Der Bezirk Altona ist der westlichste der sieben Bezirke der Freien und Hansestadt Hamburg. Er ist großenteils identisch mit der bis 1938 selbständigen Stadt Altona – abgesehen davon, dass Eidelstedt und Stellingen-Langenfelde heute zum hamburgischen Bezirk Eimsbüttel gehören und der Grenzverlauf zu St. Pauli einige Veränderungen erfahren hat.
Geographie
Lage Altona grenzt im Süden und Osten an den Bezirk Hamburg-Mitte, im Nordosten an den Bezirk Eimsbüttel und im Norden und Westen an das Land Schleswig-Holstein. Im Südwesten verläuft in der Elbmitte und über die unbewohnte Elbinsel Neßsand die Grenze Altonas zum Land Niedersachsen.
Stadtteile Der Bezirk besteht aus 14 Stadtteilen, die sich von der Bebauungs- und Bevölkerungsdichte (2022) her drei Typen zuordnen lassen: den östlichen Stadtteilen des Bezirks (Altona-Altstadt, Altona-Nord, Ottensen und dem im Februar 2008 neu geschaffenen Stadtteil Sternschanze), die im Wesentlichen dem alten Stadtkern entsprechen, mit 10.500 bis 13.000 Ew./km² (weitgehend Geschosswohnungsbau); den nördlich gelegenen Stadtteilen (Bahrenfeld, Groß Flottbek, Iserbrook, Lurup, Osdorf) mit 2.800 bis 5.800 Ew./km² (gemischte Bebauung); den westlichen Elbvororten (Blankenese, Nienstedten, Othmarschen und Rissen) einschließlich des teilweise ländlichen Sülldorfs mit 980 bis 2.700 Ew./km² (ganz überwiegend Einzelhäuser und Villen).
Geologie Landschaftlich ist der Bezirk in drei parallel zur Elbe über etwa 15 km in West-Ost-Richtung verlaufende Streifen gegliedert: der sehr schmale, uneingedeichte Elbstrand, zum Hinterland durch den steil aufragenden Geesthang begrenzt; das eiszeitlich geformte Hochufer (Endmoränenwall), das in Blankenese (Falkenstein, Bismarckstein, Süllberg) bis etwa 90 m aufragt und nur an wenigen Stellen durch die Einmündung von Bächen abgeflacht ist: am Fischmarkt durch die Pepermölenbek, in Teufelsbrück durch die Flottbek; die sich landeinwärts anschließende, überwiegend flache Geest, die im nordwestlichen Teil noch heute landwirtschaftlich genutzt wird (Osdorfer bzw. Sülldorf-Rissener Feldmark) und mit dem Klövensteen auch ein größeres Waldgebiet aufweist.
Geschichte
Anfänge mini|„Landtcarte von dem Fürstenthumbe Stormarn, anno 1650“ von Johannes Mejer mit Altenah
Die erste urkundliche Erwähnung Altonas galt im Jahr 1537 der Krugwirtschaft des Fischers Joachim vom Lohe, noch unter dem Namen „Altena“.Helmuth Thomsen: Hamburg-Altona. In: Olaf Klose (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 1: Schleswig-Holstein und Hamburg. 3., verbesserte Auflage. Kröner, Stuttgart 1976, ISBN 3-520-27103-6, S. 93. Namensgleichheit mit Altena. Um den Krug entstand Altona als Fischer- und Handwerkersiedlung, die im Sinn des Merkantilismus von den Landesherren, den Grafen von Holstein-Pinneberg, gefördert wurde.
Die Ansiedlung lag wohl am Geesthang zwischen dem späteren Nobistor und dem Altonaer Fischmarkt im Bereich der heutigen Straße Pepermölenbek. Der Name könnte sich laut Richard Ehrenberg davon ableiten, dass der Ort nach Ansicht des Hamburger Rates „all to nah“ (‚allzu nah‘) an der Stadtgrenze lag.Richard Ehrenberg: Altona unter Schauenburgischer Herrschaft.Ehrenberg: Der Name der Stadt „Altona“. In: Mitteilungen des Verein für Hamburgische Geschichte, S. 376 (Verteidigungsschrift); .
Zum Teil auf Altonaer Boden lag eine kleine Siedlung am Pepermolenbach, die 1310 in einer Urkunde des Klosters Herwardeshude erwähnt ist. In dieser Urkunde ist auch erstmals von Ottenhusen die Rede, zu dessen 1390 entstandener Vogtei Altona später gehörte.
Daneben gibt es spärliche Hinweise auf mögliche frühere Ansiedlungen im heutigen Bahrenfeld zwischen Schnackenburgallee und Altonaer Volkspark. So wurde – allerdings nicht durch Schriftquellen oder Bodenfunde belegt – aus der Ortsbezeichnung „Winsberg“ bzw. der Straße „Winsbergring“ und der Straße „Hellgrundweg“ ein Zusammenhang mit Odin/Wotan und „Hel“ sowie daraus folgend die Existenz von germanischen Opferstätten abgeleitet.
Frühe Neuzeit Von Anfang an kam es zwischen Hamburg und Altona zu Auseinandersetzungen über Weide- und Münzrechte, Zunft- und Glaubensfragen und die Nutzung der Elbe. 1591 brach ein Grenzkrieg aus, der auch vor dem Reichskammergericht ausgetragen wurde und erst 1740 durch einen Vergleich endete. Ebenso akzeptierte Hamburg Altonas Stadtprivileg von 1664Siehe die Stadtrechte auf Wikisource erst 1692 (Kopenhagener Rezess).
Die religiöse Toleranz hat in Altona eine längere Tradition als in Hamburg. Der protestantische Landesherr Graf Ernst von Schauenburg und Holstein-Pinneberg, der von 1601 bis 1622 regierte, förderte Altona durch großzügige Privilegienverleihung. Bereits 1601 erhielten die aus den südlichen Niederlanden geflohenen Reformierten und Mennoniten das Privileg der freien Religionsausübung. Beide Religionsgemeinschaften bilden noch heute Gemeinden in Hamburg-Altona. 1658 bekam auch die katholische Gemeinde das Privileg der Glaubensfreiheit.
mini|Die Palmaille (2005) – fast wie vor 370 Jahren
Im Dreißigjährigen Krieg geriet Altona in die Auseinandersetzungen zwischen Dänemark und Hamburg. In dieser Zeit hatte Altona unter den dänischen Soldaten schwer zu leiden, und im August 1628 starben in der Stadt pro Woche etwa 140 Menschen durch die Pest. Andererseits wurde in den Jahren 1638 bis 1639 eine prachtvolle Allee angelegt, die Palmaille. Zum Schutz der Bevölkerung vor Horden von marodierenden ehemaligen Landsknechten genehmigte Graf Otto V. von Schauenburg und Holstein-Pinneberg dem Ort 1639 die Gründung einer „Schützencompagnie“ als Bürgerwehr und Brandgilde. Später bekam sie den Namen Altonaer Schützengilde von 1639, unter dem die Gilde bis heute existiert (seit 1864 allerdings als privater Verein). 1644/45 geriet Altona vorübergehend in schwedischen Besitz.
Nach dem Aussterben der schauenburgischen Linie Holstein-Pinneberg 1640 fiel Altona als Teil der Herrschaft Pinneberg an den dänischen König, der es zusammen mit dem ebenfalls kaiserlichen Lehen Holstein in Personalunion als Herzog regierte. Daher blieb Altona zwar bis 1806 Teil des Heiligen Römischen Reichs und ab 1815 des Deutschen Bundes, stand aber bis 1864 unter dänischer Verwaltung mit sich daraus ergebenden Angleichungen wie z. B. des geltenden Zollrechts und der Währung.
Am 23. August 1664 verlieh der dänische König Friedrich III. Altona die Stadtrechte; dieses Privileg umfasste unter anderem Zoll-, Stapel- und Gewerbefreiheiten sowie Gerichtshoheit. 1683 wurde eine städtische Lateinschule gegründet, die 1738 zum Gymnasium erweitert wurde, das unter dem Namen Christianeum heute noch besteht. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurden hier auch zahlreiche Schüler aus Altonas jüdischen Familien aufgenommen.
Altona entwickelte sich noch im 17. Jahrhundert zu einem wichtigen Pressestandort, wegen der im Vergleich zu Hamburg größeren Toleranz der Obrigkeit. Es erschienen hier renommierte und langlebige Zeitungen wie insbesondere der Altonaische Mercurius (1698–1874) und der (Altonaische) Reichs-Post-Reuter (1699–1789).
Während der dänischen Belagerung Hamburgs (1686) wurde Altona durch Hamburger Artilleriebeschuss stark zerstört.
18. Jahrhundert mini|Schwedenbrand 1713 mini|Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof an der Königstraße mini|Der nördliche eiserne Pfeiler des Nobistors (etwa 1845) an der Grenze zur Hamburger Reeperbahn mini|Stadtplan von Altona aus dem Jahre 1770
Mit rund 12.000 Einwohnern 1710 und rund 24.000 Einwohnern 1803 war Altona nach Kopenhagen die zweitgrößte Stadt innerhalb des dänischen Gesamtstaates.
Der Magistrat der Stadt Altona wurde durch einen vom dänischen König eingesetzten Oberpräsidenten geleitet.
Im Zuge des Großen Nordischen Krieges ließ der schwedische General Stenbock im Januar 1713 die Stadt, im Osten beginnend, planmäßig Haus für Haus in Brand setzen. Etwa 60 % der Gebäude wurden zerstört, weshalb außer der Straßenanlage der Palmaille so gut wie nichts mehr an das Altona vor dem „Schwedenbrand“ erinnert.
Der im selben Jahr zum Oberpräsidenten ernannte Christian Detlev von Reventlow gilt als Neugründer der Stadt; u. a. erwirkte er beim König weitgehende Rechte zu ihrem Wiederaufbau. Ihm unterstanden auch Ottensen und Neumühlen. Mit Claus Stallknecht, der nahe dem Nobistor auch das Alte Rathaus (Amtssitz bis 1898, zerstört 1943) errichtete, wurde ein eigener Stadtbaumeister bestellt. Die Zeit vom Wiederaufbau bis zur Kontinentalsperre (1807) wurde von den Chronisten als „goldene Epoche“ Altonas bezeichnet.
Im späten 18. Jahrhundert entwickelte sich Altona zu einem Zentrum der Aufklärung in Norddeutschland, personifiziert insbesondere ab 1757 in dem sozialreformerischen Stadtphysikus und Armenarzt Johann Friedrich Struensee, der ab 1769 zunächst als Leibarzt des dänischen Königs Christian VII. wirkte, dann als geadelter Geheimer Kabinettsminister innerhalb von nur 16 Monaten mehrere hundert Gesetze und Verordnungen zur Modernisierung des Staates Dänemark erließ. Struensee wurde von den ihres Einflusses beraubten Vertretern der „alten Ordnung“ nach einem Schauprozess 1772 in Kopenhagen hingerichtet. In Altona erinnerte eine kupferne Gedenktafel an einem Haus in der Kleinen Papagoyenstraße an ihn. Das Haus hatte wie die anderen Häuser der Straße den Schwedenbrand überstanden, wurde jedoch im Sinne nationalsozialistischer Stadtsanierung 1937 abgebrochen.
Altona hat sich zu allen Zeiten als „offene Stadt“ verstanden, wie es das Wappen mit dem geöffneten Tor symbolisiert; politisch oder religiös Verfolgte ebenso wie Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen anderswo nicht geduldet wurden, finden hier Aufnahme: holländische Reformierte, Hugenotten, Mennoniten, Juden, unzünftige Handwerker, von den napoleonischen Besatzern vertriebene mittellose Bewohner Hamburgs (Winter 1813/14), aber auch längst vergessene Sekten wie Adamiten oder Gichtelianer. Sie genossen die geistigen wie ökonomischen Freiheiten, die „Hamburgs schöne Schwester“ ihnen bot und trugen ihrerseits vielfach zur Entwicklung der Stadt bei. Die jüdischen Begräbnisplätze oder die Straßennamen Kleine bzw. Große Freiheit veranschaulichen dieses Klima der Toleranz in Altona auch auf dem Stadtplan. Diese Straßen wurden 1938 dem Stadtteil St. Pauli zugeordnet. Bereits ab 1718 war mit dem Bau der katholischen St.-Josephs-Kirche begonnen worden.
mini|Schlachterbudentor 1890
Entsprechend sind auch die sechs Stadttore, die seit 1740 Altona von Hamburgs Vorstadt „Hamburger Berg“ (heute St. Pauli) trennten, eher offene Grenzmarkierungen: vom Elbufer aufwärts Pinnas-, Schlachterbuden-, Trommel-, Nobis-, Hummeltor sowie der namenlose nördlichste Durchgang in der Nähe der Straße Beim Grünen Jäger. An der südlichen Lage der fünf benannten Tore lässt sich gut erkennen, dass Altona selbst im 18. Jahrhundert noch überwiegend elbnah bebaut war.
1742/43 wurde die Hauptkirche St. Trinitatis errichtet. Die Monogramme der beiden dänischen Könige Christian V. und Christian VI. an den Sandsteinportalen zeigen, welche Bedeutung der großen neuen Hauptkirche beigemessen wurde. Schon seit 1694 stand vor einer älteren Kirche ein neuer Turm. Der Altonaer Zimmermeister Jacob Bläser hatte ihn errichtet und mit einem geschwungenen Turmhelm in holländischer Manier bekrönt. Für Altona wurde er zum Wahrzeichen, und natürlich sollte er auch den Hamburger Türmen Konkurrenz machen. Als die alte Kirche baufällig geworden war, erhielt der holsteinische Baumeister Cay Dose den Auftrag für den Kirchenneubau. Dose plante die neue große Kirche auf einem kreuzförmigen Grundriss im Anschluss an den Bläserschen Turm.