Der Landkreis Rosenheim liegt in Oberbayern. Mit seinen über 255.000 Einwohnern ist der Landkreis Rosenheim nach dem Landkreis München und dem Landkreis Augsburg der nach Einwohnerzahl drittgrößte Kreis in Bayern und flächenmäßig nach Traunstein der zweitgrößte in Oberbayern. Die Kreisstadt Rosenheim wird ganz vom Landkreis umschlossen, gehört als kreisfreie Stadt selbst aber nicht dazu und ist in den einzelnen Daten des Landkreises deshalb auch nicht enthalten.

Zum Landkreis Rosenheim gehören die Städte Kolbermoor, Bad Aibling und Wasserburg am Inn sowie 43 weitere Gemeinden.

Der Landkreis ist Teil der Euregio Inntal und wird innerhalb Bayerns nach Auflösung des Chiemsee-Tourismusverbands (1912–2009) als eigenständige Tourismusregion „Chiemsee-Alpenland“ ausgewiesen.

Geographie mini|Luftaufnahme des Rosenheimer Landes gegen die Alpen in Richtung Südosten

Lage Der Landkreis liegt im Alpenvorland sowie im bayerischen Teil des Unterinntals. Die vom würmeiszeitlichen Inngletscher hinterlassene Moränenlandschaft weist viele Seen auf. Die im Tegernsee entspringende Mangfall fließt bei Rosenheim in den Inn. Zum Kreisgebiet gehören ein kleiner Teil des Chiemsees (Schafwaschen) und die Chiemseeinseln Frauen- und Herrenchiemsee. Der weitaus größte Teil des Chiemsees, auch der die Inseln umgebende Teil, gehört zum Nachbarlandkreis Traunstein. Im Süden liegen das Mangfallgebirge (der Wendelstein ist mit 1838 m die auffälligste (aber nicht höchste) Erhebung im Landkreis) und die Chiemgauer Alpen. Der höchste Berg ist der Große Traithen mit 1852 m.

Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Westen beginnend an die Landkreise Miesbach, München, Ebersberg, Mühldorf am Inn und Traunstein. Im Süden grenzt er an den Bezirk Kufstein im österreichischen Bundesland Tirol.

Schutzgebiete Im Landkreis gibt es 13 Naturschutzgebiete (zusammen mit der Stadt Rosenheim), 34 Landschaftsschutzgebiete, 23 FFH-Gebiete und mindestens 34 vom Bayerischen Landesamt für Umwelt ausgewiesene Geotope (Stand April 2016).

Siehe auch Liste der Naturschutzgebiete in der Stadt und Landkreis Rosenheim Liste der Landschaftsschutzgebiete im Landkreis Rosenheim Liste der FFH-Gebiete im Landkreis Rosenheim Liste der Geotope im Landkreis Rosenheim Liste der Landschaftsschutzgebiete in Rosenheim Liste der FFH-Gebiete in der Stadt Rosenheim

Geschichte Bis 1800 Im 1. Jahrhundert befand sich bei Rosenheim eine Brücke über den Inn (lateinisch „Aenus“), der die Grenze zwischen den römischen Provinzen Raetien und Noricum bildete. Diese Brücke, lat. Pons Aeni (übersetzt „Innbrücke“), und die zugehörige römische Siedlung lag wohl bei Pfaffenhofen am Inn.Jörg Faßbinder, Martin Pietsch: Dem Töpfervicus von Pons Aeni auf der Spur – Geophysikalische Prospektion in Pfaffenhofen a. Inn. In: Das Archäologische Jahr in Bayern 2004 (2005), S. 100–102; hier: S. 102. Im zwölften Jahrhundert ging das Gebiet in den Besitz der Wittelsbacher über, die alten Stammesherzogtümer wurden durch die landesherrlichen Gerichte und Ämter ersetzt.

Landgerichte 1803 wurde das Landgericht Aibling errichtet, doch bereits 1807 wieder aufgelöst. Gleichzeitig wurde das Landgericht Rosenheim neu umschrieben. Ferner gab es im Norden des heutigen Landkreises das Landgericht Wasserburg. Alle Landgerichte gehörten ab 1810 zum Isarkreis, der 1838 in Oberbayern umbenannt wurde. Neben den Landgerichten gab es im heutigen Kreisgebiet noch Herrschafts- bzw. Patrimonialgerichte und Hofmarken, die erst 1848 aufgelöst wurden. 1838 wurde das Landgericht Aibling wieder errichtet. Ferner entstand das Landgericht Haag. 1853 wurde das Landgericht Prien anstelle des 1848 aufgelösten Gräfl. Preysing'schen Herrschaftsgerichts errichtet.

Bezirksämter Im Jahr 1862 bildeten die Landgerichte Rosenheim, Prien und Aibling das Bezirksamt Rosenheim als Verwaltungsbehörde unter einem „Kgl. Bezirksamtmann“. Die Landgerichte Wasserburg und Haag bildeten das Bezirksamt Wasserburg. Im Jahr 1864 erhielt die Gemeinde Rosenheim durch den Bayerischen König Ludwig II. die Stadtrechte. Am 1. April 1870 wurde sie eine kreisunmittelbare Stadt.

Am 1. Januar 1900 wurde für den Raum Bad Aibling ein eigenes Bezirksamt errichtet. Dafür gab das Bezirksamt Rosenheim 22 Gemeinden ab, bekam jedoch die vier Gemeinden Breitbrunn, Chiemsee, Gstadt und Eggstätt des Bezirksamtes Traunstein.

Landkreise Bad Aibling, Rosenheim und Wasserburg Am 1. Januar 1939 wurde wie sonst überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. So wurden aus den Bezirksämtern die Landkreise Bad Aibling, Rosenheim und Wasserburg.

Am 1. Juli 1967 wurde die Gemeinde Happing in die Stadt Rosenheim eingemeindet.

Landkreis Rosenheim nach der Gebietsreform mini|Kolbermoor ist die größte Stadt im Landkreis Rosenheim Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Juli 1972 der Landkreis Rosenheim deutlich vergrößert. Neu zum Landkreis kamen alle Gemeinden des aufgelösten Landkreises Bad Aibling bis auf die Gemeinde Helfendorf, die zum Landkreis München kam, und die Stadt Wasserburg am Inn sowie die Gemeinden Albaching, Amerang, Attel, Babensham, Edling, Eiselfing, Griesstätt, Kling, Pfaffing, Ramerberg, Rott am Inn, Schonstett und Soyen aus dem aufgelösten Landkreis Wasserburg am Inn. Das restliche Gebiet des Landkreises Wasserburg kam zu den Landkreisen Mühldorf am Inn, Erding und Ebersberg.Verordnung zur Neugliederung Bayerns in Landkreise und kreisfreie Städte vom 27. Dezember 1971.

Am 1. Mai 1978 wurden die Gemeinde Aising und wesentliche Teile der aufgelösten Gemeinden Pang und Westerndorf St. Peter, das am 26. September 1951 umbenannt wurde (vorher: Westerndorf), in die Stadt Rosenheim eingemeindet. Gleichzeitig wurde der größte Teil der Gemeinde Lampferding aus dem Landkreis Ebersberg nach Tuntenhausen im Landkreis Rosenheim eingegliedert.

Einwohnerentwicklung rechts|mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Rosenheim (Datenquelle: Zensus 2011 Datenbank Zensus 2011, Kreis Rosenheim, Alter und Geschlecht.)

Der Landkreis Rosenheim gewann von 1988 bis 2008 fast 53.000 Einwohner hinzu bzw. wuchs um rund 27 %. Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Landkreis von 195.417 auf 260.983 um 65.566 Einwohner bzw. um 33,6 %.

Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf den Gebietsstand vom 25. Mai 1987: Bevölkerungsentwicklung Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2025 Einwohner 52.966 76.095 104.061 151.937 143.825 158.819 190.104 210.510 224.712 236.480 247.057 249.772 256.074 261.721 258.824

Politik Kreistag Die Kreistagswahl 2026 führte zu folgendem Ergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften 2026 2020 2014 2008 20021996 % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CSU Christlich-Soziale Union in Bayern 35,2 25 37,2 26 46,9 33 47,5 34 56,9 41 52,1 38 AfD AfD Bayern 14,1 10 6,4 4 – – – – – – – – Grüne Grüne Bayern 13,6 9 19,4 14 12,1 9 11,2 8 6,8 4 8,3 6 FW Freie Wähler Bayern 13,2 9 11,0 8 8,2 6 – – – – – – Pf/ÜWG Parteifreie/Überparteiliche Wählergemeinschaft 7,1 5 8,3 6 8,3 6 – – – – – – SPD SPD Bayern 7,1 5 7,1 5 11,7 8 14,1 10 16,6 12 16,7 12 Linke Die Linke Bayern 3,5 2 – – – – – – – ––– ÖDP/PU Ökologisch-Demokratische Partei/Parteifreie Umweltschützer 2,6 2 3,8 3 4,8 3 4,6 3 3,7 3 3,5 2 BP Bayernpartei 2,3 2 3,4 2 4,7 3 2,9 2 1,9 1 2,5 1 FDP FDP Bayern 1,3 1 1,9 1 1,5 1 3,1 2 2,1 1 2,2 1 LMPPV Die Linke Bayern/mut/Piratenpartei/Die PARTEI/V-Partei³ – – 1,5 1 – – – – – – – – REP Die Republikaner – – – – 1,8 1 3,4 2 3,2 2 5,2 3 FW/ÜWG Freie Wähler Bayern/Überparteiliche Wählergemeinschaft – – – – – – 13,0 9 8,9 69,57 gesamt 100,0 70 100,0 70 100,0 70 99,8 70 100,1 70 100,0 70 Wahlbeteiligung 65,7 % 61,3 % 56,2 % 62,1 % 63,7 % 67,5 %

Bezirksamtsvorstände (bis 1938) und Landräte (ab 1939) hochkant|mini

1913–1921: Josef Baur 1921–1933: Wilhelm Roth 1933–1936: Pankraz Habruner 1936–1942: Fritz Schorz (NSDAP) 1942–1945: Hermann Lippert (NSDAP) 1946–1948: Pankraz Habruner 1948–1978: Georg Knott (Bayernpartei) 1978–1984: Josef Neiderhell sen. (CSU) 1984–2008: Max Gimple (CSU) 2008–2014: Josef Neiderhell jun. (CSU) 2014–2020: Wolfgang Berthaler (CSU) ab 1. Mai 2020: Otto Lederer (CSU)

Wappen

Wirtschaft und Infrastruktur Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Rosenheim Platz 63 von 402 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Orten mit „hohen Zukunftschancen“. In der Ausgabe von 2019 lag er auf Platz 84 von 401.

Die Einkommensteuerkraft je Einwohner lag im Jahr 2004 bei 279 Euro (Bundesdurchschnitt 216 Euro). Die Kaufkraft je Einwohner im Jahr 2005 lag bei 8.890 Euro (Bundesdurchschnitt 8.523 Euro). Im Juli 2020 lag die Arbeitslosigkeit im Landkreis bei 3,2 % und damit erheblich unter dem Bundesdurchschnitt.Statistik der Bundesagentur für Arbeit

Die bewirtschaftete Fläche dient vor allem der Milchviehhaltung. In Kolbermoor, Wasserburg und Raubling sind größere Industriebetriebe angesiedelt.

Der Chiemgau und das Inntal sind Fremdenverkehrsgebiete; große Kur- und Rehabilitationseinrichtungen befinden sich in Bad Aibling, Bad Feilnbach, Bad Endorf, Bernau a. Chiemsee, Prien und Vogtareuth.

Tourismus Der Landkreis Rosenheim war gemeinsam mit dem Landkreis Traunstein Mitglied im Chiemsee-Tourismusverband (1912–2009), dessen Auflösung Ende 2009 mit großer Mehrheit beschlossen wurde. Die damaligen Landräte der beiden Landkreise vertraten im Gegensatz zu vielen Traunsteiner Gemeinden die Ansicht: „Jeder Landkreis soll mit einem eigenen Verband um die Touristen werben.“ Somit sind seit dem 1. Januar 2010 die Gemeinden des Rosenheimer Landkreises im Chiemsee Alpenland-Verband organisiert, die des Landkreises Traunstein im Chiemgau-Verband.Chiemsee Tourismusverband: Kein Jubiläum, aktualisierte Meldung vom 16. Dezember 2009, online unter chiemgau24.de.

In der Folge werden der Landkreis Rosenheim und die kreisfreie Stadt Rosenheim innerhalb Bayerns nun als eigenständige Tourismusregion „Chiemsee-Alpenland“ ausgewiesen,Bayerisches Landesamt für Statistik: Tourismusregionen in Bayern Stand: 1. Januar 2017, online unter statistik.bayern.de die u. a. mit eigener WebpräsenzWebpräsenz der „Chiemsee-Alpenland Tourismus GmbH & Co. KG“ beworben wird. Diese Tourismusregion ist jedoch trotz ihrer Bezeichnung nur in Teilen deckungsgleich mit der gleichnamigen Kulturlandschaft Chiemgau.

Touristische Basisdaten angebotene Betten (gewerbliche Betriebe und Camping): 14.618 geöffnete Beherbergungsbetriebe (gewerbliche Betriebe und Camping): 374 Übernachtungen (2018): ca. 3,5 Mio. Campingplätze: 16 Heil- und Kurbäder: 3, sowie 1 Kneipp- und 6 Luftkurorte Almen und Berggasthöfe: rund 60 Hotels: ca. 200 Quelle: Statistisches Landesamt

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Schloss Herrenchiemsee Fraueninsel mit Münster Historische Stadt Wasserburg in der Innschleife Historisches Dorf Neubeuern Wendelsteinbahn, älteste Hochgebirgsbahn Deutschlands Ältestes Naturschutzgebiet Bayerns: Eggstätt-Hemhofer Seenplatte Ältestes Moorbad Bayerns in Bad Aibling Höchstes Gipfelkreuz der Bayerischen Alpen: Kampenwand (12 Meter hoch) Ältestes Volkstheater Deutschlands: Ritterschauspiele Kiefersfelden (seit 1618)

Schienenverkehr mini|hochkant|Nachbarlandkreise des Landkreises Rosenheim Die Stadt Rosenheim ist ein wichtiger Eisenbahnknoten im Voralpenland, der schon 1857 durch die Bayerische Maximiliansbahn mit München über Holzkirchen und Bad Aibling verbunden wurde (Mangfalltalbahn). Sie wurde noch im selben Jahr über Kiefersfelden nach Kufstein in Tirol weitergeführt. Seit 1860 besteht auch die Strecke über Prien, Traunstein und Freilassing nach Salzburg.

Erst 1871 eröffnete die Bayerische Staatsbahn die Direktverbindung von München über Grafing nach Rosenheim und von hier 1876 die Bahn innabwärts über Wasserburg nach Mühldorf. In Wasserburg Bf zweigten seit 1902 die Verbindungsbahn nach Wasserburg Stadt und seit 1905 die Strecke nach Ebersberg ab.