 1969, S. 6. In dieser Urkunde verlieh der König der jungen Stadt auch das Münzregal und das Zollregal.
Die Ortslage erwies sich als außerordentlich günstig für einen Umschlagplatz des Handels: Die Nordsee war über die Drentsche Aa erreichbar. Der Hondsrug, der „stert van Drentland“ (Sterz von Drente),Jan van den Broek: Groningen, een stad apart. Over het verleden van een eigenzinnige stad (1000–1600). van Gorcum, Assen 2007, S. 48. schuf die Verbindung nach Süden.Arent Toncko Schuitema Meijer: Groningen vroeger en nu. Bussum 1969, S. 8. Viele Kaufleute, die mit England und den Ostseeländern handelten, ließen sich hier nieder. Ab 1260 wurde die Stadtmauer gebaut.Reinout Rutte, Jaap Evert Abrahamse (Red.): Atlas van de verstedelijking in Nederland. 1000 jaar ruimtelijke ontwikkeling. Uitgeverij Thoth, Bussum 2014, ISBN 978-90-6868-615-9, S. 74. Um die Schifffahrt von Groningen zur Nordsee zu erleichtern, wurde von der Drentschen Aa in Richtung Norden das Reitdiep gegraben, ein Kanal, der bei Wierumerschouw mit der Hunze (in ihrem damaligen Verlauf) verbunden und 1385 fertiggestellt wurde. Nach vergeblichen früheren Anläufen wurde Groningen 1422 schließlich in die Hanse aufgenommen.Arent Toncko Schuitema Meijer: Groningen vroeger en nu. Bussum 1969, S. 19. Bis zum 17. Jahrhundert – dem „Goldenen Zeitalter“ der Niederlande – hatte Groningen sich zu einem blühenden Handelszentrum entwickelt, nicht zuletzt aufgrund des dort existierenden Gerichts, das auch für die umliegenden Gebiete zuständig war.
Frühe Neuzeit Im „friesischen Aufstand“, dem Machtkampf zwischen dem Erbstatthalter von Friesland, Albrecht dem Beherzten, dem Herzog von Sachsen, und seinem Sohn Heinrich dem Frommen einerseits und den friesischen Häuptlingen andererseits, stellte sich Groningen auf die Seite der Friesen.Paul Baks: Albrecht der Beherzte als erblicher Gubernator und Potestat Frieslands. Beweggründe und Verlauf seines friesischen »Abenteuers«. In: André Thieme (Hrsg.): Herzog Albrecht der Beherzte (1443–1500). Ein sächsischer Fürst im Reich und in Europa. Böhlau, Köln 2002, ISBN 3-412-03501-7, S. 103–141, hier S. 138. Daraufhin belagerte Herzog Albrecht die Stadt. Als im sächsischen Heer eine Seuche ausbrach, der auch der Herzog erlag, mussten die Sachsen die Belagerung zunächst aufheben. Doch 1506, als Herzog Albrechts Sohn, Herzog Georg der Bärtige, in Friesland einrückte, musste Groningen kapitulieren.Paul Baks: Albrecht der Beherzte als erblicher Gubernator und Potestat Frieslands. Beweggründe und Verlauf seines friesischen »Abenteuers«. In: André Thieme (Hrsg.): Herzog Albrecht der Beherzte (1443–1500). Ein sächsischer Fürst im Reich und in Europa. Böhlau, Köln 2002, S. 103–141, hier S. 141.
Nur wenige Jahre später unternahm die Stadt Groningen einen weiteren Versuch, sich der kaiserlichen, durch den Erbstatthalter ausgeübten Macht zu entziehen. In der Sächsischen Fehde ergriff Groningen die Partei des ostfriesischen Grafen Edzard I. Daraufhin verhängte Kaiser Maximilian im April 1514 die Reichsacht über Groningen. Als sich Graf Edzard dem Kaiser unterwarf, musste sich auch Groningen dem Kaiser und dem sächsischen Herzog Georg dem Bärtigen unterwerfen.Ingo Hashagen: .
In der Absicht, das weitere Vordringen der Reformation aufzuhalten, wurde 1559 das Bistum Groningen errichtet. Ab 1580 befand sich Groningen, nachdem die Stadt sich dem kaiserlichen Feldherrn Alessandro Farnese, dem Herzog von Parma, unterworfen hatte, unter spanischer Herrschaft.Horst Lademacher: Geschichte der Niederlande. Politik – Verfassung – Wirtschaft. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983. ISBN 3-534-07082-8. S. 75. Im Jahre 1594 eroberte Moritz von Oranien, der Kapitän-General der Vereinigten Niederlande, Groningen.Illustration von Frans Hogenberg von 1594: Die Belagerung der Stadt Groningen ()Illustration von Frans Hogenberg von 1594: Die Einnahme der Stadt Groningen () Groningen wurde zusammen mit den umliegenden Gebieten, den Ommelanden, ein Teil der Republik der Vereinigten Niederlande und damit auch protestantisch.Schumacher, S. 195 (Siehe Reductie van Groningen)
Im Holländischen Krieg versuchte der Fürstbischof von Münster, Christoph Bernhard von Galen, 1672 die Stadt durch Belagerung und Kanonenbeschuss einzunehmen.Horst Lademacher: Geschichte der Niederlande. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983. S. 120. Sein Faible für die Artillerie brachte ihm den Spitznamen „Bommen Berend“ („Bombenbernd“) ein.Detlef Fischer: Münster von A bis Z: Wissenswertes in 1500 Stichworten über Geschichte, Kunst und Kultur. Aschendorff, Münster 2000, S. 112. Am 28. August 1672 gelang es den Bürgern von Groningen, seinen Angriff abzuwehren.Arent Toncko Schuitema Meijer: Groningen vroeger en nu. Bussum 1969, S. 66. An dieses Ereignis erinnert in Groningen bis heute ein lokaler Feiertag mit vielen Aktivitäten, der sogenannte Gronings Ontzet (Entsatz von Groningen).
Im 17. und 18. Jahrhundert war – dank des Meereszugangs über das Reitdiep und die Drentsche Aa – der Schiffsbau ein bedeutender Wirtschaftszweig; zahlreiche Werften entstanden.Art. Groningen. In: H.W.J. Volmuller (Hg.): Nijhoffs geschiedenislexicon. Nederland en België. Martinus Nijhoff, ’s-Gravenhage 1981, ISBN 90-247-9078-6, S. 236. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde ein Gutteil des niederländischen Ostseehandels über Groningen abgewickelt.Hans Vandermissen: Maritiem. Nederlanders en de zee. Uniboek, Bussum 1983, ISBN 90-228-1874-8, S. 62–63. Dank des Meereszugangs entstand in Groningen zudem ein bedeutender Fischmarkt. Dieser wurde im 17. Jahrhundert zunächst am Zuiderdiep abgehalten, der Gracht im Süden der Altstadt (heute, nach der Verfüllung, die Straße „Gedempte Zuiderdiep“), dann an den Spilsluizen, der Gracht im Norden der Altstadt, und seither auf dem Platz in der Stadtmitte, dem der Fischmarkt den Namen gab.Vismarkt zolas zij was en is. In: De Groninger Gezinsbode. 30. November 1967. Die Stadt Groningen richtete dort „Fischbänke“ genannte Marktstände ein, die an die Fischhändler verpachtet wurden.
19. Jahrhundert Ab 1810 war Groningen – wie die gesamten Niederlande – von Frankreich besetzt. Im Zuge der Befreiungskriege vertrieben russische Truppen der Nordarmee am 15. November 1813 die Franzosen aus Groningen; die Stadt war wieder frei.Johann Sporschil: Geschichte des Krieges des verbündeten Europas gegen Napoleon Bonaparte in den Jahren 1813, 1814 und 1815, Bd. 1: Der Feldzug von 1813, Teilband 3. Westermann, Braunschweig 1841, S. 1118.
Die Industrialisierung begann in Groningen mit dem Bau der ersten Fabrik im Jahre 1840, einer Flachsspinnerei in der Vlasstraat, deren Spinnmaschinen mit einer 20-PS-Dampfmaschine betrieben wurden. Unter den 130 dort beschäftigten Arbeitern waren 87 Kinder.Jan Mein: Kalendarium van de geschiedenis van de stad en de provincie Groningen. Van jaar tot jaar, 400 – 2000. Reco, Groningen 2005, ISBN 90-76457-17-4, S. 138.