mini|Moskwitsch-400

Die OAO Moskwitsch ( OAO Москви́ч, abgeleitet von Moskau = der Moskauer) war ein russischer Automobilhersteller aus Moskau, der 2006 in Insolvenz ging. Das bereits in der Sowjetunion gegründete Unternehmen firmierte zunächst als MSMA (Московский завод малолитражных автомобилей, Moskowski sawod malolitraschnych awtomobilej, „Moskauer Kleinwagenwerk“) und später als ASLK (Автомобильный завод имени Ленинского комсомола, Awtomobilny sawod imeni Leninskowo komsomola, Automobilwerk „Leninscher Komsomol“). Seit den späten 1940er-Jahren verwendete es für die Fahrzeuge die Automarke „Moskwitsch“ (international auch MoskvichProspektseite des Modells 412 auf www.Moskwitsch.de oder MoskvitchProspektseite des Moskwitsch-407 auf www.moskwitsch.de).

2022 wurde die staatseigene russische AO Moskowski awtomobilny sawod „Moskwitsch“ (АО «Московский автомобильный завод „Москви́ч“», „Moskauer Automobilwerk ‚Moskwitsch‘ AG“) gegründet, welche ebenfalls die Marke Moskwitsch verwendet. Sie ging aus einem Automobilwerk von Renault hervor. Der französische Hersteller hatte sich zuvor infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine vom russischen Markt zurückgezogen und seinen dortigen Standort für einen symbolischen Preis der Stadt Moskau übergeben. Aktuell werden fünf Modelle gebaut, bei denen es sich um Lizenzbauten chinesischer Fahrzeuge handelt.

Geschichte mini|KIM-10 als Limousine, Baujahr 1940 Im November 1930 wurde in Moskau das Staatliche Moskauer Automobil-Montagewerk „KIM“ gegründet, was im Dezember 1930 den Namen Moskauer Automobilwerk „KIM“ (russ.: Московский автосборочный завод имени „КИМ“, Moskowski awtosborotschny sawod imeni „KIM“) bekam. Die Abkürzung „KIM“ stand für die Kommunistische Jugendinternationale (russ. Коммунистический интернационал молодёжи, Kommunistitscheski internazional molodjoschi). Zunächst begann in dem Werk in Lizenznahme die Montage von Ford-Pkw der Typen Modell A (ab 1933 als GAZ-A) und des Lkw-Typs AA (ab 1933 als GAZ-AA), der dort bis 1939 produziert wurde. Ab 1933 wurde das Moskauer Werk eine Niederlassung des Gorkowski Awtomobilny Sawods mit Hauptsitz in Gorki. 1939 wurde der Moskauer GAZ-Zweigbetrieb wieder unabhängig unter seinem Namen „Moskauer Automobilwerk KIM“. Zu gleicher Zeit begann die Entwicklung eines Kleinwagen-Prototyps basierend auf der Grundlage des Ford Prefect. Ab 1940/41 wurde im Moskauer Automobilwerk die Produktion des KIM-10 begonnen. Dabei wurden relativ hohe Produktionszahlen angestrebt, um die Motorisierung des Landes voranzutreiben. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 wurden die Werke auf Kriegswirtschaft und Rüstungsproduktion umgestellt und in den Ural evakuiert.

Im Mai 1945 verabschiedete der Rat der Volkskommissare der Sowjetunion eine Resolution zur Wiederaufnahme des Automobilbaues im Moskauer Automobilwerk und für die Entwicklung und Produktion eines Kleinwagens mit dem Namen „Moskwitsch“ (übersetzt: „der Moskauer“). Gleichzeitig wurde das Automobilwerk in „Moskauer Fabrik für kleinmotorige Automobile“ (russ. Московский завод малолитражных автомобилей, Moskowski sawod malolitraschnych awtomobilej, Abk. MZMA) umbenannt. Mitte 1946 wurden die Fertigungsanlagen des Opel Kadett (Modell 1938) als Reparationsleistung von Rüsselsheim nach Moskau gebracht. Zuvor hatte es bereits Versuche gegeben, den Opel Kadett zu kopieren.Michael Dünnebier, Eberhard Kittler: Personenkraftwagen sozialistischer Länder. transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1990, ISBN 3-344-00382-8, S. 139. Das Moskauer Unternehmen MZMA wurde nun beauftragt, auf der Basis des Kadett ein Automobil zu bauen, das auf dem sowjetischen und internationalen Markt angeboten werden konnte. Im Jahr 1947 liefen die ersten Exemplare des Moskwitsch-400 vom Band. Der Export begann erst 1950 mit der Lieferung des Moskwitsch-400 nach Finnland, wo der Verkauf durch Konela erfolgte.

mini|Moskwitsch-410, Serien-PKW mit Allradantrieb 1955 erschien der Moskwitsch-402 – eine Weiterentwicklung auf Basis des Moskwitsch-400 mit Pontonkarosserie und auf 35 PS erstarktem Motor.Zwei neue sowjetische Kraftwagentypen. In: Kraftfahrzeugtechnik 6/1955, S. 214. Abgeleitet daraus wurde der Kombi Moskwitsch-423. Ebenfalls auf Basis des Moskwitsch-402 gab es ein höhergelegtes Fahrzeug mit Allradantrieb, den Moskwitsch-410, dessen Technik später auf den Stand des Moskwitsch-407 gebracht wurde. Der Antrieb der Vorderräder war beim Moskwitsch-410 wahlweise zuschaltbar, außerdem hatte das Fahrzeug zwei Untersetzungsstufen für Geländefahrten.Neue sowjetische Personenkraftwagen. In: Kraftfahrzeugtechnik 11/1957, S. 405–409. Dieses Fahrzeug war weltweit einer der ersten Serien-PKW mit Allradantrieb. Ab 1959 kam noch die Kombiausführung Moskwitsch-411 hinzu.Die Kraftfahrzeugindustrie der UdSSR im Siebenjahrplan von 1959 bis 1965. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1959, S. 370–373. Ein moderner 45-PS-Motor mit hängenden Ventilen erschien mit dem Typ 407 im Jahr 1958. Der Moskwitsch-407 wurde später zum Moskwitsch-403 weiterentwickelt, wobei die Karosserie weitgehend der der Modelle Moskwitsch-402 und Moskwitsch-407 entsprach.

1964 wurde das Fahrzeug komplett modernisiert, er hieß nun Moskwitsch-408 und wurde mit Viergangschaltung, größeren Fensterflächen, höheren Front- und Heckscheiben sowie 13- oder 15-Zoll-Rädern ausgestattet. Sein Motor basierte weiterhin auf dem Vorgängerfahrzeug und hatte 50 PS. Der einmillionste Moskwitsch war 1967 ein Typ 408. Der Moskwitsch-408 war mit seiner für damalige Verhältnisse relativ großen Karosserie, seiner sehr soliden Konstruktion und seinem zuverlässigen, geringverdichtenden Motor ein ideales Fahrzeug für den sowjetischen Binnenmarkt, der durch schwierige Straßenverhältnisse, erhebliche klimatische Unterschiede und ein nur gering ausgebautes Servicenetz ganz besondere Ansprüche stellte. Die Fahrzeuge wurden auch exportiert, erreichten aber nicht in allen Punkten den westlichen Standard, wobei insbesondere die Motor-Getriebe-Einheit in der Kritik stand (Geräusche, Beschleunigungsleistung). Im Oktober 1968 wurde MZMA in AZLK umbenannt.Ehemalige Herstellerwebseite von AZLK zur Werksgeschichte (russisch) In dieser Zeit zog das Werk auch in die neu erbauten Produktionsstätten in Moskau um.

mini|Restaurierter Moskwitsch-412 (2014) mini|Viertaktmotor des Moskwitsch-412, 1500 cm³ mit OHC-Ventilsteuerung Einen erheblichen technischen Sprung machte das Moskauer Automobilwerk Ende 1967 mit dem Moskwitsch-412, der einen 1,5-Liter-Leichtmetallmotor mit obenliegender Nockenwelle und halbkugelförmigen Brennräumen (Hemi-Bauweise), einen Bremskraftverstärker und eine Knüppelschaltung erhielt. Der neue Motor leistete 55 kW (75 PS). Er war in seiner Bauart an den M10-Motor von BMW angelehnt, hatte aber im Gegensatz zu diesem bereits einen Aluminiumzylinderblock. Die Zylinderlaufbuchsen waren auswechselbar. Die Konstruktion war zu ihrer Zeit auch im Vergleich mit den Motoren westlicher Pkw sehr modern und leistungsfähig. So verhalf der Moskwitsch-412 seinem Herstellerwerk Ende der 1960er- bis Anfang der 1970er-Jahre zu beachtlichen internationalen Rallyesporterfolgen. Hier waren es insbesondere die Langstreckenrallyes, bei denen das Fahrzeug durch seine solide Bauweise, seine Wartungsfreundlichkeit und seine leistungsfähige und zuverlässige Motorisierung erfolgreich war. Bei der Rallye London–Sydney 1968 (London-Sydney Marathon) konnte sich der neue Moskwitsch-412 zum ersten Mal in der Weltöffentlichkeit bewähren. Äußerlich hatten die Fahrzeuge noch die „alte“ Karosserie des Moskwitsch-408, innen arbeitete schon der neue 1500er Leichtmetallmotor. Gestartet waren 100 Fahrzeuge, nur gut die Hälfte aller Fahrzeuge kamen nach über 15.000 km in Sydney an, darunter zur großen Überraschung der Presse alle vier der gestarteten Moskwitsch. Nach diesem Erfolg stiegen die Exportzahlen deutlich an. Später wiederholten sich diese Langstreckenrallye-Erfolge bei der mörderischen 25.000 km langen World Cup Rallye 1970 oder bei der Rallye Tour d’Europe 1974. Letztere endete mit einem Gesamtsieg von Stasis Brundsa mit seinem Moskwitsch-412. Er setzte sich dabei in einem internationalen Rennen durch, das in diesen Jahren sonst mit Fahrzeugen wie dem Opel Ascona oder dem Porsche Carrera gewonnen wurde. Diese Zeit war die erfolgreichste von AZLK.

mini|Prototyp Moskwitsch-356, 1975 Anfang der 1970er-Jahre ging der Ende der 1960er mit dem Moskwitsch-412 gerade erst gewonnene Anschluss an den Weltstandard wieder verloren. Zunächst gelang es nicht, einen neuen Typ 355 und 356 (mit modernerer Karosserie und Motoren von 70 bis etwa 100 PS und Automatikgetriebe) in Serie zu bringen. Die Gründe hierfür dürften ökonomischer Natur gewesen sein.

1975 bekam der Moskwitsch-412 neben einer äußerlichen Modernisierung eine verbesserte Bremsanlage und wurde in Moskwitsch-2140 umbenannt. Trotz seiner bereits veralteten Konstruktion wurde dieser Typ weitergebaut. Anfang der 1980er-Jahre war der Exporterfolg selbst innerhalb des Ostblocks eingebrochen. Auch im Inland gab man den Ladas mit ihren moderneren Karosserien längst den Vorzug. Die Moskwitsch-2140 (1500 cm³) und Moskwitsch-2138 (1360 cm³) wurden aber immer noch (hauptsächlich für die weniger gut erschlossenen Gebiete im Osten des Landes) gebraucht und bis 1988 gebaut.

Als in den 1980er-Jahren dann endlich mit dem Moskwitsch-2141 ein neues Fahrzeug erschien, war es bereits technisch überholt. Bezeichnenderweise gab es für dieses Modell unter anderem immer noch eine Motorisierung mit dem Motor des Moskwitsch-412.

Auch Bemühungen in den 1990er-Jahren, wieder zum automobilen Weltstandard aufzuschließen, scheiterten. Man baute bei AZLK neben dem Moskwitsch-2141 Mittelklasse-Limousinen und Coupés mit Renault-Motoren, die jedoch im westlichen Europa nicht bekannt wurden. Für den Export eigneten sie sich nicht.

Mit Schulden von rund 700 Millionen Euro wurde Moskwitsch im Frühjahr 2006 endgültig von einem russischen Gericht für insolvent erklärt. Bis dahin hatte der Hersteller im Zeitraum von 76 Jahren etwas mehr als vier Millionen Fahrzeuge produziert.

Der Moskwitsch in der DDR mini|Moskwitsch-408/IE in Berlin 1970 In der DDR hatte sich der Moskwitsch (auch MoskvichProspektseite des Modells 412 auf www.Moskwitsch.de oder MoskvitchProspektseite des Moskwitsch-407 auf www.moskwitsch.de) in den 1960er-Jahren einen guten Ruf als Privat-PKW, aber auch als Taxi, Fahrschul- und Dienstfahrzeug erworben. Das Modell dieser Zeit war der Moskwitsch-408 mit seiner damals zeitgemäßen Karosserie und seinen angedeuteten Heckflossen. Mit 50 PS war er angemessen motorisiert. Das Fahrzeug war bis zum Ende der 1960er-Jahre einer der leistungsstärksten und robustesten Pkw im DDR-Alltag und dementsprechend beliebt. Im März 1968 wurde der 50.000. Moskwitsch an die DDR übergeben.50 000. MOSKWITSCH IN DER DDR. In: Kraftfahrzeugtechnik 4/1968, S. 98.

1967 erschien erstmals der neue Moskwitsch-412 mit einem für seine Zeit sehr modernen (und im sozialistischen Automobilbau einzigartigen) 1500-cm³-OHC-Aluminiummotor mit 55 kW. In der DDR bekam man ihn allerdings erst fünf Jahre nach seinem Erscheinen zu sehen – 1972. Äußerlich unterschied sich der Wagen nicht von seinem kleinen Bruder, dem Moskwitsch-408, der in der Facelift-Karosserie als Moskwitsch-408IE weiter importiert wurde. Die Autotester waren zunächst besonders von den Leistungsdaten des Fahrzeugs begeistert – einen PKW-Motor solcher modernen Bauart hatte es im ganzen Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) bisher noch nicht gegeben – und sollte es bis zur Wende auch in den folgenden 17 Jahren nicht mehr geben.