mini|Logo des Nachfolgers Galeria Karstadt Kaufhof vom 25. März 2019 bis 19. August 2021 mini|Karstadt-Stammhaus Wismar, Rudolph-Karstadt-Platz 1 mini|Karstadt Warenhaus in Hamburg-Wandsbek mini|1904 in Dortmund errichtete Filiale der Warenhauskette Althoff, die 1920 von Karstadt übernommen wurde mini|Aktie über 100 RM der Rudolf Karstadt AG vom 12. Januar 1926 Die Karstadt Warenhaus GmbH, mit Sitz in Essen, war eine deutsche Warenhauskette.

Zur Karstadt Warenhaus GmbH gehörten zeitweise 79 Warenhäuser, 2 Schnäppchencenter sowie der Onlineshop Galeria.de. Die 28 Sporthäuser sowie der Onlineshop karstadtsports.de gehörten zur Karstadt Sports GmbH. Am 30. November 2018 schloss sich Karstadt mit Galeria Kaufhof unter einer neuen Holding der beiden Anteilseigner Signa (50,01 %) und Hudson’s Bay Company (HBC) (49,99 %) zusammen.Fusion von Kaufhof und Karstadt ist perfekt. WirtschaftsWoche, 30. November 2018.Fanderl will Karstadt Kaufhof bis 2021 wieder profitabel machen. Tiroler Tageszeitung, 7. Mai 2019.

Seit dem 25. März 2019 traten Karstadt und Kaufhof unter dem gemeinsamen Namen Galeria Karstadt Kaufhof auf. Im Januar 2020 folgte die rechtliche Übernahme der Galeria Kaufhof GmbH und die Umfirmierung in Galeria Karstadt Kaufhof GmbH.

Die HBC verkaufte ihren Anteil am Gemeinschaftsunternehmen bis zum Herbst 2019 für rund eine Milliarde Euro an die Signa Holding, die damit Alleineigentümer wurde.Signa schnappt sich Galeria Karstadt Kaufhof ganz. In: finance-magazin.de, 11. Juni 2019.

Nachdem der Karstadt Warenhaus GmbH im Geschäftsjahr 2016/2017 die Rückkehr in die schwarzen Zahlen gelungen war, meldete der Konzern nach der Übernahme von Galeria Kaufhof und unter dem Eindruck der wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-Maßnahmen am 1. Juli 2020 Insolvenz an. Der Insolvenzplan sah die Schließung von 41 Warenhäusern bis Ende Januar 2021 vor.

Geschichte Karstadt von der Gründung 1881 bis 1932 Am 14. Mai 1881 gründete Rudolph Karstadt sein erstes Geschäft in Wismar unter dem Namen Tuch-, Manufactur- und Confectionsgeschäft Karstadt. Karstadt hatte von Anfang an Erfolg mit günstigen Festpreisen anstelle des sonst noch üblichen Handelns, schnell eröffneten Filialen in 24 Städten Norddeutschlands. Das zweite Karstadt-Haus wurde 1884 in Lübeck errichtet. Weitere Filialen entstanden in Neumünster (1888), Braunschweig (1890), Kiel (1893), Mölln (1895), Eutin (1896) und Preetz (1897). Im Jahr 1900 übernahm Rudolph Karstadt 13 Geschäfte seines hoch verschuldeten Bruders Ernst Karstadt in Anklam, Dömitz, Friedland, Greifswald, Güstrow, Hamburg (Röhrendamm), Ludwigslust, Neubrandenburg, Schwerin, Stavenhagen, Wandsbek (Lübecker Straße) und Waren (Müritz). Weitere Filialeröffnungen folgten in Bremen (1902), Hamburg-Eimsbüttel (1903), Altona (1903), Hannover (1906) und Wilhelmshaven (1908). Einen ersten Höhepunkt bildete das 1912 an der Mönckebergstraße in Hamburg eröffnete Großstadt-Warenhaus mit einer Verkaufsfläche von rund 10.000 m². Daneben setzte Karstadt zunehmend auf Eigenfabrikation von Bekleidung. Hierzu errichtete man 1911 ein großes Stofflager und ein Jahr später eine Wäschefabrik in Berlin. Außerdem wurde 1919 eine Herrenkleiderfabrik in Stettin eröffnet.

Karstadt expandierte nach dem Ersten Weltkrieg rasch. 1920 wurde die Unternehmung des in Dülmen geborenen Theodor Althoff von Karstadt übernommen und der gesamte Konzern in die Rudolph Karstadt Aktiengesellschaft mit Sitz in Hamburg umgewandelt.Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger vom 23. Juni 1920, abgerufen über deutsche-digitale-bibliothek.de am 27. März 2025, Direktlink. Die Aktionäre waren teilweise jüdischer Herkunft. Damit war der Karstadt-Konzern nun auch mit Althoff-Filialen in Dülmen (eröffnet: 1885), Rheine (1889), Borghorst (1889), Bottrop (1893), Bocholt (1893), Recklinghausen (1893), Essen (1894), Münster (1896), Duisburg (1899), Gladbeck (1901), Lippstadt (1901), Coesfeld (1902), Remscheid (1901), Dortmund (1904) und Leipzig (1914) vertreten. Das Filialnetz war dadurch auf 44 gewachsen. Die Althoff-Warenhäuser wurden jedoch erst viel später (1963) in Karstadt umbenannt.

Von 1921 bis 1924 wurde das riesige Verwaltungsgebäude in der Hamburger Steinstraße 10 erbaut. Hoch über dem Eingang in Höhe des Daches prangte zwischen zwei Kugelabschnitten in sauberer Steinmetzarbeit der Schriftzug Rudolph Karstadt AG. Dieser Schriftzug wurde bei der Übernahme des Gebäudes durch die Hamburger Finanzverwaltung beseitigt. Im Juli 1926 gründete Karstadt die EPA-Einheitspreis-Aktiengesellschaft, mit der Karstadt ein Filialnetz von Niedrigpreis-Warenhäusern aufbaute. Bis 1932 entstanden 52 EPA-Filialen. 1937 wurde aus der EPA die Kepa Kaufhaus GmbH.

Darüber hinaus erwarb Karstadt weitere Produktionsbetriebe, um unabhängiger von Zulieferern zu werden und günstigere Einkaufskosten zu erzielen. Zu diesen Betrieben zählten Webereien, Einrichter, Druckereien und Schlachtereien, wie z. B. die am 19. April 1921 beim Handelsregister in Konstanz eingetragene Arboner Stickereiwerke Wollmatingen GmbH in Wollmatingen, deren sämtliche Gesellschaftsanteile Karstadt dann mit Vertrag vom 3. Juni 1926 hielt. 1930 war Karstadt mit 89 Filialen, 27 Fabriken und über 29.000 Angestellten Europas größter Warenhauskonzern.Jan Whitaker: Wunderwelt Warenhaus. Gerstenberg 2013, ISBN 978-3-8369-2745-1, S. 32. 1932 schied Rudolph Karstadt aus der Unternehmensführung aus, nachdem das Unternehmen während der Weltwirtschaftskrise einen dramatischen Absatzrückgang hatte. In einem Sanierungsplan wurden unter anderem das Aktienkapital herabgesetzt, zahlreiche Filialen und Produktionsbetriebe geschlossen; die Epa AG wurde verkauft.

Karstadt in Berlin mini|Ehemalige Hauptverwaltung in der damaligen Neue Königstraße (seit 1995 Otto-Braun-Straße)Hier eine Ansicht von 2010, nach umfassender Fassadensanierung Nahe am Alexanderplatz erwarb Rudolph Karstadt im Jahr 1928 Bauland, gelegen zwischen Keibel-, Wadzeck- und Neue Königstraße. Er ließ an dieser Stelle in den Jahren 1930/31 einen Gebäudekomplex nach Plänen des Architekten Philipp Schaefer errichten. Die Hauptverwaltung seiner Kaufhauskette zog im Jahr 1932 von Hamburg hierher, in die Mitte Berlins.Historisches (über das Gebäude Keibelstraße, ehem. Neue Königstraße 27), abgerufen am 19. Februar 2019.

Zeitgleich wurde 1929 im Berliner Süden am Hermannplatz, an der Grenze der Bezirke Kreuzberg und Neukölln gelegen, eines der damals größten Warenhäuser der Welt eröffnet. mini|links|Modell des Kaufhauses Karstadt am Hermannplatz in Berlin, vor der Sprengung am 25. April 1945 (Standort 4. Etage des heutigen Gebäudes) Auf neun Stockwerken mit insgesamt rund 72.000 Quadratmetern Nutzfläche (das KaDeWe besaß damals weniger als 30.000 Quadratmeter) waren anfangs rund 4000 Mitarbeiter beschäftigt. Der Monumentalbau besaß außerdem zwei 56 Meter hohe Türme, eine 4000 Quadratmeter große Dachterrasse, mehrere Lkw-Aufzüge sowie einen eigenen Zugang vom U-Bahnsteig. Doch schon bald erwies sich das Gebäude als überdimensioniert. Durch die Wirtschaftskrise bedingt standen 1932 mehrere Stockwerke leer.

mini|Ruine des Kaufhauses in Neukölln im Mai 1945

Das Verwaltungsgebäude am Alexanderplatz wurde 1934 für 15 Mio. Reichsmark an das Reichsfinanzministerium verkauft und die Hauptverwaltung später in einen 1935/36 ebenfalls von Schaefer errichteten Neubau am Fehrbelliner Platz verlagert. Danach zog in den achtstöckigen Komplex das Statistische Reichsamt ein. Zu dessen Aufgaben gehörte die Zählung der jüdischen Einwohner Berlins und die Sammlung von zentralen Informationen für die Kriegsführung. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erlitt das Gebäude schwere Beschädigungen.

In der Schlacht um Berlin wurde der Hermannplatz zu einem Brennpunkt der letzten Kämpfe des Krieges. Am 25. April, nachmittags, „flog das riesige Kaufhaus in die Luft. Die SS sprengte es, um die von ihr im Keller eingelagerten Vorräte im Wert von 29 Millionen Mark nicht den Russen in die Hände fallen zu lassen. Es gab mehrere Tote.“Cornelius Ryan: Der letzte Kampf, 1. Deutsche Ausgabe: Droemersche Verlagsanstalt, München/Zürich 1966, zitiert nach Fackelverlag, Olten/Stuttgart/Salzburg 1969, S. 283. Originalausgabe: The last battle, Simon and Schuster Inc. New York.

Ab Mai 1945 wurde der Magistrat von Berlin nach Auflösung sämtlicher vorheriger Regierungsstellen Eigentümer des ehemaligen Verwaltungskomplex am Alexanderplatz. Es wurde repariert und diente bereits ab 1945 als Standort verschiedener Polizeidienststellen der Stadt. Mit der Spaltung Berlins im Ergebnis des Viermächteabkommens teilte sich die Polizei in eine Direktion Ost und eine Direktion West. Für das in West-Berlin anzusiedelnde Polizeipräsidium wurden Gebäude am Platz der Luftbrücke errichtet und bezogen. Das Polizeipräsidium Ost verblieb im Haus Keibelstraße/Neue Königstraße. In einem neu gebauten Flügel entlang der Keibelstraße entstand ein Polizeigefängnis, der Rest des Gebäudes blieb bis zur deutschen Wiedervereinigung Sitz des Präsidiums der Volkspolizei.

Zwischen 2007 und 2010 führte die Berliner Immobilien Management GmbH (BIM) eine Generalsanierung des ehemaligen Karstadt-Gebäudes am Alex durch. Nach Abschluss dieser Arbeiten zog die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft in 560 modern ausgestattete Büros ein. Im Flügel entlang der Keibelstraße sind wieder Polizeidienststellen untergebracht sowie Büros der BIM. Das ehemalige Polizeigefängnis in diesem Trakt stand etliche Jahre leer, diente allerdings auch als Filmkulisse – für Männerpension und Das Leben der Anderen. Im Jahr 2018 wurden die im Wesentlichen original erhaltenen Zellen und Aufenthaltsräume der Gefangenen in der ersten Etage des Hauses zu einem Lernort mit kleiner Ausstellung umgestaltet. Hier können seit dem 18. Februar 2019 Schüler aus den Klassenstufen 9 bis 13 eine Besichtigung vornehmen. Sandra Scheeres brachte bei der Eröffnung dieser Bildungsstätte den Wunsch zum Ausdruck, dass „hier Schüler auf spielerische Art die Haftbedingungen sowie die Überwachungs- und Kontrollmechanismen kennenlernen sollen“.Martin Klesmann: Plan für einen schwierigen Ort. In: Berliner Zeitung, 19. Februar 2019, S. 11 (Printausgabe); Ehemaliges DDR-Gefängnis öffnet als Lernort. (Online-Ausgabe)

Im Januar 2019 veröffentlichte der Karstadt-Eigentümer Signa den Plan, das traditionsreiche Kaufhaus am Hermannplatz im Stil der 1920er Jahre zu renovieren. Das Gebäude war in der Nachkriegszeit behelfsmäßig wiedererrichtet worden.Neuer alter Glanz für Karstadt in Berlin. Kurier, 21. Januar 2019.

Arisierung Das NS-Regime gewährte dem Konzern 1933 einen umfangreichen Kredit und der Konzern war ein frühes Objekt der sogenannten Arisierung. Dies hatten zwei leitende Angestellte und NSDAP-Mitglieder ausgehandelt. Jede Ausgabe der Unternehmenszeitschrift brachte in jener Zeit ein Hitler-Zitat. Dieser Umstand führte zu der nicht einhelligen Legende von einer freiwilligen Arisierung. Die Karstadt AG entließ 830 jüdische Angestellte, darunter vier Vorstandsmitglieder und 47 Geschäftsführer. Der Konzern leistete nach Kriegsende Entschädigungszahlungen.

In den 1930er Jahren musste das Unternehmen unter den ideologischen Vorbehalten des Nationalsozialismus gegen Warenhäuser leiden. Warenhäuser allgemein wurden als „jüdische Erfindung“ angesehen und waren zahlreichen Repressionen ausgesetzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Fusion mit Quelle mini|hochkant|Plakat zur Enteignung des Warenhauses in Leipzig, 1948