mini|hochkant=1.5|Luftbild der Universität mini|Die Ruhr-Universität Bochum aus der Luft mit dem Kemnader See im Vordergrund
Die Ruhr-Universität Bochum (RUB, Eigenschreibweise Ruhr-Universität Bochum), kurz auch Universität Bochum oder „Ruhr-Uni“, in Bochum ist mit 37.653 Studierenden (Stand WS 2025/26) eine der zehn größten Universitäten in Deutschland.
Überblick mini|Ein Teilbereich des Campus-Geländes mit Audimax und Mensa (Gebäude IA links oben abgerissen und neu gebaut) mini|Die „N-Gebäude“ (Naturwissenschaften). Im Vordergrund das Gebäude NA, welches 2023 abgerissen wurde und derzeit neu gebaut wird
Die RUB war 1962 die erste Universitätsneugründung in der Bundesrepublik. Die Universität wurde außerhalb der Stadt als Campus-Universität in Querenburg angelegt: Bis auf wenige Außenstellen sind alle 21 Fakultäten auf dem Universitätsgelände untergebracht. Die Universität, die Wohnstadt Hustadt und das beide versorgende Einkaufszentrum Uni-Center dominieren seither den Stadtteil. Der Lehrbetrieb wurde 1965, drei Jahre nach Gründung der RUB, mit einer feierlichen Eröffnung mit Ministerpräsident Franz Meyers aufgenommen.
Die Hochschule ist seit ihren Anfängen eine Reformuniversität. In der Einführung gestufter Studiengänge nach Vorgabe der Bologna-Erklärung nahm sie eine Vorreiterrolle in Deutschland ein. Aufgrund ihrer Größe ist die RUB eine der deutschen Hochschulen mit der größten Vielfalt an Studienfächern. Die Studierenden der Medizin absolvieren ihre praktische Ausbildung dabei nicht zentral in einem eigenen Klinikum, sondern werden auf verschiedene Krankenhäuser in Bochum und Umgebung verteilt. Bis 2012 wurde diese deutschlandweit einmalige dezentrale Ausbildung auch als Bochumer Modell bezeichnet. Seit 2012 präsentieren sich die beteiligten Kliniken jedoch in einem einheitlichen Erscheinungsbild als Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum (UK RUB).
Zahlreiche bedeutende Wissenschaftler wirkten oder wirken an der RUB. Bundesweit belegt sie den zweiten Platz in der Anzahl der DFG-Sonderforschungsbereiche (Stand in den 2010er Jahren). Im DFG-Ranking unter den 40 deutschen Hochschulen mit dem höchsten Bewilligungsvolumen für Forschungsvorhaben der Jahre 2002 bis 2004 erreichte sie Rang drei in den Lebenswissenschaften, den neunten Platz in den Ingenieurwissenschaften und Platz 12 in den Naturwissenschaften. Im gesamten Vergleich erzielte die RUB den 15. Platz.
Die Ruhr-Universität befand sich 2007 und 2011 in der Endrunde der vom Bund durchgeführten Exzellenzinitiative und setzte sich jeweils in zwei von drei Förderlinien durch, erreichte aber nicht den begehrten Status einer Eliteuniversität. 2018 nahm die RUB auch an der Exzellenzstrategie teil.
Geschichte mini|Siegel der RUB, das bis 2009 zugleich als Logo genutzt wurde
Vorgeschichte Die Geschichte der Universität in Bochum beginnt bereits 1948 in der ersten Wahlperiode des Landtags Nordrhein-Westfalen mit der fraktionsübergreifenden Forderung nach einer zweiten technischen Hochschule in Westfalen. Favorit für den Standort war allerdings die Stadt Dortmund. Im Kulturausschuss wurden am 20. Dezember 1960 – und damit erst knapp zwölf Jahre später – die Mittel für den Kauf eines entsprechenden Geländes in Westfalen genehmigt. Zuvor hatte der Wissenschaftsrat empfohlen, eine Hochschule im „nordrhein-westfälischen Industrierevier“ zu gründen. Nach weiteren, teilweise erbittert geführten Diskussionen setzte sich der Standort Querenburg mit 102 zu 87 Stimmen gegenüber Dortmund im Landtag durch.
Planung Zur schnellen Realisierung wurde nach weiterer Vorplanung der wissenschaftlichen Schwerpunkte 1962 ein Ideenwettbewerb ausgelobt, zu dem bekannte Architekten wie Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe direkt eingeladen wurden, bei dem aber auch alle anderen in der Bundesrepublik niedergelassenen Architekten zugelassen waren. Aus den 85 eingereichten Entwürfen setzte sich der Entwurf des Büros Hentrich, Petschnigg & Partner aus Düsseldorf durch.
Bau mini|Der Audimax der Ruhr-Uni, im Vordergrund das Wasserrelief
Begonnen wurde der Bau der Universität am 2. Januar 1964 mit den Erdarbeiten für die Gebäude IA, IB und IC der Ingenieurwissenschaften. Durch die Verwendung eines einheitlichen Rastermaßes für die Struktur der Gebäude konnten Betonfertigteile direkt auf der Baustelle im industriellen Gussverfahren hergestellt werden, was dazu führte, dass die Ingenieurwissenschaften bereits am 30. Juni 1965 den Betrieb aufnehmen konnten, während die Bauarbeiten für die Gebäude der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Medizin noch bis August 1969 andauerten. Der zentrale Forumsbereich mit Bibliothek, Verwaltung, Audimax und Mensa wurde erst 1971 begonnen und am 1. August 1974 abgeschlossen.Alexandra von Cube: Die Ruhr-Universität Bochum. Bauaufgabe – Baugeschichte – Baugedanke. Eine kunsthistorische Untersuchung. Universitätsverlag N. Brockmeyer, Bochum 1992, ISBN 3-8196-0002-7.
Denkmalschutz Am 16. Oktober 2015 wurden der Universitätskomplex, der Botanische Garten und die Dr.-Gerhard-Petschelt-Brücke über die Universitätsstraße in die Denkmalliste der Stadt Bochum eingetragen.
Universitätsallianz Ruhr Im März 2007 gründeten die drei Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen die Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr), die die Kooperation der Lehr- und Forschungsaktivitäten der beteiligten Universitäten stärken und den Universitäten eine bessere Ausgangsposition als exzellentem Standort in der nationalen und internationalen Wissenschafts- und Studienlandschaft geben soll.vgl. die Webpräsenz der Universitätsallianz Ruhr. Als eines der ersten Projekte der UA Ruhr fördert Ruhr Campus Online die hochschulübergreifende Lehre zwischen den drei Ruhruniversitäten mittels Blended Learning.RuhrCampusOnline In: www.ruhrcampusonline.de.
Architektur mini|Haupteingang zur Ruhr-Universität (mit Dr.-Gerhardt-Petschelt-Brücke) mini|links|Treppenhaus im Gebäude IC vor der Kernsanierung des Gebäudes
Der Campus liegt am Rand einer Anhöhe über dem Kemnader See. 13 Hauptgebäude gruppieren sich in vier symmetrischen Komplexen aus je drei bis vier Hochhäusern um die Mensa, das Audimax, die Universitätsbibliothek und das Forum der Universität.
Das architektonische Konzept stammt von Helmut Hentrich (Architekturbüro Hentrich, Petschnigg & Partner). Er sieht die Universität als einen . Die Gebäude selbst symbolisieren Schiffe, die an ihren Zugängen „angelegt“ haben, das Dach des Audimax erinnert an eine Muschel. Dazu passend wurde auch Anfang der 1990er Jahre die Station „Ruhr-Universität“ der Stadtbahnlinie U35 gestaltet, deren Dach Wellen darstellen soll.
Ursprünglich war die RUB noch deutlich größer geplant. Mehrere Gebäude wurden nicht gebaut, unter anderem das geplante Universitätsklinikum. Zwei der drei für die medizinische Fakultät vorgesehenen Gebäude (MB und MC) wurden zwar fertiggestellt, aber nie bezogen. Sie standen jahrelang leer, bis sie schließlich an private Unternehmen verpachtet wurden. Die daraus erzielten Einnahmen wurden für den Bau des Wohnheims „Europahaus“ verwendet. Das MB-Gebäude wurde aber 2019 wieder ein Universitätsgebäude. Ab Ende 2022 soll das Gebäude wieder vollständig von der Universität genutzt werden.
Die Architektur der Ruhr-Universität ist bis heute ein kontrovers diskutiertes Thema. Der fast alleinige Baustoff Beton erzeugt – wie die meisten anderen Betonbauten auch – bei schlechtem Wetter einen tristen Gesamteindruck. Bei gutem Wetter dagegen kontrastiert der helle Beton mit dem blauen Himmel, so dass ein offener sonnendurchfluteter Gesamteindruck entsteht. Anfang der 1990er Jahre wurde die harte Betonarchitektur durch farblich abgesetzte Außenanstriche, Umgestaltungen der Hauptgebäude und durch die Anlage von Grünflächen abgemildert. Im Zuge der Exzellenzinitiative wird die Universität seit 2007 schrittweise renoviert.
Audimax Im Audimax, das auch (bis zur Eröffnung des Musikforums im Jahr 2016) als Spielstätte der Bochumer Symphoniker diente, befindet sich eine der modernsten und größten Orgeln der Orgelmanufaktur Klais. Die Orgel aus dem Jahr 1998 verfügt über 6400 Pfeifen, die in 82 Registern zusammengefasst sind.
Querforum Ost Der Bereich Querforum Ost umfasst ein 80 Meter breites und 300 Meter langes Areal mit einem ein Quergefälle von 4,5 bis 13 Metern und einem Längsgefälle von 30 Metern. Die Gestaltung besteht aus Wegen, Treppen, Stützmauern, künstlichen Gewässern mit Betonelementen, und Grünflächen. Der Freiraum wurde von 1966 bis 1971 von Georg Penker gestaltet (artifizielle urbane Elemente). In: lwl.org, Landschaftsverband Westfalen-Lippe – LWL.
Botanischer Garten Auf dem steil zum Lottenbach, einem Nebenbach der Ruhr, hin abfallenden Hang befindet sich der Botanische Garten der Universität.
Sanierung mini|Neubau des Gebäudes NA im Februar 2026 Die laufende und langandauernde Campussanierung umfasste bisher folgende Maßnahmen: Die Hauptmensa wurde zwischen 2003 und 2006 entkernt und grundlegend umgestaltet. Für die Sanierung der Bürogebäude wurde im August 2010 in der ingenieurwissenschaftlichen Gebäudereihe (I-Reihe) das neue Gebäude ID fertiggestellt. Es dient als Ausweichfläche, um die anderen Gebäude nacheinander kernsanieren zu können. Pressemitteilung der Ruhr-Universität, abgerufen am 13. September 2010. Die Gesamtkosten werden mit knapp 1,2 Mrd. € veranschlagt. Das Gebäude IC wurde kernsaniert und 2013 wieder zur Nutzung freigegeben. Die beiden Gebäude IA und IB wurden wegen zu hoher PCB-Belastung nicht kernsaniert, sondern vollständig rückgebaut (abgerissen) und durch zwei ansichtsmäßig ähnliche Gebäude ersetzt. Der Abriss wurde im Juli 2015 beendet. Die Neubauten werden seit Oktober 2018 wieder für Forschung und Lehre genutzt. Die geisteswissenschaftliche Gebäudereihe (G-Reihe) wurde um einen Neubau GD ergänzt (Inbetriebnahme Juli 2018). Das Gebäude NA wurde 2023 abgerissen und wird aktuell neu errichtet.Übersicht Ersatzneubau NA. Der Abriss des Gebäudes GC begann Ende 2023. Es wird danach neu errichtet.Übersicht Ersatzneubau GC.
Weitere Gebäude werden in den nächsten Jahren sowie Jahrzehnten abgerissen und durch Ersatzneubauten ersetzt.
Die Sanierungen führen auch zu einer deutlichen Umgestaltung des Campus. Unter anderem werden nach und nach fast alle verbliebenen Grünflächen zwischen und neben den Gebäuden bebaut. Diese Gebäude werden zum Teil kommerziell genutzt. Im Ausgleich werden zahlreiche Flachdächer begrünt.
Weiterhin befinden sich am beziehungsweise außerhalb des Campus fünf Forschungsbauten oder sind in der Planung/Entstehung: ZEMOS: Zentrum für molekulare Spektroskopie und Simulation solvensgesteuerter Prozesse (Campus; im April 2016 eröffnet) ProDi: Forschungsbau für molekulare Protein-Diagnostik (Gesundheitscampus; im Juni 2019 eröffnet) ZGH: Zentrum für Grenzflächendominierte Höchstleistungswerkstoffe (Campus; im Februar 2020 eröffnet) ZESS: Forschungszentrum für das Engineering Smarter Produkt-Service Systeme (Mark 51°7; im Juli 2022 eröffnet) THINK: Forschungszentrum für Neuro-Informatik und Gehirnforschung (Mark 51°7; geplante Eröffnung Mitte 2026)
Fakultäten Geistes- und Gesellschaftswissenschaften I. Evangelisch-Theologische Fakultät II. Katholisch-Theologische Fakultät III. Fakultät für Philosophie und Erziehungswissenschaft IV. Fakultät für Geschichtswissenschaft V. Fakultät für Philologie VI. Juristische Fakultät VII. Fakultät für Wirtschaftswissenschaft VIII. Fakultät für Sozialwissenschaft ZEFIR, Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung (als zentrale wissenschaftliche Einrichtung gegründet, nun ein Institut der Fakultät für Sozialwissenschaft) IX. Fakultät für Ostasienwissenschaften X. Fakultät für Sportwissenschaft XI. Fakultät für Psychologie
Ingenieurwissenschaften XII. Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwissenschaften XIII. Fakultät für Maschinenbau XIV. Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik XXI. Fakultät für Informatik